Slowakei-Reisebericht :Gipfelstürmen in der Tatra und den Karpaten

Nach Budapest wollte Domi gern mal, aber wenn das Wetter mitspiele, dann noch lieber mal zu Fuß in die Berge. Und das Wetter spielte mit. Und die slowakische Bahn auch!

Start und Reisepläne in Bratislava

Mit verschiedenen Zügen sollten wir in Bratislava eintreffen. Ich hatte mich so auf die gebuchten Züge verlassen, dass ich erst im Possonium, der Jugendherberge in Bratislavá, die SMS auf meinem Handy las, in der Enkel Dominik mir seine Verspätung ankündigte:

"Wegen Zugverspätung in Prag den Anschluß verpasst."

Aber wir trafen uns dann doch noch und hatten gleich einen Grund, unser erstes Bier am Bahnhof zu trinken. 32 Grad im Schatten, abends noch 28 Grad und richtig was los in allen Straßen der Stadt.

Könnte in Budapest noch mehr los sein als hier ?

Eigentlich nicht.

Ja, was sollten wir uns da morgen vornehmen ?
Gebirge oder Großstadt ? Oder Radtour donauabwärts ? Die Räder hatten wir ja dabei.

Unsere Entscheidung ist einstimmig: Erstmal Gebirge!

Also rein in den nächsten Zug Richtung Podbiel, noch etwa 250 km Bahnfahrt nach Nordosten.
In Podbiel an der Orava starten wir sanft bergauf Richtung Hohe Tatra. Bei so einem Superwetter können wir uns von Habovka oder Zuberec aus ein Highlight für morgen vornehmen: Eine Wanderung zu den Rohace-Seen.
Unsere Unterkunft bei Pension Monika in Habovka ist auf wandernde Gäste gut vorbereitet. Der inzwischen verstorbene Wirt war früher Jagdaufseher in der Hohen Tatra. Davon zeugen noch die zahlreichen Trophäen auf dem Flur des Gästehauses:

War es ein Bär, ein Wolf oder ein Wildschwein  ?

War es ein Bär, ein Wolf oder ein Wildschwein ?

Sogar einen Luchs hat er vor Jahren erlegt!

Sogar einen Luchs hat er vor Jahren erlegt!

Die Wirtin kocht selbst, eine Speisekarte gibt es nicht, aber das Abendessen ist eine leckere Überraschung. Und dann das Bier vom Faß ! Bei dem Preis trinken wir gleich zwei weitere, bevor wir ganz solide schon um 21.30 Uhr ins Bett gehen.
Der Bus nach Zuberec-Zverovka zum Start zur Wanderung ins Rohace fährt schon um 7 Uhr, da müssen wir früh raus!

Frühes Aufstehen war angesagt, aber es hat sich gelohnt. Wir sind unter den ersten beim Aufstieg

Frühes Aufstehen war angesagt, aber es hat sich gelohnt. Wir sind unter den ersten beim Aufstieg

Den Umweg zum Wasserfall hätten wir uns sparen können. Seit Wochen hat es nicht geregnet, da trocknet sogar das Gebirge aus.

Den Umweg zum Wasserfall hätten wir uns sparen können. Seit Wochen hat es nicht geregnet, da trocknet sogar das Gebirge aus.

erste Paßhöhe auf 1775 m ü.M, dahinter ein winziger Gletschersee

erste Paßhöhe auf 1775 m ü.M, dahinter ein winziger Gletschersee

Da springe ich rein, bevor die ersten Wanderer uns eingeholt haben. Wie mag die einsame Ente hierher gekommen sein ?

Da springe ich rein, bevor die ersten Wanderer uns eingeholt haben. Wie mag die einsame Ente hierher gekommen sein ?

Hundert Meter tiefer schon wieder ein Gletschersee!

Hundert Meter tiefer schon wieder ein Gletschersee!

Die schönste Wanderroute in der Hohen Tatra, in der Tat, wir sind sie in Gegenrichtung gegangen, bevor uns die Scharen an Wanderern begegnen.

Die schönste Wanderroute in der Hohen Tatra, in der Tat, wir sind sie in Gegenrichtung gegangen, bevor uns die Scharen an Wanderern begegnen.

Gegen 12 Uhr haben wir schon alles gesehen. Aber da gibt es rundum ja noch Höhenwege, auf die man mal rauf müßte! Nehmen wir uns wenigstens eine noch Passhöhe vor, von der aus man auf dem Kamm der Hohen Tatra steht und nach Süden sehen kann. Es folgt ein Aufstieg, der uns einiges abverlangt.

Wir sind über der Baumgrenze, nur noch Geröll um uns herum.

Wir sind über der Baumgrenze, nur noch Geröll um uns herum.

nur noch 50 Höhenmeter ! Wir klettern 3 Minuten, um dann 2 Minuten zu verschnaufen, aber so schaffen wir's in der Zeit, die auf dem Wegweiser unten angegeben war

nur noch 50 Höhenmeter ! Wir klettern 3 Minuten, um dann 2 Minuten zu verschnaufen, aber so schaffen wir's in der Zeit, die auf dem Wegweiser unten angegeben war

Geschafft!

Geschafft!

und das ist der Blick nach Süden, hinten die Niedere Tatra, dazwischen das Waagtal mit Liptovsky Mikulas. Hier könnten wir runter, um von dort aus mit dem Bus nach Habovka zurückzufahren. Theoretisch zu schaffen, aber es ginge um Minuten, dass wir den letzten Bus nicht verpassen, da gehen wir lieber nach Norden zurück.

und das ist der Blick nach Süden, hinten die Niedere Tatra, dazwischen das Waagtal mit Liptovsky Mikulas. Hier könnten wir runter, um von dort aus mit dem Bus nach Habovka zurückzufahren. Theoretisch zu schaffen, aber es ginge um Minuten, dass wir den letzten Bus nicht verpassen, da gehen wir lieber nach Norden zurück.

Noch 1 1/2 Stunden bis Zverovka, dahin gehts nur bergab, das werden wir schaffen!

Noch 1 1/2 Stunden bis Zverovka, dahin gehts nur bergab, das werden wir schaffen!

Unterwegs dorthin ist das Tal touristisch voll erschlossen, sogar Autos kommen hierhin, allerdings nur Privilegierte!

Unterwegs dorthin ist das Tal touristisch voll erschlossen, sogar Autos kommen hierhin, allerdings nur Privilegierte!

In jedem dieser Häuser ist eine Gaststätte, da haben wir gerade noch Zeit für ein Bier, bevor uns der Bus nach Habovka zurückbringt.

In jedem dieser Häuser ist eine Gaststätte, da haben wir gerade noch Zeit für ein Bier, bevor uns der Bus nach Habovka zurückbringt.

Das Abendessen schmeckt wieder ausgezeichnet, dazu können wir auf dem Computer den Wetterbericht für morgen lesen.

Da packt uns erneut die Wanderlust. Die 2000 Höhenmeter wollen wir doch knacken! Morgen können wir in einem anderen Tal mit gelber Wandermarkierung aufsteigen, ohne zwischendurch wieder runter zu müssen, und dann machen wir eine richtige Kammwanderung!

An den malerischen Wegweisern bestätigen wir uns, dass wir gut in der Zeit sind und im übrigen topfit !

An den malerischen Wegweisern bestätigen wir uns, dass wir gut in der Zeit sind und im übrigen topfit !

Auch heute sind wir wieder die ersten, dieser Rastplatz kommt höchstens auf dem Rückweg für uns in Frage !

Auch heute sind wir wieder die ersten, dieser Rastplatz kommt höchstens auf dem Rückweg für uns in Frage !

Je höher wir kommen, desto großartiger die Ausblicke. Aber man muß auchganz schön durchatmen!

Je höher wir kommen, desto großartiger die Ausblicke. Aber man muß auchganz schön durchatmen!

1656 m Meereshöhe erreicht, wir sind noch lange nicht oben. Aber heute ist es deutlich windiger als gestern.

1656 m Meereshöhe erreicht, wir sind noch lange nicht oben. Aber heute ist es deutlich windiger als gestern.

Auf Sonnenstrahlung sind wir vorbereitet, aber der Wind kühlt uns stark aus

Auf Sonnenstrahlung sind wir vorbereitet, aber der Wind kühlt uns stark aus

Nur hinter kargen Gebüschen findet man Schutz vor dem Seitenwind.

Nur hinter kargen Gebüschen findet man Schutz vor dem Seitenwind.

Die Kammwanderung erweist sich als alles andere als ein Spaziergang. Was von unten ziemlich harmlos aussieht, ist oben ein steiles Auf und Ab und auf dem Kamm wird man fast heruntergeblasen.
Davon war im Wetterbreicht nicht die Rede gewesen.
Wir erklimmen mühsam wenigstens noch einen Berg, der genau an der Grenze zu Polen liegt, aber dann kehren wir um und suchen den Rückweg im Windschatten auf dem Pfad, auf dem wir aufgestiegen sind.

Am plätschernden Bach im windstillen Wald fühlen wir uns wieder wohl. Und wir haben unbändigen Durst! Den können wir hier stillen !

Am plätschernden Bach im windstillen Wald fühlen wir uns wieder wohl. Und wir haben unbändigen Durst! Den können wir hier stillen !

Viel früher als vorgesehen sind wir zurück, im Tal ist es wieder warm, aber unsere Unternehmungslust zum Wandern hat doch einen Dämpfer bekommen.
Wir besuchen noch das schöne Dorfmuseum in Zuberec, das das harte Landleben der Bevölkerung vor 50 Jahren zeigt und das dem Besucher das Bild ländlicher Idylle vermittelt.
Aber wir haben das schönste Sommerwetter gehabt, das wir uns wünschen konnten, wie aber ist es im Winter und in der nassen Jahreszeit gewesen, als man noch keinen elektrischen Strom hatte und wirklich alles selbst machen mußte ? Hier ist es zu sehen!

© Manfred Sürig, 2012
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 28.08.2012
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 13.09.2012
Reiseziele: Slowakei
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad