Polen-Reisebericht :Krakau - Auschwitz / Birkenau

Foto-Reisebericht einer Städtetour nach Krakau. Die mittelalterlich geprägte Stadt ist äußerst sehenswert. Neben der schönen Altstadt ist eine Besichtigung der Wavel sehr lohnenswert sowie ferner Ausflüge zum Salzbergwerk Wieliczka sowie zum Konzentrationslager Auschwitz / Birkenau.

Krakau

Allgemeines

Die kulturellen Schätze der Stadt Krakau wurden schon früher erkannt. Als die UNESCO im Jahre ihrer Gründung 1978 die zwölf schützenswertesten Kulturgüter der Welt suchte, stand die Altstadt von Krakau bereits ganz oben auf der Liste. Der mittelalterliche Grundriss und der außergewöhnliche architektonische Reichtum, der viele gut erhaltene Bauwerke aus dem Mittelalter, der Renaissance sowie dem Barock umfasst, machen Krakau zu etwas Einzigartigem. An die 100 Kirchen geben der Stadt den Spitznamen "polnisches Rom". Heute ist Krakau mit etwa 758.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Polens. Darüber hinaus hat die Universitätsstadt nicht allein durch die vielen Studenten einen jugendlichen, frischen Charme. Auch die Jazz-Szene kann sich sehen lassen. So soll Nigel Kennedy, der mit seiner polnischen Freundin hier lebt, gesagt haben, dass die lokale Jazzszene unglaublich sei und bestenfalls übertroffen wird von der in New York. Da wundert es nicht, dass es allein in der Altstadt über 400 Klubs, Bars, Kneipen und Restaurants gibt.

Krakau hat eine vielfältige Geschichte unter unterschiedlichster Herrschaft durchlebt. Ab 1320 war Krakau die Landeshauptstadt. 1364 wurde bereits eine Universität gegründet, die die ersten europäischen Lehrstühle für Mathematik und Astronomie innehatte. Viele der heute noch erhaltenen Bauten stammen aus dem 15. und 16. Jh., als die Stadt ihr "Goldenes Zeitalter" durchlebte und viele Handelswege durch Krakau führten. Seine politische und wirtschaftliche Vormachtsstellung büßte Krakau jedoch ein, als die Hauptstadt Ende des 16. Jh. nach Warschau verlegt wurde.

Im 18. Jh. erfolgte der Verfall des polnischen Staates und erst im Jahre 1918 wurde Polen wieder souverän. Krakau hat die beiden Weltkriege weitgehend unbeschädigt überstanden, wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt und nach Kriegsende zu einem sozialistischen Staat. Dank der Solidarnocz-Bewegung kam es zur Wende und Polen ist seit 1990 eine parlamentarische Republik. Heutzutage ist Krakau ein beliebtes Touristen-Ziel geworden.

Samstag, 30.09.2006 Krakau

Von Krakau haben wir schon viel Gutes gehört, nun möchten wir die Stadt kennenlernen. Mangels Flügen zu attraktiven Flugzeiten entscheiden wir uns mal wieder fürs Autofahren. Von Berlin aus sind es etwa 600 Kilometer zu fahren. Bei Forst überqueren wir die deutsch-polnische Grenze. Die freie Fahrt ist vorbei, leider auch der gute Straßenzustand, so dass es kaum möglich ist, schneller als 100 km/h zu fahren. Erfreulicherweise wird die Straße nach knapp 50 Kilometern besser, so dass wir nach fünfeinhalb Stunden Krakau erreichen. Dafür sind wir gerne bereit, die geringe Autobahngebühr (insgesamt 13 zt.) rund um Kattowitz zu zahlen.

Über das Internet haben wir ein Bed & Breakfast in der Altstadt gebucht. Die Lage des B & B "La Fontaine" (DZ 67,00 EUR) könnte nicht besser sein, es liegt nur 20 m vom Marktplatz und dennoch absolut ruhig, da alle Zimmer erfreulicherweise zum ruhigen Innenhof liegen. Die Ausstattung ist einfach (**) aber gut; es gibt sogar eine Kochmöglichkeit.

Das Auto parken wir auf einem vom B & B empfohlenen bewachten Parkplatz außerhalb der Altstadt, der Tagespreis liegt bei vertretbaren 45 zt/Tag.

Marktplatz Rynek Glowny

Marktplatz Rynek Glowny

Zentrum der Altstadt ist der riesige Marktplatz Rynek Glowny. Wir erholen uns erst einmal von der Fahrt und genießen bei einem kleinen Snack die Sonne und schauen dem bunten Treiben zu. Der Stadtmarkt ist der größte mittelalterliche Platz Europas. Doch auf den ersten Blick können wir die Größe des an den venezianischen San Marco erinnernden Platz nicht ausmachen. Erst beim späteren Rundgang erschließt sich uns die wahre Größe des 200 qm großen Marktplatzes, in dessen Mitte die über 100 m langen Tuchhallen diesen in zwei Hälfte teilen.

Adels- und Patrizierhäuser umsäumen den Platz. Aus dem Ensemble ragen die beiden ungleichen Türme der gotischen Marienkirche heraus. Ein Turmbläser wollte 1241 vor der Ankunft der Mongolen warnen, wurde jedoch noch während er ins Horn blies von einem Pfeil tödlich getroffen. Im Gedenken erklingt vom höheren der beiden Türme zu jeder vollen Stunde die Melodie des Marienturmlieds, die nach einigen Takten abbricht. Die Kirche betritt man durch eine verspielte Hauptvorhalle, wenn man nur beten will. Zwecks umfassender Besichtigung gibt es einen Seiteneingang, wo auch der Eintritt zu entrichten ist.

Marienkirche

Marienkirche

Das besondere Highlight der dreischiffigen Basilika ist der monumentale Hauptaltar (11 x 13 m groß) des Nürnberger Künstlers Veit Stoß, der den Innenraum beherrscht. Das gotische Pentaptikon wurde in einer einzigartigen Schnitzkunst mit bis zu 2,7 m großen Figuren gefertigt. Der Schrankaltar setzt sich aus dem Mittelschrank, zwei beweglichen und zwei nicht beweglichen Flügeln und der Bekrönung zusammen und stellt Szenen aus dem Leben von Christi und Maria dar.

Von der nachträglichen Barockisierung des Innenraums ist heute nicht mehr viel zu erkennen, bei der Restaurierung im 19. Jh. erhielt sie ihr ursprüngliches gotisches Aussehen zurück. Sehr schön ist auch das Presbyterium mit emporstrebenden, betonten Pfeilern, das, wie der gesamte Innenraum, bunt ausgemalt ist. Die farbenfrohen, hohen Glasfenster betonen zusätzlich das Emporstreben des Raumes. In den Nebenschiffen befinden sich Kapellen. Sehenswert ist ferner der prächtige Tabernakel. Von Veit Stoß stammt ebenfalls das steinerne Kruzifix im südlichen Schiff.

Die zweite Kirche am Platz ist die fast 1.000 Jahre alte Adalbertkirche mit zierlicher Barockkuppel, die dagegen winzig erscheint.

Rathausturm, Tuchhallen

Rathausturm, Tuchhallen

Der einsam stehende 70 m hohe Backsteinturm ist ein Überbleibsel des Rathauses, das im frühen 19. Jh. abgetragen wurde, heute befindet sich in dem ehemaligen Folterkeller ein Theater und eine Bar. Einige der Fassaden sind leider eingerüstet. So sehen wir nicht das Reptilienportal des Eidechsen-Hauses (Nr. 8) und können auch nicht den schönen Blick auf den Platz von der im ersten Stock des Potocki-Palais (Nr. 20) befindlichen Bibliothek im Goethe-Institut genießen. Auch die traurigen Tierköpfe an der Fassade des Hauses Unter den Widdern (Nr. 27) werden uns vorenthalten.

Lohnenswert ist es, einen Blick in die Edelpassage (Nr. 13) zu werfen. Der marmorne Fußboden kontrastiert mit den originären Steinmauern. Exklusive Modeläden und ein Delikatessenladen (angeblich Krakaus bester) sind hier zu finden.

Sehr gut gefallen uns die basarähnlichen Tuchhallen, die den Platz dominieren. Goldkuppeln und verspielten Zinnen scheinen aus einer anderen Welt zu stammen. Unter den Arkaden sind kleine Ladenlokale ansässig. In der großen Halle reihen sich hölzerne Verkaufsstände aneinander. Angeboten wird Kunsthandwerk aus Polen. Jugendstillampen tauchen das 100 m lange Basargewölbe in ein schummriges Licht. Im Obergeschoss ist eine der Abteilungen des Nationalmuseums untergebracht, die wir aber nicht besuchen.

Der Stadtmarkt ist voller Leben. Spätsommerliche Temperaturen laden zu einer Pause in einem der vielen Straßencafes ein. Die Kaffeehauskultur ist ein Überbleibsel der Habsburger Zeit, ebenso die Fiaker, mit denen Stadtführungen angeboten werden. Natürlich tummeln sich auch viele Künstler der Studentenstadt auf dem Platz und tragen ihre Künste vor. Unter leuchtend gelben Schirmen werden Blumen angeboten.

Wir verlassen den Platz um zum Collegium Maius, dem ältesten Universitätsgebäude der Stadt, zu gehen. Dieses ist einem Kloster nachempfunden, der Innenhof wird von gotischen Arkaden umrahmt. Kopernikus hat hier studiert. Für die Besichtigung der Innenräume sind wir leider schon zu spät dran.

In die größte Barockkirche Krakaus, der Annenkirche, können wir nur einen flüchtigen Blick werden, da eine Trauung stattfindet. Hier zu heiraten scheint sehr beliebt zu sein. Von den Treppenstufen werden gleichzeitig zahlreiche Blumensträuße der vorangegangenen Hochzeit verpackt und das nächste Brautpaar samt Hochzeitsgesellschaft wartet bereits.

Unser nächstes Ziel ist der Szcepanski-Platz, wo Kunstinteressierten einiges geboten wird. Die hier befindliche Galerie der Gegenwartskunst ist besser unter dem Namen Kunstbunker bekannt, wofür eindeutig die Beton-Fassade verantwortlich zeichnet. Schöner anzuschauen ist das Gebäude des Kunstpalastes im Wiener Sezessionsstil. In einem Adelspalais des 17. Jh. befindet sich das Stanislaw-Wyspianski-Museum. Der namensgebende visionäre Dramatiker (1869-1907) ist uns zwar nicht bekannt, dafür dürfen wir später die sehr schönen von im entworfenen Glasfenster in der Franziskanerkirche bewundern. Alle diese Kunststätten betrachten wir aber mangels Interesse nur von außen.

Viele schöne unterschiedliche Fassaden mit interessanten Portalen sehen wir bei unserem weiteren Bummel durch das Szeneviertel. Lebhafter geht es hier abends zu, wenn in den vielen Bars Live-Musik gespielt wird und der sogenannte "Underground" zum Leben erwacht. Dieser ist wörtlich zu verstehen, denn die Stadt ist unterkellert. Im 13. Jh. führten Weichselüberschwemmungen dazu, dass die Stadt auf einem höheren Niveau angelegt wurde und bestehende Häuser kurzerhand überbaut wurden. Erst später erinnerte man sich wieder an die verschütteten unterirdischen Räume, die teilweise bis zu drei Ebenen hinab gehen, und grub viele davon wieder aus.

Florianstor

Florianstor

Später erreichen wir das Florianstor, das letzte noch erhaltene Stadttor, das von Resten der ehemaligen Stadtmauer eingefasst wird. Anfang des 19. Jh. wurden die sechs weiteren Stadttore sowie große Teile der Stadtmauer abgetragen, um den die Altstadt umgebenden Parkgürtel Planty zu schaffen.

Nach einer ausgiebigen Siesta haben wir abends wieder die nötige Energie, um uns das jüdische Viertel Kazimierz anzusehen, das fünfzehn Gehminuten von der Altstadt entfernt liegt. Mit vielen schrägen Kneipen und Cafes hat sich das Viertel zu einem angesagten Ausgehviertel gemausert. Abends ziehen Wanderbands umher und aus fast allen Bars klingt Klezmer-Musik.

Mittelpunkt des jüdischen Viertels ist die Szeroka. Auffällig sind jedoch weniger die Synagogen, als vielmehr die vielen Lokale. Das angesagte Klezmer Hois ist leider ausgebucht. Im Arka Noego haben wir mehr Glück. Im typischen jüdischen Ambiente probieren wir natürlich auch die typische jüdische Küche, deren Qualität hier allerdings nur mittelmäßig war. Später gibt es eine Klezmer-Live-Darbietung, ein schöner Abschluss für unseren ersten Tag in Krakau.

Sonntag, 1.10.2006 Krakau

Das Frühstück findet in dem verwinkelten Kellergewölbe statt, wo sich auch das zum B&B gehörige französisches Edelrestaurant befindet.

Nördlich der Altstadt liegt der Stadtteil Kleparz, bekannt auch durch den großen Obst- und Gemüsemarkt, den Rynek Kleparski. Entgegen der Angabe in unserem Reiseführer ist er sonntags leider geschlossen. Am Matejko-Platz beginnt der sogenannte Königsweg, dem wir zum Wawel-Schloss folgen wollen. Mitten auf dem Platz steht das monumentale Grunwald-Denkmal, das an die Grunwald-Schlacht im Jahre 1410 erinnert. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Backsteinbastion Barbakane, die früher mit dem Florianstor verbunden war.

Backsteinbastion Barbakane

Backsteinbastion Barbakane

Der runde Turm war das Herzstück der Befestigungsanlage und wirkt mit seinen sieben spitzen Wachtürmen recht imposant.

Die Floriansgasse ist eine der zentralen Einkaufsstraßen und hat ebenfalls einige schöne Fassaden zu bieten. So auch die des Hotels "Zur Rose" (Nr. 14), das älteste der Stadt. Das Haus zu den Mohren (Nr. 1) ist leider eingerüstet. Inzwischen haben wir erfahren, dass die Stadt 2007 ihr 750 jähriges Bestehen seit ihrer Neugründung feiert und hierfür anscheinend fein herausgeputzt wird.

Wir überqueren den Marktplatz und folgen der Burggasse (Grodzka). An der ersten Querstraße blickt man links auf die Dominikaner- und rechts auf die Franziskanerkirche. In der erstgenannten findet zur Zeit der sonntägliche Gottesdienst statt, so dass wir nur einen flüchtigen Blick hineinwerfen können. Mehr Glück haben wir in der Franziskanerkirche, hier verlassen die Kirchgänger gerade das Gotteshaus. Dieses musste nach dem Brand im Jahre 1850 neu aufgebaut werden. Zunächst betreten wir einen dunklen Innenraum. Erst auf den zweiten Blick lassen sich die aufwändigen Wandmalereien in teilweise sehr geometrischen und modern wirkenden aber auch blumig verspielten Mustern erkennen. Aus der Dunkelheit des Raumes leuchten die bunten Glasfenster des Jugendstilkünstlers Stanislaw Wyspianski, die uns sehr gut gefallen.

Den Kreuzgang des Franziskanerklosters erreicht man durch die Mater-Dolorosa-Kapelle. Teile der alten Wandmalereien sind noch zu erkennen.

Als nächstes erreichen wir das Collegium luridicum und werfen einen kurzen Blick in den von Arkaden gesäumten Innenhof, der von einer großen Skulptur eines Kopfes dominiert wird.

Der folgende Magdalenenplatz wirkt trotz der unterschiedlichen Fassadenstile sehr harmonisch. Ihm gegenüber steht die imposante Peter-und-Paul-Kirche . Auffällig sind die zwölf überlebensgroßen Apostelfiguren, die das Eingangsportal schmücken.

Andreaskirche

Andreaskirche

Der Innenraum wirkt für eine Barockkirche, trotz vieler Gold- und Stuckelementen, eher schlicht. Donnerstags wird hier das Foucaultsche Pendel demonstriert, indem ein 46,5 m langes Seil mit einer 25 kg schweren Kugel aus der Kuppel herabgelassen wird.

Die benachbarte unverputzte Andreaskirche ist die älteste Polens.

Wenig später stehen wir am Fuß des Wavel und folgen dem Promenadenweg auf den Schlosshügel. Von der Aussichtsterrasse blicken wir hinunter auf die Weichsel.

Wavel

Wavel

Hinter dicken Festungsmauern öffnet sich der Blick auf das obere Plateau mit Kathedrale und Schloss. Bevor wir uns dies näher in Augenschein nehmen, stellen wir uns zunächst an die Ticketschlange zur Schlossbesichtigung an. Die 71 Räume des Schlosses sind im Rahmen unterschiedlicher Touren zu besichtige. Die Tickets, insbesondere die für die Besichtigung der privaten Appartements, sind limitiert. Mit viel Glück erhalten wir noch zwei Karten für die letzte Führung, die um 14:50 h beginnt sowie ferner für die Königlichen Gemächer. Die Besichtigung der Rüstkammer mit Kronschatz oder die Ausstellungen Orientalische Kunst bzw. Verschlossene Wawel und auch die Drachenhöhle interessieren uns weniger.

Nun bleibt noch genügend Zeit, für die Besichtigung der Kathedrale, deren Eintritt frei ist. Nur wer wie wir ebenfalls die Königlichen Gräber in der Krypta und die große Glocke im Sigismund-Turm sehen möchte, zahlt 10 zt.

Kathedrale von Innen

Kathedrale von Innen

Mit dem Bau der Kathedrale wurde begonnen, als Krakau im Jahre 1320 Landeshauptstadt wurde. Zahlreiche Erweiterungen lassen Stilrichtungen des Mittelalters bis zur Moderne erkennen. Von außen fallen gotische Türme, goldene Renaissance-Kuppeln und barocke Hauben auf. Im dreischiffigen Innenraum setzt die der Stilmix fort. Der Blick fällt zunächst auf den reich verzierten silbernen Reliquienschrein. In den Seitenschiffen befinden sich 19 Kapellen unterschiedlichster Stilrichtungen. Schön ist die Sigismund-Kapelle im angeblich vollkommenen Renaissancestil.

Über enge Holzstiegen klettern wir den Sigismund-Turm hinauf. Um die gleichnamige Glocke mit 2,5 m Durchmesser und elf Tonnen Gewicht zum Läuten zu bringen, bedarf es sechs Männer. Abergläubische Polen halten es für ein schlechtes Omen, dass ihr Klöppel beim Einläuten der Jahrtausendwende entzweibrach. Vom Turm hat man ebenfalls eine schöne Aussicht auf die Altstadt. Für uns weniger interessant ist die Besichtigung der Krypta mit den Königlichen Gräbern; die ehemaligen polnischen Herrscher sind uns unbekannt.

Die Kathedrale war das Reich des Erzbischofs Karol Wojtyla, bevor er 1978 in den Vatikan berufen und Papst Johannes Paul II. wurde.

Der Eingang zum Wavel-Schloss liegt in einem imposanten Innenhof, der von dreigeschossigen Arkaden eingefasst wird.

Wavel-Arkadenhof

Wavel-Arkadenhof

Vereinzelt sind noch farbige Ornamente zu finden, die diesen einst schmückten. Im zweiten Stock befinden sich die Königlichen Gemächer. Die Repräsentationsräume sind mit schönen Marmorböden und hölzernen Kassettendecken geschmückt und nur mit wenigen ausgewählten Möbeln ausgestattet. Etwas Besonderes sind die vielen Wandteppiche. Die Tapisserien aus Seiden-, Gold- und Silberfäden wurden im 16. Jh. in Flamen nach Maß gefertigt. Nicht alle haben den späteren Kunstraub schadlos überstanden, sofern sie nicht gar "verloren" gingen. Ursprünglich war das Schloss mit über 300 Bildteppichen ausgestattet, von denen heute noch 138 erhalten sind. Sehr schön ist der Gesandtensaal, in dem noch der Thron steht, vor dem die Gäste des Königs beim Empfang auf die Knie gehen mussten. Man beachte die Kassettendecke, in der noch einige holzgeschnitzte Köpfe verblieben sind. Abgebildet wurden ehemals 194 Vertreter aller Stände der polnischen Gesellschaft, von denen heute noch 30 erhalten sind, die den Besucher seltsam von oben anschauen. Das absolute Glanzstück ist der Senatorensaal mit wunderschön bemalter und mit Goldrosetten verzierter Holzkassettendecke. Maßgeschneiderte Wandteppiche schmücken auch die Wände dieses großen Saals.

Im ersten Stock befinden sich die privaten Appartements, die nur im Rahmen einer einstündigen sehr lohnenswerten Führung zugänglich sind. Auch hier sind wertvolle Tapisserien zu sehen, aber auch fein gearbeitete Ledertapeten. Ein Teil der Räume wurde Anfang des 20. Jh. als Präsidentensuite für das Staatsoberhaupt umgebaut und erhielten z.B. ein modernes Badezimmer. Sehr schön ist das helle Kabinettzimmer, das offensichtlich ebenfalls als Arbeitszimmer vom König genutzt wurde.

Damit beenden wir unsere Wawel-Besichtigung. Am Fuße des Hügels beginnt die älteste Straße der Stadt, die Kanonicza . Die Kanonikergasse gilt als malerischste Straße der Stadt. Noch heute regiert hier der Klerus, der darum bemüht ist, die klösterlich-ruhige und werbebannerfreie Stimmung und natürlich die schönen Häuserfassaden aus Gotik und Renaissance zu erhalten. Durch einige schöne Portale kann man einen Blick in die Innenhöfe werden. Im Haus Nr. 19 wohnte Karol Wojtyla. Sein Zimmer ist als Teil des Erzbischöflichen Museums zu besichtigen.

In einem gotischen Palais (Nr. 16) befindet sich das Hotel Copernicus. Die Übernachtung (DZ über 200,00 EUR) war uns leider zu teuer. Doch im Restaurant reservieren wir für abends einen Tisch.

Das Palais Nr. 1 erinnert an die Inquisition, die hier im Mittelalter stattfand. Wir folgen ein Stück dem Planty, um zum Marktplatz zurückzugehen. Im Cafe Camelot an der sogenannten Ecke des ungläubigen Thomas (sw Tomasza 17) pausieren wir. Die Washington Post hat das ziemlich schräg eingerichtete Cafe zum "best coffee shop in the world" gekürt. Eine hohe Auszeichnung - wir können nur immerhin bestätigen, dass der Latte Macchiato wirklich gut ist.

Nach einer Siesta freuen wir uns auf das Abendessen. Das Relais & Chateaux Hotel Copernicus hat ein sehr großzügiges, einladendes Foyer mit einem Glasdach. Das Restaurant ist ebenfalls sehr stilvoll eingerichtet. Das Essen ist gut und - für deutsche Verhältnisse - bezahlbar und der Service entspricht durchaus gehobenen Ansprüchen.

Sehr böse sind wir nicht, dass wir auf dem späteren Heimweg keine adäquate Bar mit Jazz-Live-Musik finden, so ist unsere Nacht etwas länger.

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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 30.09.2006
Dauer: 4 Tage
Heimkehr: 03.10.2006
Reiseziele: Polen
Der Autor
 
Anke Schlingemann berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Anke sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!