Kroatien-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Die Krka-Fälle und Dubrovnik


Dienstag, 13. Juni: Senj ► Skradin (Kroatien) 221 Tageskilometer
Heute ist es sehr mild. Wir sitzen schon früh draußen bei ausgiebigen Frühstück.
Aus dem Ort heraus fahren wir dann abseits der Magistrale den Berg in Serpentinen auf gut ausgebauter Straße hinauf. Wir halten an Aussichtspunkten und fotografieren. Am Scheitelpunkt einer Haarnadelkurve geht eine kleine Straße ab. Francoviac ist ausgeschildert. Von da müsste man einen noch besseren Blick über die Küste und die vorgelagerten Inseln haben. Haben wir dann auch, aber die Straße ist sehr schmal und ohne Ausweichstellen. Wir haben Glück, es begegnet uns nicht ein Fahrzeug, wir genießen die Ausblicke und finden dann auch noch eine Wendemöglichkeit.

Zurückgekehrt zur Hauptstraße fahren wir dann auch bald auf die Autobahn in Richtung Zadar / Split. Ständig wechselnde Aussichten: Buschland, Steine, Wald, immer mal Tunnel und dann wieder das Meer. Gegen 13ºº Uhr fahren wir eine Abfahrt vor Šibenik raus und finden in Skradin einen Stellplatz schneller als uns lieb ist. Bevor wir uns richtig sicher sind, ob wir hier bleiben, hat uns eine geschäftstüchtige Dame von der Parkplatzeinfahrt auf ein halbschattiges Gartengrundstück gelotst. Wir stellen fest, dass die Ausgangsposition für unsere Besichtigungen hier gar nicht so schlecht ist, also bleiben wir.
Nach einem Mittagsimbiss machen wir uns zu Fuß auf. Wir sind genau am Beginn der Altstadtgasse, die geradewegs zum Hafen führt. Am Anfang stehen viele verlassene Häuser. Bis hier ist der Geldsegen den der Tourismus um die Seen und die Krka-Wasserfälle bringt noch nicht gekommen. Aber dann wird es doch lebendiger, die Häuser sehen saniert aus, kleine Lädchen, Kneipen, Hotels, der Hafen mit einer Menge Luxusjachten und dann sehen wir einen Glaspalast, hier ist die Nationalpark-Tourismusinformation mit den Ticketbüros untergebracht. Wir wollen mit einem Boot zum Krka-Nationalpark mit seinen Wasserfällen fahren. Das kostet umgerechnet ca. 30,- € für uns beide. Um 16.ºº Uhr ist Abfahrt. Bis dahin trinken wir noch etwas Kühles, schauen uns im Hafen die Jachten aus aller Welt an und schon ist es dreiviertel vier. Wir steigen in das Ausflugsboot. Der zum See erweiterte Fluß Krka auf dem das Boot fährt, ist eingebettet in teilweise ausgehöhlte Felsen mit Bewuchs, im Wasser Schilfinseln. Am Fels sind immer wieder Reste der alten Straße zu sehen.

Nach ungefähr 20 Minuten Bootstour sind wir am Anleger an den Wasserfällen. Hier sprudelt der Fluß in vielen Verzweigungen über zahlreiche Sinterkalkterassen, die sich im Laufe der Jahre durch weiteres Ansetzen von Kalk immer wieder verändern. Der Sinterkalk bildet oft sehr seltsame Formen. Durch die Feuchtigkeit ist reichlich Pflanzenwuchs vorhanden. Viele Bäume spenden Schatten, den man bei dieser Hitze auch dringend braucht. An der ersten Kaskade baden viele Menschen im kühlen Flußwasser.

Auf Stufen gelangt man nach und nach höher hinauf und hat immer neue Ausblicke auf das Gewirr von Wasserläufen und Wasserfällen. Überall schwirren blauflügelige Libellen, Azurjungfern, herum und im Wasser tummeln sich dicht an dicht unzählige Forellen in allen Größen.

Auf den Steinen sehen wir Eidechsen huschen. Man stößt hier auch auf Spuren früheren menschlichen Lebens und Schaffens. Eine alte Mühle mit sehr sinnreichen Wehranlagen und Wasserführungen, Reste eines Wasserkraftwerkes, wohl eines der ersten in ganz Europa, kann man sehen.

Gegen 18.³º Uhr nehmen wir das Schiff zurück. Wir sind rechtschaffend müde und lassen die Seele baumeln. Zum Abendessen gibt es die Reste der riesigen Grillplatte von gestern, die wohlverwahrt in unserem Kühlschrank den Tag überdauert haben.

Mittwoch, 14. Juni: Skradin ► Dubrovnik (Kroatien) 285 Tageskilometer
Als wir zum Frühstück wieder vor unserem Auto sitzen, stellen wir fest, dass dieser Platz hier wirklich ideal für unser Vorhaben war. Als erstes Fahrzeug fährt ein großes Ford-Wohnmobil vom Platz. Es stand gestern etwas versteckt mit einer großen Isolierplane mit aufgedruckter australische Flagge über der Frontscheibe. Ein sehr individuell aussehender weiß-rauschebärtiger älterer Herr hantierte am Fahrzeug und Frank wollte ihn schon ansprechen wegen des seltsamen Nummernschildes. Es ergab sich aber irgendwie nicht. Nun, da er an uns vorüber fährt mit Rechtslenkung und tatsächlich einen AUS-Aufkleber neben dem Heck-Kennzeichen denken wir: Schade, wieder einen interessanten Menschen verpasst!
Wir fahren erst einmal ein ganzes Stück Nebenstraßen an der Krka entlang über die Brücke hinter Skradin. Einige Fotostops und ein Halt beim Bäcker. Das erste Urlaubsbrot ist weich und fluffig.
Dann sind wir wieder auf der Autobahn in Richtung Dubrovnik. Lange fahren wir durch bergige bewaldete unbewohnt erscheinende Gegenden. Selten ist einmal ein einzelnes Gehöft sichtbar. Hier wird es sicherlich Bären geben, es stört sie niemand.

Plötzlich tut sich wie aus dem Nichts ein breites Tal auf. Alles kultiviert mit Feldern und Plantagen, teilweise auch Weinstöcke. Ab der Ausfahrt Ploče geht es auf autobahnähnlich ausgebauter Straße durch viele Tunnel wieder bergab zur Küste zur Adriamagistrale. Dort breitet sich im Delta der Neretvamündung sehenswerte Kulturlandschaft aus. Zwischen den kleinen Kanälen und Wasserläufen unzählige kleingliedrig landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Ufer der Wasserläufe sind mit hohem Schilfgras bewachsen.

Bei Klek verlassen wir kurzzeitig Kroatien und durchqueren einen Zipfel von Bosnien-Herzegowina. Die Straßenwegweiser sind hier in Neum lateinisch und kyrillisch beschriftet. Wobei die kyrillische Schrift bei allen, augenscheinlich sehr neuen Schildern die wir passieren, durch besprühen mit Farbe fast unkenntlich gemacht wurde. Auch hier schwelt noch der Nationalitätenkonflikt wie man sieht. Der erforderliche zweimalige Grenzübertritt gestaltet sich sehr unkompliziert.

Wieder in Kroatien angelangt halten wir an einem Weingut, dass direkt die steilen Küstenhänge bewirtschaftet. Wir nähern uns Dubrovnik. Ein erneuter Fotostop an der großen Brücke der Magistrale. Der große Campingplatz, den wir ansteuern möchten ist auf der anderen Seite von der Brücke aus zu sehen.

Der Platz Solitudo im Stadtteil Babin Kuk ist recht groß, aber kaum belegt. Die Saison hat hier noch nicht begonnen. Wir finden einen schönen Standplatz mit Blick auf die Berge und die ein- und ausfahrenden Kreuzfahrtschiffe. Jetzt entspannen wir erst einmal, es ist sehr heiß. Etwas später wird der Platz erkundet und der Strand. Hier sind ein paar Hotels mit ihren Strandbars. Die Musik dudelt vor sich hin. Es ist alles noch sehr ruhig und angenehm mit wenig Besuchern. Wir gehen eine Runde schwimmen und machen anschließend einen ausgedehnten Spaziergang. Abend sitzen wir noch lange draußen.

Donnerstag, 15. Juni: Dubrovnik (Kroatien) 0 Tageskilometer, dafür Stadtbus
Heute ist es auch schon am Morgen schön warm, aber es sieht leicht nach Regen aus, der Himmel ist vollkommen bedeckt. Vielleicht wird es heute nicht ganz so heiß. Das wäre gut so, den wir möchten gleich nach dem Frühstück die Altstadt ansehen. Vorher schließt Frank unser Auto, das erste mal nach Jahren, an Strom an. Wir stehen im Vollschatten eines Baumes, der Himmel ist komplett zu, da gibt es heute wahrscheinlich keinen Solarstrom für unseren Kühlschrank. Unsere Batterien sind zwar ausreichend auch solches zu überbrücken, aber die Stromsäule steht direkt neben unserem Auto und der Strom ist inklusive. Das eben dieses ein Fehler ist werden wir bei unserer Rückkehr bemerken.
Wir nehmen den Stadtbus und in kurzer Zeit befinden wir uns vor dem großen Tor zur ummauerten Innenstadt.

Wir sind nicht die Einzigen die sich dieses wunderbare architektonische Ensemble ansehen möchten. Bei der Vorbeifahrt mit dem Stadtbus am Hafen heben wir Kreuzfahrtschiffe liegen sehen. Drei große und ein kleineres. Die scheinen ihren Inhalt schon komplett über der Stadt ausgekippt zu haben. Wir laufen einmal entlang der Hauptstraße, erleben einen kleinen Regenschauer, kaufen unserer ersten Postkarten und entscheiden uns dann für eine Tour auf der Stadtmauer hoch über den Dächern. Trotz des bedeckten und diesigen Wetters herrschen doch recht „knackige“ Temperaturen. In dieser schwülen Hitze Treppen zu steigen ist recht anstrengend.

Zwischen durch kommen aber auch wieder ebene Abschnitte, auf denen man sich wieder erholen kann. Gerade als wir auf einer langen Treppe am meisten schwitzen, treffen wir drei Motorradfahrer in vollem Ornat, gerade mal den Helm haben sie abgenommen und unter den Arm geklemmt. Dann fällt mir noch eine Familie mit zwei Kindern einschließlich Kinderwagen und Roller auf. Auch das ist eine beachtliche sportliche Leistung hier oben. Nach fast drei Stunden und einer vollen Stadtumrundung auf dem Mauerkranz steigen wir wieder herunter und suchen uns ein nettes kleines Restaurant in einer Seitengasse. Hier bedient ein Kellner mit dem Gestus und sogar der Stimmlage von Mr. Bean. Der von mir bestellte Oktopus schmeckt sehr lecker.

Danach laufen wir noch eine ganze Weile durch die Gassen und entschließen uns wieder zum Campingplatz zurückzufahren. Wir sind geschafft.
Am Platz dann die böse Überraschung: Unzählige Ameisen haben das Stromkabel als mehrspurige Ameisenbahn umfunktioniert und bevölkern außen das gesamte Fahrzeug. In der Anschlussdose befindet sich ein ganzes Gewölle aus Ameisen. Wir untersuchen das Innere. Bis hierher scheinen sie es noch nicht geschafft zu haben. Das Kabel wird entfernt und das Auto abgekehrt. Wir müssen danach immer noch im Viertelstundentakt die Elektrodose auskehren, weil den Rückkehrern vom Dach und anderen Autoteilen ja der Weg abgeschnitten wurde. Dann fängt es an zu regnen. Wir spannen unser Tarp auf. Ein Hering der Befestigung muß dran glauben, weil der Boden hier komplett steinig ist. Das erste Kreuzfahrtschiff fahrt in der aufkommenden Dämmerung vor uns vorüber.

Später platziert sich uns gegenüber noch ein britisches Wohnmobil und der Fahrer versucht seinen Wassertank mit Eimer und Trichter aus einem Hahn direkt neben seinem Platz zu befüllen. Frank hilft mit unserem Wasserschlauch und dem Anschlußadapter. Beide kommen noch nett ins Gespräch, der Brite ist sehr lustig. Abends gleiten noch mehrere hell erleuchtete Kreuzfahrtschiffe vorbei.

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.