Polen-Reisebericht :Mit dem Wohnmobil ins Baltikum

Kurs Nord-Ost

Sonntag, 14.Juni: Heimatort ► Angermünde, 485 Tageskilometer
Hier bei uns rollt gerade eine Hitzewelle. Beim Packen der restlichen Sachen klebte einem schon am frühen Morgen die Kleidung am Leibe. Während der Autobahnfahrt in Richtung Berlin schafft es selbst die Klimaanlage nicht, erträgliche Temperaturen im Auto herzustellen. Nach dem Einfädeln auf den östlichen Berliner Ring wird es doch kühl in der blauen Zitrone. Nanu, hat die Klimaanlage einen plötzlichen Leistungsschub bekommen? Wir greifen beide gleichzeitig zu den Lüftungs- und Klimareglern. Nun wird es wieder zu warm. Den Luftstrom wieder stärker gestellt, kommt nur noch föhnwarme Luft. Die Klimaanlage geht nicht mehr. Auch die Kontrolllampe in der Taste bleibt dunkel. Wir halten auf einem Parkplatz, steigen aus und fangen sofort an zu frieren. Irgendwie funktioniert unsere Klimaanlage nun umgekehrt: Innen warm und außen kalt. Nein, wir fahren schnurstracks in eine Kaltfront mit dunklen Wolken und einen Temperatursturz von 15°. Wir brauchen nun Heizung. Bei Joachimsthal biegen wir von der A 11 ab und rollen nach Angermünde.
Auf einem Parkplatz an der Stadtmauer finden wir ein schönen ruhigen Übernachtungsplatz. Vor dem Abstellen probieren wir noch einmal Klima: Kein Murr. Da werden wir uns morgen gleich kümmern müssen. Vor ein paar Jahren noch empfanden wir Klimaanlage und Tempomat im Auto als Spielerei für Weicheier.
Direkt am Parkplatz ist praktischerweise eine kleine Pforte in der trutzigen Stadtmauer und wir befinden uns sofort in der schönen kleinen Altstadt. Wir machen einen Stadtbummel bis ans andere Ende der Altstadt an den Mündesee, schauen in die St. Marienkirche und finden zur Abendbrotzeit ein nettes Restaurant in einem Innenhof.

Montag, 15.Juni: Angermünde ► Gryfino (Greifenhagen) ► Kołobrzeg (Kolberg, Polen), 226 Tageskilometer
Heute vor der Abfahrt testen wir noch einmal die Klimaanlage: Funktioniert wieder einwandfrei. Wir hätten gestern schon einmal darauf kommen können die Zündung auszumachen, und dann noch einmal zu probieren. Irgendwie hatte sich da etwas verfranst und einen Reset nötig. Entweder ist die Anlage nicht für Zweimannbedienung eingerichtet, oder sie hat den Temperatursturz nicht verkraftet.
Wir steuern aus der Stadt und auf kleinen Nebenstraßen in den Nationalpark Unteres Odertal. Bei Stolpe steht ein bemerkenswerter Wehrturm aus dem Mittelalter, der Grützpott. Von hier aus haben wir einen phantastischen Rundblick über das Odertal.

Weiter auf kleinen teilweise einspurigen Straßen kommen wir nach Schwedt und wechseln hier auf die andere Oderseite nach Polen. Nach der Oderbrücke halten wir uns sofort wieder links und fahren parallel zur Oder nach Norden weiter einsame kleine Straßen durch ausgedehnte Kiefernwälder. In einem Fernsehreisebericht haben wir vor zwei Wochen den „Krummen Wald von Gryfino“ gesehen. Da möchten wir hin. Das ist nicht so sehr bekannt und deshalb überhaupt nicht ausgeschildert.
Frank hat über eine Internetkarte die GPS-Koordinaten herausgeschrieben und so stehen wir jetzt auf einem Sandweg in einer abgelegenen großen Garagenkolonie am Rande eines aus dem Sozialismus übrig gebliebenen Plattenbaugebietes. Wir stellen unser Womo ab. Die zahlreichen Hobbyschrauber vor ihren Garagen würdigen uns keines Blickes. Aha, es scheint öfter vorzukommen, dass hier Fremde auftauchen, also sind wir richtig. Wir schlagen uns ins Gebüsch hinter den Garagen, skurrile Baumgestalten empfangen uns.

Warum die Bäume so geformt sind, darüber gibt es die verschiedensten Theorien: Die Bäume sollen in jungen Jahren ihrer Spitzen beraubt worden sein, um sie als Weihnachtsbäume zu nutzen. Sie haben dann seitlich wieder ausgeschlagen. - Kriegseinwirkungen im 2.Weltkrieg haben die Bäume geschädigt. - Erdmagnetismus hat die Bäume verformt. - Außerirdische sind hier gelandet. - Die Bäume wurden durch Menschenhand in diese Form gebracht, um sie so im Schiffsbau zu verwenden und das Ganze wurde dann vergessen.
Wir tendieren doch stark dazu, das letztere zu glauben, denn es sieht doch sehr gleichmäßig und überhaupt nicht zufällig aus. Das Fotoshooting „auf krummen Bäumen“ hat ein unangenehmes Nachspiel. Als ich mich ins Auto schwingen will, kommt ein energisches „Halt! Mit dem Hintern nicht.“ Mist, mein Allerwertester ist gründlich mit Kiefernharz eingesaut. Also, erst einmal Hose wechseln.
Weiter geht es nach Gryfino in die Stadt. Die Blaue Zitrone wird direkt an der Oderbrücke geparkt. Gegenüber befindet sich ein großer Hüttenkomplex aus Marktständen. Wir kaufen etwas Gemüse.
Die Innenstadt ist wenig interessant. Außer der großen Backsteinkirche hat anscheinend kaum ein Gebäude den 2.Weltkrieg und den darauf folgenden Sozialismus überlebt. Das Bild wird bestimmt durch realsozialistische Stadtplanung.
Wir verlassen die Stadt weiter in Richtung Norden. Kommen auf die Autobahn A6 bis Goleniów (Gollnow), dann fahren wir weiter Landstraße. Ab Rezesznikowo auch ganz schmale Straße. Auf den Feldern ist häufig eine niedrige, intensiv blau blühende Pflanze angebaut. Es könnte Flachs sein.

Die ganze Gegend ist flächendeckend landwirtschaftlich genutzt.
In Kolberg fahren wir bis an die Mole. Es ist nicht einfach einen Parkplatz zu finden. Wir kreiseln eine ganze Weile. Dann laufen wir um den Leuchtturm. Es pfeift ein dermaßen kalter Wind, das haut mir fast die Ohren vom Stamm. Wir haben dicke Jacken an und die Kapuzen hochgeschlagen. Polare Lüfte ziehen mit Gebraus über die Ostsee. Gestern noch 30° im Schatten, hier wähnen wir uns von starken Minusgraden bedrängt. Auf die Mole laufen wir lieber nicht. Die auflaufenden Wellen versprühen Gischt, das würde zu der Kälte auch noch nasse Klamotten einbringen. Wir ziehen uns zwischen die Häuserzeilen zurück. Zahlreiche Fischimbißlokale locken, da muß ich einfach zuschlagen. Wir laufen zum Womo zurück und steuern den hiesigen Campingplatz an. Er liegt am östlichen Stadtrand und ist trotz des schlechten Wetters recht gut belegt, zumeist von Deutschen und Holländern. Nachdem wir einrangiert haben, erzählt uns der Nachbar sofort, dass er nur hier ist um sich die Zähne komplett sanieren zu lassen. Das habe seine Frau vor zwei Jahren auch schon gemacht und war sehr zufrieden damit. Auf der anderen Seite neben uns das Paar hätte beinahe diese Reise nicht antreten können. Ihr bestelltes und schon bezahltes neues Mobil stand noch bei jenem Wohnmobilhändler in Bielefeld bei dem Anfang Mai ein Großbrand viele Fahrzeuge zerstört hatte. Zwei Tage lang waren sie im Ungewissen, ob auch ihr Fahrzeug vernichtet oder beschädigt wurde. Aber dann konnten sie es unversehrt abholen. Man trifft eben sehr mitteilungsfreudige Menschen.
Bevor wir zur Strandwanderung aufbrechen, rüsten wir uns aus: Lange Unterhosen und Mützen. Die haben wir dabei, wir wissen ja noch nicht wie weit nördlich wir kommen. Nun benötigen wir sie schon am zweiten Tag. Es kann nur besser werden.
Kolberg hat eine neu gestaltete sehr lange Strandpromenade mit Strandpark, separaten Fahrradwegen vom Stadtinneren bis weit in die Außenbezirke. Wir kommen ganz schnell davon ab, direkt am Strand zu laufen. Der Wind ist zu unangenehm. Im Strandpark läuft es sich geschützter.

Dienstag, 16.Juni: Kołobrzeg (Kolberg) ► Gdańsk (Danzig, Polen), 255 Tageskilometer
Vor dem Frühstück möchte Frank frische Brötchen holen. Wir stehen auf dem Campingplatz ganz weit hinten am rückwärtigen Zaun. Dort gibt es eine Gittertür die direkt auf die Straße zum Strand führt. An dieser Straße ist auch gleich außen neben der Tür eine Bäckereiverkaufstelle, die heute ab den frühen Morgenstunden geöffnet sein müsste, wie wir gestern beim Zurücklaufen vom Strand an der Ladentür gelesen haben. Nur die Gittertür vom Campingplatz ist leider geschlossen. Außer Frank rütteln noch einige andere Menschen vergeblich an dieser Tür. Diese Leute beschließen dann, außen herum durch das Haupteingangstor des Platzes zu laufen. Ganz schön weit. Frank hat keine Lust auf den Weg, ich probiere es in zehn Minuten noch einmal, sagt er.
Und siehe da: Jetzt ist die Tür ist offen. Er verlässt den Laden wieder mit seinen frisch gekauften Brötchen exakt in dem Augenblick als die Außenherumläufer am Laden eintreffen. Sie glauben fast an die Geschichte vom Hasen und dem Igel.
Wir verlassen den Ort in Richtung Osten. Am Stadtrand gibt es einen Händler für ausgedientes Kriegsgerät. Vom russischen Groß-LKW bis zu Rad- und Kettenpanzern ist alles zu haben.

Die Straße Nr. 6 führt von der Küste weg. Schon weit vor Gdańsk ist alles dicht besiedelt und bebaut. Die Städte Wejhereowo, Rumia, Gdynia, Sopot reihen sich nahtlos aneinander. Wir umkreisen die Danziger Altstadt im Uhrzeigersinn und fahren bis fast vor das Milchkannentor. Überraschenderweise finden wir dort sofort einen Parkplatz. Ein ausgiebiger Altstadtrundgang folgt. Wir laufen durch das Milchkannentor und das Grüne Tor und sind in kaum fünf Minuten auf dem Langen Markt, dem Hauptplatz der Altstadt. Rechter Hand nach dem Tor ist auch gleich eine Touristinformation und wir bekommen einen kostenlosen Stadtplan.

Den ganzen Nachmittag pilgern wir durch die Stadt, nehmen dann an der Hafenpromenade einen Imbiß. Beinahe jede Gasse der Altstadt haben wir durchstreift. Das Wetter bleibt leider trübe. Als wir auf Nebenstraßen zum Auto zurücklaufen, sehen wir an einer Einfahrt zu einem parkartigen großen Hof ein Wohnmobilsymbol. Unter großen Bäumen hinter der Musikakademie fast direkt am Zugang zur Altstadt befindet sich dieser sehr schön ruhig gelegene Parkplatz. Wir hatten eigentlich vor, jetzt vor die Stadt zu fahren, um einen Übernachtungsplatz Richtung Osten zu suchen. Nun parken wir nur um, was in 10 Minuten schon erledigt ist. Wir ruhen uns kurz aus, schreiben einige Ansichtskarten, die wir heute erworben haben und ich reibe mir das Harz aus Gryfino mit Nagellackentferner aus der Hose. Dann machen wir uns noch einmal auf die Beine. Zuerst zur Post um Briefmarken zu kaufen. Die ist schnell zu finden, wir haben ja einen Stadtplan. Die Post erweist sich innen als absolute Sehenswürdigkeit. Die Jugendstileinrichtung der Schalterhalle ist komplett erhalten, restauriert und noch voll in Betrieb. Aber auch modernste Technik hat Einzug gehalten. Wir müssen für unseren Briefmarkenkauf am Automaten eine Nummer ziehen und werden durch ein elektronisches Leitsystem an den entsprechenden Schalter gerufen. Wir drehen noch eine abendliche Runde und kehren zur blauen Zitrone zurück. Obwohl es noch nicht so spät am Abend ist, haben sich alle Nachbarn schon in ihren Mobilen eingeigelt, und die Sat-Schüsseln ausgerichtet. Also keine abendliche Gesprächsrunde.

Mittwoch, 17.Juni: Gdańsk (Danzig) ► Kanał Elbląski (Oberländer Kanal) ► Święta Lipka (Heiligelinde) ► Gierłoż (Görlitz) ► Węgorzewo (Angerburg, Polen), 279 Tageskilometer
Wir fahren aus der Stadt, schauen vor der Stadt an der Küste noch einmal nach Stellplätzen und Campingplätzen für den Fall, dass wir noch einmal hier durchkommen sollten. Alles macht keinen einladenden Eindruck. Nichts für uns dabei. Es geht ein Stück neue Autobahn / ausgebaute Fernstraße entlang. Vor Elblag verlassen wir die neue Straße und begeben uns auf kleinen Landsträßchen im Uhrzeigersinn unterhalb des Draussensees in Richtung Pasłęk. Eine flache Landschaft mit vielen kleinen und großen Kanälen tut sich vor uns auf, die Straßen schnurgerade. An einer Kanalbrücke neben einem großen Schilfgebiet machen wir halt und setzen uns in die Sonne, die uns heute endlich wieder wärmt. Auf der Weiterfahrt kommen wir durch kleine idyllisch verschlafene Dörfer und Weiler, man glaubt, die Zeit sei stehen geblieben. Jeder Strommast, jede Scheune ist von Storchennestern besetzt.

Wieder auf einer „normalen“ Straße angelangt, sehen wir nach der Ortschaft Jelonki den Oberländer Kanal mit einer Schiffshebeanlage. Die blaue Zitrone wird abgestellt und wir laufen einen von vielen Mohnblumen gesäumten schmalen Fahrweg am Kanal entlang zur Schleusenanlage.

Die sehr sehenswerten Anlagen scheinen ganz frisch restauriert worden zu sein. Die ganze technische Einrichtung funktioniert ohne die Zufuhr von Energie von außen. Nur durch die eigene Wasserkraft des Kanals werden zwei gegenläufig schienengeführte Wagen an einem Seilzug über eine schräge Ebene geleitet. Die Schiffe fahren auf zwei jeweils im Unter- und Oberbecken unter Wasser stehende Gestelle der Wagen auf. Das Wasser aus dem Oberbecken wird auf ein Schaufelrad an einem Turbinengebäude geleitet und setzt den Seilzug in Bewegung. Die Schiffe heben sich nun aus dem Wasser. Man kann alles kostenlos besichtigen. Seit über 150 Jahren sind die 5 Hebevorrichtungen in Betrieb. Wir befinden uns hier zufälligerweise an der zweiten von unten gesehen.

Unsere weitere Route führt uns über Miłakowo und Dobre Miasko bis zur Wallfahrtskirche Święta Lipka (Heiligelinde). Wir erleben im Kircheninneren, auch wieder rein zufällig, ein bewegendes Orgelkonzert. Über Kętrzyn (Rastenburg) gelangen wir nach Gierłoż (Görlitz). Wenn wir nun einmal hier vorbeikommen, müssen wir auch den Ort ansehen, wo der deutsche Wahnsinn in Beton gegossen wurde. Ein riesiges Waldgebiet mit Betonobjekten durchsetzt – Hitlers Hauptquartier, die Wolfsschanze. Nach einem dreistündigen Rundgang haben wir immer noch nicht alles gesehen.

Auf dem dazugehörigen Wohnmobilplatz wollen wir trotz fortgeschrittener Tageszeit nicht stehen. Das ist uns doch alles zu düster. Auf kleinsten feldsteingepflasterten Sträßchen bewegen wir uns in einem großen Seengebiet. Einen solchen Härtetest hat unsere blaue Zitrone noch nicht einmal auf Schotterpisten Nordnorwegens oder auf Wellblech in Marokko erleben müssen. Dass nach durchgängig 25 Kilometern Kopfsteinpflaster noch alles dran und alle Schrauben fest sind, grenzt an ein Wunder. Nach der Stadt Węgorzewo (Angerburg) finden wir auf dem „Kamping Nr. 175“ ein schönes Plätzchen direkt am Seeufer. Ein landschaftlich sehr schön gelegener Platz. Alle Infrastruktur stammt aus realsozialistischen Zeiten. Der Platz muß einmal riesengroß gewesen sein. Die Sanitärgebäude, die nur noch teilweise in Betrieb sind, liegen weit abseits auf Geländeteilen, die der Wald schon wieder zurückerobert hat. Außer uns steht nur noch eine rüstige Rentnertruppe aus Süddeutschland auf diesem Platzteil am Seeufer. Wir kommen gut ins Gespräch. Franks Interesse gilt dem alten Mercedes-Kastenwagenausbau aus dem Jahr 1984 den einer der Truppe stolz vorführt. Mit 4-Gängen und mit weniger als halb soviel PS wie heute üblich. Auch mit 300000 km hatte er noch keine größere Reparatur. Wir sitzen noch mit Wein vorm Auto und lassen uns von den Mücken piesacken.

Donnerstag, 18.Juni: Węgorzewo (Angerburg) ► Gołdap (Goldap) ► Stańczyki (Staatshausen, Polen) ► Vištytis-See, (Litauen) 183 Tageskilometer
Heute zieht sich unser Aufbruch irgendwie in die Länge. Erneut fahren wir durch den Ort Węgorzewo jetzt aber in Richtung Gołdap. Dieser Ort ist ganz auf den kleinen Grenzhandel mit der russischen Enklave Калининград ausgerichtet. Sehr viele neue Autohäuser, auch die Vertretungen der Luxusmarken fehlen nicht. Eine große Anzahl der Beschriftungen an den Häusern und Geschäften in kyrillischer Schrift. Dann links ein schöner großer alter Wasserturm.

Den müssen wir erkunden. Sogar mit Museum und Aussichtsgeschoß. Aber leider heute geschlossen. Immer weiter durch kleine Dörfer und Weiler kommen wir in der hügeligen Landschaft nach Stańczyki (Staatshausen) Zwei riesengroße parallele Eisenbahnbrücken im Stil römischer Aquädukte überspannen das Tal. Gleise findet man darauf keine.

Die Bahnstrecke wurde als wichtige Hauptverbindung im deutschen Eisenbahnnetz Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaut und war nur recht kurze Zeit in Betrieb. Mit Ende des 2.Weltkrieges wurde die Strecke von der Sowjetunion demontiert. So ist es auf den Informationstafeln entlang des Weges über die Brücken zu lesen. Als wir einen schönen Platz für die Mittagsrast suchen, sehen wir auf dem Sandweg vor uns eine frische Ölspur. An deren Beginn ragt zwischen den Radspuren ein großer Stein aus der Wegesmitte. Wenn wir dass nicht erkannt hätten, wäre auch für uns die Fahrt hier zu Ende gewesen.

Nach kurzer Weiterfahrt befinden wir uns genau am Dreiländereck zwischen Polen, Litauen und der russischen Enklave Калининград (Königsberg) Hier zweigt ein funkelnagelneues Sträßchen nach Litauen ab. Selbst die Pfähle der Wegweiser blinken noch hellsilbern im Licht. In unseren Karten gibt es diese Straße noch nicht. Auch das Navi verweigert sich. Wir möchten heute am Vistytis-See übernachten. Die Straße führt genau dort hin. Aber wir müssen noch einkaufen und bis zum Vistytis-See gibt es in dieser Gegend keine Ortschaft mehr. Also fahren wir auf polnischer Seite weiter an der Grenze entlang. Auch in den nächsten vier polnischen Orten vollkommen Fehlanzeige, keine Einkaufsmöglichkeit. So fahren wir auf der Fernstraße 8 hinüber nach Litauen und kaufen in der nächsten größeren Ortschaft Kalvarija in einem Supermarkt ein. Dann geht es auf der litauischen Seite zurück zum See. Hier gibt es ganz abgelegen am See sogar ein Hotel mit Campingplatz. Wir kommen direkt am Ufer zu stehen und sind hier die einzigen Gäste.

Am Seeufer stehen Pfähle mit computergedruckten Zetteln, die Campinggäste darauf hinweisen, dass das Überqueren der bojenmarkierten Grenzlinie auf dem See durch die russischen Behörden als krimineller Akt angesehen werde, und unweigerlich zur Verhaftung führt. Bei unserer Uferwanderung durch die schönen hügeligen urtümlichen Wälder treffen wir auf eine Patrouille der litauischen Grenzpolizei. Zwei Mann liegen in Ihrem neuen Renault-Transporter, haben die Sitze zurückgeklappt und schlafen friedlich. Aha, die Außengrenze der EU scheint sicher. Sie lassen sich auch nicht stören als wir dicht an das Auto herantreten und hineinschauen.

© B. & F. S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit unserem Campingbus „Blaue Zitrone“, einem Citroën Jumper mit Pössl Ausbau waren wir, Frank und Birgit, 5149 km in Polen, Litauen, Lettland, Estland unterwegs. Von den Masuren, über die Kurische Nehrung und Rigaer Bucht bis hin zum Peipussee zogen wir dieses Mal unsere Kreise.
Details:
Aufbruch: 14.06.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 05.07.2015
Reiseziele: Deutschland
Polen
Litauen
Lettland
Estland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 12 Monaten auf umdiewelt.