Italien-Reisebericht :Apuliens Norden: die Capitana

Molfetta und ein bayerischer Heiliger

Nun folgen wir der Landstraße in Richtung Molfetta. Bevor wir es erreichen, müssen wir in einem Olivenhain eine kleine Siesta einlegen. Das Mittagessen hat uns geschafft.

In Molfetta suchen wir uns am Hafen einen Parkplatz. Auf dem Weg zum mächtigen, direkt ans Meer gebauten Duomo vecchio San Corrado passieren wir den Palazzo Seminario (18. Jh.) und den Bischofspalast.

Molfetta: Blick auf Altstadt und Dom

Molfetta: Blick auf Altstadt und Dom

Die Bauzeit des Duomo vecchio erstreckte sich von der Mitte des 12. Jh. bis ins 13. Jh. Beeindruckt der Sakralbau schon von außen durch seine zwei Glockentürme, durch die in unterschiedlicher Höhe angebrachten Kuppeln und durch die bizarren Köpfe und Fabelwesen, die seine Fassade schmücken, so wird dieser Eindruck beim Blick ins Innere noch weit übertroffen. Es öffnet sich ein klar gegliederter, heller, schmuckloser, romanischer Bau mit byzantinischen Anteilen - so sind beispielsweise Beschriftungen in griechischer Schrift ausgeführt - aber auch mit arabischen Elementen: Das Weihwasserbecken wird von einem Sarazenen gehalten. Wunderschön sind auch die Säulenkapitelle mit ihren figürlichen Motiven.

Molfetta: Kathedrale - Weihwasserbecken

Molfetta: Kathedrale - Weihwasserbecken

Geweiht ist die Kirche einem Bayern, dem heiligen Konrad, für den der Duomo vecchio errichtet wurde. Der ehemalige Zisterzienser-Mönch ist der Stadtheilige von Molfetta und seine Reliquie wird einmal im Jahr in einer feierlichen Prozession durch die Stadt getragen.

Molfetta: Altstadt

Molfetta: Altstadt

Seine Gebeine werden aber nicht mehr hier in seinem duomo aufbewahrt, sondern in einem kostbar gearbeiteten Schrein in der am corso gelegenen Kathedrale Santa Maria Assunta, deren hohe Barockfassade man schon von weitem erblickt. Die Kirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut und gehörte bis 1773 den Jesuiten. Im Jahre 1785 wurde Molfetta Bischofssitz und ist es bis heute geblieben. Im Inneren der Kirche werden wir von sakralen Gesängen empfangen. In Rot und Weiß gekleidete Geistliche, die sich innerhalb des runden, geschnitzten Chorgestühls aufgestellt haben, singen Choräle.

Molfetta: Kathedrale Santa Maria Assunta

Molfetta: Kathedrale Santa Maria Assunta

Auf dem Rückweg in die Altstadt kommen wir am Standbild des Revolutionärs und Freimaurers Giuseppe Mazzini (1805 - 1872) vorbei, das den corso schmückt. Mazzini setzte sich unter dem Motto "Freiheit - Einheit - Humanität" für ein demokratisches "Europa der Völker" ein und wird als der erste echte Europäer angesehen. Was würde er wohl zu dem heutigen Europa des traurigen Euro-Geschachers sagen?

Molfetta: Standbild von Giuseppe Mazzini

Molfetta: Standbild von Giuseppe Mazzini

Nach einem abschließenden Spaziergang durch die engen Gassen der Altstadt, deren Häuser teilweise dem Verfall preisgegeben sind, verlassen wir Molfetta in Richtung Pulo.

© Angelika Gutsche, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf dieser Entdeckungsreise durch Nordapulien, das auch die Bezeichnung Capitana trägt, besuchen wir zunächst nördlich von Bari an der Küste gelegene geschichtsträchtige Orte. Anschließend lassen wir den touristisch bestens erschlossenen Gargano außen vor, um stattdessen in der großen Ebene mit dem Namen Tavoliere sowohl auf den Spuren der alten Römer als auch der mittelalterlichen Staufer zu wandeln. Zur Abkühlung geht es in die Daunischen Berge, einem Ausläufer des Apennins.
Details:
Aufbruch: 10.06.2011
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 26.06.2011
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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