Montenegro-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Um die Bucht von Kotor zur albanischen Grenze


Freitag, 16. Juni: Dubrovnik ► Kotor (Montenegro) ► Buljarica (Montenegro) 159 Tageskilometer
Wieder ist es am frühen Morgen schon sehr heiß. Durchs Stadtgerödel kämpfen wir uns auf die Magistrale durch, die oberhalb in den Bergen verläuft. An einer Aussichtsstelle mit Postkartenblick auf die Altstadt halten wir noch einmal. Leider ist wie auch schon zuvor die Fernsicht durch das heiße diesige Wetter getrübt. Inzwischen halten mehrere Reisebusse und stauen den gesamten Verkehr auf der Magistrale. Wir machen, das wir fortkommen.

Bis zum Flughafen bei Močiči verläuft die Straße noch küstennah, dann etwas abseits und bevor die Magistrale vollständig in den Bergen verschwindet, nehmen wir den Abzweig nach Molunat. Eine gut ausgebaute kleine Straße mit wenig Verkehr führt uns wieder zur Küste. Molunat liegt an der Engstelle einer Halbinsel. Wir stehen und sehen zu beiden Seiten das Meer. Das merken wir uns mal für den Rückweg vor.
Wieder mit Kurs auf den kleinen Grenzübergang nach Montenegro kommen uns in der Gluthitze zwei Fahrradfahrer entgegen, mit dänischer Flagge am Gepäckträger, sonst herrscht hier zur Zeit kein Verkehr. Unser Navi rät uns, nachdem wir Kotor eingegeben haben, nun schon seit mehreren Kilometern „bitte wenden Sie“. Das ignorieren wir einfach, so erreichen wir den Grenzübergang. Beim Verlassen der kroatischen Seite gibt es trotz sehr wenig Verkehrs einen kleinen Stau. Es ist sehr eng, auf der Straße noch die geparkten Autos der Grenzpolizei. Sie sitzen in Ihrem Container und kommen immer einzeln an jedes Fahrzeug, nehmen die Papiere entgegen, laufen zu dem entfernt stehenden Container zum kontrollieren und kommen nach einiger Zeit zurück. Dann muß es ja so lange dauern. Auf der montenegrinischen Seite geht es dann schneller.
Jetzt fahren wir an einer dicht bebauten Küste entlang. Viele, oft hässliche Hotelanlagen stehen an den Stränden. An der Stelle, wo eine Autofähre die Bucht von Kotor überquert, beobachten wir eine Weile dem Fährbetrieb und beschließen dann, die Bucht ganz zu umrunden.

In Risani schauen wir uns die Reste einer römischen Villa an. Hier sind sehr schöne Mosaikfußböden zu sehen. Durch den angrenzenden Park vor der Kirche gelangen wir zu einem Gartenrestaurant in dem wir gut essen und frisch gepressten Orangensaft trinken. Dann laufen wir noch ein wenig durch den alten Ort, der mittendrin durch einen großen nicht fertig gestellten Betonbau dominiert wird. Dem Zustand nach gammelt der mindestens schon 20 Jahre vor sich hin. Wir kaufen noch Erdbeeren bei einer alten Frau in einer kleinen alten Markthalle.

Wieder unterwegs nach Kotor sehen wir die Kircheninseln in der Bucht nun aus anderer Perspektive. Schon weit vor Stadt ist die mächtige Wehrmauer zu erblicken. Sie reicht weit, bis hoch in die kahlen Berge. Am kleinen Hafen kann man für 3,50€ pro Stunde parken, ein stolzer Preis. Auch in dieser Stadt sind sehr viele Touristen, aber sie ist noch nicht so überlaufen wie Dubrovnik, auch nicht so gut saniert und wirkt dadurch authentischer mit ihrem morbiden Charme in den schmalen verwinkelten Gassen. Es ist unerbittlich heiß, das hindert uns daran dem Verlauf der weit reichenden Stadtmauer zu folgen.

Wir fahren aus der Stadt durch einen Tunnel wieder an die Küste und stoppen an einem Aussichtspunkt. Unter uns liegt die kleine Inselstadt Sveti Stefan, die komplett privat ist und insgesamt als Hotel genutzt wird. Sogar die Kirche soll zu einem kleinen Schwimmbad umgebaut worden sein, erzählt jemand neben uns.

In Buljarica fahren wir an den Strand. Direkt am Strand auf dem Gelände eines aufgegebenen Campingplatzes lagern Romafamilien mit ihren Wohnwagen, Transportern und LKW. Sie scheinen als Schrottsammler unterwegs zu sein. Wir fahren den Platz ab, um eventuell doch noch ein unvermülltes ruhiges Eckchen zu finden, jedoch vergeblich.
Weiter oben im Ort finden wir ein Autocamp. Ein Mitarbeiter studiert gleich unsere Länderflaggen am Heck. Er erkennt fast alle und bemängelt, das Montenegro noch nicht vertreten ist. Gleich will er wenigstens den eigenen Aufkleber vom Autocamp dazukleben. Das geht natürlich nicht. Unsere Länderfahnen sind „genormt“ und kommen immer erst nach der Reise dran. Der Platz ist schön schattig. Wir gehen runter ans Meer und baden. Das Wasser ist wunderbar, und überall in der Adria schön klar. Der Strand ist auch hier steinig, da kommen wieder die Badeschuhe aus dem vorigen Kroatienurlaub zum Einsatz. Einen schönen entspannten Abend verbringen wir noch vor dem Auto. Durch unseren Sahara-Lofoten-Aufkleber am Fahrzeugheck kommen wir mit verschiedenen Leuten wieder gut ins Gespräch.

Samstag, 17. Juni: Buljarica ► Stari Bar ► Shkodra (Albanien)
81 Tageskilometer

Heute Nacht haben uns im Auto die Mücken geärgert und draußen ging ein starker Wind. So sind wir heute noch etwas müde. Aber nach einer erfrischenden Dusche und einem guten Frühstück sieht alles schon wesentlich besser aus. Ich mache noch ein paar Reisenotizen vom gestrigen Tag und wir verlassen das Camp.
In Bar folgen wir einem Wegweiser „Old Town“ und kommen nach Stari Bar einer Höhenstadt mit langer Siedlungsgeschichte.

Wir stellen die blaue Zitrone vor dem Ort ab und laufen eine steile Gasse hinauf. Einige Läden mit Handwerk, Verkauf von Olivenöl und Granatapfelsaft säumen den Weg. Dann durchschreiten wir das imposante Torgebäude und sind in einer malerischen Ruinenlandschaft.

Überall huschen unzählige Mauereidechsen herum. Die im Mittelalter wohl sehr mächtige Stadt lag schon seit dem 19. Jahrhundert größtenteils in Trümmern. Ein verheerendes Erdbeben 1979 vertrieb dann die allerletzten Bewohner. Die Folgen des Bebens kann man an der Festungsmauer anschaulich betrachten. Dort wurde ein gewaltiges Stück heraus gehoben und daneben gestellt.

Inzwischen wurde einiges gesichert und saniert. Es gibt ein kleines Freilichttheater und ein großer Uhrenturm wurde original wieder hergerichtet auch ein Kirchenschiff wurde wieder instand gesetzt.
Als wir wieder am Tordurchgang angelangt sind, sitzt dort ein Gitarrenspieler, der sehr gekonnt Variationen von Rockmusikstandards darbietet. Eine russische Familie hat musikalische Wünsche. Er spielt ihnen „По долинам и по взгорьям“ – uns aus der Schulzeit bekannt als „Partisanen vom Amur“. In der Gasse vor dem Tor suchen wir uns ein kultiges Restaurant mit vielen bunten Kissen und Polstern auf den selbstgebauten Bänken und Stühlen. Die Sitzgelegenheiten befinden sich auf verschiedenen Terrassen und sogar auf dem Dach. Im WC-Raum ist die ehemalige Nutzung als Wohnung zu erahnen.

Das Haus gegenüber hat in verschiedenen Nationalitäten geflaggt. Wir trinken frischen Granatapfelsaft und essen Bruschetta und traditionellen einheimischen Gemüseteller mit selbstgebackenem Brot. Der Kellner der bereits vor dem Lokal für seine Gastlichkeit geworben hatte, kümmert sich rührend um uns, erklärt genau, was wir da so essen und fragt mehrfach nach, ob alles ok. ist. Unter meinem Stuhl hat sich eine Katze dauerhaft niedergelassen.

Zurück an der blauen Zitrone, hat Frank noch ein Gespräch mit einem holländischen Paar, die mit PKW und Zelt unterwegs sind. Es werden noch einige Besichtigungstips ausgetauscht und Karten gewälzt.
In Richtung der albanischen Grenze geht es abseits der Hauptroute auf kleiner einspuriger Straße, was sich später auch als entschieden kürzer herausstellen sollte. Erst fahren wir durch dicht besiedeltes Gebiet, dann wird es einsamer, nur noch vereinzelte Gehöfte, plötzlich Schafherden auf der Fahrbahn. Bei Gegenverkehr müssen wir anhalten, oder auch die Entgegenkommenden halten und wir werden vorbei gewunken. In Krute treffen wir wieder auf die Hauptstraße, nach wenigen Kilometern sind wir auch schon an der albanischen Grenze.

Hier begrüßen uns auch schon die ersten Betonbunker. Die Grenzabfertigung dauert eine viertel Stunde. Nach dem Kontrollpunkt ist die Ausfahrt blockiert, die Gegenrichtung ist zur Zeit weitaus stärker frequentiert. Nach einigem herumrangieren von Reisebussen kommen wir weiter.
Das Leben und Treiben nimmt zu, wir nähern uns langsam einer Stadt. In Shkodra wollen wir uns auf dem der Stadt am nächsten liegenden der drei ausgewiesenen Wohnmobilplätze für heute niederlassen. Erst drehen wir einige Runden in der Innenstadt, weil wir eine Bank suchen. Wir haben noch keine einheimische Währung. An den großen Verkehrskreiseln stehen Polizisten und überwachen den Verkehr, der aber keinerlei Regeln zu kennen scheint. Radfahrer fahren im Kreisverkehr entgegen des Verkehrsstroms. Wer hier Vorfahrt hat, scheint allein vom der Fahrzeuggröße und dem Typ abzuhängen. Nach der dritten Runde in der Innenstadt haben wir endlich eine Bank entdeckt und parken in einer Seitenstraße. Eigentlich haben wir uns gar nicht mit dem albanischen Tauschkurs vertraut gemacht. So kommt es, dass wir erst einmal nur 2000 LEK aus dem Automaten ziehen. Kurs ist aber 1:135 zum Euro, wie wir nach langem studieren der Währungstabelle neben dem Automaten herausfinden. Das wären ja nur 15 €. Damit kommen wir wohl nicht sehr weit. Hört sich aber erst einmal sehr viel an. So müssen wir noch einmal an den Automaten. Vorher gehen wir in den kleinen gegenüberliegenden Laden, um uns ein Überblick über das Preisgefüge im Lande zu verschaffen und außerdem schon mal einen kleinen Einkauf zu tätigen.
Wir verlassen die Stadt, um am Stadtrand den Wohnmobilplatz aufzusuchen. Ein Areal unterhalb der Festung, mit Wein- und Kiwianpflanzungen an Rankgerüsten und Spalierapfelbäumen zwischen den Stellflächen.

In der Mitte ist ein schöner großer Pool mit einem Pavillon darüber als Sitzterrasse und Sprungturm. Wir machen einen Rundgang mit dem Mädel von der Rezeption, die zur Besitzerfamilie zu gehören scheint. Stolz führt sie uns über den sehr schönen neu gestalteten Platz.
Wir parken an einer schattigen Stelle ein und ruhen uns erst einmal aus, danach ziehen wir eine Runde durch den erfrischenden Pool. Später sitzen wir am Poolrand mit einem Glas Wein und lassen die Seele baumeln. Es wird dann etwas lebendiger um uns. Einige einheimische Leute kommen, für einen alten Mann im schicken Anzug werden Stühle und Tische gerückt und im Pavillon platziert. Musik wird angestellt, die leichten weißen Vorhangstoffe des Pavillons zurechtgerückt Ob hier noch etwas stattfindet? Nein alles bleibt dabei. Die Festungsmauern über uns glühen noch in der Abendsonne als um uns schon alles in Dämmerung gehüllt ist.

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 15 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
margit 1511805106000
Span­nend euer Bericht über den Epirus. Ich selbst war schon öfter dort und ich liebe diese Gegend, die soviel Ruhe aus­strahlt. Das Denkmal für die Pin­dos­frau­en bei Asp­ran­ge­li habe ich noch nicht ent­deckt und deshalb etwas ge­goo­gelt. Es ist den Frauen ge­wid­met, die den Kampf gegen die i­ta­lien­ischen In­va­so­ren unterstützt ha­ben.­
Habt wei­ter­hin so schöne Reisen und schreibt eure Berich­te.­
Gruß Mar­git­

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