Deutschland-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Nach der Reise

Es kommt immer anders, als man sich es vorher vorgestellt hat. Das hat sich auf unseren Reisen schon mehrfach bestätigt, so auch auf dieser Reise. Man muß Vorurteile revidieren, sieht Land und Leute danach aus anderem Blickwinkel als vorher. Über viele Länder findet in den deutschen Massenmedien eine Berichterstattung gar nicht, oder nur sehr selten und dann auch nur tendenziell statt. Wann und wie oft hat man zuletzt über Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien etwas gehört, gesehen, gelesen? Und dann was?

Nun, mit unserer vierwöchigen Wohnmobilreise konnten wir uns natürlich auch kein allumfängliches Bild machen, aber man gewinnt doch zumindest einige kleine Einblicke. Fasziniert hat uns die immer noch herrschende Aufbruchstimmung in Albanien und auch in Bosnien-Herzegowina, die Kreativität der Menschen, die versuchen mit den Ihnen im Augenblick zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste für sich zu erreichen. Auch, wenn das augenscheinlich nicht immer ganz einfach ist.

So ist Kroatien mit seinem Massentourismus schon längst bei mitteleuropäischem Niveau angelangt. Mit den bekannten Konsequenzen: Völlig überlaufenen touristisch gut vermarkteten Zielen in der Küstenregion und um die Plitwitzer Seen. Das bringt oftmals hohe Preise und schlechten Service mit sich. Da spielt sicherlich auch die Nähe zu Österreich und Deutschland eine große Rolle.
Weiter südlich wird es wesentlich entspannter. Schon Montenegro ist nicht so überlaufen. In Albanien steigt die Servicequalität gegenüber uns Wohnmobilisten auf ein von uns nicht erwartetes, sehr wohltuendes Niveau. Wir waren sehr erstaunt, auf den albanischen Camping- und Wohnmobilplätzen durchweg ein weitaus höheren Standart vorzufinden, als bei den von uns in Griechenland angelaufenen Plätzen.
Die Naturschönheiten und der Küstenstrich Albaniens haben sicherlich andere Reize als in Kroatien oder Griechenland, aber ebenbürtig sind sie allemal und das Wetter sowieso. Nur die schönen lebendigen Altstädte der ex-jugoslawischen Länder Kroatien, Bosnien Herzegowina, oder Montenegro wird man in Albanien vergeblich suchen. Sie sind fast alle der kommunistischen Ära zum Opfer gefallen. Da muß man auf die antiken Stätten ausweichen, die in der Küstenregion in ähnlicher Dichte wie in Griechenland zu besichtigen sind.

Der große Bauboom in Albanien scheint etwas abgeebbt zu sein. Viele Neubauten stehen halbfertig ohne Aussicht auf Weiterbau. Schwarzbauten, schon wieder halb abgerissen, verschandeln die Landschaft. Auch beim Straßenbau ist man Augenscheinlich auf die Bremse getreten: Wir haben einige Straßengroßobjekte entdeckt, die angefangen in der Landschaft zu besichtigen sind. So zum Beispiel die Autobahn um Fier oder die Umgehung von Shkodra, die anscheinend nicht weitergebaut werden

Gut gegessen und getrunken haben wir in allen Ländern. Besonders in Erinnerung bleibt uns der frische Fisch aus dem Oridsee mit Knoblauchöl auf dem Gartengrill zubereitet und mit geröstetem Weißbrot serviert.
Am unteren Ende der Skala im Preis-Leistungsverhältnis müssen wir das Essen in realsozialistischem Ambiente der 70er Jahre, genossen in der Großgastronomie der Plitwitzer Seen in Kroatien einordnen. Es war auch noch gut genießbar, aber wir haben in den vier Wochen jede Menge Raffinierteres und liebevoller Zubereitetes zu uns genommen.

Am wichtigsten waren uns aber die vielen persönlichen Gespräche die uns einen kleinen Einblick in den Alltag der Menschen in den jeweiligen Ländern ermöglichten. Erstaunlich für uns die Offenheit unserer Gesprächspartner auch in sehr persönlichen Dingen. So zum Beispiel eine sehr lange Unterhaltung über die Auswirkungen der Finanzkrise auf zwei Generationen einer griechischen Familie. Oder die Erzählung eines albanischen jungen Mannes über die Gründe für sein viele Jahre andauerndes Leben in der Illegalität in Deutschland.
Wirklich betroffen gemacht hat uns die sehr sparsame Schilderung eines Kroaten über die Folgen seiner traumatischen Erlebnisse im Bürgerkrieg.

Frank
im Oktober 2017

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 16 Monaten auf umdiewelt.