Albanien-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Quirlige Städte und antike Stätten in Albanien


Sonntag, 18. Juni: Shkodra ► Lezha ► Kloster Laç ► Kruja ► Kashar (Albanien) 143 Tageskilometer
Auch heute gibt es schon wieder ab frühem Morgen Sonne und Hitze. Nach dem Frühstück halten wir noch an der Rezeption um zu bezahlen, haben ein nettes Gespräch mit der Frau dort und bekommen einige Tips und Flyer für unsere weitere Reise. Wir geben das Versprechen, auf dem Rückweg von Griechenland wieder hier vorbeizuschauen. Sie erklärt uns den Weg zur Festung, mit unserem nicht so großen Fahrzeug könne man bis nach oben fahren.
Einige verwinkelte und verzwickte Gassen später befinden wir uns oben auf einem kleinen privaten Parkplatz mit Souvenirkiosk direkt unterhalb des Torgebäudes. Die Frau dort ist sehr nett und lustig, sie spricht auch sehr gut deutsch. Sie wohnt eigentlich schon seit Jahrzehnten in Deutschland in einer Stadt in der Pfalz. Jetzt den Sommer über ist sie hier bei ihrer Schwester, auch um sich von den Folgen ihrer in Deutschland vorgenommen Kehlkopfkrebsoperation zu erholen. Sehr viele Albaner leben im Ausland um Geld für ihre Familien zu verdienen und der besseren medizinischen Versorgung wegen. In ihrem Falle, sagt sie, hätte ihr in Albanien mit Sicherheit nicht geholfen werden können.

Unten der Wohnmobilplatz in Shkodra mit Pool

Unten der Wohnmobilplatz in Shkodra mit Pool

Die Festung ist sehr weitläufig und man hat in alle Richtungen traumhafte Ausblicke über die Stadt, über den Shkodrasee und über die Flussebenen. Wir treffen immer wieder auf eine albanische Familie, die hier mit drei Generationen ihren Sonntagsausflug macht. Sie bieten an, uns mit unserer Kamera zu fotografieren, damit wir beide mal auf einem Bild zu sehen sind. Wir lassen uns vor dem besten Panorama ablichten. Frank versucht noch durch ein Loch im Boden über eine sehr enge Wendeltreppe in die Katakomben zu gelangen, aber nach der ersten Abzweigung ist es pechfinster. Ohne Taschenlampe ist da nichts zu machen. Beim zurück laufen begegnet uns noch der grüne Pössl, der gestern spät noch am Campingplatz eintraf. Ein kurzer Halt am Berg und ein Austausch nach dem Woher und Wohin, dann fahren wir weiter.
In der nächsten Stadt, Lezha, fahren wir in das Ortszentrum mit wiederum chaotischem Verkehr und anscheinend keinerlei Parkmöglichkeit. Wir sehen einen großen provisorischen Basar. So etwas interessiert uns immer. Da winkt uns jemand auf den Hinterhof einer Autowäsche. Geld will man dafür nicht. Wir stellen ab und begeben uns in das quirlige Markttreiben.

Berge von Waren aller Art, fast wie wir es aus Marokko kennen. Hier jedoch viel Billigramsch aus Fernost bei Bergen von Schuhen Textilien und Haushaltwaren. Einheimisches gibt es anscheinend nur bei den Lebensmitteln. Neben dem Markt gleich ein völlig zugemüllter Fluß.
Als nächstes fahren wir zur Wallfahrtskirche Laç. Im Ort Laç bewundern wir die Maßnahmen der Anwohner gegen Raser. Sie haben auf der Straße vor ihren Häusern anscheinend in Eigeninitiative Hemmschwellen von beachtlichen Dimensionen aufbetoniert, asphaltiert, aus Steinen eingefügt, oder einfach aus Schotter oder Lehm aufgeschüttet. Jeder in individueller Bauweise. Manche sind auf der schadhaften Straße nur schwer auszumachen. Der Fahrer muß seine Augen auf die Fahrbahn heften und kann nicht in der Gegend herumschauen. Das hat uns vorhin in Lezha auch sehr geholfen. Dort war mitten auf der Hauptstraße ein offener runder Kanalschacht in Radgröße.
Wir fahren soweit wie möglich hoch zur Kirche – das denken wir zumindest. Später werden wir merken, man kann bis direkt hinter die Kirche auf einen großen Parkplatz fahren.

So parken wir an einem Abhang an der Straße und steigen ungefähr auf der Hälfte der großen Treppe in diese ein. Endlose Betonstufen und alles mal wieder in brütender Mittagshitze. Auf dem letzten Stück Weg unterhalb der Kirche sehen die Felsen aus wie verbrannt, dazwischen jede Menge buntes geschmolzenes Kerzenwachs. Dann eine Grotte, hier stellen einige Menschen gerade ihre Kerzen auf. Wie gefährlich – Es ist sehr windig und die Felsen sind alle mit trockenem Buschwerk und Bäumen bewachsen.

Wir haben es endlich geschafft, sind oben an der Kirche angelangt. Bevor die Menschen in die Kirche hineingehen, streichen sie mit ihren Händen über den Türrahmen und küssen die Steinfiguren. So wird, zumindest für diese Religion, eine kostenlose Immunisierung der Bevölkerung erreicht. Weiter hinten eine Freiluftkirche. Man hat von hier eine wunderbare Sicht über die Ebene zum Meer.

Mir kommen plötzlich Bedenken, ob ich heute morgen nach dem Bezahlen auf dem Camping in Shkodra meinen Paß wieder an mich genommen habe. Auf einigen Plätzen auch schon in Kroatien war es üblich den Reisepaß zu hinterlegen. Auf dem ganzen Weg die Treppe hinab sinniere ich, wie es genau abgelaufen sein könnte. Nach der Durchsuchung des Autos dann die Gewissheit: Nach dem Gespräch an der Rezeption hatte ich ihn samt der Rechnung auf dem Tresen liegengelassen. Wir beratschlagen und kommen zur Erkenntnis: Für die weiteren Grenzübertritte genügt der Personalausweis. Der Dame an der Rezeption hatten wir auch deutlich kundgetan, dass wir auf dem Rückweg noch einmal dort nächtigen. Also fahren wir weiter, und zwar in die Berge, nach Kruja, das wegen seiner alten Basargassen sehr sehenswert sein soll.
Auf den ersten entfernten Blick ja, aber als wir näher kommen sehen wir: Alles ist neu gebaut und auf alt gemacht. Die Ladenbesitzer sind auch recht aufdringlich, es hat uns wirklich jeder angesprochen.

In die Festung über der Stadt wurde schon zur Enver Hoxhas Zeiten ein riesengroßes neues Gebäude eingefügt. Alles in allem nicht so ergiebig. Wir fahren die Serpentinen wieder hinunter in die Ebene. Auf halber Höhe kommt uns der grüne Pössl von heute Morgen entgegen.
Kurz vor Tirana verlassen wir die Hauptstraße und fahren weiter auf kleiner einspuriger asphaltierter Straße, dann auf Schotterpiste. Hügelige Landschaft umgibt uns, Mais- und Weinfelder, ein Schilf umgürteter Stausee, einzelne weit von einander stehende Gehöfte. Plötzlich vor uns auf dem Weg eine Schildkröte, deshalb erst einmal Fotostop. Ein kurzes Stück später sind wir schon auf einem Anwesen angelangt, das auch Infrastruktur für Wohnmobile bereithält. Wir werden von der jungen Inhaberin herzlich empfangen. Mit uns stehen noch zwei Allradwohnmobile , eines aus der Schweiz und eines aus Deutschland, sowie ein polnisches Camperpärchen mit PKW und Zelt hier.

Sehr beschaulich, Hühner laufen über den Platz. Deren Eier werden für morgen zum Frühstück offeriert. Die Platzinhaberin kommt noch einmal, dieses mal mit einer Flasche Raki aus eigener Produktion. Es wird großzügig eingeschenkt. Sie erzählt so einiges aus ihrer Familiengeschichte, so von der Flucht von Familienangehörigen in den Zeiten des albanischen Staatszusammenbruchs. Aber jetzt gehe es aufwärts. Sie reist mit ihrem Mann auch selbst viel, natürlich im Winter, wenn keine Gäste kommen. Dieses Jahr steht noch eine Deutschlandrundreise und Marokko bei ihnen auf dem Plan. Sie gibt uns noch Tips für die weitere Reise. Nach einem Spaziergang durch die Wiesen an den See, sitzen wir noch und genießen den Abend. Hier ist es sehr schön und ruhig, finde ich.

Montag, 19. Juni: Kashar ► Fier ► Apollonia ► Radhima (Albanien) 178 Tageskilometer
Heute werden wir von den Hähnen geweckt und die Sonne scheint wie fast jeden Morgen zuvor. So haben wir es uns ja gewünscht.
Nach unserem Frühstück quatschen wir eine ganz lange Zeit mit dem Schweizer Landrover-Paar über alles mögliche, hauptsächlich Reisen natürlich. Gegen 11.ºº Uhr kommen wir los von diesem gastlichen Platz. Als wir wieder an der Schnellstraße Tirana-Durres angelangt sind und sie durch eine Unterführung queren wollen, gibt es erst einmal eine Vollbremsung. In der Untertunnelung fehlen sämtliche Gitter von den großen Wassereinläufen. Ein Durchfahren wie jetzt bei Gegenverkehr ist nicht möglich. Auch auf einer autobahnähnlichen Straße bei Durres gibt es auf -zig Kilometer keine Deckel auf den Entwässerungsschächten.

Wir kommen nach Fier und durchqueren die durchweg sehr kleinteilige, dichte, uninteressante Bebauung der Stadt auf mehreren Kilometern. Wir verlassen die Stadt in Richtung Küste. Auf halbem Wege dorthin, beim Dorf Pojan, liegt die antike Stätte Apollonia. Als wir dort ankommen, sehen wir sofort: Der Weg hierher auf staubiger schlechter Straße hat sich gelohnt.

Solche mystischen Orte ziehen uns magisch an. Nur sehr wenige Besucher verteilen sich über das weitläufige Gelände. Das diese griechische Großstadt vor über 2 Jahrtausenden mal am Meer gelegen hat, kann man sich mit dem Blick über die Landschaft heute nicht mehr vorstellen. Wir stellen uns immer wieder die gleiche Frage: Wie kann eine solche Kultur an einem Platz wie diesem so ganz ohne Nachfolge zugrunde gehen? Wir besichtigen noch das sehr sehenswerte kleine Museum und die Klosterkirche.

Es wird nicht mehr lange so einsam hier bleiben. Wir sehen das ein breiter aus Kalkschotter aufgeschütteter Damm für eine Autobahn das Gebiet umrundet. Man kann auch schon die geplanten Abfahrten erahnen. Aber das Bauvorhaben scheint zu ruhen, keine Baustelleneinrichtung, keine Baugeräte oder Fahrzeuge sind zu sehen.
Unser Navi möchte uns direkt nach Süden weiterschicken, doch der feldwegeartige Zustand der Straße lässt uns dann doch wieder in die andere Richtung über Fier zu Hauptroute zurückfahren. Es ist Erntezeit, Landmaschinen aus dem DDR-Kombinat "Fortschritt" versehen hier auch nach weit über 30 Jahren noch immer zuverlässig ihren Dienst.

Kurz vor Vlora passieren wir eine große Salinenlandschaft. Wir durchfahren Vlora größtenteils auf einer breiten neuen Promenadenstraße. Auf der Küstenstraße angelangt, zeigt sich eine dichte neue Bebauung aus Hotels verschiedener Größen. Das Ganze zieht sich viele Kilometer am Strand hin. Als die Bebauung etwas auflockert und sich die Straße vom Meer entfernt, biegen wir in Richtung Strand ab. Als wir die blaue Zitrone auf einem Parkplatz abstellen wollen, kommt aus einem Strandlokal jemand eilig angerannt und preist uns den Platz direkt neben dem Restaurant an. Gut hergerichtet für Wohnmobilbesucher mit Strom- und Wasseranschlüssen, Entsorgungseinrichtungen, modernen Duschen und Toiletten. Auch gutes Essen wird offeriert und ein Gratisdrink. Von einem haben sie hier zuviel: Wind. Deshalb sind wir heute auch die einzigen Gäste. Es hat schon alle Sonnenschirme umgelegt, das Meer braust schmutzig-braun.

So können wir heute leider nicht baden. So setzen wir uns auf die Restaurantterrasse im Windschatten des Gebäudes und essen bis zum umfallen. Verschiedenes Fleisch, Fisch, gegrilltes Gemüse, gegrillte Kartoffeln, Brot, und zum Abschluß Kuchen, Kirschen und Melone. Dazu Weißwein. Echt, es geht nichts mehr. Mit einem Raki beenden wir das ganze. Inzwischen ist es dunkel geworden. Wir haben einen schönen Blick die Küste entlang bis Vlora. Alle Hotels, Strandbars und die Stadt im Hintergrund sind hell erleuchtet. Doch plötzlich: pechrabenfinster soweit das Auge reicht, keine Musik dudelt mehr – Stromausfall. Nur die Schiffe sind als Lichtpunkte zu erkennen. Nach und nach schält sich so manches Restaurant und Hotel wieder aus der Dunkelheit, Motorengebrumm ertönt, auch unser Gastgeber startet ein Stromaggregat. Nach einer halben Stunde scheinen alle wieder am regulären Netz zu sein. Aber das Spiel wiederholt sich noch mehrmals. Anscheinend ist das Stromnetz nicht mit dem großen Bauboom mit gewachsen.
Wir sitzen noch eine Weile in der trotz des Windes sehr warmen Nacht und genießen den guten Service hier. Zufrieden und sehr satt fallen wir in unser 20m nebenan stehendes Bett.

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.