Slowakei-Reisebericht :Bergwandern in der Mala Fatra

Die Wanderkarte, die wir uns 2012 in Bratislava gekauft hatten, machte uns neugierig, im Sommer 2013 mal die Mala Fatra kennen zu lernen, eins der begehrten Ziele der Einheimischen. Da muß also was dran sein.

Anreise mit Bahn und Rad nach Terchova

Möglichst wenig umsteigen müssen und dennoch eine preiswerte Anreisemöglichkeit finden, das wollten wir haben, um unterwegs uns einiges gönnen zu können. Mit Fahrrädern kam da nur wieder die Bahn mit ihrem Angebot EUROPA SPEZIAL infrage.
Die Internet-Jagd erwies sich als kompliziert, weil Enkel Domi von Bochum anreisen sollte und ich aus Neumünster. Bochum-Bratislava war nur noch im Nachtzug zu haben und schon nicht mehr billig, Neumünster-Bratislava gabs tagsüber noch mit Bahncard 25 für 29,75€.
Versuchs doch mal, von Bochum über Neumünster nach Bratislava zu buchen, mit 16 Stunden Zwischenaufenthalt dort, dann können wir wenigstens den Tagzug zusammen benutzen. Und da kam ich aus dem Staunen nicht heraus: Die gesamte Strecke gabs auch noch für 29,75€. 5 Wochen vorher sahen wir nun mit Vorfreude unserem Trip entgegen.

In Hamburg Altona die erste Überraschung: Der Wagen, für den wir die Fahrradstellplätze gebucht hatten, ist gar nicht am Zug dran. Doch der Schaffner löst unser Problem großzügig:
Na bitte.

in diesem Wagen weist er uns gleich zwei Abteile zu, eins für unsere Fahrräder und ein weiteres nach unserer Wahl.

in diesem Wagen weist er uns gleich zwei Abteile zu, eins für unsere Fahrräder und ein weiteres nach unserer Wahl.

Mehr noch, auf unser Ticket notiert er gleich für seinen tschechischen Kollegen, dass wir die erste Klasse benutzen dürfen. So ein Luxus setzt Maßstäbe, auf die wir mit unserer Selbstverpflegung eigentlich nicht vorbereitet sind. 
Da fängt die Reise ja gut an und man sollte die Bahn auch mal loben.

Mehr noch, auf unser Ticket notiert er gleich für seinen tschechischen Kollegen, dass wir die erste Klasse benutzen dürfen. So ein Luxus setzt Maßstäbe, auf die wir mit unserer Selbstverpflegung eigentlich nicht vorbereitet sind.
Da fängt die Reise ja gut an und man sollte die Bahn auch mal loben.

Unser preiswertes Ticket gilt bis Bratislava. Aber wir wollen ja so schnell wie möglich nach Oscadnica, das liegt im Nordwesten der Slowakei bei Cadca. Unterwegs sehen wir, dass wir da viel schneller hinkommen können, wenn wir nicht über Bratislava fahren, sondern in Pardubice umsteigen, dort haben wir nach einer Dreiviertelstunde schon Anschluß. Einziger Wermutstropfen: die tschechische Bahn ist nicht so großzügig, uns den nördlicheren Weg auf unser Ticket nach Bratislava fahren zu lassen. So zahlen wir noch einmal 19 € dazu, aber sind an schon einem Tag am Ziel.
Cadca liegt auf etwa 700 Meter Meereshöhe, nach Oscadnica können wir uns erst einmal mit den Rädern abwärts rollen lassen. Einzige Bewegung an diesem Tag ist der Aufstieg ins Dorf bis zu unserem Nachtquartier.

So kanns weitergehen: Bestes Spätsommerwetter, ein nagelneuer Radweg. Fast kein Verkehr.

So kanns weitergehen: Bestes Spätsommerwetter, ein nagelneuer Radweg. Fast kein Verkehr.

Im Jahr 2000 hatte ich in diesem Tal der Bystrica meine erste Entdeckungsradtour gemacht. Damals gab es hier weder Übernachtungsmöglichkeiten noch Gasthäuser. Eine holprige Straße verband die Dörfer und endete als Feldweg kurz vor Oravska Lesna.

Von touristischer Erschließung zeugen inzwischen viele Hinweisschilder, aber der ursprüngliche Charakter ist noch erhalten.

Von touristischer Erschließung zeugen inzwischen viele Hinweisschilder, aber der ursprüngliche Charakter ist noch erhalten.

Ein Dorado für Radfahrer. Viele Wege allerdings besser für Mountainbikes ohne Gepäck.

Ein Dorado für Radfahrer. Viele Wege allerdings besser für Mountainbikes ohne Gepäck.

Den Aufstieg zum Stausee lassen wir uns nicht entgehen. Baden leider verboten, Wasserschutzgebiet.

Den Aufstieg zum Stausee lassen wir uns nicht entgehen. Baden leider verboten, Wasserschutzgebiet.

Immer an der Bystrica entlang, der Radweg ist erst 2013 eröffnet worden, mit Gegenverkehr brauchen wir nicht zu rechnen.

Immer an der Bystrica entlang, der Radweg ist erst 2013 eröffnet worden, mit Gegenverkehr brauchen wir nicht zu rechnen.

Im Tal bewegen wir uns auf etwa 420 bis 470 m ü.M, Steigungen oder Gefällestrecken spüren wir im Tal gar nicht, bis wir am Fuß des Stausees, in Vychlovka, steil 9 km bis nach Oravska Lesna weiter müßten. Das ersparen wir uns, fahren zurück, um, wie wir meinen, spielend links nach Terchova abbiegen können.

Nach Terchova in der Mala Fatra müssen wir noch mal über ein Gebrirge. Unterwegs ein schmucker Kirchenneubau, modern und doch im traditionellen slowakischen Baustil

Nach Terchova in der Mala Fatra müssen wir noch mal über ein Gebrirge. Unterwegs ein schmucker Kirchenneubau, modern und doch im traditionellen slowakischen Baustil

Im Seitental geht es dann bis auf 700 Meter hoch, eine echte Herausforderung. Wir schieben zwar nicht, aber etliche Zwischenpausen zum Luftholen brauchen wir doch. Wenn doch unser Gepäck nicht wäre !

Ein netter Service für Radler: noch 300 Meter bis zur Paßhöhe. Nur, ob es Straßenmeter oder Höhenmeter sind, das wissen wir noch nicht ganz genau......

Ein netter Service für Radler: noch 300 Meter bis zur Paßhöhe. Nur, ob es Straßenmeter oder Höhenmeter sind, das wissen wir noch nicht ganz genau......

Jede Menge Radwege, oder sagen wir mal, Wanderpfade, die für mutige Mountainbiker eine Herausforderung sind. Mit Gepäck hinten drauf nicht einmal zu schieben !

Jede Menge Radwege, oder sagen wir mal, Wanderpfade, die für mutige Mountainbiker eine Herausforderung sind. Mit Gepäck hinten drauf nicht einmal zu schieben !

Dann folgt der Lohn des Aufstiegs, eine rasante Talfahrt, auf der wir die volle Straßenbreite ganz für uns allein haben. Mit Gepäck 63 km/h Höchstgeschwindigkeit, da wird es schon etwas brenzlig.
Als wir dann links auf die Straße nach Terchova einbiegen, sind wir fast geschockt von dem Autoverkehr. Ganze Kolonnen überholen uns und kommen uns entgegen. Ist die Mala Fatra etwa nur ein Autofahrerziel ?

Aber gegen Abend wird es ruhiger.

Zufahrtsweg zu den Höhen- und Luftkurorten der Mala Fatra. Wie auf der Höllentalstraße im Schwarzwald, nur abends ohne Verkehr. Da macht sogar das Bergaufradeln Spaß.

Zufahrtsweg zu den Höhen- und Luftkurorten der Mala Fatra. Wie auf der Höllentalstraße im Schwarzwald, nur abends ohne Verkehr. Da macht sogar das Bergaufradeln Spaß.

Unser Ziel ist erreicht: Unsere Unterkunft direkt am Waldrand, dort, wo der Wanderweg steil bergauf in die Mala Fatra führt. Morgen gehts rauf !

Unser Ziel ist erreicht: Unsere Unterkunft direkt am Waldrand, dort, wo der Wanderweg steil bergauf in die Mala Fatra führt. Morgen gehts rauf !

© Manfred Sürig, 2013
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 21.08.2013
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 26.08.2013
Reiseziele: Slowakei
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad