Griechenland-Reisebericht :Balkan, Adria und Ägäis mit dem Wohnmobil

Am Olymp, in Pydna, Virgina und Ioannina


Sonntag, 25. Juni: Βαρικου (Varikou) ► Όλυμπος (Olymp) ► Αγιός Διονύσιος (Agios Dionysios) ►Αλική (Aliki, Griechenland)
99 Tageskilometer

Nach dem Frühstück fahren wir in die Berge, die Flanken des Olymp empor. Ein Ausblick besser als der andere. Eine weite Ebene bis zum Meer liegt uns zu Füßen.

Die blaue Zitrone schraubt sich immer weiter nach oben mit Fotostops alle paar Meter. In der Ferne sehen wir, auf dem höchsten Gipfel Mitikas liegt noch Schnee. Das letzte Stück der Straße ist nicht mehr asphaltiert und endet dann vor einer Taverne an einem Gebirgsbach. Von hier aus starten viele zum Wandern nach ganz oben. Man kann hier mehrere Tage zu Fuß unterwegs sein, an der Route gibt es Schutzhütten auch zu Übernachten. Ein Kleinbus mit drei Männern aus Würzburg hält. Das Rentnertrio ist bestens gelaunt und gut ausgerüstet. Sie erzählen uns, was sie vorhaben.
Wir fahren wieder ein Stück nach unten und besuchen das Kloster Agios Dionysios. Es wurde durch die deutsche Wehrmacht 1943 völlig zerstört, obwohl es zur damaligen Zeit sehr abgelegen nur auf Maultierpfaden durch eine Schlucht erreichbar war.

Das Meiste liegt auch heute noch in Trümmern. Aber man hat seit einigen Jahren Gebäudeteile wieder errichtet und saniert und es leben inzwischen auch wieder Mönche hier. Bunte Decken hängen auf dem Geländer des Umgangs vor den Wohnzellen. Ein Mönch spricht vom Balkon herunter gerade mit einem Besucher. Vor unserem Auto, auf dem Platz über dem Kloster liegen inzwischen zwei Hunde und blinzeln höchsten mal mit einem Auge.
Nun schon auf dem Rückweg halten wir noch einmal in der Hoffnung einen freien Blick auf den schneebedeckten Gipfel zu bekommen. Ein ganzes Stück steigen wir einen steilen Wanderpfad empor. Man sieht die weiße Kappe jedoch nur zwischen den hohen Bäumen hindurch blinken. Am Wanderweg ist eine Maultierstation. Die Tiere haben alle eine Glocke um den Hals, so dass es bei jeder Bewegung einen hellen Klang gibt. Das Loch hinten an solch einem Tier scheint bedeutend größer zu sein als das vorn.

Die hinterlassenen Endprodukte zeugen in ihrer Dimension jedenfalls hiervon. Weiter rollen wir wieder zur Küste hinunter. In Paralia kaufen wir im Lidl einige Dinge ein. Der Markt ist brechend voll heute am Sonntag.
Dann suchen wir einen Campingplatz möglichst wieder direkt am Meer, die Entsorgungsfrage ist allmählich dringender geworden. Hotels, Restaurants, große Menschenmengen, Strandbars, nervige laute Musik und dann ein großer Campingplatz mit einem zwei-Meter-Höhenbegrenzungsbalken über der Einfahrt.

Das muß Frank genauer untersuchen. Ist der Balken fest montiert: ja.
Ist dies die einzige Zufahrt: auch das. Im Großen und Ganzen: Nein hier ist nicht unser Ziel.
Für die Entsorgung kommt auf dieser Tour unter großen moralischen Bedenken und Seelenqualen zum ersten Mal NVA-Zubehör zum Einsatz.
An einer Saline mit Salzhalden fliegt ein großer Schwarm Flamingos in niedriger Höhe. Ein paar Kilometer weiter finden wir einen schönes schattiges Fleckchen in einem Pinien-Strandwald. Das wird leider von einem Roma-Clan okkupiert, die gleich darauf versuchen mit ihren Grills die knochentrockene Nadelstreu des Waldes anzuzünden. Das wird uns im wortwörtlichen Sinne zu heiß und wir müssen nochmals weiterziehen. Doch dann haben wir unseren Traumplatz gefunden. Zusammen mit einem polnischen Womo stehen wir direkt am Strand und lassen die Seele baumeln. Später schwimmen wir noch eine Runde im 30° warmen, hier weithin sehr flachen Wasser. In der Dämmerung fressen uns fast die Mücken. Zwischen uns und dem polnischen Mobil hat spät am Abend noch ein freundliches Zeltlerpärchen aus Prag aufgebaut.

Montag, 26. Juni: Αλική (Aliki) ► Πύδνα (Pydna) ► Βεργίνα (Vergina) ► Ιωάννινα (Ioannina, Griechenland) 288 Tageskilometer
Heute machen wir uns gleich nach dem Frühstück auf zur Ausgrabungsstätte Pydna. Wir finden es nicht gleich und übersehen es fast im Vorbeifahren. Am Eingang kommt uns sofort ein Mann entgegen und sagt das hier kein Eintritt erhoben wird.

Er ist der betreuende Archäologe von der Uni Thelassoniki. Wir sind die ersten Besucher heute und so macht er mit uns eine Führung in Deutsch. Wir erkennen, dass er hier so manchen Stein selbst in der Hand hatte und noch haben wird, falls wieder Geld da ist zum weiter graben. Hier ist Besiedelung nachgewiesen von der Steinzeit über die griechische Antike bis zur fränkischen Besatzung im Mittelalter. Er bietet sich an Fotos von uns Beiden zu machen. Zum Schluß gibt er uns an einem schattigen Platz das Gästebuch, damit wir uns eintragen und einen Bildband mit Fundstücken aus der Region zum Betrachten.
Dann haben wir noch eine Fachfrage an ihn: Wir haben vorgestern in Dion diese Marmorplatten mit den Fuß- und Ohrabrücken gesehen, aber leider deren Sinn und Bedeutung nicht erfragt. Er weiß es auch nicht und telefoniert deshalb sofort mit seinem auch schon sehr antikem Handy mit einem Kollegen. Eine genaue Bedeutung kann wohl keiner der Sache zuordnen. Eine Auslegung ist, die Verbundenheit einer Person mit den Göttern darzustellen, von der Kindheit an bis zum Alter. Man hat viele davon gefunden. Ein spirituelles Zeichen eben.
Wir verabschieden uns herzlich vom Archäologen von Pydna und steuern auf kleinen Straßen den Tumulus von Vergina an.
Im Ort angekommen werden wir von Wegweisern auf verwirrende Art durch kleine Straßen zu einem völlig leeren Großparkplatz geführt. Dort ist erst einmal kein Hinweis zu entdecken wo es weiter geht. Hier steht man zwar vor dem Zaun der riesigen Ausgrabungsfläche, aber wo ist der Eingang? Wir beschließen in den Ort zu laufen und stehen dann vor einem geschlossenem Tor mit einem Schild, das die Ausgrabungsgelände für dieses Jahr wegen Sanierungsarbeiten nicht öffentlich zugänglich sind. Dahinter sehen wir den Tumulus. Wir wollen schon wieder weggehen, da sammeln sich ein paar Leute vor dem Tor und es wird geöffnet. Ah, die Ausgrabung hat geschlossen, das Museum mit dem Grabhügel jedoch nicht.

Von außen sieht alles sehr unscheinbar aus. Was uns unter dem mit Gras bewachsenen Hügel erwartet, wird die beeindruckendste Besichtigung unserer gesamten Tour. Man hat hier einen Grabhügel immenser Dimension geöffnet und ausgegraben, das Ganze mit einer Betondecke versehen und den Hügel darüber wieder in originaler Größe aufgeschüttet. In geheimnisvollem Dämmerlicht blickt man unter anderem in die Grabkammer Phillips des Zweiten, dem Vater Alexander des Großen und mehrere andere Großgräber. Es sind viele Funde und Grabbeigaben ausgestellt. Leider herrscht hier unten ein streng kontrolliertes Fotoverbot.
Auf kleinen Nebenstraßen bewegen wir uns an der Schlucht des Aliakmon und dessen Stauseen entlang weiter ins Gebirge. Auf der Strecke von 50 Kilometern begegnet uns nicht ein einziges Fahrzeug, nur Kühe.

An einer Stelle ist die Straße durch einen Felssturz blockiert. Aus rutschigem Kies ist eine provisorische steile Umgehung aufgeschüttet. Wir tasten uns darauf abwärts. Nachdem wir auf die andere Flußseite gewechselt sind kommen wir am nächsten Stausee an einer aufgegebenen Ortschaft aus eingestürzten Fertigteilhäusern vorbei.

Gleich danach Steilhänge aus mürbem Sandstein mit einer unübersehbaren Anzahl von Löchern mit Schwalben.
Bei Kozani fahren wir auf die Autobahn durch viele Tunnel. Gegen 19.³º Uhr sind wir wieder auf dem uns bekannten Platz am See in Ioannina.

Dienstag, 27. Juni: Ιωάννινα (Ioannina) ► Πέραμα (Perama) ► Φαράγγι Βίκου (Vikos-Schlucht) ► Μονοδενδρι (Monodendri) ► Θεοδόκος (Theodokos, Griechenland) 142 Tageskilometer
Wieder haben wir beim Aufbruch strahlenden Sonnenschein. Die Altstadt Ioannina möchten wir uns ansehen. Gestern Abend sind wir schon mal durchgefahren.

Für stolze 6,00 € finden wir einen Parkplatz an der Festungsmauer am See. Wir müssen unbedingt unseren Finanzbestand nachfüllen. Gestern Abend hatten wir es schon mal erfolglos versucht, der Bankautomat wollte nach der PIN noch eine „persönliche Identifikationsnummer“. Keine Ahnung, was das sollte.
Wir probieren es jetzt am Bankautomaten vor der EURO-Bank, das gleiche Spiel. Dann gehe ich eben in die Bank. Nanu, geschlossen? Nein, man muß einen Knopf drücken, dann gelangt man in eine Personenschleuse, eine Art Einmanntelefonzelle. Erst, wenn die Tür hinter einem wieder verschlossen und elektrisch verriegelt ist, kann man einen weiteren Knopf drücken und die Tür in den Schalterraum wird freigegeben. Die Schalterangestellte kann oder will mir auch nicht zu Bargeld verhelfen. Wir haben Karten aller gängigen Systeme dabei und hatten auch in Ländern anderer Kontinente noch nie Schwierigkeiten an Bargeld zu kommen. Aber jetzt leider im Euro-Land Griechenland. All das scheint den Vorgängen in der Zeit der Finanzkrise im Lande geschuldet zu sein, als die Griechen an ihr Geld wollten, und den Banken die Scheiben eingeschmissen haben.
Der dritte Versuch wird an einer sehr großen Filiale der Postbank gestartet. Es gibt jede Menge Automaten im Außenbereich, aber auch diese können wir nicht melken. Hier gibt es gleich mehrere Personenschleusen nach innen. Wir gehen dieses mal beide hinein. Im großen Schalterraum Kinobestuhlung, in mehreren Reihen vollbesetzt und ein elektronisches Aufrufsystem. Wir wenden uns mit unserem Anliegen an eine junge Dame mit Firmenschild am Revers, die gerade am Automaten eine Hilfestellung beendet hat. Mit Ihrer Hilfe gelingt es uns Euros aus dem Automaten zu ziehen. Nachdem bisher das Gespräch auf englisch gelaufen ist, merkt sie nun, an unseren Worten untereinander, das wir deutsch sprechen. Jetzt erzählt sie uns in fließenden Deutsch, dass sie vier Jahre in Düsseldorf in einer Bank gearbeitet hat.

Nun schauen wir uns in den Altstadtgassen um, die wir gestern Abend schon beim durchfahren schon so schön fanden. Es herrscht fast orientalisches Flair. Nur nicht so umfangreich wie Z. B. in Marokko. Die Gassen wirken nach Branchen geordnet: Silber, Schuhmacher, Werkzeug und Eisenwaren. Später wird es wieder moderner, kaufhausmäßig.
Im ummauerten Teil der Altstadt sind eher unspektakuläre Wohngassen, jedoch der Teil auf dem Hügel zum See zu ist mit Moschee und Festung sehr sehenswert. Hier ist auch des Grab von Ali Pascha der ja hier umgebracht wurde. Damit er auch danach nicht entfliehen kann, hat man das Grab sehr massiv vergittert.

An der Stadtmauer essen wir noch ein großes Eis und fahren dann weiter nach Perama. In der Gasse vor der Tropfsteinhöhle finden wir sogar einen Parkplatz. In der Höhle herrschen durchgängig 17°, draußen 35°. Wir haben vorausschauender Weise lange Hosen angezogen und Jacken mitgenommen. Die Führung macht eine junge Frau. Sie leidet unter Logoröe, Sprechdurchfall. Mit sehr großen Druck und hoher Geschwindigkeit wird der Text erst in Griechisch, dann in Englisch herausgepresst.
Die Höhle ist sehr groß, auf vielen Treppen geht es aufwärts und abwärts in großen Hallen und engen Durchgängen in märchenhafter Atmosphäre zwischen Fabelwesen aus Stalagmiten und Stalaktiten. Das Fotografieren ist in der Höhle nicht gestattet. Die Höhlenführerin hat auch hinten Augen, schon das Anheben von Fotokamera oder Handy wird geahndet. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt, nicht nur wegen der Kühle hier unten. Leider ist der Ausgang an ganz anderer Stelle weit oben am Berg. Der Temperaturschock kommt sofort. So müssen wir in langen Hosen den sonnendurchglühten Weg bis zum Ort herunter laufen. ►►►

© B. & F. S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieses Jahr reisten wir, Birgit & Frank und unser Campingbus "Die blaue Zitrone“ 5289 km durch Albanien, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Kroatien, Montenegro und Slowenien. Wir fuhren entlang der Adria- und Ägäisküste, waren am Olymp , an Shkodra- und Oridsee.
Details:
Aufbruch: 11.06.2017
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Albanien
Kroatien
Montenegro
Griechenland
Bosnien und Herzegowina
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 14 Monaten auf umdiewelt.