Eisernes Tor-Reisebericht :Beluga geht durchs Nadelöhr 1

Nadelöhr Portile de fier

Vor uns liegt das wohl schönste Stück der Donau, die Gebirgsdurchbrüche und als Krönung das Eiserne Tor mit den ersten beiden der drei letzten Donau-Schleusen.

I. Enge Gobulac km 1040 - 1015
Becken von Ljubcova km 1025 - 1015

II. Enge Obere Klissura Gospodijn Vir
(Wirbel der Kaiserin)
Becken Greben km 1015 - 999
Becken Milanovac km 999 - 984

III. Enge Untere Klissura km 984 - 965
Oberer Kazan km 974 - 970
Unterer Kazan km 968 - 965
Becken Orsova km 949 - 943

IV. Eisernes Tor km 949,7 - 943,2

Das Panorama ist großartig, überwältigend, eine gewaltige, eine heroische Landschaft, einzigartig unter den schiffbaren Flüssen Europas. Sie nur in etwa zu beschreiben würde jeden Rahmen sprengen. Auf 130 km wurde der Strom reguliert und aufgestaut. In grauer Vorzeit waren hier Wasserfälle höher als die Niagara-Fälle heute. Über Klippen und Stromschnellen schoss das Wildwasser durch die Schluchten. Heute besteht kaum mehr Gefahr für die Schifffahrt, nicht mal am Wetterhahn eines versunkenen Kirchturms hängen zu bleiben. Unser Echolot pendelt zwischen 25 und 60 m Wassertiefe. Strudel und Wasserkreise lassen Beluga manchmal mächtig aus dem Ruder laufen. Nur hier nicht ins Wasser fallen, im Wirbel der Kaiserin wäre man rettungslos verloren.
Ein eiskalter Wind mit 7 Beaufort jagt uns entgegen, immer voll von vorne, egal um welche Biegung wir gerade fahren. Hoffentlich erwischt uns nicht der gefürchtete Koschowa oder ist er das etwa schon?

Wir durchqueren den "Oberen Kazan", den Durchlass mit der engsten Stelle, nur 150 m breit. Wo ist nur diese riesige Donau geblieben? Eingezwängt in eine Kathedrale ohne Dach, Felswände geformt von der Erosionskraft unzähliger Regengüsse. Schroffe Felsen, bewaldete Hänge. Das nächste Tal. Der "Untere Kazan", eine Donau wie ein See in den Alpen, das Wasser glasklar.

Der Kessel von Orsova. Hier müssen wir einklarieren. Jetzt wird sich weisen in welch deprimierender Langsamkeit die Uhr der Zeit in Rumänien vorgerückt ist.

"Nicht am Ponton anlegen, die wollen Geld!", warne ich unsere Mitfahrer, doch keiner hört auf mich. 10 Euro pro Boot für 3 Stunden sollen wir zahlen. Ich debattiere mit dem Pontonwächter. Er in gebrochenem Deutsch und wenig Englisch. Hafenkapitän und Polzei kommen ihm zu Hilfe. Alle reden auf mich ein, der Hafenkapitän in Englisch, der Polizist in Französich, doch wir kommen nicht weiter. Wir müssen hier 10 Euro zahlen für jedes Boot und das Einklarieren kostet noch mal 10 Euro. Meine Schimpferei fruchtet weder in Deutsch noch in Englisch, schon gar nicht in meinen drei Brocken Französisch. Da wedele ich mit dem Empfehlungsschreiben unseres Honorarkonsuls, Alex Jakob. Der Polizist ist sichtlich beeindruckt. Ein anderer wird herbeigerufen, auch er muss das Schreiben lesen. Die Stimmung wird zunehmend sympathischer. Wir machen unseren Papierkrieg, Rapport, Crewlisten, Donaupässe, Stempel, erstmals werden auch die Schiffspapiere verlangt und einbehalten. Alles soll uns bei der Revision an Bord zurückgebracht werden. 5 Uniformierte mit ernsthaftem Gesichtsausdruck erscheinen. Eine Liste muss ausgefüllt werden. Wir bestätigen mit Unterschift und Bootsstempel, dass wir keine Waffen (speziell Panzer), keine Munition und Sprengstoff an Bord haben, auch keine Narkotika, Drogen und verbotene Substanzen und schon gar keine Lei und sonstige Geheimnisse. Auf eine weitere Revision wird verzichtet. Ein Polizist erscheint mit dem Patron des Pontons und dieser bietet uns den Liegeplatz für alle drei Boote für 10 Euro zusammen an. Ich strahle sie an und verspreche ihnen sie bei ihrem Konsul sehr lobend zu erwähnen. Von einer Gebühr fürs Einklarieren ist auch keine Rede mehr und wir erhalten sogar die Erlaubnis im Hafenbecken zu ankern.
Dracula läßt grüßen.
Danke Alex Jacob, General-Honorar-Konsul von Rumänien.

Die 10 Euro zahlen wir aber doch noch, nämlich als wir unsere Bootspapiere beim Verlasen des Hafens zurückbekommen und der Hafenpkapitän von gestern heute keinen Dienst hat.

Decebal, der letzte dakische König Decebal, der letzte dakische König

Einfahrt in den Dzevrin-Kanal, hier beginnt das eigentliche Eiserne Tor. Serbisch Prigada oder Donje Djerdap, türkisch Demir-Kapi. In dieser Engstelle waren früher derart viele und hohe Riffe, dass man bei Niedrigwasser den Fluss fast springend und trockenen Fußes überqueren konnte, dazwischen waren bis zu 50 m tiefe Ausspülungen. Eine Passage war für Schiffe fast undurchführbar. Heute sind die Klippen gesprengt, die Donau gestaut und ein Kraftwerk wurde gebaut. Und zwischen Sip und Guvav durchschneidet ein 1,7 km langer, 73 m breiter und 3 m tiefer Kanal die Sohle des Riffs. 25.000 Menschen mussten umgesiedelt, Ortschaften und Friedhöfe verlegt, Tunnel, Straßen und Bahnlinie mussten neu gebaut werden, selbst eine Ausgrabungsstätte einer Kultur, die älter war als die von Mesopotamien wurde nach oben verpflanzt.

Auch die Gedenktafel an Trajan, den ersten Straßenbaumeister der Donau, wurde ein Stück nach oben versetzt, man will doch die alten Götter gnädig stimmen.

Die Doppelschleuse Eisernes Tor 1 macht uns keinerlei Probleme. Wir werden sehr freundlich in Deutsch aufgefordert eine halbe Stunde zu warten bis ein Schubverband ausgefahren ist und genauso freundlich anschließend aufgefordert einzufahren. An Schwimmpollern geht es in Zeitlupe abwärts.

Schleuse Eisernes Tor Schleuse Eisernes Tor
© Doris Sutter, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Bootsreise die Donau abwärts, durch Österreich, Slowakei, Ungarn, durch so schwierige Länder wie Serbien, Rumänien und Bulgarien, eine Rundreise durchs Donaudelta und weiter bis ins Schwarze Meer. Die Heimreise durchs Schwarze Meer und Mittelmeer findet ihr im 2. Teil. Hier folgt der 1. Teil
Details:
Aufbruch: Mai 2004
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: Oktober 2004
Reiseziele: Österreich
Slowakei
Ungarn
Serbien
Eisernes Tor
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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