Slowakei-Reisebericht :Im Gebirge ein neues e-bike testen

Hodonin-Piestany unter Strom !

Ein Ziel habe ich mir nicht vorgenommen, dementsprechend auch keine Unterkunft reserviert. Flexibel bleiben soll oberstes Gebot sein. Dass auch ein mäßiger Südwestwind weht, ist das einzig Positive heute, er ermöglicht mir mit Batterie-Unterstützung von 30 % ein ordentliches Tempo von 22 km/Std. Ob ich dabei ins Schwitzen komme, weiß ich nicht so genau, die Hände jedenfalls werden trotz Handschuhen kalt und naß und das Regenwasser perlt von der Hose ab und läuft in die Strümpfe.
Einen Weg von Holic nach Senica kürze ich ab, habe dafür aber die erste Steigung zu überwinden. 12 % an der steilsten Stelle, hundert Höhenmeter insgesamt, mehr als nur über eine Autobahnbrücke - mit elektrischer Unterstützung zu schaffen. Ich muß nur meinen Tretrhythmus beibehalten, sonst läßt mich die Batterie im Stich, wenn ich zu schnell werde oder, wenn ich zu langsam bin, würge ich wie beim Auto, in einem zu hohen Gang den Motor ab.
Das muß man erst mal lernen.
Ich trete deshalb kräftig mit, um das Tempo zu halten, ohne herunterschalten zu müssen, das bringt mich dann trotz elektrischem Schub schnell aus der Puste. Oben angekommen, fühle ich mich unter der Schulter klatschnaß und das Knie klebt von innen an der Hose. Also raus aus dem Regenzeug! Beim Ausziehen ist das Regenzeug von innen gleichmäßig naß - das kann nicht durchgeregnet sein - aber wo bleibt da die "Atmungsaktivität"?

Wenig Verkehr, das Wichtigste, um das e-bike zu testen. Vom Wetter reden wir lieber nicht.....

Wenig Verkehr, das Wichtigste, um das e-bike zu testen. Vom Wetter reden wir lieber nicht.....

Irgendein Schlachtfeld gibt es hier zu bewundern, zu dessen Gedenken man hier das riesige Kreuz aufgebaut hat. Doch mich kühlt der Wind aus, weiterfahren ist angesagt

Irgendein Schlachtfeld gibt es hier zu bewundern, zu dessen Gedenken man hier das riesige Kreuz aufgebaut hat. Doch mich kühlt der Wind aus, weiterfahren ist angesagt

Bergab soll mich der Fahrtwind wieder trocknen, das könnte gehen, weil der Nieselregen etwas nachgelassen hat. Im Nu bin ich in Senica, 30 km habe ich seit Hodonin auf dem Tacho. Zu wenig für eine Tagesreise, zumal die Batterie noch kräftig schieben kann. Die schöne glatte Straße führt nach Jablonica, weitere 10 km durch sanfte Hügellandschaft, obwohl die Richtung etwas zu weit südlich ist. In Jablonica biege ich links ab Richtung weiße Karpaten. Auch hier wieder ein Weg, den ich locker mit 22 km /Std fahren kann.
Sollte heute gar noch Piestany zu schaffen sein ? Hinter Brezova geht's nun rauf in die weißen Karpaten, 15 % Steigung, jetzt muß die Batterie mehr leisten, erst 50 %, zum Schluß 75 %. Aber ich schaffe den Berg ohne Absteigen und ohne Verschnaufpause und das bei fast 250 Höhenmetern! Das ist ein neues Fahrgefühl, und obendrein ist mir warm geworden, bis auf die Handgelenke und die Zehenspitzen, aber trocken bin ich auch !
Langsam packt mich Reiselust, ich sehe mir die Karte an - ja, da könnte man ein Stück den Höhenradweg fahren und dann rechts runter Richtung Piestany. Allerdings kommt der Tacho dann auf über 60 Kilometer - ob die Batterie so lange mitspielt ? Ich stelle die Bedenken zurück, es geht ja netto dorthin bergab.
Also lasse ich unterwegs eine verführerische Pension rechts liegen und trete weiter in die Pedalen. Bergab eine herrliche Abfahrt, aber auf der Zufahrt nach Piestany - 73 km zeigt der Tacho, da streikt die Batterie. Nun ist echte Leistung gefordert, das Tempo geht auf 16 herunter und mir wird richtig warm.
In Piestany, einem weltbekannten Heilbad, ist die Auswahl an Unterkünften riesig. Doch viele haben zu oder nehmen nur Gäste für einen längeren Zeitraum. Also quartiere ich mich ins Hotel garni Annemarie ein und bin für 49 € nicht schlecht untergebracht.
Wie es scheint, bin ich der einzige Gast heute.
Abends setze ich noch eine SMS an Erich ab mit meiner Position, verzehre die letzten Reste des Festessens, das Erich und Mirka mir mitgegeben haben und liege schon um 20.30 Uhr in den Federn.

© Manfred Sürig, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dass man in der Ebene deutlich schneller fahren kann, war die erste Erfahrung mit dem neuen e-bike. Nach 60 Kilometern war die Batterie leer. Wie würde das wohl auf Bergtouren aussehen, wenn die Batterie das leisten muß, was ich in den letzten 16 Jahren trampeln mußte ?
Details:
Aufbruch: 05.10.2017
Dauer: 13 Tage
Heimkehr: 17.10.2017
Reiseziele: Tschechische Republik
Slowakei
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad
Aus dem Gästebuch (1/1):
Christine Zauner 1510648150000
Ein schöner Rei­se­bericht! Dan­kesch­ön...
Uns hat es auch sehr gut ge­fal­len - du hast die rich­ti­gen Worte ge­fun­den!