Griechenland-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Von der ionischen zur ägäischen Küste


Donnerstag, 22. Juni: Strand vor Σαγιάδα (Sagiada) ► Ηγουμενίτσα (Igoumenitsa) ► Θεογέφυρο Λίθινο (Theogefyro Lithino) ► Ιωάννινα (Ioannina, Griechenland) 138 Tageskilometer
Wir wachen auf und draußen ist es total neblig. Über uns wird es recht schnell klar, Korfu bleibt jedoch noch lange hinter einer dichten Nebelwand verborgen.
Als wir draußen beim Frühstück sitzen kommt der Nachbar heran, und erzählt, dass er eine Wohnmobilvermietung hatte und selbst geführte Wohnmobiltouren vorbereitet und durchgeführt hat. Er war schon im Iran. Jetzt ist er nur noch mit seiner Frau unterwegs, auf der aktuellen Tour nun schon seit 16 Wochen. Ein anderer taucht gerade aus dem Meer auf. Der ist schon seit 6 Wochen in Griechenland und nun so allmählich auf dem Rückweg. Dann noch der absolut linkische Mann mit dem funkelnagelneuen Kastenwagen, der seinen Toilettenschieber nicht mehr aufbekommt. Auch die Kassette lässt sich nicht mehr herausnehmen, wie fest geschweißt. Es versuchen sich alle Anwesenden. Mit roher Gewalt geht es dann irgendwie und der Womo-Profi stellt fest: Grober Bedienfehler. Manche Menschen sind eben absolut wohnmobiluntauglich.
Wir brechen auf. Nach wenigen Kilometern halten wir nach einem großen Stauwehr an einer Plantage und kaufen, einem Tip aus den frühmorgendlichen Gesprächen folgend, bei einem alten Mann einen großen Sack Orangen zum Saftpressen.
In Igoumenitsa kreiseln wir nach einem Parkplatz. Vor dem Fähranleger finden wir gerade noch so eine für uns passende Lücke. Wir suchen gute Straßenkarten für Griechenland und Füllmaterial für den Kühlschrank. Fast alles haben wir gefunden und dazu noch eine Unterhaltung mit der deutschsprachigen Besitzerin eines Schreibwarenladens. Zu Mittag essen wir in einer Straßenkneipe typisch griechisch.
Auf breiter verkehrsarmer Straße geht es nun in die Berge, über den Agios-Paß. Wir biegen ab und sind auf einer fast zugewucherten Straße. Man muß ganz in der Mitte fahren, denn die Büsche und Bäume haben sich den Verkehrsraum fast zurückerobert. Kühe laufen ganz gemütlich auf der Fahrbahn.

Ein kurzer Gewitterschauer geht nieder, eine Schildkröte kreuzt unseren Weg. Hier scheint es viele Landschildkröten zu geben, es lagen vorhin schon einige platt gefahrene auf der Straße.
In Lithino müssen wir eine lange Strecke rückwärts zurückfahren weil die enge Gasse plötzlich zwischen den Häusern so steil in die Tiefe abfällt, dass wir über den Knick ohne aufzusitzen nicht weiterfahren können.

Am Fuße des Dorfes scheppern wir über eine rostige Eisenplattenbrücke. Weit unten liegt der Kalamas. Der Fluß hat sich tief ins Kalkgestein eingefressen.
So ist hier auch ein Gebilde wie ein riesengroßer Durchbruch entstanden, Theogefyro, das Tor Gottes. Man nutzte den Rücken als Brücke über die tiefe Schlucht und errichtete als Dank darauf eine kleine Kapelle über dem Abgrund. Wir steigen auf Bruchsteinstufen hinunter in die feuchte Kühle. An langen grünen Bärten rieselt Wasser herunter, das Sonnenlicht dringt nur mühsam bis hier, ein märchenhafter, verwunschener Ort.

Weiter geht es durchs Gebirge, durch Zitza. Dann entlang großer Steinbrüche. Vor Ioannina ist es mit der Einsamkeit vorbei, es herrscht dichtester Verkehr. Der Campingplatz am Seeufer ist schnell gefunden. Hier ist es wieder schön ruhig mit Panoramablick über den See auf die Berge. Jetzt pressen wir erst einmal die Orangen aus und essen den Gewürzkuchen aus der Bäckerei in Igoumenitsa. Es ist schon 19.³º Uhr. Ein großes Abendessen brauchen wir heute nicht mehr, das Mittagessen war mal wieder sehr fleischlastig.
Direkt am Ufer vor drei bulgarischen Wohnmobilen hocken zwei Angler. Sie verändern ihre Position nicht, vom Zeitpunkt unserer Ankunft, bis wir spät in der Dunkelheit in unser Bett kriechen. Angebissen hat in dieser Zeit auch nichts.

Freitag, 23. Juni: Ιωάννινα (Ioannina) ► Δωδώνη (Dodona) ► Καστράκι (Kastraki, Griechenland) 134 Tageskilometer
Wir werden schon früh wach. Mein Blick fällt nach draußen: Die Bulgaren haben vergessen ihre Angler reinzuholen. Hocken die immer noch, oder schon wieder?
Nachdem wir an einem Supermarkt unsere Vorräte aufgefüllt haben, besuchen wir die archäologische Stätte Dodona mit einem sehr großen Amphitheater, ungefähr 20 Kilometer von Ioannina entfernt. Es ist schon wieder unerbittlich heiß, so dass wir uns von Baumschatten zu Baumschatten vorwärts arbeiten.

Schade, dass die provisorische Steinrestaurationswerkstatt aus Buden und großem Zelt mitten vor dem Theater erbaut wurde. Dies stört den Gesamteindruck enorm. An den vom Theater entfernt liegenden Tempelresten konnen wir erkennen, auch in der griechischen Antike bemühte man sich anscheinend um erdbebensichere Bauweise. An den großen Steinblöcken sind seitlich überall Aussparungen für Verbindungsklammern zu sehen. Im Schatten eines großen Baumes sitzen wir in den Tempelruinen und lassen das Ganze auf uns wirken. Innerhalb des weitläufigen Geländes ist außer uns zur Zeit nur noch ein weiteres Paar unterwegs.
Als nächstes sind machen wir uns auf zu den Meteora-Klöstern. Die Autobahn führt durchs Gebirge mit wunderbaren Weitblicken und durch sehr viele teilweise lange Tunnel. Nach der Abfahrt von der Autobahn, so gegen 15.ºº Uhr sehen wir in der Ferne seltsam geformte löchrig erscheinende steile Felsen. Immer wieder halten wir um zu fotografieren.

So etwas haben wir noch nicht gesehen, das Elbsandsteingebirge ist ein Nichts dagegen. Jetzt zeichnen sich langsam auch Bauten auf den Felsspitzen ab. Es sind Klöster in verschiedener Größe, fünf Stück an der Zahl. Jedes einzeln steil aufragend auf einer Felsnadel.
Kurz bevor wir den Ort Kastraki am Fuße der Felsen erreichen, tauchen in der Gluthitze vor uns auf der kleinen Landstraße zwei junge Japanerinnen jeweils mit Rucksack und großem Rollkoffer auf. Wir halten an und fragen, ob wir helfen können. Sie suchen anscheinend ein bestimmtes Hotel, aber wissen nicht in welchem Ort. Ihre Englischkenntnisse halten sich in engen Grenzen. Als sie merken, dass sie sich nicht richtig verständigen können, wenden sie sich sofort ab. Wir hätten sie in den nächsten Ort mitnehmen können. Sehr mutig und sehr sportlich von den beiden in einem für sie sehr fremden Land bei 35° ohne richtige Sprachkenntnisse auf einer Landstraße mit ordentlich Gepäck unterwegs zu sein. Kein Haus ist weit und breit zu sehen.
Aber nach der nächsten Kurve schon die ersten Restaurants, Pensionen und kleinen Hotels. Alles sieht sehr schön und lauschig aus. Hier werden die Japanerinnen doch wohl ihr Hotel finden. Wir fahren durch den Ort nach oben zu den Klöstern, halten an spektakulären Punkten und machen Fotos.

Das werden wir morgen früh bei besserem Licht fortsetzen und uns das Ganze näher ansehen. Heute ist es zu heiß und zu diesig.
Richtig berauscht fahren wir erst mal wieder hinunter und halten auf dem Campingplatz am Fuße der Felsen, den wir auf der Hochfahrt schon entdeckt haben. Schön klein, mit Pension, Bar und Pool. Der kommt uns gerade recht.

So kühlen wir uns herunter und verweilen eine ganze Zeit im Wasser am Beckenrand im Schatten eines Sonnenschirms.
Am Abend drehen wir eine Runde durch den Ort. Wir haben die Kirchenglocken gehört, aber das Dorfzentrum liegt etwas versteckt. Dann erblicken wir die weiße Kirche, einige Läden und kleine Kneipen. Wir setzen uns auf die Terrasse einer lauschigen Taverne. Im Hintergrund die Märchenfelsen. Manchmal sehen sie aus wie Figuren. Ein großer Elefant zum Beispiel – allerdings mit etwas zu kurz geratenem Rüssel.
Wir essen Weinlaubröllchen in Zitronensauce und Souvlaki, den typischen gegrillten Fleischspieß dazu einheimischen Weißwein. Dann werden wirklich noch alle Griechenlandklischees bedient: Ein Musiker beginnt Sirtaki zu spielen, es wird getanzt und gesungen. Im Innern der Taverne feiert lebensfroh eine Familiengesellschaft.
Später kämpfe ich noch mit einer Riesenheuschrecke in der Campingplatzdusche, dann schlafen wir in der Sommerhitze ein.

Samstag, 24. Juni: Καστράκι (Kastraki) ► Δίον (Dion) ► Βαρικου (Varikou, Griechenland) 204 Tageskilometer
Früh am Morgen fahren wir noch einmal bei schönem Licht zu den spektakulärsten Fotopunkten der Meteora-Felsen. Leider ist die Fernsicht auch schon wieder diesig.

Wir haben Glück und sind noch allein auf den Aussichtspunkten, aber schon bald landen die ersten Reisebusse und Wochenendausflügler. Weiter fahren wir die Panoramastraße nach Kalambaka, dann in Richtung Trikala.
Dann an einer Ampelkreuzung ein Baumarkt für Natursteine, an sich nichts Spektakuläres. Jedoch neben Gartenkaminen und Fußbodenplatten stehen im Außenbereich Fertigteilkirchen aus Naturstein und Beton zum Verkauf.

Von der Größe einer Hundehütte bis zur größeren Familienkapelle ist alles im Angebot. Schnell anhalten, das muß geknipst werden.
In Larisa irrt sich unser Navi und schickt uns durch kleine Gassen und auch wieder zurück auf die Schnellstraße. Darauf fahren wir eine ganze Weile bis diese automatisch zur Autobahn wird. Hier sehen wir das erste mal den Olymp. Auf der recht neuen Autobahn zahlen wir für zwei kurze Stücken einmal 6,50€ und einmal 8,50€. Hier gibt es eine Kategorie Wohnmobil, wie aus den Piktogrammen zu entnehmen ist das mehr als doppelt so teuer wie mit einem gleich großen Transporter. An der Abfahrt Lithochoro verlassen wir die Autobahn um uns die Ausgrabungen Dion anzusehen.
In der größten Mittagshitze sind wir auf dem Ausgrabungsgelände am Fuße des Olymp. Zum Glück liegen die Wege teilweise unter großen Schatten spendenden Bäumen. Wir kühlen uns an einem sprudelnden Brunnen.

In den Resten der antiken Bauwerke sind wunderschöne Fußbodenmosaike zu entdecken. Bäder mit einem ausgeklügelten Warmluft-Heizungssystem, Massentoiletten, Reste der Stadtmauer, mit großen Blöcken gepflasterte breite Straßen. Dann können wir nicht mehr. Am Quellbach des Orakels von Dion lassen wir uns nieder. Unser Blick geht über das Amphitheater zum Olymp. Dieser hüllt sich an seinem Gipfel gerade in Gewitterwolken, Zeus lässt für uns Blitze zucken.

Aber hier unten nicht, hier brennt die Sonne unbarmherzig. Mit letzter Kraft schleppen wir uns zum Ausgang und kaufen uns in der Cafeteria etwas Eisiges zu Trinken und Kekse. Das tut gut. Nachdem wir eine Weile „abgehangen“ haben, entscheiden wir uns noch das Museum am anderen Ende des Ortes zu besuchen. Innen muß es einfach kühler sein. Auf drei Etagen können wir nun die speziellen Funde der Ausgrabungen wie Statuen, Keramik, Glas, Werkzeuge, Schmuck ansehen.

Man erfährt einiges über verwendete Materialien, Bau- und Vermessungstechniken in der Antike. Außerdem wurde ein bemerkenswerter Gegenstand aus Metall gefunden, Fragmente einer mit Wasserdruck betriebenen Orgel, die auf das 1. Jh. v.u.Z. datiert wird. Natürlich auch wieder wunderbare Mosaike und meisterhaft ausgeführte Skulpturen und lebensechte Statuen. Eine Marmorbüste ist dabei, die frappierende Ähnlichkeit mit Frank aufweist.

Rätsel geben uns die vielen in Marmorplatten eingearbeiteten Fuß- und Ohrabdrücke auf. Vom Kleinkind bis zum Erwachsenen sehr detailreich, in Originalgröße als sorgfältige Steinmetzarbeiten ausgehauen und poliert. Wir begeben uns wieder ans Meer und suchen eine schönen Übernachtungsplatz am Strand. Wir finden zwar absolut einsame Stellen, aber nur auf weithin sichtbaren sonnendurchglühten von mückenverseuchten Gräben durchzogenen platten Land, ohne Baum und Strauch. Danach reihen sich etliche Campingplätze aneinander. Wir nehmen den von hohen Bäumen bestandenen, direkt am Strand und sind erstaunt. Wir sind die einzigen mobilen Gäste. Hier definiert man Camping anscheinend anders. Ausschließlich Bungalows, Hütten und fest aufgestellte Wohnwagen mit massiv gezimmerten An- und Vorbauten befinden sich auf dem Platz. Wir werden herzlich willkommen geheißen. Die Duschen und WC’s sind funkelnagelneu und sauber. Entsorgungsmöglichkeiten für Wohnmobile sucht man hier, wie übrigens auch auf den Plätzen der letzten beiden Tage, vergeblich. Wir baden ausgiebig im Meer und machen eine ausgedehnte Strandwanderung, über uns immer noch der Olymp im dunstigen Abendlicht.

Nach dem Ausflug sind wir rechtschaffend hungrig und setzen uns auf die Terrasse der kleinen Campingplatzkneipe. Das Gegrillte und auch der Wein munden vorzüglich, nur es ist immer noch zu heiß. Deshalb beschließen wir für morgen: Wir müssen nach oben in die Berge, zum Olymp.

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.