Ukraine-Reisebericht :BALTIKUM - RUSSLAND - UKRAINE - POLEN

Ukraine

Die Ukraine liegt am Schwarzen und am Asowschen Meer und ist umgeben von den Nachbarländern Rumänien, Moldawien, Ungarn, Slowakei, Polen, Weissrussland und Russland. Mit einer Fläche von 603`700 km2, ist es etwa 15-mal grösser als die Schweiz.
Neben ausgedehnten Wäldern, Steppen und Kornfeldern sind die Städte Kiew, Odessa und Jalta reich an Geschichte.
31.08.-09.09.2013
Nun sind wir in der Ukraine, auf der Krim. Die 305 km bis nach Jalta führen sehr kurvenreich durchs Gebirge und dem Meer entlang. Leider ist die Strasse nicht nur kurvenreich, sondern auch sehr wellig, was ein zügiges Fahren nicht erlaubt. Dafür haben wir schöne Ausblicke auf die Berge und das Meer. Am späteren Nachmittag erreichen wir trotz viel Tourismusverkehr unseren Standplatz in Alupka, ca. 19 km westlich von Jalta. Der Parkplatz vom Intourist Hotel ist eng, aber wir haben das Glück seitlich am Geländer zu stehen mit Sicht aufs Meer. (GPS N 44,30,028 O 034, 11, 411).
Das Klima im Süden der Krim ist von besonderer Art. Die hohen Berge im Norden schützen vor kühlen Winden, das Schwarze Meer schafft im Sommer die nötige Frische, es wird selten heisser als 25 Grad Celsius. Das Wasser hat im Altweibersommer eine angenehme Badetemperatur, jedoch für Badestrände hat es nur wenig Platz.
Unsere Autos bleiben stehen, wir machen uns per Autobus um 09.30 Uhr auf den Weg zum Schwalbennest, einem waghalsigen an der felsigen Steilküste der südlichen Krim gebauten Schlösschen, gleichzeitig das Wahrzeichen der Küste. Es geht zurück auf reiche Geschäftsleute, die dieses Märchenschloss errichteten. Wir besichtigen auch die grösste Sommerresidenz der Zarenfamilie den Livadija-Palast. Nach dem 2. Weltkrieg fand hier auch die berühmte Konferenz von Jalta mit Roosevelt, Churchill und Stalin statt. Wir spazieren durch den schönen Park und geniessen die Aussicht auf Jalta und das Meer. Danach steigen wir die lange Treppe hinunter bis zur Anlegestelle. Per Boot fahren wir entlang der mondänen Küste und erreichen das Stadtzentrum Jalta. Wir flanieren über die Promenade und beobachten die Reichen und Schönen und geniessen das herrliche Wetter. Danach erwartet uns der leichteste Teil des Tages, nämlich ein Besuch mit Wein- und Likörprobe in Massandra, dem weltberühmten Weinerzeuger. Die Besichtigung und die Weinprobe sind beeindruckend, jedoch auch hier munden uns die 9 dargebotenen Proben nicht besonders, denn wir finden sie alle etwas zu süss.

Bis Sewastopol sind es nur 90 km und wir stehen wieder ausserhalb der Stadt auf einem sehr einfachen Campingplatz (GPS N 44, 38,575 E 33, 32, 198). Der Strand Utschkujewka können wir zu Fuss gut erreichen. Er gilt als der schönste Sandstrand in der Region und ist deshalb auch gut besucht.

Am nächsten Tag holt uns ein Bus ab und bringt uns in die Stadt Swastopol, welche bis 1995 für Ausländer gesperrt war, oder nur mit Sondergenehmigung besucht werden konnte. Die Stadtführerin erzählt uns, dass sogar die Leute aus der eigenen Familie eine Bewilligung brauchten, wenn sie Verwandte in der Stadt besuchen wollten. In dieser Stadt handelt es sich um Krieg und nochmals Krieg, wie die Denkmäler und Museen zeigen. Auf dem Programm steht auch der Besuch des berühmten Panoramas, eine beeindruckende Darstellung des Krimkrieges 1855 mit einer Länge von 135 m und einer Höhe von 12 m. In dem Rundgebäude fühlt man sich mitten im Kriegsgeschehen.

Nachmittags machen wir einen Meeresspaziergang, so nennen die Russen einen Bootsausflug entlang der Küste quer durch die Buchten. Russland hat hier immer noch Zugang zum Meer und deshalb auch einige Kriegsschiffe stationiert. Heute kann man sogar die russische Schwarzmeerflotte fotografieren. Den ganzen Tag über ist es wechselhaftes Wetter zwischen Wind, Regen und Sonne.

Nun sind wieder zwei Fahrtage angesagt von 350- und 210 km bis nach Odessa. Zunächst fahren wir auf der H06 vorbei an Bachtschisaraj der Hochburg der Krimtataren. Hier machen wir Halt und besuchen die Khanresidenz, welche heute ein interessantes Museum ist.

Weiter geht die Fahrt durch die weite Krimsteppe und wir kommen an vielen Obst- und Gemüsemärkten vorbei. In Cherson befindet sich unser Stellplatz im früheren Olympia-Stadion auf der Tartanbahn. Zuerst waren wir etwas erschrocken als uns gesagt wurde, dass wir auf der Tartanbahn im Station übernachten, jedoch den Rasen nicht betreten dürfen. Als wir aber das vernachlässigte Stadion sahen und die kaputte Tartanbahn, sind wir ohne Sorgen darüber gefahren.
Die 210 km nach Odessa bringen wir ohne grössere Probleme hinter uns und erreichen den Stellplatz beim Hotel Sachalin 16 km ausserhalb der Stadt gegen Mittag. (GPS N 46, 33, 111 E 30, 36, 000). Nachmittag bringt uns ein Bus in die Stadt Odessa und wir können 3 Stunden die Stadt erforschen jeder auf eigenes Gutdünken.
Um 9 Uhr holt uns der Autobus samt deutschsprachiger Stadtführerin am Standplatz ab. Nun geht es zu den vielen Sehenswürdigkeiten der Kulturstadt Odessa. Bei Sonnenschein wirkt die Stadt freundlich, ihre vielen Gebäude im Zuckerbäckerstil einladend. Wenn wir aber unsere Blicke von den Fassaden auf die Menschen lenken fällt uns auf, wie viele Menschen offensichtlich doch arm sind. Fast 3% der Odessiten haben AIDS, das ist nach Kaliningrad europäischer Rekord! Die meisten jungen Leute wirken schick gekleidet und haben es natürlich leichter als die ältere, von sowjetischem Denken geprägte Generation. Odessa ist trotzdem im Aufschwung und auch wir tragen mit unserem Besuch ein bisschen dazu bei. Unsere Stadtführerin erzählt uns sehr viel, auch ihre politischen Ansichten gibt sie preis und zur Auflockerung erzählt sie auch einige ukrainische Witze.

In Deutschland werden die Autos aus Krupp-Stahl gebaut,
in Russland und Ukraine werden die Autos aus Dieb-Stahl gebaut!

Ein grosser Teil Odessas ist mit einem riesigen Labyrinth aus Gängen unterkellert. Die Gänge entstanden, als zum Bau der Stadt Muschelkalkstein ausgebrochen wurde. Früher versteckten sich Freimaurer, Revolutionäre, Verbrecher und Obdachlose, im zweiten Weltkrieg Partisanen und noch heute hausen Leute in diesen Gängen, welche sonst nirgends eine Unterkunft finden. Wir machen einen 3-stündigen Ausflug in diese dunkle Unterwelt und bekommen einen anschaulichen Einblick wie hier im 2. Weltkrieg gekämpft wurde.

Unser nächstes Ziel liegt 470 km entfernt und heisst KIEW. Wir starten um 06.00 Uhr um genügend Zeit zu haben die Fahrt auch etwas geniessen zu können. Es ist Freitag und in Kiew kommen wir gerade zur rechten Zeit an, um uns durch den Feierabendstau zu kämpfen. Unser Übernachtungsplatz auf dem Tourkomplex Prolisok (GPS N 50, 27.136, E 030, 20,234) liegt auf der anderen Seite der Stadt in einem Wald. Auf der Strecke gab es viele Polizei- und Geschwindigkeitskontrollen wir hat jedoch das Glück, dass wir nie angehalten wurden. Nach Ankunft am Ziel mussten wir uns sofort umziehen, denn wir haben uns angemeldet für einen Opernhaus Besuch. Der Transfer dorthin wird von der Reiseleitung organisiert, so brauchen wir uns nicht darum zu kümmern und können uns auf das Ballett "Nussknacker" freuen. Die Aufführung hat uns gut gefallen und war auch gut verständlich, da wir nur den Tanz und die Musik geniessen konnten. Nach Mitternacht sind wir dann müde ins Bett gefallen.
Von ausschlafen war jedoch keine Rede, denn der Bus zur Stadtführung war schon wieder um 09.00 Uhr abfahrtbereit. Hier in Kiew hat uns nun der Herbst eingeholt, es ist merklich kühler geworden und heute ist die Sonne von Wolken verdeckt. Trotzdem geniessen wir die Stadt der hundert goldenen Kuppeln, die Stadt in der der russische Staat aus Sicht der Ukrainer seinen Anfang genommen hat. Aber auch über die glorreiche Geschichte und die jüngste mit Präsident Juschtschenko, sowie der Orangen Revolution erzählt uns die Stadtführerin. Wegen der kürzlich durchgeführten Fussball Europameisterschaft wurden viele Fassaden und Geschäfte renoviert. Nachmittags gilt der Besuch dem weltberühmten Höhlenkloster, UNESCO Weltkulturerbe, Kiewo-Petscherskaja Lawra, gegründet unter Wladimir dem Heiligen 978-1015, war dieses Kloster das älteste und religiös-kulturell bedeutendste Kloster Russlands. Die Mönche setzten ihre Toten in den Kalksteinhöhlen des Klosters bei, die durch ihre spezielle chemische Beschaffenheit die Leiche vor Verwesung bewahrten. Man zeigt die konservierten Leichname den Gläubigen, die in Scharen zur Wunderstätte pilgern. Auch wir sind hinabgestiegen, die Frauen mussten jedoch beim Eingang grüne Schürzen umbinden und ein Kopftuch tragen, dann erst konnten wir geschoben von den vielen Gläubigen an den Glassärgen vorbei gehen.

Abends auf dem Campingplatz wurde uns noch ein zünftiges ukrainisches Gruppenessen mit folkloristischen Einlagen geboten.

Nach diesen strengen Tagen geniessen wir nun den freien Tag auf dem Campingplatz, bei schönem Wetter.
Die nächsten 370 km bringen uns nach Dubno, eine kleine Stadt in der Westukraine. Hier wird kein russisch mehr gesprochen, sondern nur noch ukrainisch. Die Strasse ist gut ausgebaut, ja sogar hie und da geteilte Fahrbahnen wie Autobahn. Die Präsenz der Polizei ist jedoch sehr gross und es wird überall Geschwindigkeitskontrolle durchgeführt. Wir haben Glück und werden nie angehalten aber der Fahrer muss immer aufpassen, was die Fahrerei sehr anstrengend macht. Ausserorts darf mit 90 gefahren werden aber hie und da kommt abwärts unverhofft eine Signalisation mit 50 km und gleich wird die Geschwindigkeit gemessen! Dafür ist das Wetter schön und die Landschaft hat ihr farbiges Herbstkleid angezogen. In Dubno übernachten wir auf dem Gelände des Stadions und können der Jugend beim trainieren zusehen. (GPS N 50, 25, 348 E 25, 43, 787)
Wir fahren zurück zur M06 und folgen der Beschilderung Lviv (Lemberg). Unterwegs machen wir Mittagshalt beim Schloss Olesko. Das Schloss sieht von aussen sehr vernachlässigt aus, jedoch auf einer Führung durch die verschiedenen Räume werden wir angenehm überrascht. Es gibt schöne Möbel, Keramik und Bilder zu bestaunen.

Gegen Abend treffen wir im Hotel Jockey bei der Pferderennbahn in Lemberg ein. (GPS N 49, 46, 663 E 024, 00, 916), bis zum Stadtzentrum wären es noch 7 km.
Um 09.00 Uhr holt uns der Bus zur Rundfahrt durch Lemberg ab. Leider ist das Wetter regnerisch, deshalb machen wir eine Stadtrundfahrt mit dem Bus. Lviv liegt in einer hügeligen Ebene nahe der Grenze zu Polen und ist die bedeutendste Stadt der Westukraine. Trotz schwerer Zerstörungen in den beiden Weltkriegen blieb eine Reihe wertvoller Gebäude erhalten, sind jedoch heute zum Teil renovations bedürftig. Das moderne Lviv verfügt über 14 Hochschulen, 18 Museen, darunter eine berühmte Gemäldegalerie mit Werken von Goya, Rubens, Tizian u.a., fünf Theater, zwei Konzertsäle, einen Zirkus und gepflegte Parks mit zum Teil alten Baumbeständen.

Abends sind alle Teilnehmer eingeladen zum Farewell-Dinner. Per Taxi werden wir in ein schönes ukrainisches Restaurant gefahren. Ein ausgiebiges ukrainisches Essen wird serviert und dazu spielt uns das Bandura Goldkelchen-Quartett wunderschöne Musik. Die Bandura als Musikinstrument ist ein nationales Musiksymbol der Ukraine.

Nach dem schönen Abend kommt auch ein neuer Tag. Es regnet und ist kalt, so haben wir richtig Zeit zum Ausschlafen.
Der letzte Tag unserer Reise durch das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion liegt vor uns, hinter uns liegen aufregende, abwechslungs- und erlebnisreiche und sicherlich auch anstrengende Wochen. Noch vor zwei Wochen waren wir in Südrussland unterwegs, nun stehen wir kurz vor der Ost-Grenze der EU.
Wir sind froh, ohne Unfall und ohne Bekanntschaft mit der Polizei bis nach Krakau / Polen gekommen zu sein!

Jalta

Jalta

Swastopol Krimkriegpanorama

Swastopol Krimkriegpanorama

Swastopol Schwarzmeerflotte

Swastopol Schwarzmeerflotte

Khanresidenz

Khanresidenz

Odessa

Odessa

Odessa Katakomben

Odessa Katakomben

Kiew Oper

Kiew Oper

Kiew Höhlenkloster

Kiew Höhlenkloster

Folkloreabend

Folkloreabend

Schloss Olesko

Schloss Olesko

Lemberg

Lemberg

Oper Lemberg

Oper Lemberg

Bandura "Goldkelchen-Quartett

Bandura "Goldkelchen-Quartett

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Den Osten zwischen den 3 Meeren mit dem Wohnmobil erleben! Die diesjährige „grosse“ Reise soll uns über Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, nach Tallinn der Hauptstadt Estlands führen. In Tallinn treffen wir uns mit einer Wohnmobilgruppe, mit welcher wir nach Russland und Ukraine fahren.
Details:
Aufbruch: 13.07.2013
Dauer: 11 Wochen
Heimkehr: 24.09.2013
Reiseziele: Deutschland
Polen
Litauen
Lettland
Estland
Russland / Russische Föderation
Ukraine
Der Autor
 
Peter & Elisabeth WULLSCHLEGER berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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Peter & Elisabeth über sich:
Seit wir pensioniert sind, reisen wir mit unserem Wohnmobil auf der Welt umher. Damit unser Freundeskreis weiss wo wir sind, schreiben wir Reiseberichte. Natürlich freut es uns sehr, wenn wir hie und da eine Antwort erhalten!
Peter und Elisabeth WULLSCHLEGER