Albanien-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Über den Llogan-Paß nach Butrint


Dienstag, 20. Juni: Radhima ► Llogara-Paß ► Himara Fshat ► Porto Palermo ► Ksamil (Albanien) 133 Tageskilometer
Heute stehen wir extra früh auf in der Hoffnung bei unserer Fahrt in die Berge, noch nicht in die Tageshitze zu kommen und noch klare Sichten zu haben. Wir fahren in engen Serpentinen in Kiefernwäldern hoch zum Llogara-Paß. Kurz nach dem höchsten Punkt halten wir zum wiederholten mal an einer der schönen Aussichten und treffen auf ein junges Paar aus München, die mit einem Selbstausbautransporter unterwegs sind und tauschen uns aus. Allein die Ausblicke und Weitsichten lohnen diese Route zu wählen. Vor der Küste sieht man im Dunst Korfu und die vier vorgelagerten kleinen Inseln.

Die Abfahrt nach Süden schwingt sich dann in weiten Bögen bis fast wieder auf Meeresnivau. Ein ganzes Stück des Weges begleiten uns leuchtend rote Erosionshänge und Zipfel aus Lehm.
Als nächstes halten wir vor dem Bergdorf Himara Fshat vor einer kleinen Kapelle.

Schon unten steht ein alter Mann mit getrockneten Kräutern zum Verkauf. Würziger intensiver Oreganoduft steigt uns in die Nase. Wir brauchen jetzt keinen Oregano.

Oben im Dorf angelangt sind wir vollkommen alleine. Alles ist hier verfallen und ursprünglich. Überall wächst Oleander und verschiedene Kräuter duften. Eine Ruine wird auf einem neuen großen Schild zum Verkauf angeboten.

Dann entdecken wir eine kleine Kirche. Das Kirchenschiff ist nur zur Hälfte provisorisch überdacht, aber mit sehr schönen Fresken im Inneren. Hier haben wir wieder einen dieser Orte mit geheimnisvollen Ausstrahlung.
Wir fahren zur Küste hinunter. An den steinigen Hängen wachsen die Agaven mit ihren Blütenstengeln höher als die Strommasten aus Holz.

Bei Porto Palermo sieht man das Einfahrtsloch eines U-Bootbunkers und ein Areal verfallener Militärbaracken. Alles scheint frei zugänglich zu sein. Uns interessiert jedoch mehr die kleine Halbinsel in der Bucht. Darauf steht eine von Ali Paschas Festungen. Gegen einen Obolus von umgerechnet einen Euro kann man sie besichtigen.

Dieses mal sind wir gerüstet und nehmen eine Taschenlampe mit. Die Katakomben empfangen uns mit angenehmer Kühle, ein absolutes Wohlgefühl bei dieser Hitze draußen. Wir sind wieder mal die einzigen Besucher, die sich im Schein unserer Lampe durch die irrgartenartigen Gänge und Verliese tasten. Man könnte sich auch leicht verlaufen, deshalb reizen wir das auch nicht bis zur letzten Kammer aus, sondern nehmen den Aufgang auf die Festung mit einem schönen Blick über die Bucht. Auf dem Rückweg zu unserem Auto kommen wir an einer kleinen Kirche vorbei mit einer großen alten Waage davor.

Die Straße schwingt wieder höher in die Berge. In einem Paralleltal zur Küste sieht die Landschaft ganz anders als bisher aus. Die Hänge sind terrassiert und mit, von weitem sieht es fast aus wie Teeplantagen, Zitrusbüschen und auch Olivenbäumen bepflanzt. Auf der Straße kommen uns immer wieder Tiere entgegen, Ziegen , Kühe, Esel und sogar ein großes Schwein. Kurz vor Saranda verfahren wir uns, wir haben eine Abzweigung verpasst. Die Straße endet als Feldweg. Der Kurs ist schnell korrigiert.
Wir möchten morgen Butrint besichtigen, deshalb haben wir geplant heute in Ksamil zu übernachten. Wir folgen einem Wegweiser „Caravan Camping“ von der Hauptstraße auf einen ausgespülten Schotterweg zwischen die Neubauten. An der nächsten Verzweigung weist uns ein Mopedfahrer den richtigen Weg. Eine kleine Pension mit Wohnmobilstellplätzen im Garten erwartet uns. Alles zwar ein wenig eng, aber sehr liebevoll bepflanzt und gestaltet von und mit einer sehr rührigen Chefin. Nachdem sie uns sehr quirlig eingewiesen hat, gesteht sie uns, das sie nicht weiß, was so ein Fahrer machen muß um zu rangieren, denn sie fährt ja selbst kein Auto. Es kommt auch gleich Nachbarschaft aus München-Stadelheim auf uns zu. Sie schwärmen auch für dieses Land und seine Leute. Dann kommt noch einmal Linda, das Oberhaupt des Platzes, ihr Mann hält sich als guter Geist im Hintergrund. Sie hat auf einem Willkommenstablett zwei Eiskaffee, zwei Flaschen kaltes Wasser, Bonbons, und dann bei der Frage nach meinem Vornamen bekomme ich eine Vase mit einem Strauß frischer Gartenblumen. So begrüßt sie jeden Neuankommenden mit einer individuellen Willkommensgabe.
Dann gehen wir zum Strand. Auf dem unteren Platzteil sehen wir den grünen Pössl zum dritten mal. Nach kurzer Unterhaltung gehen wir baden. Später im Strandrestaurant stoßen wir dann zu den Pösslfahrern, essen gemeinsam und schwatzen noch lange.

Mittwoch, 21. Juni: Ksamil ► Butrint (Albanien) ► Strand vor Σαγιάδα (Sagiada, Griechenland) 42 Tageskilometer
Heute statten wir erst einmal den Leuten vom VW-Bus mit dem Erfurter Kennzeichen, den wir gestern schon auf dem Platz haben stehen sehen, einen Besuch ab. Der Mann stammt eigentlich aus einem Ort in unserer direkten Nachbarschaft, ich fasse es nicht, so klein ist die Welt. Er reist mit seiner Frau und als Reisebegleiter und Reiseführer die Tochter ihrer albanischen Arbeitskollegin in Deutschland. So bekommt man natürlich wesentlich mehr Einblicke in das wirkliche Leben im Land.
Wir verabschieden uns noch von den Platzeigentümern und verlassen wiederum bei morgendlicher Hitze den Platz und fahren zum unweit gelegenen archäologischen Park Butrint. Vorher halten wir noch an einem Bankomaten. Wir tun uns schwer mit der etwas ungewöhnlichen Menüführung. Da kommt der daneben stehende Wachmann und hilft uns.
Als wir in Butrint angelangt sind, finden wir sogar noch einen der sehr raren Schattenparkplätze zwischen dem Parkeingang und dem Restaurant. Hier ist es bei weitem nicht so einsam wie bei unseren Besichtigungstouren der letzten Tage. Die ersten beiden Reisebusladungen werden gerade ausgeschüttet und wir müssen am Einlaß ein wenig warten. Butrint war von der Steinzeit bis zur völligen Aufgabe im 19. Jahrhundert ein durchgängig von Menschen besiedelter Platz. Auf dem Ausgrabungsgelände kann man Bebauung von der griechischen über die römische Antike bis zum Spätmittelalter und der Türkenzeit besichtigen. 1992 wurde der Park zum Weltkulturerbe erklärt. Wir sehen ein Amphitheater, das römische Thermalbad, Gymnasium, Tempel, Kirchen, die Stadtmauer aus den verschiedensten Epochen, Fußbodenmosaike, die zumeist leider mit Kies abgedeckt sind.

Es gibt hier ein großes Problem: Das gesamte Gelände sinkt allmählich ab, der Meeresspiegel steigt, deshalb drückt Grundwasser in die Ausgrabungen. Wasserschildkröten und Frösche besiedeln inzwischen die Tempel. Inmitten des Areals erhebt sich auf einem steilen Hügel die Burg mit einem Museum. Hier sind einige sehr schöne Funde, hauptsächlich Steinmetzarbeiten aus allen Epochen ausgestellt.
Zum Ausgang zu, treffen wir wieder auf die Zwei aus dem grünen Pössl. Sie sind zur gleichen Zeit mit der Besichtigung fertig geworden. Eine Weile unterhalten wir uns noch. Hier trennen sich unsere Wege, sie werden ab hier zurück fahren, wir bewegen uns weiter nach Süden. Wir verabschieden uns, sie fahren los und wir setzen uns in das Restaurant um etwas zu essen. Als wir schon beim Essen sind, fährt der grüne Pössl noch einmal sehr schnell in Richtung Parkeingang an uns vorbei. Nanu, etwas vergessen?
Eine kleine Seilzugfähre von abenteuerlicher Konstruktion bringt uns über den Mündungsarm der Butrint-Lagune.

Die danach folgende weitläufige Ebene ist intensiv landwirtschaftlich genutzt, zumeist mit Zitrusplantagen. Bereits wieder im Küstengebirge stehen wir schon bald am Grenzübergang nach Griechenland. Die Abfertigung geht sehr schnell.
Angesichts der großen Hitze suchen wir uns sofort eine Abfahrt zum Meer, um Abkühlung zu erlangen. Hier gibt es sogar Schatten von Büschen und Bäumen. Wir stellen die Stühle nach draußen und hängen erst mal ab. Wir tauchen ausgiebig ins Meer ein und setzen uns wieder hin. So vergehen die Stunden. Nach der anstrengenden Besichtigungstour vergammeln wir verdientermaßen den Rest des Tages. Man könnte ja gänzlich hier stehen bleiben, wenn nicht ein Schild genau dieses unmissverständlich untersagen würde. Wir haben keine Lust darauf uns eventuell den Nachtschlaf unterbrechen zu lassen und fahren gegen Abend weiter. Wir müssen gar nicht so weit, so sehen wir schon von unserer höher gelegenen Straße einige wenige Wohnmobile direkt am Strand stehen. Die Zufahrt ist schnell gefunden, ein sehr schöner Übernachtungsplatz. Wir stellen wieder die Stühle raus, hängen die nassen Badesachen auf. Bei den Badeschuhen muß ich kurz mal durchrechnen: zwei Personen, drei Schuhe, da stimmt irgend etwas nicht. Mein Hirn hat zwar auch Urlaub, aber so langsam dämmert mir, das Frank da etwas versaubeutelt haben muß, als er alle Schuhe am vorigen Strandplatz ausgewaschen hat. Frank sagt: „Bleib mal schön hier auf deinem Stuhl sitzen, ich fahre die paar Kilometer noch mal zurück. Ohne Badeschuhe hier an den Steinstränden, das geht gar nicht.“ Nach einer guten viertel Stunde ist er wieder zurück und hat doch tatsächlich den Schuh wieder gefunden.
Wir sprechen noch mit netten Leuten aus dem Saale-Orla-Kreis, die jetzt schon 16 Wochen am Stück mit ihrem Mobil unterwegs sind.

Zum Abendbrot gibt heute aus Bordbeständen frischen Feta und albanische Riesenkartoffeln, dazu guten Weißwein, allerdings noch kroatischen. Dann sitzen wir mit einer Kerze am Meer, ich noch sehr lange, das tut richtig gut. Die Lichter von Korfu blinken herüber.

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.