Anmeldung:
Berlin - Rostock - Kopenhagen - Malmö - Trelleborg - Rostock, das schwebt mir so vor.
Braucht aber seine Zeit, also muß die Runde in Etappen erfolgen. Die erste Etappe ist im Reisebericht "Ritt auf der SEKU" versteckt.
Reisebericht-Extras:
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Der Zug von Berlin nach Rostock brachte es auf 20 min Verspätung und ich mußte wie ein Irrer vom Hbf. zum Überseehafen radeln. War etwa zehn min vor Abfahrt da und bin noch gut nach Gedser gekommen.
Von einigen Radlern sah ich nur die Rücklichter, die hatten es echt eilig...
Herrliches warmes Wetter obwohl der Himmel leicht bedeckt war. Es rollte wie verrückt. Ich hatte diesmal ganz schön was zu schleppen. (Gepäck) In Marielyst war am Samstagnachmittag allerhand los. Ich saß beim Bäcker und konnte Livemusik von der Cafeterrasse gegenüber genießen. Später noch in der Ostsee gebadet, muß einfach sein, obwohl das Wasser recht trübe war. Ab Marielyst gings dann auch endlich mal durch ein paar Wälder, ansonsten nur durch Wiesen und Felder, wenn da die Sonne richtig knallt, muß das schlimm sein.
Riesige Getreidefelder, aber irgendwie sieht es auch interessant aus.
Unterwegs im Wald bin ich falsch abgebogen und hatte irgendwann so ein komisches Gefühl, daß was nicht stimmte. Weg mit der Karte und anders orientiert. Ich will nach Norden, also muß jetzt um 17 Uhr die Sonne von links scheinen, tat sie aber nicht, sie kam von rechts!! Folglich strampelte ich nach Süden!!! Zack, und wiedermal etliche Umwegkilometer mehr. Dafür habe ich aber ein paar schöne Hügelgräber und riesige Pinienzapfen gesehen. Ja und nun sitze ich in Stubbeköbing auf dem Campingplatz, die Sonne geht da hinten unter und ich gleich ins Bett, bzw. den Schlafsack.
Links? Rechts? oder doch lieber geradeaus?
Morgentoilette am Campingplatz in Stubbeköbing, war recht frisch....
Die Nacht war schön warm aber das Zelt morgens von außen trotzdem doll feucht. Also mußte ich auf die Sonne warten zwecks Trocknung. Hat auch gut geklappt und nun radebreche ich mit der jungen Bäckersfrau zwecks Frühstückskaffee und Eurobezahlung. Aber nix da, sie besteht auf 'Danske Money' und mein Kleingeld reicht nicht. Dafür streicht der Fährmann dreißig Minuten später meine Euromünzen lässig ein und bringt mich wohlbehalten ans andere Ufer.
Brotbeutelfrühstück an der Fähre nach Bogö, Richtung Insel Mön.
Hier bläst der Wind kräftig von vorn und auch noch kühl. Aber eine knappe Stunde weiter wird wahr, was ich mir gestern nur vorgestellt habe. Die Sonne knallt, der Weg führt stundenlang durch die Felder und mir rinnt der Schweiß. Dafür erhalte ich einen tollen Einblick in die dänische Landwirtschaft. Leider sieht es mit kleinen Verpflegungsstätten am Wegesrand auch ganz mau aus und so muß ich immer mal wieder in meinen Brotbeutel greifen. Endlich, so gegen fünfzehn Uhr steht da ein Hotel am Straßenrand mit Ausblick auf den Fjord. Der Kellner ist supernett, nimmt Euro, bringt eine Riesenkanne Kaffee und ein leckeres Stückchen Kuchen welches sicher von der Hochzeitsgesellschaft da drinnen stammt. Inzwischen hatte sich der Himmel zugezogen und nun fängt es an zu regnen. Da ich trocken sitze, einen Clive Cussler lese, stört mich das überhaupt nicht. Anderthalb Stunden später ist der Kaffee alle, der Regen tröpfelt nur noch und so sitze ich wieder im Sattel. Hatte schon überlegt, mir hier ein Zimmer zu nehmen, aber bei Tröpfelregen kann man doch auch ganz gut fahren, oder? Aber nur etwa fünf Kilometer, dann mußte ich doch unter die Regenhaube, und habe beim Überwerfen wohl meinen Tacho über den Lenker gestoßen, jedenfalls war er nicht mehr da, als der Regen aufhörte und ich mich wieder frei machen konnte. Schade, muß ich die Kilometer eben an Hand der Karte feststellen. So, jetzt genieße ich ein gut gekühltes Carlsberg Bier und dann war's das für heute. Mein Campingplatz ist im Ort "Faxe Ladeplads", ob hier das dänische Faxe Bier verladen wird?
Hallo Du, wollen wir spielen?
Was ist denn nun wieder los? Früh gegen drei trommelt einer wie verrückt auf mein Zelt. Hat der nichts besseres zu tun? Nee, hat er nicht, und leise tröpfelt und zwischendurch trommelt er mal bis gegen zehn Uhr. Es hat sich richtig schön eingeregnet. So ca. elf Uhr ist etwas Ruhe und ich kann endlich zur Morgentoilette. Danach starte ich zu einer kleinen Erkundungsrunde durch den Ort in der Hoffnung auf einen heißen Kaffee. Aber denkste, außer einem Wasserrohrbruch in der Hauptstraße und zwei Tankstellen ist kein Kaffee in Sicht. Dafür gibts einen Bahnhof und alle Stunde eine Verbindung nach Köge, dem nächsten Durchgangsort meiner Tour. Zurück an meinem nassen Zelt, siegt der innere Schweinehund und so stehe ich rechtzeitig zur nächsten Abfahrt am Bahnhof. Und habe ein furchtbar schlechtes Gewissen. Ich habe nicht genug Geld für die Zugfahrt. Tickets gibts am Automaten und der mag nur VisaCard oder eben Danske Money. Und meine dreißig Kronen reichen nun mal nicht. Also werde ich dem Schaffner treue Augen machen und hoffen, daß dieser Tickets verkauft. Doch denkste, der kommt nicht und so steige ich in Köge erleichtert aus dem Zug. Da habe ich also die Dänische Staatsbahn um vierzig Kronen geprellt. Nun stehe ich in einer Reihe mit der dänischen 'Olsenbande', diesem Filmgaunertrio, die ja auch nicht immer ehrlich waren. Hier in Köge wechselte mir die Danske Bank endlich Geld und nun schien die Nachmittagssonne gleich nochmal so schön auf den Markplatz wo es denn auch etliche Cafe's gibt und die Auswahl gleich wieder schwer fiel. Knapp zwei Stunden später hatte ich genug von der Stadt und die S-Bahn, die von hier bereits nach Kopenhagen fährt, brachte mich zum Campingplatz in Hundige. Und hier wartete der Regenmacher von heute früh schon auf mich. Gnädigerweise durfte ich mein Zelt noch aufbauen bevor er mich dann wieder ärgerte. Aber er hatte wohl keine rechte Lust mehr am Regenmachen, jedenfalls schien plötzlich die Sonne und ich machte mich auf die Suche nach einem gekühlten Carlsberg Bier, welches ich sogar in den letzten Sonnenstrahlen genießen konnte.
Nach einem kleinen Imbiß beim Bäcker ging es recht flott am nächsten Morgen nach Kopenhagen. Bin fast geflogen, kein Wunder, der Rückenwind hat kräftig mitgeschoben und mir graut vorm Rückweg. Hier ist der Radweg ganz nach meinem Geschmack, am Wasser mit schönen Badestellen entlang, vorbei an hübschen Häuschen und auch ab und an durch ein kleines Stückchen Wald, bzw. was man hier dafür hält. Ab der Jugendherberge, die wie ein auf den Kopf gestelltes V aussieht,wird die Beschilderung recht dürftig und meine Spürnase ist gefragt. Doch auf die ist wie immer Verlaß und so bin ich plötzlich mitten im Kopenhagener Fahrrad Tohuwabohu am Hauptbahnhof. Glücklicherweise erwische ich einen lukrativen Standplatz wo ich mein Fahrradschloß auch noch um einen kleinen Baum schlingen kann. Ist etwas sicherer, zumindest gegen schnelles Wegtragen.
Oh je, wo ist mein Rad?
Nachdem ich meine Fahrkarte für die Überfahrt über die Öresundbrücke nach Malmö gekauft habe, starte ich zu einer Fahrradtour durch Kopenhagen. Dazu gibt's in der Touristinfo in Bahnhofsnähe einen entsprechenden Plan und nun geht's hinein ins Gewühl. Das ist 'ne echte Fahrradstadt, da können wir hier zu Hause noch gewaltig was von lernen. Hier sollten unsere Planer mal mit dem Rad herumfahren. Seltsamerweise fahren die Radler alle rechts und recht diszipliniert, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Auch sind die Radwege mindestens doppelt so breit wie bei uns. Eine Stippvisite bei der kleinen Meerjungfrau, 'Den lille Havfrue' oder der 'Mermaid' ist einfach Pflicht. Treu und brav hockt sie da auf ihrem Stein und die Touris knipsen was das Zeug hält. Ich natürlich auch. Endlich finde ich in einer Seitenstraße auch einen Bäcker und so genieße ich Kaffee und Kuchen. Ist ein doppelter Genuß, weil halb so teuer wie am Nyhaven, dem Touristen Rummel- und Tummelplatz. (Obwohl es da sehr schön ist.)
Eingang zum Tivoli, dem Kopenhagener Vergnügungspark
Die berühmteste dänische Dame vom Hafen...sehr schön anzusehen.
der ist aber mindestens genauso schön
am Nyhavn... da wäre ich mit meinem Rad niemals durchgekommen.
vor dem Schloß Rosenborg. Hier im Park muß man das Rad schieben, und das tun auch seltsamerweise alle....
Für den Seiltänzer war die Rotphase wohl zu lange, da ist er aus den Latschen gekippt...
Irgendwann, ich glaube so nach drei oder vier, oder waren es fünf Stunden, bin ich wieder am Hauptbahnhof und finde auch gleich den Radwegweiser hinaus aus der Stadt. Doch leider ist auch hier die Beschilderung mangelhaft und so bleibt wieder nur meine Nase. Und was macht die? Führt mich direkt zur Carlsberg Brauerei, zum Elefantenportal. Ich glaube, es war 1993 als wir hier mal zur Besichtigung waren. Nach dem dritten Gratisbier in sommerlicher Hitze war eine lustige Völkerverständigung in vollem Gange. Wär doch ne tolle Idee, wenn sich die Politiker immer mal zur Brauereibesichtigung treffen würden. Na und als ich durch das Elefantenportal durch war, hatte ich auch die richtige Straße nach draußen erwischt. War zwar eine Hauptverkehrsstraße aber bei den Radwegen kein Problem und irgendwann hatte ich meinen Radweg wieder gefunden. Tja und da wartete schon der Gegenwind auf mich aber mit einem Fahrrad ohne Gepäck und super Gangschaltung kein Problem. Natürlich auch ein Dankeschön an meine unverwüstlichen Strampelwaden. Zurück am Campingplatz hatte der Himmel doch noch etwas Regen übrig, nicht viel, aber immerhin. Und Wind sowieso, ich glaube, der hat eben noch mal richtig losgelegt. Werde mich schnell ins Zelt verkrümeln, etwas zusätzliches Gewicht kann nicht schaden und außerdem bin ich dann dabei, falls meine Hütte zerfetzt werden sollte. Aber vorher schnell noch ein Carlsberg Bier, ist doch klar. Außerdem gibt das zusätzliche Bettschwere die ich vielleicht brauche um mein Zelt festzuhalten.
Am Elefantenportal. Die Tiere vor...
....und nach der Bierprobe....
Der Sturm ließ einfach nicht nach, der tobte sich die ganze Nacht aus. Und jede Menge Regen hatte er auch im Gepäck. Inzwischen glaube ich, das waren mehr Freudengeheul und Freudentränen weil die dänischen Fußballer gerade eben die Norweger mit 2:0 besiegt hatten. Pünktlich zum nächsten Morgen hörte der Regen auf und ich konnte in Ruhe meine Sachen packen. Nach einem kräftigen Bäckerfrühstück ging's per S-Bahn nach Kopenhagen. Die freundliche Schaffnerin erklärte mir, daß in der S-Bahn der Fahrradtransport gratis ist, genauso wie das Internet. Wieder etwas, wo wir lernen können. Mit dem Express nach Malmö war ich schon gegen 10 Uhr außer Landes. Beim ersten Halt in Schweden ausgestiegen. Malmö habe ich mir verkniffen, eine Großstadt reicht. Als Orientierungshilfe hatte ich lediglich die betreffende Seite aus einem schwedischen Autoatlas kopiert. Auf alle Fälle mußte ich nach Süden, nach Trelleborg, wollte doch heute Abend meine Fähre nach Rostock kriegen. Die geht so etwa 23 Uhr, also reichlich Zeit. Die ich dann auch gut gebrauchen konnte. Der dänische Sturmwind wurde hier von seinem schwedischen Bruder abgelöst und der wütete noch weit schlimmer. Teilweise mußte ich absteigen und schieben, mehr ging nicht, hatte ja heute wieder volles Marschgepäck dabei. Glücklicherweise blieb es trocken und hin und wieder kam sogar die Sonne raus. Laut Wetterbericht in der Zeitung betrug die Windgeschwindigkeit 14 - 16 m/s. Ganz schön. Das entspricht etwa Windstärke sieben. Aber das dicke Ende kam noch.
gleich ist es geschafft....noch schlappe zwölf Kilometer.
Ich konnte die Häuser von Trelleborg schon sehen, aber es ging nicht weiter. Die E 6 wird neu gebaut, eingezeichnete Wege enden im Nichts, eine Brücke ist halbfertig, als Radler komme ich da drüber, klarer Fall von Denkste, metertiefes Loch dahinter und die Straße auch noch im Bau. Und Radwege interessieren dabei sowieso niemanden. Also wieder gegen den Wind angelehnt und zurück. Ein Stück neue Schotterstraße ausprobieren, eine andere Variante gab's nicht. Der freundliche Postfahrer bestätigte: noch ca. zwei Kilometer den Hügel raufgeschottert, dann links und juhu, hinein nach Trelleborg. Und endlich auf den letzten Kilometern mit Rückenwind, welch eine Wohltat!!! Und nun sitze ich hier im Wartesaal der Fährlinie und warte auf meine nächtliche Überfahrt.
Das Beweisfoto nach einer ausgiebigen Trelleborg Rundfahrt. Hier in der Vikingerburg "Trelleborgen". (hat der Selbstauslöser funktioniert?)
Die auch wunderbar klappt und fast ausgeschlafen erreiche ich am nächsten Morgen Rostock. Hatte ich mir nun vorgestellt, im Rostocker Stadthafen in der Morgensonne noch ein kleines Frühstück zu genießen, so wurde ich bitter enttäuscht. Als sich die Ladeluke der Fähre öffnete, peitschte uns schon der Regen entgegen. Nun mußte ich doch noch in die komplette Regenbekleidung schlüpfen. Und ab ging die Schußfahrt von der Fähre immer den LKW's nach. Eins zwei fix war ich aus dem Hafen raus und fand mich plötzlich auf dem Autobahnzubringer wieder. Und während ich langsamer wurde und noch überlegte, schallte es hinter mir: "It's not so good!" Da war mir also ein anderer Radler blind gefolgt. An der nächsten Ampel haben wir unsere Räder dann gemeinsam über die Leitplanke gewuchtet und waren auf dem echten Radweg. Der andere kam aus Kopenhagen und wollte durch Polen nach Prag. Da hatte er ja noch eine schöne Strecke vor sich und irgendwann bog er ab Richtung Insel Usedom: "Have a nice Trip an good Luck! By By" und schon verschwand er. Auf dem Hauptbahnhof pellten sich gerade andere Radler aus den nassen Regensachen und bei der gemeinsamen Zugfahrt und einem Becher Deutsche Bahn Kaffee wurde schon wieder gelacht und erzählt während hinter uns die Regensachen über den Fahrrädern zum trocknen hingen.
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| Graceland | http://www.google.com/ | |
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| Your article was excellent and erudtie. | ||
| Jana | ||
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Mal wieder sehr schön zu lesen. Allseits gute Fahrt! | ||
| Ines | http://http://www.umdiewelt.de/authors.php?m=p&t=5839 | |
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Hallo Bernhard, danke für Deinen Beitrag in meinem Gästebuch. Der Link hat funktioniert und nun habe ich auch Deine restlichen Berichte gelesen. Deine Bilder finde ich absolut sehenswert und auch was Du so erlebst ist Klasse. Einfach mal mit dem Rad losziehen und den eigenen Horizont erweitern. Ich wünsche Dir noch tolle Touren und hoffe bald wieder von Dir zu lesen. Was meine Reise zum EBC betrifft........doch wir waren eigentlich gut auf die Höhe eingestellt, doch nach nun 4 Touren in die Höhen des Himalajas habe ich feststellen müssen, dass prinzipiell bei mir ab 4000 Metern der Knackpunkt ist. Höhenanpassung hin oder her. Trotzdem ich habe nie eine meiner Touren bereut. Ich habe noch 2 andere Berichte von Nepal/Indien und versuche ebenfalls Dir den Link (oben) zu senden. Es kommt noch einer dazu, leider hatte ich im Moment nicht die Zeit zu schreiben werde es aber bald in Angriff nehmen. LG aus Sachsen vom Yeti | ||
| Günter Kähms | ||
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Hallo, und ich sage Kompliment für diesen wirklich interessant geschilderten Reisebericht. Keinesfalls langatmig und trotzdem konnte man sich beim Lesen alles plastisch vorstellen. Besonders wenn man selbst schon einmal auf der gleichen Weise unterwegs war. Leider bin ich inzwischen zu alt um selbst eine kleinere Tour zu schaffen. Ansonsten könnte mich Ihr Bericht zum Nachmachen anemieren. Ich wünsche noch viele genußreiche Kilometer Gruß Günter | ||
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