Estland-Reisebericht :Wohnmobiltour: Finnland - Russland - Baltikum - Polen - De

Tallinn und unsere Reise durchs Baltikum

Nach so viel schönem Wetter werden wir nun das erste Mal mit Regen morgens wach. Da wir aber eh heute weiterfahren, ist es nicht wirklich schlimm. Höchstens schade für die Reisegruppe, die heute mit dem Bus zur Stadtbesichtigung nach Sankt Petersburg unter¬wegs ist.

Über Nacht hatte Jessi natürlich die gestrige Holperfahrt über die A120 verdrängt und ist nicht die Alternativroute von Lomonosov aus gefahren sondern schön wieder den gleichen Weg zurück. Dennoch ist Ivangorod nicht wirklich weit und somit der Grenzübergang nach Narva in Estland schnell erreicht. Die Grenze zwischen Russland und Estland verläuft hier entlang des Flusses Narva. In beiden Grenzorten stehen sich zwei mächtige Burgen am Flussufer gegenüber, an deren Rand sich der Grenzbereich entlang zieht.

Vor dem Befahren des Kontrollbereichs gibt es an der ersten Schranke die Formulare für die Zollerklärung. Hier gibt es diese sogar auf Englisch und nach kurzem Suchen auch auf Deutsch. Und nun wissen wir zumindest was Jessi bei unserer Einreise nach Russland denn genau ausgefüllt hat. Hier hatten wir uns mangels detaillierter Sprachkenntnis auf unsere mit einreisenden Helfer verlassen, die erklärt haben, dass alle Fragen mit Nein zu beantworten sind, außer der letzten. Insgesamt handelt es sich übrigens um die typischen Fragen, ob der Einreisende denn Drogen, Waffen oder ähnliches mit sich führt. Bei der letzten zu beant¬wortenden Frage wird nach einem mitgeführten Fahrzeug gefragt, was wir ja natürlich dabei haben. Und so füllen wir fleißig das Formular analog zur Einreise aus. Allerdings bekamen wir das Papier direkt am Häuschen zurück, denn die Beamtin wollte nicht die deutsche Version ausgefüllt haben sondern natürlich die russische. Also füllen wir erneut das Papier aus und nun ist alles in Ordnung, so dass wir vier Meter nach vorne zur Fahrzeugkontrolle fahren dürfen (also genau zwischen den beiden Häuschen anhalten). Dort lassen sich die Grenzbeamten alle Schränke einmal öffnen und schon dürfen wir wieder vier Meter weiter vor zur Passkontrolle fahren. Dort kommt dann tatsächlich die Frage nach unserer Registrierung in Russland, die wir ja nur versucht aber nicht gemacht haben. Aber dank des Tipps von Kostja reicht Jessi der Beamtin das vorbereitete Reisebuch in dem alle gesammelten Quittungen fein ordentlich eingeklebt sind. Hier findet sich also von Tankbeleg, über sämtliche Eintrittskarten und Übernachtungsquittungen alles was wir auf unserer Russlandtour gesammelt haben. Glücklicherweise wird unser Heft nicht im Detail geprüft und so müssen wir uns nicht auf eine Diskussion bezüglich unseres drei Tage andauernden Moskauaufenthalts einlassen. Und so stehen wir kurz drauf schon an der Grenzbrücke nach Estland. Hier findet nun Blockabfertigung statt, da die Brücke gerade saniert wird und nur einspurig befahrbar ist. Auch die Kontrolle der estnischen Beamten verläuft reibungslos und so sind wir nach nur 50 Minuten tatsächlich wieder in der EU (davon haben wir bestimmt eine Viertelstunde aufgrund der Blockabfertigung gewartet).

Und damit ist der wohl spannendste Teil unserer Reise vorbei und so blicken wir zurück auf rund 3300 gefahrene Kilometer auf russischen Straßen, 272 verbrauchte Liter Diesel für die wir im Durchschnitt 19,2 Rubel bezahlt haben, was umgerechnet rund 46 Cent entspricht. Für unsere elf Übernachtungen auf russischem Boden haben wir 9830 Rubel bezahlt, was rund 250 € sind, wobei die günstigste Nacht natürlich kostenlos war und die teuerste uns 4500 Rubel (rund 110 €) gekostet hat.

Unser Zettelbuch

Unser Zettelbuch

Nun beginnt also mehr oder weniger unsere "Heimfahrt", denn wir werden uns kontinuierlich immer weiter Richtung Heimat bewegen, auch wenn wir natürlich noch einige Tage Zeit haben.

Beim ersten freien Wifi suchen wir uns zunächst einmal den Wechselkurs für die estnische Krone heraus, denn die baltischen Staaten haben bisher noch keinen Euro. Estland plant hier als erstes die Einführung im nächsten Jahr.

Die Sprache hört sich sehr angenehm an, ist aber überhaupt nicht mehr verständlich. Mit ein wenig Mühe schaffen wir es immerhin uns üks, kaks, kolm, d.h. eins, zwei, drei zu merken. Ansonsten lässt es sich hier aber auch ganz gut mit Englisch bzw. Russisch durchkommen, denn eine der beiden Sprachen sprechen alle.

Hinter Narva möchte Jessi mal wieder der Küsten¬straße folgen, die eine malerische Steilküste entlang führen soll und an der ein schöner Wasserfall liegt. Aller¬dings begleitet uns schon seit morgens der Regen und so mag es bei Sonnenschein wirklich schön sein, aber so genießen wir die Landschaft doch lieber im trockenen Womo. Der Zugang zum Wasser¬fall ist übrigens leider gesperrt, vermutlich ist die davor gebaute Holzplattform bei diesem Wetter einfach zu rutschig. Hinzu kommt noch, dass es nicht nur nass draußen ist, sondern gefühlt auch noch eiskalt. Also alles andere als gemütlich.

Und so fahren wir nun auf direktem Weg nach Tallinn, um dort auf dem zentrumsnah gelegenen City Camping zu übernachten. Dieser ist schnell gefunden und so machen wir uns auch gleich auf den Weg um die Stadt zu erkunden. Zunächst geht es mit Ceddy an die nahegelegene Ostsee, so dass er sich vor dem Pflastertreten erst einmal austoben kann. Weiter geht es durch einen netten Park immer am Ufer entlang bis wir uns dann kurz drauf schon im Altstadt-Touri-Trubel befinden. Das erste Thermometer zeigt übrigens 9°C.

Die Altstadt von Tallinn ist bestens restauriert und sieht wirklich sehr nett aus. Ein Giebel¬haus reiht sich ans nächste, diverse Kirchen unterbrechen das Ganze, dazu noch Kopf¬stein¬pflaster und ringsherum die Burgmauer mit zahlreich noch erhaltenen Wachtürmen.

Ein Restaurant reiht sich ans nächste und die schon schmalen Gassen sind gesäumt von Tischen, die zum Genuss der angebotenen Speisen einladen (allerdings wohl nicht bei diesem Wetter). Dieses mittelalterliche Flair wird hier bestens touristisch genutzt und so stehen an jeder Ecke Händler in mittelalterlicher Kleidung und verkaufen alles Mögliche an die diversen, vorbei¬schlendernden Reisegruppen. Wir sind irgendwie überfordert bei all den Menschenmassen und können uns bei der Riesenauswahl nicht wirklich entscheiden welches der Lokale wir nun für das Abendessen aufsuchen.

Und so schlendern wir wieder zurück vorbei an dem modernen Teil der Stadt, wo zahlreiche verspiegelte Hochhäuser in den Himmel ragen. Insgesamt ist die Architektur von Tallinn wirklich sehr abwechslungsreich. Hier ist vom baufälligen Holzhaus, über dunkle Sowjet¬bauten bis hin zu modischen Quadratbauten mit viel Glas alles zu finden.

Besonders gut hat Jessi die Integration einer kleinen Kirche und der "Einbau" einiger Altbauten gefallen. Von Weitem kaum im Straßenzug zu erkennen, so sieht man bei näherem Hinsehen, dass das ehemals zweigeschossige Stadthaus einfach ein unauffälliges Bürogebäude auf seinem Rücken trägt. Schlendert man ein paar Meter weiter zeigt sich auch, dass die kleine Kirche sogar mehr oder weniger frei steht.

Zurück am Camping schüttet es jetzt so richtig und da wir nun doch ziemlich kaputt sind, gönnen wir uns einfach eine Pizza am Straßenrand, die wir dann im Trockenen im Womo verspeisen. Interessanterweise gibt es hier die gleiche Pizzakarton-Falttechnik, die wir bereits in Finnland bewundert haben.

Und so haben wir nun bereits Pizza in drei unter¬schiedlichen Ländern genossen, wobei bei Jessi die russische Pizza aufgrund des unge¬wohnten Dill-Belags eindeutig auf Platz 1 steht.

An diesem Abend schrauben wir nun sicher¬heits¬halber die äußere Abdeckklappe unserer Heizung ab, denn es ist wirklich kalt. Allerdings überstehen wir die Nacht dann doch ohne die Heizung.

Der zentrale Platz in Tallinns Altstadt

Der zentrale Platz in Tallinns Altstadt

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Die Reise
 
Worum geht's?:
In 25 Tagen mit dem Wohnmobil per Fähre nach Helsinki und von da aus nach St. Petersburg und Moskau. Zurück geht es dann auf dem Landweg durch das Baltikum und Polen.
Details:
Aufbruch: 13.05.2010
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 06.06.2010
Reiseziele: Finnland
Russland / Russische Föderation
Estland
Lettland
Litauen
Polen
Der Autor