Deutschland-Reisebericht :Auf krummen Wegen ins krumme Elsaß

Freund Erich wollte in September eine letzte Tour nach Luxemburg machen und dann saaraufwärts ins "krumme Elsaß". Hast Du davon schon mal gehört? Soll Fahrradland pur sein.
Da fahr ich mit !

Schneifel bei Tauwetter...

Wenn ich schon mal an die Mosel fahre, dann kann ich eigentlich einmal den Kylltalradweg kennenlernen. Der führt von Gerolstein nach Trier durch eine Schlucht parallel zur Bahnstrecke. Da kann es eigentlich nur bergab gehen, also starte ich einen Tag früher als mit Erich verabredet nach Gerolstein, um mal einen richtig schönen deutschen asphaltierten Radwanderweg auszuprobieren.
Gleich morgens dämmern mir meine Schulkenntnisse. Wir hatten doch gelernt, dass die Eifel immer den ersten und meisten Regen von der Nordsee abbekommt. Es regnet den ganzen Tag, der Wind kommt von vorn und auf dieser Höhe ist es für September schon verdammt kalt.
Aber nun muß ich durch, ich bin ja in Luxemburg verabredet.

Gut ausgeschildert ist der Weg, aber teils läuft er auf der Straße, teils an der Bahn entlang, teils ist er gesperrt, dann muß man den Anschluß suchen.

Gut ausgeschildert ist der Weg, aber teils läuft er auf der Straße, teils an der Bahn entlang, teils ist er gesperrt, dann muß man den Anschluß suchen.

Ob die Gegend schön ist, wird man mich hinterher fragen. Da werde ich nichts dazu sagen können, die Sicht beträgt nur 200 Meter und wenn mich ein Auto überholt hat, nur 50 Meter. Jetzt zählt nur: in Bewegung bleiben, damit man nicht auch noch auskühlt.

Feine Sache, durch den Berg durchfahren zu können anstatt darüber strampeln zu müssen. Und im Tunnel tropft es auch weniger !

Feine Sache, durch den Berg durchfahren zu können anstatt darüber strampeln zu müssen. Und im Tunnel tropft es auch weniger !

Nach etwa 20 Kilometern, in Kyllburg, teilt sich der Weg, weil die Radstecke durch einen Eisenbahntunnel noch nicht fertiggestellt ist. Entweder den nächsten Zug nach Bitburg-Erdorf nehmen oder schnell mal über den Berg weg radeln. Ich entscheide mich fürs Radeln, um warm zu werden.

Das geht auch, dauert aber länger. Ich werde auch warm - bis oben. Dann gehts es gegen Wind und Regen wieder runter und in Erdorf ist mir wieder so kalt wie vor einer Stunde. Ich könnte nun den nächsten Zug nach Trier nehmen, um von dort zu unserem Verabredungspunkt weiterzufahren. Aber in nassen Sachen im Zug zu sitzen ist der sicherste Weg, sich eine Erkältung einzufangen.

Auf meiner Karte sehe ich, dass von hier die nächste Jugendherberge in Echternach in Luxemburg ist. Über Bitburg nur 32 km! Es gibt sogar einen ausgeschilderten Radweg bis Bitburg, der auf allen möglichen und unmöglichen Umwegen bergauf führt, durch schöne Gegend im Wald, aber dann über kahle Höhen, auf denen mir Wind und Regen um die Ohren pfeifen. In Bitburg sind alle Straßen menschenleer, ich finde den Anschußradweg zunächst nicht, zur Mittagsstunde ist der Touristenbüro geschlossen - der Tiefpunkt des Tages!
Nach ein paar Irrfahrten auf Umgehungsautostraßen bekomme ich den Nimstalradweg zu fassen, eine stillgelegte Bahntrasse, gut asphaltiert und immer geradeaus in die gewünschte Richtung. Da macht das Radeln fast schon wieder Spaß - aber das kommt wohl von der Vorfreude auf eine abendliche warme Dusche.
Die finde ich dann auch in einer ganz modernen Jugenherberge am Rand von Echternach in einem Freizeitpark. Morgen sind es nur noch 30 km geradeaus bis Grevenmacher (Lux) und Nittel auf deutscher Seite.

Die fahre ich dann in herbstlichem Morgennebel, aber der direkte Weg führt über alle dazwischenliegenden Berge. Auf diese Weise habe ich mit Kälte nicht mehr zu kämpfen. Als ich Erich abends treffe, haben wir beide fast dieselbe Unternehmungslust. Die brauchen wir jetzt auch, denn Erich hat die Tour duch Luxemburg genau vorgeplant und uns jede Nacht schon in einer Jugendherberge angemeldet.

© Manfred Sürig, 2014
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 14.09.2013
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 27.09.2013
Reiseziele: Deutschland
Luxemburg
Frankreich
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad