Kroatien-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Plitwitzer Seen und die Heimreise


Donnerstag, 06. Juli: Jezerce ► Nationalpark Plitwitzer Seen ► Jezerce (Kroatien) 0 Tageskilometer, dafür Privattaxi und zu Fuß
Heute sind wir schon sehr früh auf den Beinen. Der Platzeigentümer fährt uns, so dass wir bei Kassenöffnung am Parkeingang sind. Wir möchten die Ruhe und Kühle der Plitwitzer Seen und Wasserlandschaft genießen, bevor die vielen Reisebusse eintreffen und die Besuchermassen strömen.

Der Park ist groß, man kann hier mit dem Elektroboot, der Unimogbahn oder auf vielen kilometerlangen Wanderwegen, die entweder oben auf den Bergen oder unten am Wasser auf langen Holzstegen durch das Areal kommen. Wir nutzen alles. Die Entstehungsgeschichte ist ähnlich, wie die der Krka-Fälle. Nur sieht man hier die Sinterungen nicht so frei, Alles ist viel bewachsener. Auch darf man hier nicht baden.

Das Wasser ist ganz klar mit jeder Menge Forellen darin. Wir fahren zuerst mit dem Boot in Richtung der größten Wasserfälle. Die Drehorte der Winnetou-Filme. Auf dem Weg dorthin steigen wir in eine Doline mit Durchbruch zum Seeufer. Hier hat die Kraft des Wassers gute Arbeit geleistet.

Unten angekommen laufen wir über einen langen Holzsteg über den See. Direkt neben dem Steg hat eine Schlange einen für sie viel zu großen Fisch gefangen und schon ihren Kopf darüber gestülpt. Wir betrachten das Schauspiel eine ganze Zeit. Es geht sehr langsam vorwärts.

Wir laufen weiter, meist im Schatten großer Bäume. Mittlerweile haben sich schon mehr Besucher eingefunden. Übrigens ist es hier trotz der großen Menschenmassen täglich sehr sauber, nicht der klitzekleinste Müllschnipsel liegt herum.
Nun sind wir an den größten Wasserfällen angelangt an denen Pierre Brice oben auf dem Felsen stand. Überall kommen unzählige silberne Wasserbärte hinunter geschossen.

Eine schmale in den Fels geschlagene Treppe führt hinauf, dann durch eine kleine Höhle als Tunnel und wir sind oben auf dem Felsenufer wieder fast allein. Immer wieder stehen wir an spektakulären Ausblicken.
Irgendwann sind wir müde und meinen genug gesehen zu haben. Wir fahren mit der Unimogbahn zurück. Die Bahn muß immer wieder an Ausweichstellen bei Gegenverkehr anhalten.
Dann sind wir am Parkausgang und schleppen uns von Baumschatten zu Baumschatten in glühender Hitze zum Restaurant, was wir von gestern Abend her kennen, um uns zu stärken und zu erfrischen. Ich entscheide mich für Oktopus mit Mangold und Frank wählt einen Hähnchenspieß. Schnell kommt das Essen, aber bei Frank hat die Verwechslung zugeschlagen, er hat Fisch. So geht das Essen mit einer Entschuldigung zurück und er muß länger warten. Auch der Salat kommt erst mit Franks Essen. Das klappt heute alles nicht so gut. Irgendwann sind wir dann gesättigt, wenn auch zeitversetzt und wir machen uns auf den Weg.
Vor uns liegt noch ein Fußmarsch von ungefähr zwei Kilometern, bis wir wieder an unserer blauen Zitrone sind. Jetzt ruhen wir nur noch aus. Uns kriegt heute niemand mehr weg. Der Riesenhund, wir glauben es ist ein Plitwitzer Kroatiner, steht plötzlich neben uns und schaut erwartungsvoll.
Dann bekommen wir noch neue Nachbarn aus dem Lahn-Dill-Keis. Wir unterhalten uns gut. Sie erzählen uns, dass sie gleich bei ihrer allerersten Wohnmobiltour auf einem Supermarktparkplatz in Südfrankreich ausgeraubt wurden, während sie einkaufen waren. Jetzt haben sie sicherheitstechnisch schwer aufgerüstet und hoffen nun verschont zu bleiben. Abends sitzen wir wieder lange und sehen den großen Wagen am Sternenhimmel und denken erstmals etwas wehmütig an die Rückkehr nach Hause am Sonntag.

Freitag, 07. Juli: Jezerce ► St. Veit (Österreich) 271 Tageskilometer
Heute ist Abreise, auch um uns herum. Gleichzeitig kommen einige neue Womos. Mist, ich habe den Hebel vom Küchenwasserhahn abgebrochen, da hat Frank wieder etwas zu reparieren.
So starten wir, wollen uns vorn noch vom Chef verabschieden, aber er ist nicht da. So unterhalten wir uns noch mit dem jungen Paar mit den zwei Zwergen aus dem Allrad-Mobil aus Sachsen.
Wir fahren zunächst auf gut ausgebauter Straße im Tal des Flusses Korana, dem Abfluß der Plitwitzer Seen, die ihr Wasser aus dem Gebirge Mala Kapela bekommen. Dies ist absolute Urlaubergegend hier. Jede Menge Werbeschilder an der Straße: Zimmer, Boot, Rafting, Baden. Nach Karlovac fahren wir auf die Autobahn in Richtung Zagreb und weiter zur slowenischen Grenze. Aber vorher an einer Mautstation ist schon ein großer Stau. Später auch noch einmal am Grenzübergang. Das sind wir nicht mehr gewohnt.
An der Grenze wurde aufgerüstet. Neben dem normalen Maschendraht-Grenzzaun verläuft ein nagelneuer sehr hoher Metallgitterzaun mit Stacheldrahtkrone. Das war voriges Jahr hier noch nicht zu sehen. Als wir das alles hinter uns haben gibt es Baustellen. Die Autobahn wird hier weitergebaut und das schon länger. Denn hier sind wir voriges Jahr auch auf unserer Georgien-Türkei-Tour vorbeigekommen.
Langsam gleicht die Gegend schon der unseren zu Hause und wir werden schmerzlich daran erinnert, daß unser Urlaub zu Ende geht. Vor der österreichischen Grenz müssen wir noch eine Vignette kaufen. Die Grenze passieren wir wieder fließend und kommen gegen 16.ºº Uhr in St. Veit an.
Leider fängt es jetzt an zu regnen, blitzen und donnern. So drehen wir nur eine kurze Runde, um uns zu vergewissern ob der Gasthof Thaller, in dem wir voriges Jahr zu Beginn unserer Georgienreise so gut gespeist hatten, noch da ist. Ist er, aber erst ab 19.ºº Uhr geöffnet. Wir vertreiben uns die Zeit mit Tetris.

Im Gasthof angekommen, überlegen wir uns noch, ob wir uns nach draußen setzen sollte, denn das Gewitter ist vorbei, da empfängt uns die Wirtin und erkennt uns recht schnell wieder. Einen Aperitif würde sie uns nach draußen bringen, aber für das Menü ist ihr das Wetter zu unbeständig. So setzen wir uns in den Stilvoll eingerichteten Gastraum mit den eingedeckten Tischen und den apfelgrünen Stühlen.
Heute gibt es Überraschungsmenü und wir lassen uns darauf ein. Als Einstieg für Frank einen leichten selbst gemachten Wermut mit Eis und Zitrone, für mich Sekt. Dazu ein Körbchen mit verschiedenem selbstgebackenem Brot, Butter, dann Avocadopaste auf gerösteter Forellenhaut auf Kieselsteinchen serviert. Der erste Wein dazu von der Mosel. Jetzt Forellenfilet gewürfelt und mariniert mit Zitronensoße, Fenchelknolle mit Meerrettich in Joghurt-Sahnesoße, obenauf frisches Fenchelkraut. Danach Zartes blanchiertes Forellenfilet mit verschiedenen roten und grünen warmen Tomaten. Dazu ein Wein aus der Steiermark. Als Hauptgang Rehrücken und Rehkeule, gewürzt mit Kaffe, mit Soße, zu Klößen und in rote Beetesaft gekochten Marillen. Dazu ein anderer Wein aus der Steiermark. Es kommt noch ein erstes und zweites Dessert: Eis mit Holunder und Soße, karamellisiertem Knusperkeks. Zum Ende ein Pudding mit Fruchtmus, garniert mit einer Blüte. Zum Dessert wird ein letztes Glas Wein gereicht. Die Weine sind alle sehr verschieden und kontrastieren zueinander. Alles ein besonderes Erlebnis. Unser Essen zog sich über vier Stunden. Ich bestelle noch einen Espresso zum Abschluß und wir sind alle sehr zufrieden. Außer dem Moselwein sind alle Produkte aus eigenem Anbau bzw. aus der engeren Region.
Wir bekommen noch eine Broschüre. Als die anderen Gäste langsam alle gegangen sind, findet die Wirtin auch etwas Zeit zum Reden. So lassen wir den Abend ausklingen und merken, hier läuft das Leben anders.

Samstag, 08. Juli: St. Veit ► Donaustauf ► Altdorf (Deutschland)
528 Tageskilometer

Wir werden von Kinderstimmen geweckt. Drüben im Kirchengarten zeltet eine Kindergruppe mit Betreuern. Die Kirche ist hier in vielen Lebensbereichen aktiv, das ist uns schon gestern beim Spaziergang aufgefallen. Auf der Phyrntalautobahn in Richtung Deutschland geht es durch endlose Tunnelstrecken. Zwei mal müssen wir noch Maut bezahlen.
Nach der österreichisch-deutschen Grenze an einem Parkplatz vor Passau hat die bayrische Polizei einen Kontrollpunkt aufgebaut. Die Autobahn wurde auf eine Fahrspur verengt, auf dem Parkplatz sind große Zelte aufgestellt. Wir stehen lange in einem viele Kilometer reichenden Stau. Die mit Maschinenpistolen bewaffneten Beamten winken anscheinend alle Fahrzeuge mit EU-Kennzeichen durch, andere werden über den Kontrollpunkt auf dem Parkplatz geschleust. Warum nutzt man nicht die noch vorhandenen großen Plätze der ehemaligen Grenzabfertigungsanlagen?
Wir möchten heute noch die Walhalla besichtigen, die in Donaustauf am Berg über der Donau thront. Bisher haben wir sie immer nur bei unseren Vorbeifahrten auf der Autobahn von ferne leuchten sehen. Das Monument wurde 1830 vom Baumeister Leo von Klenze in 12 Jahren Bauzeit im Auftrag des bayrischen Königs errichtet. Als Inspiration dafür diente dem klassizistischen Baumeister das Parthenon auf der Athener Akropolis. Das wurde kombiniert mit damals modernen zeitgenössischen Bautechniken.

Im Inneren des Tempels erwartet uns eine riesige Halle aus Marmor. Hier stehen Büsten und Gedenktafeln von Herrschern, Wissenschaftlern, Feldherrn, Künstlern, die nach dem im 19. Jh. herrschenden Verständnis als vorbildlich und bedeutend erachtet wurden. Zum Beispiel Alexander der Große, Luther, Goethe. Auch neuzeitliche Ergänzungen hat man vorgenommen: Einstein, Adenauer.
Wir kaufen uns ein Eis und sitzen auf den Blockstufen der gewaltigen Treppe mit Sicht auf die Donau. Uns amüsieren die vielen auf dem Gelände aufgestellten Schilder. Alle unterzeichnet mit „Die Walhallaverwaltung“.

Selbst auf den englischsprachigen Versionen ist das nicht etwa mit Administration übersetzt, nein es steht da: „The Walhallaverwaltung“ Wir müssen lachen über soviel bayrisches Selbstverständnis.
Auf einer Tafel am Weg zum Parkplatz wird vom hiesigen Dreimännerwein berichtet, der hier an den Hängen der Donau wuchs. Wenn jemand von diesem getrunken hatte, waren noch zwei Mann erforderlich um ihn festzuhalten, so sehr hat es ihn geschüttelt.
Um das vielleicht einmal in einem gemütlichen Lokal zu testen fahren wir hinunter in die Stadt und gegen 17.³º Uhr den örtlichen Wohnmobilstellplatz an. Mist, komplett zugeparkt mit Pkw und einem Handwerkerkasten, alle mit einheitlichem Buchstaben als Nummernschildbeginn. Auch in der Nähe nichts Brauchbares zu entdecken. Während wir das Navi neu programmieren kreiseln noch zwei holländische Womos.
Neumarkt in der Oberpfalz ist unser neues Ziel. Das dort als Womo-Platz ausgeschilderte Areal ist sehr groß schön mit Bäumen und Hecken unterteilt als Teil eines Großparkplatzes. Es stehen schon mehrer Womos hier. Als auch wir einparken, spurten mit röhrendem Auspuff mehrere aufgemotzte Pkw mit sehr jugendlichen Fahrern durch die Womo-Reihen. Auch auf dem Rest des Platzes ziehen eine ganze Menge Kisten dieser Machart fortwährend ihre Kreise. Als wir in Richtung Altstadt laufen kommt uns gleich hinter der großen Veranstaltungshalle eine Einlasskontrolle an einem mit Sichtschutzplanen behängten Bauzaun in die Quere. Großes Tuningfestival, Nichtbesucher dürfen hier nicht durch und sollen außen um das ganze Viertel laufen, es gibt schon erregte Diskussionen mit Anwohnern. Hier ist kein Bleiben angesichts des auch Nachts zu erwartenden hohen Schalldruckpegels.
Nicht weit: Altdorf, es ist 19.³º Uhr immer noch Sonnenschein. Der städtische Womo-Platz ist schnell gefunden und zeigt sich auch voll belegt: Ein nicht zugelassener alter BMW, ein Gabelstapler, drei Womos mit einheimischen LAU-Kennzeichen mit Spurenlage unterm Auto, die auf eine seeehr lange Standzeit deuten, und ein Auswärtiges, mehr Platz ist nicht. Die unmittelbar angrenzende mit PKW-Parkplatzschild gekennzeichnete Flächenbelegung lautet: eine Anhängerhebebühne, ein kleiner Kühlanhänger, zwei Pkw-Anhänger, zwei Wohnanhänger einer mit LAU, einer nicht zugelassen.
Wir stellen uns 100m weiter auf die gekieste mit Bäumen umstandene Fläche am Sportplatz und laufen ca. ein Kilometer durch eine Vorstadtsiedlung mit viel Grün und großen Gärten.

Plötzlich stehen wir in der wirklich sehr schönen und heute von Partylaune geprägten Innenstadt.
Hier ist heute Altstadtfest. Da sind wir richtig und das nicht so Gute von heute ist vergessen. Wir finden ein gutes Restaurant, sitzen davor, essen knusprige Schäufele sowie Risotto mit Pfifferlingen, und hören kostenlose Live-Musik. Dann schlendern wir noch durch die Festmeile, lauschen an beiden Bühnen der Musik. Es ist ein warmer Sommerabend. Nun sind die vier Wochen unseres erlebnisreichen, heißen Sommerurlaubs vorbei. Wir haben vorhin beim Essen versucht, noch einmal die eindrucksvollsten Ereignisse gedanklich nachzuvollziehen.
Spät abends wieder am Auto angelangt, parken wir noch einmal um und stellen uns auf einen inzwischen freigewordenen Platz zu den anderen Womos.

Sonntag, 09. Juli: Altdorf ► Heimatort, 271 Tageskilometer
Jetzt ist es nach Hause nur noch ein kurzes Stück. Bevor wir nach Genuß unserer Sonntags-Frühstückseier losfahren, werden wir in eine längere Unterhaltung mit dem Wohnmobileigner neben uns verstrickt. Er macht gerade sein Fahrzeug fertig für eine längere Tour. Das Gespräch endet in der Offenlegung seiner gesamten Lebensgeschichte, einschließlich des beruflichen Werdegangs, sämtlicher Krankheitsverläufe und der Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse. Wir scheinen einen vertrauenswürdigen Eindruck bei anderen zu hinterlassen, aber alles sollte man doch nicht preisgeben.
Ohne Beeinträchtigungen erreichen wir Heimatboden.
Wir entschließen uns, eine Autobahnabfahrt weiter zu fahren, um einer schon lang währenden Bundesstraßensperrung mit Umleitung zu entgehen. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wissen, ist: Die Sperrung ist gestern aufgehoben worden, aber unsere nun gewählte Strecke hat eine Sperrung und verhilft uns zu einer großen Umleitungstour in heimatlichen Gefilden über die Höhen des Thüringer Waldes. Zuhause können wir dann in der Tageszeitung von gestern darüber nachlesen.
Als wir dann endgültig im Heimathafen eingelaufen sind, staunen wir über unseren Garten. Alles ist enorm gewachsen, da muß man wohl demnächst kräftig Hand anlegen.

Birgit
im Juni/Juli 2017

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.