Lettland-Reisebericht :BALTIKUM - RUSSLAND - UKRAINE - POLEN

Lettland

Mit einer Fläche von 64'589 km2 ist Lettland fast gleich gross wie Litauen. Mit einer Einwohnerzahl von 2,25 Mio. ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 35 Einw./km2.
2008 und 2009 erlebte das Land den grössten aller Abstürze; eine Rezession im zweistelligen Bereich. Die Situation war die dramatischste in der gesamten EU und drohte, völlig ausser Kontrolle zu geraten, weswegen die Europäische Union, der IWF und eine internationale Gebergemeinschaft mit einem riesigen Kredit-Hilspaket von insgesamt 7,5 Milliarden Euro einschritten. Seit Mitte 2010 wächst die Wirtschaftsleistung wieder. In 2015 soll der Euro eingeführt werden, heute ist die Währung noch der Lats.
25./26./27.07.2013
Unsere letzten Litas vertanken wir noch vor der Grenze und fahren über den verlassenen Grenzposten. Kurz nach der Grenze befindet sich das Schloss Pilsrundäle, der bekannteste Palast Lettlands. Das riesige, prächtig verzierte und überreich ausgestattete Barockschloss mit französischem Schlossgarten möchten wir besichtigen. An der Kasse entschliessen wir uns für eine Führung in deutscher Sprache, jedoch die Kassiererin ist nicht bereit das Eintrittsgeld in Euro zu kassieren. Sie erklärt uns, dass wir nur in Lats oder mit Kreditkarte bezahlen können. Da wir unsere Kreditkarte für einen kleinen Betrag nicht belasten wollen, entschliessen wir uns auf die Besichtigung zu verzichten. Wir begnügen uns mit dem abfotografieren der Plakate beim Eingang.

In Bauska, einer kleinen Stadt finden wir im Kaufhaus eine Bank und können Euro in Lats wechseln. Im Einkaufszenter versorgen wir uns mit Früchten, Gemüse und Fleisch. Man bekommt alles, aber nicht mehr so günstig wie in Polen oder Litauen. Auf direktem Weg fahren wir danach nach Riga. Im Schritttempo geht's durch die Stadt und wir erreichen den City-Camping beim Stadion (GPS N 56'57'21.2 E 024'04'40.7). Der Camping ist nahe der Altstadt und deshalb ideal und gut besucht. Nachdem wir uns installiert haben machen wir noch eine Wanderung über die Daugava zum Zentralmarkt. Fünf grosse Hallen, es handelt sich um Hangars wo früher Zeppeline gebaut wurden. Heute sind es riesige Markthallen, wo der grösste Lebensmittelmarkt Lettlands abgehalten wird.
Für den nächsten Tag haben wir eine Stadtrundfahrt mit Bootstour gebucht. Um 10.00 Uhr ist Start auf dem Campingplatz mit einem Bus, welcher uns zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt führt und anschliessend steigen wir um auf ein Boot und machen auf dem Kanal durch die Stadt bis zum Hafen eine Tour. Mittelalter, Jugendstil und Moderne prägen die mit ca. 700'000 Einwohner einzige wirkliche Grossstadt des Baltikums. Die Stadt hat Atmosphäre und strahlt Charme aus. Anschliessend besuchen wir noch das Okkupations-Museum. In diesem Museum wird die Zeit der Besetzung der Baltischen Staaten durch Russland vor dem 2. Weltkrieg, die "Befreiung" durch Hitler im 2. Weltkrieg, die neuerliche "Befreiung" durch die Russen 1945 und die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zur nun hoffentlich endgültigen Freiheit der Baltischen Staaten dokumentiert. Während einer Führung in deutscher Sprache erfahren wir über die Deportationen tausender Letten in russische Gulags. Auch Riga hatte in der Nazizeit ein Juden-Ghetto. Makaber fanden wir, dass die Nazis tausende von den Russen erschossene oder zu Tode gefolterte Letten ausgruben, um der Welt die Verbrechen der Russen zu beweisen. Die Welt hat sich seit dem 2. Weltkrieg verändert. Wir finden es richtig, dass die betroffenen Staaten wie hier in Riga und andernorts, diesen Teil der Geschichte für die Nachwelt, in der Hoffnung, dass so etwas nie mehr geschehe, dokumentieren.

Nach einem Rundgang im Hafen, wo wunderbare Viermaster-Segelschiffe stehen, kehren wir müde wieder auf den Campingplatz zurück.

Wir starten schon um 08.00 Uhr und fahren quer durch die Stadt. Unser erstes Ziel ist heute die Gedenkstätte Salaspils 24 km ausserhalb Riga. Vom ehemaligen Konzentrationslager selbst ist nichts übrig geblieben. Von 1941 bis 1944 nutzten die Nazis Salaspils als Etappenlager, bevor die Gefangenen weiter transportiert wurden. 39 Baracken standen einst, wo jetzt nur eine grosse Wiese übrig geblieben ist. Auf der Fläche stehen gewaltige, ausdrucksstarke Steinfiguren, ein unbeugsamer Mann, ein Erniedrigter, eine Mutter mit Kindern. An der Stelle der einstigen Kinderbaracke erinnern Stofftiere und Spielzeuge neben Blumen an das Schicksal und das Leid der jungen Gefangenen. Hauptobjekt des Geländes ist ein schmales, längliches, schräg ansteigendes Bauwerk, das als Ausstellungsraum errichtet wurde. Innen entsteht auf diese Weise ein langer, dunkler Tunnel, der vom Eingang aus langsam und schnurgerade nach oben führt. Ein Metronom klopft den immer gleichen Takt, während man sich der zunächst endlos weit erscheinenden Wand am Ende des Tunnels nähert. Keine ausführlichen Beschreibungen sind hier notwendig, um den Schrecken des Ortes zu dokumentieren und zu vermitteln.

Unser nächstes Ziel ist das Motorenmuseum, welches noch zu Sowjetzeiten gegründet wurde. 100 Exponate soll die Ausstellung zeigen. Leider wird zurzeit das Museum umgebaut und ist deshalb geschlossen. So fahren wir halt weiter zum nahe gelegenen Freilichtmuseum, welches bereits seit 1924 existiert und bis zum heutigen Tag ständig um neue Gebäude und Elemente bereichert wurde. Hier können wir auf einem zweistündigen Spaziergang, die vier grossen lettischen Regionen und ihre Geschichte kennenlernen. In die Landschaft gebaut sind kleine Siedlungen mit Wohnhäusern, Ställen, Brunnen, Kirchen, Windmühlen und Speicher. Wir sind überrascht wie mit viel Liebe und Aufwand der Park aufgebaut ist.

Auf der A2 fahren wir danach weiter zum Naturpark LIGATNE. Auf einem äusserst weitläufigen Gelände ist ein Naturpfad von 5,5 km Länge angelegt. Auf dem Naturpfad können Luchs, Wolf, Braunbär, Eulen, Elch und Wildschweine beobachtet werden. Es handelt sich hier um keinen Zoo, sondern um einen weitläufigen Wildpark mit einheimischen Tieren. Einige Tiere können wir auf unserer Wanderung sehen, jedoch Luchs und Wolf sind nicht zu erblicken und ein Elch ruht sich im tiefen Graus aus, so dass wir nur etwas vom Geweih sehen können. Trotzdem ist die Wanderung sehr schön und wir sind zufrieden etwas für unsere Fitness getan zu haben.

Der Camping bei der Fähre über den Gaujafluss ist uns zu teuer und wir entschliessen uns weiter zu fahren nach Cesis, wo wir auf dem Camping Zagarkalns (GPS N 46'47'11.0 O 007'36'01.1) übernachten.
Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht fahren wir weiter Richtung Valka. Die Strasse führt an schönen alten Bauernhöfen vorbei. Auch in den Dörfern hat es neben den Backsteinhäusern noch einige alte Holzhäuser. Über lange Strecken fahren wir durch Föhrenwälder. Vor der Grenze vertanken wir noch die letzten Lats, denn in Estland können wir mit Euro bezahlen. Mitten durch den Ort Valka verläuft die Staatsgrenze zwischen Lettland und Estland. Beide Seiten kooperieren sehr eng und 2007 sind auch die zuletzt schon lockeren Grenzkontrollen eingestellt worden. Umso kurioser und reizvoller ist es, praktisch ohne Übergang von einer lettischen in eine estnische Stadt zu gelangen, mit den Strassenschildern in einer völlig anderen Sprache und einer leicht, aber doch spürbar anderen Atmosphäre. Auf Estnisch heisst der Ort Valga.

Schloss Pilsrundäle

Schloss Pilsrundäle

RIGA Hafen

RIGA Hafen

RIGA

RIGA

Salaspils Gedenkstätte

Salaspils Gedenkstätte

Freilichtmuseum

Freilichtmuseum

Naturpark LIGATNE

Naturpark LIGATNE

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Den Osten zwischen den 3 Meeren mit dem Wohnmobil erleben! Die diesjährige „grosse“ Reise soll uns über Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, nach Tallinn der Hauptstadt Estlands führen. In Tallinn treffen wir uns mit einer Wohnmobilgruppe, mit welcher wir nach Russland und Ukraine fahren.
Details:
Aufbruch: 13.07.2013
Dauer: 11 Wochen
Heimkehr: 24.09.2013
Reiseziele: Deutschland
Polen
Litauen
Lettland
Estland
Russland / Russische Föderation
Ukraine
Der Autor
 
Peter & Elisabeth WULLSCHLEGER berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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Peter & Elisabeth über sich:
Seit wir pensioniert sind, reisen wir mit unserem Wohnmobil auf der Welt umher. Damit unser Freundeskreis weiss wo wir sind, schreiben wir Reiseberichte. Natürlich freut es uns sehr, wenn wir hie und da eine Antwort erhalten!
Peter und Elisabeth WULLSCHLEGER