Kroatien-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Blagai, Radimlja, Počitelj und wieder Kroatien


Montag, 03. Juli: Blagai ► Radimlja ► Počitelj ► Bucht von Kosirina (Kroatien) 296 Tageskilometer
Heute hat es sich etwas abgekühlt. Es gab starken Wind, so dass die beiden Topfpflanzen am Ufer umgefallen sind. Auch das Duschwasser ist heute sehr frisch, also keine Spur mehr von überhitzten Körper.
Die blaue Zitrone wird ver- und entsorgt. Dann sucht Frank den Küchenbeckenstöpsel. Im Müllsack zwischen den Möhrenschalen von gestern, schon weggebracht in die Mülltonne, finden wir ihn wieder.
Unser Platzopa ist schon sehr aktiv, richtet die umgefallenen Pflanzen auf und befestigt sie Wir verabschieden uns mit Handschlag. Der Eigentümer ist seit heute Nacht in diplomatischer Mission unterwegs, wie er uns gestern erzählte. Der Opa lotst uns dann nach oben auf die Straße und hält das einzige Auto was weit und breit fährt für uns an. Wir holen noch Briefmarken auf der Post. Unser KM-Geld reicht nur noch für Porto für vier Ansichtskarten, Euro- oder Kartenzahlung ist nicht möglich. So müssen wir die fünfte Karte in Kroatien abschicken.
Wir halten auch noch beim Bäcker, die Verkäuferin ist so freundlich und lässt uns in Euro bezahlen. So haben wir frisches Brot und Kuchen. Jetzt fahren wir nach Radimlja. Vorgestern haben wir 20 Kilometer von hier im vorbeifahren eine Fläche mit großen behauenen Steinen entdeckt, das müssen wir näher beschauen.

Es ist eine Nekropole mit so genannten Stecaks, großen Grabsteinen aus dem Mittelalter in Form von Kirchen. Es sind umlaufend viele Symbole und Verzierungen in den hellen Kalkstein eingemeißelt. So etwas oder auch nur etwas ähnliches haben wir noch nicht gesehen.
Als nächstes halten wir in Počitelj und besichtigen die Reste der Stadt aus der osmanischen Zeit. Steil bis auf den Felsen ziehen sich die Häuser und Ruinen mit türkischem Bad, Moschee Stadtmauer und Festung.

Frank geht ganz nach oben wegen der Rundsicht. Ich hingegen verweile lieber in einer schattigen Gasse bis er wieder herunter kommt. Da kommen plötzlich in großen Scharen einheitlich uniformierter junger Menschen mit großem roten Mondsichel- und Stern-Banner und fluten alle Gassen. Sie streben zur Festung nach oben. Anscheinend wollen sie das Banner hissen. Sie sind alle mit rotem T-Shirts mit Sichelmond und Stern, sowie dunkelblauen Hosen bekleidet. Die wenigen jungen Frauen auch mit ebensolchen Shirts, blauem Rock und Kopftuch. Sie sind alle sehr laut und rücksichtslos. Da entbrennt plötzlich ein Streit zwischen einem älteren Ehepaar und einigen augenscheinlichen Anführern der Meute. Der Mann mit seiner großen Fotokamera wird geschubst, einige heben Steine auf und drohen das Ehepaar mit Steinen zu bewerfen. Die Marktfrauen in der Gasse mit Ihren kleinen Obstständen raffen ihre Sachen zusammen. Jetzt nichts wie weg hier! Unten am Parkplatz stehen vier moderne Reisebusse mit türkischem Kennzeichen und ein schwarzer Kleinbus sowie ein schwarzer großer Geländewagen mit amtlich wirkenden Wappen und türkischer Aufschrift auf den Türen, sowie aufgesteckten türkischen Wimpeln und Blaulichtern auf dem Dach.
Die Erregung hat sich unter den rotbefrackten weitergeleitet bis zu den wenigen, die noch an den Fahrzeugen stehen. Schnell steigen wir in unser Auto und fahren davon. Wie soll man diese Situation bewerten? Anscheinend versucht eine türkische Jugendorganisation das Osmanische Großreich wieder zu errichten und das einheimische Touristenpaar hat sich gegen ein solches Auftreten von türkischen Gästen in ihrem Land verwahrt. Der Vorfall wird unsere Gedanken noch lange beschäftigen.
Wir fahren auf einem ganz neuen kurzen Stück Autobahn und werden mit 2,50 € zur Kasse gebeten. Dafür ist dann der Autobahngrenzübergang nach Kroatien völlig leer und wir sind schnell durch.
Auf guter fast leerer kroatischer Autobahn sind wir dann auch schnell an der Krka-Brücke und halten an um den Rundblick zu gemießen.

Die nächste Abfahrt ist unsere und wir nähern uns der Insel Murter.
In Tisno kaufen wir noch ein und ziehen ein paar Kunar aus dem Automaten. Wir waren 2014 schon einmal hier, und es hat uns sehr gefallen.
An die Bucht von Kosirina treibt es uns, genau auf den Platz von damals. Aber heute ist es hier nicht so einsam und preiswert wie damals Ende September.

Aber die Bucht ist schön, wunderschön, wie abends die beleuchteten kleinen Yachten und Boote hier vor Anker gehen und die Sterne funkeln über uns, wenn wir in warmer Abendbrise den kühlen Wein von Pelješac schlürfen.

Dienstag, 04. Juli: Bucht von Kosirina ► Betina ► Bucht von Kosirina (Kroatien) 0 Tageskilometer mit dem Auto, dafür zu Fuß
Zum Frühstück gibt es heute frische Bäckerbrötchen. Wir wollen bis morgen noch hier stehen bleiben. Also haben wir Zeit. Neben uns hat sich gestern Abend noch ein tschechischer blau-weißer Bully mit Blumenbemalung gestellt. Da regt sich inzwischen auch Jemand.
Heute gehen wir zu Fuß über den auf der anderen Seite liegenden Campingplatz nach Betina. Wir schlendern die Küste entlang. Hier sind viele deutsche, tschechische, österreichische Urlauber, Apartments die ganze Küstenstraße entlang.

In Betina laufen wir durch die engen Gassen, halten uns wenn möglich im Schatten und kommen zu einer schönen Kirche oben im Ort. Von hier oben aus genießen wir wieder einmal einen der unzähligen schönen Ausblicke. Am Ende der Gasse macht das Postamt gerade auf, und wir kaufen unsere letzten Postkarten und Briefmarken.
Danach setzen wir uns in ein Restaurant zum Mittag. Nach dem schweißtreibenden Rückweg liegen wir im spärlichen Schatten, der Wind weht sachte. So halten wir es aus. Später baden wir noch. Hier ist das Wasser im Vergleich zur Ägäis erfrischend kühl. Abends schauen wir noch lange aufs Meer. Morgen fahren wir weiter – schade.

Mittwoch, 05. Juli: Bucht von Kosirina ► Jezerce (Kroatien)
181 Tageskilometer

Unser Endpunkt für heute sind die Plitwitzer Seen. Kurz nachdem Aufbruch kaufen wir an einem kleinen Supermarkt an der Landstraße nach Tisno ein. In Tisno selbst nur noch ein Halt am Briefkasten, dann geht es über die Drehbrücke herunter von der Insel.
Wir beschließen heute nur Landstraße zu fahren. Fast rechtwinklig bewegen wir uns von der Küste weg.

Doch nach ca. 40 Kilometer hat uns die Adria wieder. Wir umrunden die Meeresbucht von Novigrad. Jetzt sagen wir aber der Küste endgültig good bye. Erst steigen wir sachte bergauf, dann gleich wieder steil bergab in das Flußtal des Zrmanja. An mehreren Aussichtspunkten machen wir halt. Es sieht gut as, wie sich der Fluß tief unten grünblau dahinschlängelt. Kleine Motorboote sind zu erkennen.

Immer die Bergflanken des Velebitgebirges empor, haben wir phantastische Rundsichten auf ein weites unbesiedeltes Tal. Meterdicke Rohrleitungen eines Wasserkraftwerkes kommen die Berge hinunter und queren die Straße.
Kurz nach der Passhöhe ein mit Eisengittern eingezäunter Gedenkstein für einen kanadischen UN-Soldaten, der 1993 bei einem Verkehrsunfall hier zu Tode gekommen ist.

Die Straßen sind in einem sehr gutem Zustand, es herrsch kaum Verkehr. Gegen Mittag haben wir, schneller als wir dachten, unser Ziel erreicht. Schon im weiten Umkreis deutet sich die Gegend als Tourismusmagnet an, überall sind Zimmer zu vermieten.
Wir fahren die lange Auffahrt zu einem Gehöft empor. Der Eigentümer empfängt uns und fragt sofort, wieso wir als Deutsche keinen VW fahren. Er sei bekennender VW-Fan, macht er mit großer Inbrunst deutlich. Er führt uns in seine urige Scheune, eine Mischung aus Museum und Rezeption. Mitten im Weg liegt ein sehr großer bärenartiger Hund, der sich nicht rührt, als wir über ihn hinwegsteigen müssen. Wir quatschen noch eine Weile. Aus der Stereoanlage rieselt etwas vermulmt ostdeutsche Rockmusik: City, die Puhdys. Sein Freund Günter aus Nürnberg schickt ihm die CDs.
Nachdem wir auf der hängigen Bergwiese, zum ersten mal auf dieser Tour brauchen wir Unterlegkeile, eingeparkt haben, sitzen wir im Schatten und reden mit den Nachbarn. Gegen Abend beschließen wir essen zu gehen. Der Chef möchte uns fahren. Nein wir wollen heute noch eine Strecke laufen. So erklärt er uns, wo wir in der Nähe etwas finden.
Aus den angekündigten 300m werden 700 und immer nur Pensionen, dann endlich das angekündigte Restaurant. Wir setzen uns auf die Terrasse und bestellen etwas zu trinken. Der Kellnerin sagen wir, dass wir auch essen möchten. Sie sagt unfreundlich: „Pizza Margharita“. Nein das nicht, wir möchten die Karte. Die ist dann nur in kroatisch und das junge Bedienpersonal duckt ab lässt sich nicht mehr sehen. So haben wir keine Lust mehr, gehen hinein zum Tresen und bezahlen unsere Getränke. In den letzten Wochen haben wir weitaus bessere Gastlichkeit erlebt.
So kommen wir mit hungrigen Magen wieder an der Scheune vorbei. „Etwas gefunden?“ lautet die Frage. Nein leider nicht das richtige. Nun werden wir doch beim Chef ins Auto verfrachtet und werden an den großen Restaurantkomplex am Nationalparkeingang gefahren. Wir sollen erst einmal schauen, ob hier das Richtige für uns dabei ist. Er warte im Auto, wenn nicht, könne er uns auch noch wo anders hin bringen. Das hier genügt vollauf. In diesem Großkomplex aus sozialistischen Zeiten gibt es mehrere Restaurants, von der Selbstbedienungskantine bis zur Spezialitätengastronomie. Er gibt uns noch seine Handynummer, wenn wir fertig sind sollen wir anrufen.
So sitzen wir schön auf der Terrasse. Die Japaner sind auch schon da. Trotz der Dimensionen des Komplexes, im Keller sind Toilettenhallen für Massen wie in einer Konzertarena, sind die Restaurants ganz annehmbar, einladend und lebendig. Das Essen geht so. Als Wein haben wir regionalen bestellt und vergessen, dass Merlot Rotwein ist. So muß ich die Flasche alleine leeren und werde heute sehr gut schlafen. Frank isst Forelle mit Mangold, ich habe Kotlett mit Pommes. Wir telefonieren und der „Chef“ holt uns wieder ab. Unterwegs erzählt er von sich: Er ist Borussia Dortmund-Fan und stammt eigentlich aus Zagreb. Er musste im Bürgerkrieg kämpfen und hat seitdem große gesundheitliche Probleme. Deshalb ist er aus der Stadt weg und hat sich hier in ruhiger Natur etwas neues aufgebaut. Aber jetzt hat er nicht mehr die Kraft, er müsste weiter investieren, um den Platz rentabel zu halten. Wenn seine Kinder es nicht übernehmen, wird er wohl schließen müssen. Für morgen früh bietet er nochmals einen Gratistransport zum Parkeingang an.

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.