Frankreich-Reisebericht :Marokko - Erinnerungen nach dreißig Jahren

Umwege

Auf der französischen Seite nahm uns dann ein Ehepaar in einem dieser traumhaften Citroën-DS-Limousinen mit nach Bayonne. Die beiden kamen gerade von einem Ball und waren noch in Champagnerlaune. Es wurde auch für mich ein prickelnder Tag.
Mein Weg und der des Österreichers hatten sich wieder getrennt, ich wollte weiter nach Bordeaux. und stand nun irgendwo an der Stadtausfahrt von Bayonne. Nicht weit von der Stelle, an der ich mich postiert hatte, lud ein Wagen einige Kästen mit frischer Milch ab. Ich war versucht mir eine zu stibitzen, traute mich aber nicht. Zwei Belgier mit Rucksäcken erschienen. Wir kamen ein wenig ins Gespräch und hatten schon nach kurzer Zeit einen Wagen, der nach Bordeaux fuhr. Der Fahrer war wohl ein Sohn reicher Eltern. In Bordeaux bot er uns eine Fahrt in ein Seebad an, danach, versprach er, wolle er noch weiter bis Paris. Wir waren gern zu einem kleinen Umweg bereit und fuhren also mit ihm in jenes Seebad. Er hielt auf dem Weg dorthin ein paarmal an, machte uns mit Freunden bekannt. Wir tranken was und waren guter Laune. In dem bewussten Ort am Meer setzte er uns ab und versprach uns in einer halben Stunde wieder abzuholen. Wir nutzten die Zeit und legten uns an den Strand. Unser Gepäck hatten wir in seinem Wagen gelassen.
Er kam nicht nach einer halben Stunde. Er kam auch nicht nach einer Stunde und nicht nach zweien. Wir wollten es trotzdem noch immer nicht glauben, dass wir ihm aufgesessen waren. Und hatten Recht, denn plötzlich erschien er wieder. Mir fielen dicke Steine vom Herzen. Mein Rucksack wäre mir ziemlich egal gewesen, ich dachte nur ständig an die Raucherstäbchen, die ich in Marrakesch gekauft hatte. In Neustadt an der Weinstraße würden sie bestimmt Eindruck machen. Jedenfalls fuhren wir zurück nach Bordeaux, aber nicht weiter nach Paris. Den Gedanken hatte er wieder fallen lassen. Ich pilgerte zur Ausfahrt in Richtung Angoulême, die Belgier woanders hin.

© Peter Kiefer, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von der Marokko-Reise des Jahres ‘69 sind kaum Dokumente erhalten. Auch die Route lässt sich zu Teilen nicht mehr genau rekonstruieren. Dennoch sind romantische Erinnerungen an diese lange zurückliegende Reise geblieben, die mit einem ca. 5 Kilo schweren Rucksäckchen bestritten wurde.
Details:
Aufbruch: Juli 1969
Dauer: circa 5 Wochen
Heimkehr: August 1969
Reiseziele: Marokko
Spanien
Frankreich
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.