Frankreich-Reisebericht :Frankreich-Reise: Burgund, Franche-Comte/Jura, Auvergne, Roussillon, Languedoc

Reisebericht von Anke Schlingemann & Detlef Hälker. Einige Stationen: Burgund:Abbaye de Fontenay,Vezelay,Auxerre,Dijon,Autun, Beaune.Jura/Franche-Comte :Dole,Poligny,Reculee des Planches,Arbois,Cirque de Baume,Source de la Loue,Bourges.Auvergne:Puy de Dom,Puy de Sancy.Midi-Pyrenäen:Albi,Cordes-sur-Ciel.Roussillon:Cote Vermeille,Figueres,Le Perthus,Pic du Canigou,Peyrepertuse,Carcassonne.Languedoc:Grotte des Demoiselles,Cirque des Navacelles,Grotte Aven Armand,Chaos de Montpellier-le-Vieux,...

Burgund:Fontenay, Vezelay, Dijon, Beaune,...

Samstag, 21.06.2003 Bonn - Chatillon-sur-Seine* - Ancy-le-Franc**

Die erste Streckenetappe von Berlin nach Bonn haben wir bereits gestern vollbracht, so dass wir gegen Mittag von Bonn aus starten. Unser erstes Ziel ist der kleine Burgund-Ort Ancy-le-Franc**, etwa 70 km von Dijon entfernt. Die knapp 600 km lassen sich in fünf Stunden gut bewältigen, erst kurz vor Dijon müssen wir die Autobahn verlassen. Auf den letzten 100 km Landstraße, die uns durch einige verschlafene kleine Orte führen, stellt sich nun so langsam das Urlaubsgefühl ein.

In Chatillon-sur-Seine* halten wir, um für unser für den Abend geplantes Picknick einzukaufen.

Chatillon-sur-Seine

Chatillon-sur-Seine

Ein kleiner, aber hübscher und gepflegter Ort (selbst an Laternen und Brückengeländern wurden blühende Blumen arrangiert), durch den die kanalisierte (hier sehr schmale) Seine fließt; selbstverständlich hat Chatillon eine eigene Burganlage.

Die letzten rund 30 km legen wir voller Vorfreude auf unser Quartier zurück. Als wir ankommen, werden unsere Erwartungen noch übertroffen. Das "Chateau les Charmees" (www.lescharmees.ch/index.htm) ist ein altes Schloss, das von drei Schweizer Schwestern als Chambre d´hote liebevoll betrieben wird. Gästen steht das ganze, in seinem ursprünglichen Zustand erhaltene Schloss mit Spielsalon, Musikzimmer, Esszimmer, Frühstückszimmer, etc. sowie dem 52 ha großen Grundstück zur Verfügung. Die sechs Gästezimmer sind ebenso Original belassen, wie das romantische Holzbank-Klo, auf dem man in der Gäste-Etage "thronen" kann. Wir beziehen die Suite 2, auch als "Catherine Deneuve Suite", bekannt, denn hier hatte vorgenannte im August 2000 residiert. Ein ca. 80 qm-großes Zimmer mit alten Möbeln, Stofftapeten und einer freistehenden Badewanne im dazu gehörenden Badezimmer.

Gastfreundlich werden wir mit einem Begrüßungsschlückchen willkommen geheißen. Mit Blick auf das Schloss genießen wir unser Picknick und können uns für den Moment nichts Schöneres vorstellen.

Sonntag, 22.06.2003 Abbaye de Fontenay*** - Vezelay** - Auxerre** - Tanlay

Nach einem typisch französischen Frühstück beginnen wir bester Laune unseren Urlaub. Als wir die 35 km entfernt liegende Abbaye de Fontenay*** erreichen, zweifeln wir beinahe an den Öffnungszeiten, denn morgens um 10:00h ist die Abbaye noch weitgehend ausgestorben.

Abbaye de Fontenay / Zisterzienser-Kloster

Abbaye de Fontenay / Zisterzienser-Kloster

Von der Anlage, die aus dem 11. Jh. stammt, sind wir absolut begeistert. Das Zisterzienser-Kloster, das früher bis zu 300 Mönche beherbergt hat, wurde 1790 aufgelöst und als Nationalbesitz verkauft. 1820 wurde es von einem Nachfahren des Heißluftballon-Erfinders Montgolfier erworben und zu einer Papierfabrik umgewandelt.
Glücklicherweise kaufte ein Lyoneser Bankier seinem Schwiegervater 1906 die Abtei wieder ab und brachte sie mit aufwändigen Renovierungsarbeiten in den Urzustand zurück; 1981 wurde die Anlage von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Abbaye de Fontenay / Zisterzienser-Kloster

Abbaye de Fontenay / Zisterzienser-Kloster

Die Besichtigung gehört zu den absoluten Highlights einer Burgundreise. In der schmucklosen Abteikirche befindet sich eine berühmte Marienstatue. An die Kirche schließt sich ein riesiger grosser Schlafsaal mit Eichengebälk an, in dem die Mönche auf einfachen Strohsäcken auf dem Boden schliefen. Der angrenzende Kreuzgang wird zurecht als Herz des Klosters bezeichnet. Auch die Gartenanlage mit den vielen der Anlage den Namen gebenden Fontänen rundet das Bild ab. Zeugnisse der einst wirtschaftlich unabhängigen Abtei findet man in der Schmiede öder der Bäckerei. Als Erfinder der Nockenwelle, zum Antrieb der Eisenhämmer mit Wasserkraft sowie dem Einsatz von Blasebälgen, hatten die Zisterzienser entscheidenden Einfluss auf die Eisenindustrie und machten die Entdeckung des Gusseisens möglich.

Unser nächstes Ziel ist der kleine Ort Vezelay** ,der eingebettet in eine reizvolle Landschaft auf einer Anhöhe liegt. Schon von weitem können wir die ehemalige Klosterkirche sehen. Die Geschichte der Basilique Sainte-Madeleine*** reicht bis ins 9. Jh. zurück. Die in ihr aufbewahrten Reliquien der Maria Magdalena zogen so viele Wallfahrer an, dass man die ursprüngliche Kirche vergrößern musste. Leider brach 1120 ein Feuer aus. Das Schiff wurde zerstört und begrub über tausend Pilger unter sich. Mitte des 12. Jh. wurde das Schiff und die Narthex (Vorhalle einer Kirche) neu errichtet. Besonders sehenswert ist das Bogenfeld im Mittelportal sowie die Kapitelle der Pfeiler.

Vezelay Klosterkirche Basilique Sainte-Madeleine

Vezelay Klosterkirche Basilique Sainte-Madeleine

Geht man um die Basilika herum kommt man zu einer Aussichtsplattform mit schönem Blick. Bei brütender Hitze schlendern wir die von vielen Cafes und Geschäften gesäumte "Hauptstraße" zurück in Richtung Parkplatz.

Da uns zwei bedeutende Kirchen an einem Tag immer noch nicht reichen, steuern wir als nächstes Auxerre** an, eine kleine Stadt, gelegen an den Ufern der Yonne. Wir besichtigen die Cathedrale Saint-Etienne**, in der uns vor allem die schönen Glasfenster sowie die aufwändig gestaltete, wenn auch etwas angegriffene, Fassade auffallen.

Ein kleiner Rundgang durch das Altstadtviertel mit Fachwerkhäusern und Torturm mit Sonnenuhr ist ebenfalls sehr lohnenswert.

Auxerre am Ufer der Yonne. Blick auf die Cathedrale Saint-Etienne

Auxerre am Ufer der Yonne. Blick auf die Cathedrale Saint-Etienne

Von einer Besichtigung der Ancienne Abbaye Saint-Germain* sehen wir angesichts des verlangten Eintrittsgeldes ab. Dafür machen wir auf dem Rückweg nach Ancy-le-Franc noch einen kleinen Abstecher nach Tanlay und sind von dem schönen Wasserschloss Chateau de Tanlay**, das wir uns zumindest von Außen ansehen, begeistert.

Abends erwartet uns noch ein schönes Abendessen im "Chateau les Charmees".

Montag, 23.06.2003 Dijon*** - Noyers - Chateau d'Ancy-le-Franc**

Laut Wettervorhersage erwarten uns heute abkühlende Wolken, gut geeignet für eine Dijon-Besichtigung. Die Strecke, die wir über Landstraßen fahren, haben wir unterschätzt; für die 130 km benötigen wir fast zwei Stunden. Einen Parkplatz finden wir glücklicherweise relativ unproblematisch in der Nähe des Herzogpalastes. Von Wolken ist im Übrigen kaum etwas zu sehen, so dass wir die Stadtbesichtigung bei Sonnenschein und weit über 30 Grad beginnen.

Auf dem Weg zum Place de la Liberation liegt der Justizpalast. Schön ist das geschnitzte Eingangsportal, die gewölbte, getäfelte Decke der Wandelhalle sowie der rechte Sitzungssaal mit aufwändiger Kassettendecke.

Am Herzogpalast gehen wir zunächst rechts vorbei und gelangen in die Rue Verrerie. Die Straße der Antiquitätengeschäfte zeichnet sich durch reizvolle Fachwerkhäuser mit zum Teil geschnitzten Balken aus.

Dijon - Altstadt

Dijon - Altstadt

Von hier ist es nicht weit zum Hotel de Vogüe, ein kleines Palais mit glasiertem Ziegeldach, reich verzierter Fassade, schönem Innenhof und sehenswertem Kassettendecken-Saal.

Die nebenstehende Kirche Notre-Dame ist ein gutes Beispiel burgundischer Gotik. Die Westfassade ist mit Figuren reich verziert, bemerkenswert ist die Turmuhr mit Stundenschläger. Eine sehr schöne Altstadtstraße mit sehenswerten Steinfassaden alter Bürger- und Adelshäuser ist die Rue des Forges*. Ein Blick in den Innenhof des Hotel Chambellan (Nr. 34) mit schöner Wendeltreppe lohnt sich.

Auf dem Place des Ducs de Bourgogne ruhen wir uns auf einer Schattenbank ein wenig aus, bevor wir mit der Besichtigung des Musee des Beaux Arts**, das sich im Palais des Ducs et des Etats de Bourgogne** befindet, beginnen. Unsere besondere Aufmerksamkeit findet der Gardensaal***, in dem zwei schöne Altäre und die wunderschönen Grabmäler Philipp des Kühnen*** sowie das Doppelgrabmal des Herzogs Johann ohne Furcht und seiner Gattin Margarete von Bayern*** zu sehen sind.
Den 2. und 3. Stock des Museums, in dem moderne und zeitgenössische Kunst ausgestellt ist, finden wir wenig ansprechend. Die Kunstwerke so bedeutender Künstler wie Rodin, Manet, Monet oder Sisley kommen aufgrund der schlechten Präsentation in wenig einladenden Räumen kaum zur Geltung.

Die Sonne macht uns heute besonders zu schaffen. Auf dem Rückweg zum Auto machen wir noch einen kleinen Umweg durch die Fussgängerzone (immer wieder zu empfehlen für den Kauf schöner Klassik-CDs sind die Läden von Harmonia Mundi) an der Cathedrale Saint-Benigne vorbei und werden dort positiv überrascht. Die wieder frei gelegte Krypta* ist nicht nur aufgrund des besonderen Rotunden-Bauform** einzigartig.

Nach Ancy-le-Franc fahren wir auf dem Rückweg so weit wie möglich über die Autobahn - strecken- und zeitmäßig aber leider kaum ein Unterschied zur Landstraßen-Fahrt. Dafür entdecken wir den kleinen malerischen Ort Noyers, der noch eine erhaltene Stadtmauer sowie eine Vielzahl schöner Fachwerkhäuser besitzt. Wären wir nicht so ermüdet gewesen, dann hätten wir bestimmt auch das klimatisierte Auto verlassen!

Natürlich wollen wir Ancy-le-Franc nicht verlassen, ohne das Chateau d'Ancy-le-Franc** gesehen zu haben, ein schöner Renaissancebau mit großzügiger Parkanlage. Wir müssen uns mit der Außenansicht zufrieden geben, denn für eine Besichtigung -die lohnenswert sein soll- ist es leider schon zu spät.

Abends genießen wir unser table d´hote und bedauern, dass schon die letzte Nacht in diesem schönen Schloss bevorsteht.

Dienstag, 24.06.2003 Semur-en Auxois* - Autun** - Beaune**

Auf dem Weg nach Autun** machen wir in dem malerisch gelegenen Ort Semur-en-Auxois* Halt. Schon die Ortseinfahrt vor der Brücke (Pont Joly) über den Armancon bietet einen reizvollen Blick auf das Städtchen und seine Befestigung. Die Kirche Notre-Dame* hat eine besondere Höhenwirkung und bietet sehenswerte Glasfenster und Kapellen. Ein kleiner Bummel durch dieses Städtchen ist empfehlenswert.

In Autun** angekommen besichtigen wir zunächst die Cathedrale Sainte-Lazare**, deren Bogenfeld des Hauptportals besonders bemerkenswert ist. Leider wird der Vierungsturm gerade renoviert, so dass wir die Aussicht von dort nicht genießen können.
Entgegen der Versprechungen eines Geo-Saison Heftes lernen wir Autun auf einem Stadtrundgang als nicht so besonders bemerkenswert kennen. Die Ruine des römischen Amphitheaters lässt nur schwerlich auf das einst größte Theater in ganz Gallien schließen. Sehr gut gefällt uns dafür die Aussenansicht der Militärschule, an der wir auf unserem weiteren Weg nach Beaune vorbeifahren.

Semur-en-Auxois

Semur-en-Auxois

Ein kleiner Abstecher gilt noch dem Sully Chateau, bevor wir durch die burgundischen Weinberge und die beiden bekannten Weinorte Volnay und Pommard weiter nach Beaune fahren.

Schon der erste kleine Blick auf Beaune** begeistert uns. Wir steuern unser Quartier an, eine Empfehlung des Marco Polo Reiseführers. Das kleine Hotel "Le Home" wurde zwar oft ausgezeichnet, liegt aber weniger idyllisch an der Rue de Dijon, einer Hauptverkehrsstraße. Doch mit unserem Zimmer nach hinten und eigener kleiner Terrasse sind wir zufrieden.

Die Besichtigung des Hotel-Dieu*** ist ein absolutes Muss einer jeden Burgundreise, auch wenn die schlicht gehaltene Fassade dies zunächst nicht vermuten lässt.

Beaune - Hotel Dieu

Beaune - Hotel Dieu

Der Innenhof beeindruckt dafür mit seinen tief herunterreichenden, bunt im burgundisch-flämischen Stil verzierten Dächern aus glasierten Ziegeln. In dem heutigen Museum fühlt man sich in die damalige Zeit, als das Gebäude (übrigens bis 1971) als Krankenhaus genutzt wurde, zurückversetzt und kann die aufwändige Ausstattung bewundern. Im 50m langen Salle des Povres (Armensaal) mit hölzernem, bunt bemaltem Spitztonnendach (wie ein umgekehrter Schiffsrumpf gewölbt) kann man die gut erhaltenen Betten besichtigen, die an Schiffskojen erinnern und jeweils für zwei Patienten gedacht waren. Auch ein Blick in die Apotheke sowie in die Küche lohnt sich.

Salle des Povres (Armensaal)

Salle des Povres (Armensaal)

Begeistert sind wir ebenfalls vom Weltgerichtsaltar*** , der im Salle de Polyptyque ausgestellt ist. Mit einer aufwendigen Lupenkontruktion können einzelne Bildelement bewundert werden.
Anschließend besichtigen wir die Kirche Notre-Dame. Hier gefallen uns insbesondere die bemerkenswerten Bildteppiche**, die sich im Altarbereich befinden. Die über fünfhundert Jahre alten Kunstwerke sind gut erhalten und wirken auch heute noch äußerst farbenfroh. Ansonsten ist ein großer Teil der ursprünglichen Ausstattung der französischen Revolution zum Opfer gefallen.

Auf der Suche nach einem Supermarkt und einer Shell-Tankstelle umfahren wir das Städtchen auf dem inneren Ring und entdecken hierbei noch Teile der fast komplett erhaltenen Stadtmauer. Eine geöffnete Boulangerie (ein Baguette für das abendliche Picknick wäre mehr als passend) finden wir leider nicht. Statt dessen drehen wir eine kleine Runde durch die angrenzenden Weinberge und fahren durch kleine Winzerorte.

Nach einem Baguette-losen Picknick (immerhin konnten wir im Hotel noch vier Scheiben Toastbrot ergattern) brechen wir noch zu einem Spaziergang durch Beaune auf. Aus der Nähe erkunden wir einen Teil der Stadtmauer und ihre noch erhaltenen Türme. Die Stadt als solches wirkt weniger einladend, so dass wir uns nach einem kühlen (aber völlig überteuerten) Glas Wein in einem Cafe ins Hotel zurückziehen.

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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 21.06.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 11.07.2003
Reiseziele: Frankreich
Spanien
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!