Slowakei-Reisebericht :Entdeckungsfahrt in Ostmähren

Der Weg ist das Ziel. Im Mährischen Karst nördlich von Brünn wollen wir Höhlen entdecken, aber von der Mitte der Slowakei aus dorthin radeln. Eine Schnapsidee, wenn man nur 6 Tage Zeit übrig hat ?
Mal sehen, ob wir das schaffen !

Terchova-Zilina-Cadca-Ostravice

Endlich strahlender Sonnenschein, wie wir ihn eigentlich bei den Bergwanderungen gern gehabt hätten.

Doch wir schwingen uns in den Sattel, und bergab nach Zilina -25 km- ist es eine Freude!

Doch wir schwingen uns in den Sattel, und bergab nach Zilina -25 km- ist es eine Freude!

Oberhalb von Zilina ist die Waag (Vah) aufgestaut, ein Angler- und Sportlerparadies, am Sonntagmorgen aber scheint jedermann in der Kirche zu sein.

Oberhalb von Zilina ist die Waag (Vah) aufgestaut, ein Angler- und Sportlerparadies, am Sonntagmorgen aber scheint jedermann in der Kirche zu sein.

Auch der Verkehr hät sich in Grenzen, da sehen wir uns Zilina mal von innen an. Die viertgrößte Stadt in der Slowakei, von Feriengebieten umgeben, aber hier unten im Tal gibt es auch viel Industrie, die die nötigen Arbeitsplätze geschaffen hat.
Auf dem Trödelmarkt wird noch heimisches Handwerk angeboten, aber man merkt schon die Serienproduktion: Ton- und Töpferwaren, gestickte Textilien, viel Holzarbeiten

und ein Kunstschmied, der seine Werkstatt mitten auf dem Trödelmarkt aufgeschlagen hat. Er liebt seine Freiheit über alles und liebt sein Handwerk, erst muß ein Werkstück fertig geschmiedet sein, bevor er dem Publikum etwas verkaufen kann.

und ein Kunstschmied, der seine Werkstatt mitten auf dem Trödelmarkt aufgeschlagen hat. Er liebt seine Freiheit über alles und liebt sein Handwerk, erst muß ein Werkstück fertig geschmiedet sein, bevor er dem Publikum etwas verkaufen kann.

Wir drehen noch ein paar Runden durch die Innenstadt, die großenteils sehr schön restauriert ist

die Grünanlagen mit viel Schmiedearbeiten an den Brunnen

die Grünanlagen mit viel Schmiedearbeiten an den Brunnen

doch nach 2 Stunden zieht es uns weiter. Zur Überwindung des Höhenunterschieds nehmen wir bis Cadca den nächsten Zug, das bringt uns 24 km weiter nach Norden und sicher 300 m höher, dann radeln wir Richtung Beskiden im Kysuca-Tal aufwärts. Zunächst kommen wir aus dicht bebautem Gebiet überhaupt nicht heraus, bis wir in Olesna rechts abbiegen. Es geht nun zwar bergauf, aber die Landschaft wird wieder ländlich.

Zur tschechischen Grenze hin führen nur Stichstraßen, zu Fuß sicher reizvoll zu wandern, aber mit Rad und Gepäck nicht zu machen.

Zur tschechischen Grenze hin führen nur Stichstraßen, zu Fuß sicher reizvoll zu wandern, aber mit Rad und Gepäck nicht zu machen.

So strampeln wir erst einmal hoch zur Wasserscheide, der Bach (Olesnianka) neben uns wird klein und kleiner, bis wir in Hlavica oben sind und nun an einem anderen Bach bergabrollen können. Schon gegen 17 Uhr landen wir in Klokokov auf der Terrasse eines Motels, das zum Übernachten einlädt.
Aber sollen wir hier, 3 km vor der Grenze, schon ausspannen ?
Der Naturpark fängt doch hier erst an, da werden wir weiter oben doch sicher Unterkünfte genug finden.
Also fahren wir weiter, und nun gehts erst einm al ein langes Stück rauf.

Die Grenze haben wir geschafft, von nun an gehts bergab

Die Grenze haben wir geschafft, von nun an gehts bergab

.....aber etwaige Quartiere sind zugenagelt.

.....aber etwaige Quartiere sind zugenagelt.

Die ehemalige Grenzabfertigung leer und verfallen

Die ehemalige Grenzabfertigung leer und verfallen

...aber eine rasante Abwärtsstrecke auf einer nagelneuen Piste, auf der uns kaum ein Auto überholt oder begegnet.
Und das alles durch einen herrlichen Nadelwald.
Die ersten 6 km haben wir im Nu hinter uns. An der nächsten Straßenabzweigung kein Haus, nur Wegweiser und Wald, also weiter. Nordwestlich gibt es einen großen Stausee (Vodri nadrz Sance), den steuern wir an. Es gibt auch ein Hotel, aber niemand ist da, es scheint aufgegeben zu sein. 5 km bergauf soll das nächste sein, also nehmen wir das.

 Doch 5 km bergauf können endlos lang sein, zumal es so steil wird, das wir schieben müssen.

Doch 5 km bergauf können endlos lang sein, zumal es so steil wird, das wir schieben müssen.

Als wir fast dort sind, finden wir nicht das Hotel, sondern einen neuen Wegweiser: weitere 3 km bergauf.
Nein, das machen wir nicht mit, da biegen wir lieber links in einen Waldweg, der für Räder zugelassen ist und sogar eine Radwegnummer hat. Der führt dann weit oberhalb des Stausees in vielen Windungen, teils runter, teils rauf, richtig was für Mountainbiker.
Aber uns wird es langsam mulmig.
Der See scheint Trinkwasserschutzgebiet zu sein, und da sind Siedlungen nicht zugelassen. Wegweiser gibt es nicht, nur die Nummern von Radwegen, aber dazu brauchten wir die tschechischen Fahrradkarten.
In einer halben Stunde geht die Sonne unter und der aufkommende Regen wird auch nicht auf sich warten lassen.

Bleibt nur eins: Abwärts rollen lassen, bis wir unterhalb der Staumauer sind, dort wird ja wohl eine Ortschaft sein. Im Prinzip war diese Vermutung richtig, aber Unterkünfte gibt es erst, wenn wir aus dem Naturpark heraus sind. Als wir 28 km hinter der Grenze hinter uns haben, sehen wir eine Hotelreklame am Ortsrand von Ostravice. Dorthin fahren wir und checken ein.
Dann erst hören wir, dass die Küche schon geschlossen hat.
Doch der Portier arrangiert für uns ein Auto, das uns in den Ort hinunter bringt, wo es was zu essen gibt, vor allem Bier zu trinken.
Wir haben es verdient ! Und auf Abruf werden wir auch wieder abgeholt, Gott sei Dank, denn inzwischen regnet es in Strippen.

Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes, der Blick aus dem Fenster - kann man vergessen ! Nehmen wir also wieder den Zug.
Aber der fährt in Ostravice nur alle 2 Stunden, und einer ist gerade weg. Also machen wir eine Fahrt auf dem Radweg entlang der Ostravica abwärts nach Frydlant nad Ostravici, so lange fängt der Laubwald noch das Regenwasser von oben ab, denken wir.

In Frydlant finden wir dann einen Bahnhof und lösen gleich bis Kromeriz.

© Manfred Sürig, 2013
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 25.08.2013
Dauer: 7 Tage
Heimkehr: 31.08.2013
Reiseziele: Slowakei
Tschechische Republik
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad