Tschechei-Reisebericht :Mährens Perlen kennenlernen

Freund Erich, Ur-Wiener und Wahl-Tscheche, fühlt sich in Hodonin so wohl, dass er mir unbedingt seine Wahlheimat näherbringen will. Das sollte zu zweit nun per Fahrradrundtour stattfinden.

Kennst Du Mlynki noch nicht ?

Lassen wir es sanft beginnen, schlägt Erich vor, am ersten Tag machen wir nur eine Tour in die Umgebung nach Osten. Vom Grenzort Sudomerice aus gibt es auf tschechischer Seite ein herrliches Tal am Rand der weißen Karpaten mit vielen Datschen, dort geht es mit mäßiger Steigung rauf und anschließend können wir uns ins Weindorf Petrov herunterollen lassen. Dazu brauchen wir kein Gepäck, denn wir kommen abends nach Hodonin zurück.
Erich kennt hier alle Wege. Nur heute kommen einige nicht infrage, weil es stark geregnet hat und wir nicht im Matsch versacken wollen. Wir wählen Abkürzungen, um Steigungen zu vermeiden. Auf einem Plateau, wo das Wasser kaum abgelaufen ist, balancieren wir auf schmalen Graspfaden, müssen aber durch manche große Pfütze, deren Tiefe wir nicht kennen. Das leichte Gefälle ins Mlynki-Tal ist da eine Erleichterung, erfordert beim Radeln aber höchste Aufmerksamkeit.
Dann endlich erreichen wir die Straße, als es leicht zu regnen beginnt. Umkehren ? Wir sind nun so nah dran, das kleine Stück nach Mlynki machen wir noch! Und wir erreichen ganz nahe an der Grenze zur Slowakei ein Ferienidyll mit vielen Ferienhäusern an den Hängen, umgeben von Weingärten. Der Bach ist zu einem See aufgestaut, die Staumauer bildet die Grenze.
Auf slowakischer Seite beginnt Wald und der Weg abwärts ist mit einer Radwegmarkierung für Mountainbikes gekennzeichnet. Sogar ein schönes Rasthäuschen mit Dach ist da, Zeit für eine zünftige Brotzeit im Trockenen.
Abwärts gehts anschließend, aber von Weg kann keine Rede sein, nur Matsch und sumpfige Wiese. Mit Mühe erreichen wir wenigstens die Staumauer wieder und schieben nach Tschechien zurück. Inzwischen regnet es immer stärker und wir wollen keine neuen Wege zurück suchen, also auf dem kürzesten zurück nach Hodonin! Der führt zunächst kurvenreich abwärts durch schöne Weindörfer, aber die Kamera rausholen, das riskiere ich lieber nicht.
Auf einem längeren Waldweg fällt der Regen noch in die Baumkronen, bevor er in dicken Tropfen nach unten rutscht, da haben wir etwas Zeit gewonnen.
Aber das Finale kurz vor Hodonin hat es in sich: In vollen Spurrillen möglichst mit den Autos mithalten, damit uns die Überholer nicht von oben bis unten naß spritzen, das treibt den Schweiß, der aber von reichlichem Regen weggespült wird.
Fürs erste haben wir heute die Nase ziemlich voll; gut, dass wir bei Erich zu Haus unsere Klamotten trocknen können und nicht gezwungen sind, auf einer vorgebuchten Route das nächste Ziel anzusteuern.

Da kommt es sehr gelegen, dass Erich morgen die Kinder seiner Nichte erst einmal nach Österreich zurückbringen soll, mit Auto natürlich.

© Manfred Sürig, 2013
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 27.05.2013
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 11.06.2013
Reiseziele: Tschechische Republik
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad