Ungarn-Reisebericht :Beluga geht durchs Nadelöhr 1

Die Dame mit der Donau zwischen den Brüsten

Nach 10 km vereint sich der Arm wieder mit der Donau und wir steuern Budapest an. Am rechten Ufer neben der Inselspitze der Margarethen-Insel ist die Wiking-Marina Budapest. Der Hafen ist untief, mit 1,30 m Tiefgang wühlen wir bereits Dreck auf. Zwei größere Hausboote liegen etwas weiter hinten rechts und links im Becken. Sie sind verbunden mit einer Brücke, schätzungsweise 3 m über dem Wasser. Keine Durchfahrt für höhere Boote. Über das ganze zieht sich die Autobahnbrücke, über die auch die Trambahn fährt. Ein ruhiger Hafen ist etwas anderes. Die Preise stinken zum Himmel. Der Gott-sei-bei-uns soll mich auf seine Mistforke spießen, wenn ich noch mal über die Freudenhauspreise in deutschen Jachthäfen fluche.
Immerhin hat die Wiking-Marina die einzige Wassertankstelle Ungarns.
Buda und Pest, die Dame mit der Donau zwischen den Brüsten, ist von der Wasserseite nur noch mit der Schönheit von Paris zu vergleichen. Die Prachtbauten hauen einem um. Wir lassen das unvergleichliche Panorama auf uns einwirken, knipsen und filmen wie die Irren und fluchen auf den bedeckten Himmel, der uns strahlende Bilder verwehrt.

Budapest

Budapest

15 km hinter Budapest ist ein Seitenarm mit einer kleinen Steganlage und dem Clubhaus des Harosi Jachtclubs. Auf Empfehlung unseres sebsternannten Unganrexperten Helmut findet man hier einen preiswerten und ruhigen Übernachtungsplatz. Wenn nicht gerade Pfingstsamstag ist und das Jahresfest stattfindet. Dann dröhnen die Lautsprecher von nachts um 11 bis morgens um 5 und spucken Jazz und Remmidemmi aus in schätzungsweise 200 Dezibel. Beim Bezahlen stellen wir fest, dass der Harosi Club noch teurer als die Marina Budapest ist. Es gibt kein Wasser und keine Verbindung zurück zur Stadt.

Kaum zeigt die Sonne mal ein fröhliches Lächeln fallen Stechmücken über uns her wie Essigfliegen über verdorbenes Obst.

Mächtig breitet sich der Strom in der Landschaft aus. Die Navigation ist immer noch relativ einfach. Der Fluss ist meist gut betonnt. Die Karten von Verberght sind Manfred eine große Hilfe wenn einmal eine Tonne fehlt oder auf der falschen Seite am Ufer liegt. Mit Hilfe des Echolotes tasten wir uns bei km 1579 linkes Ufer an einen Baggersee. Manfred hält sich dicht unter der Inselspitze bei 2,5 m Wasser. Gegen Land ist die Einfahrt untief. Im See sind Wassertiefen von 5-6 Metern. Ein ruhiger und kostenloser Nachtplatz.

Bei km 1597,2 mündet rechts der Kanal in die Donau, der zum Balaton führt. Er macht einen guten Eindruck und soll von Sportbooten zu befahren sein. Nur, was sollen wir im Plattensee, der durchschnittlich nur 90 cm tief ist?

Wald begleitet uns jetzt, auch Sandstrände von karibischen Ausmaß, die Ansiedlungen werden immer spärlicher. Stände nicht manchmal ein Saugbagger, belagert von rostigen Schuten, im Strom, man wäre mit sich und der Welt alleine.

Unsere letzte Übernachtung in Ungarn ist Baja. Ca. 5 km muss man durch Kanäle bis zur Marina schippern. Strom und Wasser ist da, auch ein Supermarkt direkt am Hafen. Der Platz ist bewacht und teuer wie überall in Ungarn.

Ungarn könnte für Bootsfahrer ein Traumland werden. Die Donau ist ein breiter, freundlicher Fluss, mit vielen Inseln, Baggerseen, Seitenarmen und Sandstränden. Doch
die Preise in den Jachthäfen sind wirklich unverschämt, zumal die Infrastruktur fehlt.

Die Flusskarten von Verberght, eigentlich für die Berufsschifffahrt gemacht, sind auch für Sportbootfahrer unverzichtbar. Die Donau-Handbücher des Deutschen Seglerverbandes sind sehr informativ und interessant gemacht, aber die Bücher die wir dieses Jahr neu gekauft haben waren 10 Jahre alt. Alle Angaben über Jachthäfen
und deren Ausstattung sind nicht mehr korrekt. Treibstoff ist außer in Budapest nur mit Kanistern zu bekommen. Die jeweiligen Hafenmeister sind gerne behilflich und lassen sich diese Hilfe auch honorieren. Wasser wurde oft angeboten aus eigenen Brunnen, manchmal war es sogar Donauwasser. Also ist Vorsicht geboten.

Sollte einer noch mal erzählen Ungarn wäre ein preiswertes Urlaubsland, den darf man getrost auslachen. Ein Ungar hat uns ganz klipp und klar gesagt: " Leute mit Boote alle viel Geld, auch in Ungarn, können zahlen. Ungarn jetzt in EG, Ungarn machen Preise wie in EG. Wir wollen nicht Billigland sein. Nicht gut für Wirtschaft."

Aber das ist gar nicht gut für den Tourismus, der viel Geld bringen könnte.

In Ungarn heißen die Jachthäfen Jachtkikötö

In Ungarn heißen die Jachthäfen Jachtkikötö

© Doris Sutter, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Bootsreise die Donau abwärts, durch Österreich, Slowakei, Ungarn, durch so schwierige Länder wie Serbien, Rumänien und Bulgarien, eine Rundreise durchs Donaudelta und weiter bis ins Schwarze Meer. Die Heimreise durchs Schwarze Meer und Mittelmeer findet ihr im 2. Teil. Hier folgt der 1. Teil
Details:
Aufbruch: Mai 2004
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: Oktober 2004
Reiseziele: Österreich
Slowakei
Ungarn
Serbien
Eisernes Tor
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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