Italien-Reisebericht :Apuliens Norden: die Capitana

Canosa di Puglia – eine alte Griechenstadt

Unser nächstes Ziel ist Canosa di Puglia, eine Stadt mit einer interessanten Geschichte. Der Grieche Diomedes soll die Stadt unter dem Namen Kanousion gegründet haben. So finden sich Reste einer Stadtmauer aus dem 4. Jh.v.Chr. Im 2. Jh. entwickelte sich Canosa zu einer wichtigen Stadt an der Via Traiana, im Jahre 318 wurde es römische Garnisonsstadt. Aus dieser Zeit finden sich noch heute ein Triumphbogen und eine altrömische Brücke. Die Normannen erweiterten im 11. Jahrhundert das Kastell und bauten die Kathedrale San Sabino. Später war die Stadt dem Staufer Friederich II. stets treu ergeben und hielt auch gegen die römischen Päpste zu ihm. In den späteren Jahren beherrschten verschiedene Adelsgeschlechter die Stadt, auch die Spanier übten hier ihre Herrschaft aus. Mehrere Erdbeben richteten große Verwüstungen an.

Canosa di Puglia: Stadtpark

Canosa di Puglia: Stadtpark

Unser erster Weg führt zur Kathedrale San Sabino, der einzigen Kathedrale in ganz Apulien, die fünf Kuppeln aufzuweisen hat. Im Innern finden sich ein wunderschön gearbeiteter Bischofsthron und die älteste Marmorkanzel Apuliens, deren Lesepult ein sehr plastisch wirkender Adler ziert. Im rechten Seitenschiff ist die 1111 gefertigte Bronzetüre des Grabmals von Bohemund I. (1051-1111), dem ältesten Sohn Robert Guiskards, aufgestellt. Bohemund war ein sehr kriegerischer Herrscher, dem während eines Kreuzzugs auch die Einnahme von Antoiochia gelang. Die arabische Kultur muss ihn beeindruckt haben, denn sein Grabmal - es findet sich außen an die Kirche angebaut - ist nach dem Vorbild syrischer Grabdenkmäler entstanden: ein Kubus mit Tambour und runder Kuppel. Und auch die Bronzetür weist arabische Reliefs, kufische Schriften und arabische Scheiben-Muster auf.

Die Krypta mit den Gebeinen des Hl. Sabinus ist leider nicht zugänglich.

Canosa di Puglia: Kathedrale - Bronzetür des Grabmals Bohemund I.

Canosa di Puglia: Kathedrale - Bronzetür des Grabmals Bohemund I.

Nach einem kleinen Fußmarsch erreichen wir das interessante Ipogei Lagrasta, ein Hypogäum mit griechisch-makedonischen Grabkammern aus dem 3. und 4. Jh.v.Chr. Es fanden sich darin vergoldete Bronzebetten und wertvolle Grabbeigaben, die heute im Archäologischen Nationalmuseum von Taranto aufbewahrt werden. Lange blieb Canosa seinen griechischen Wurzeln verbunden: Noch im 1. Jh. n. Ch. sprach man griechisch und prägte griechisch beschriftete Münzen.

Canosa di Puglia: Ipogei Lagrasta

Canosa di Puglia: Ipogei Lagrasta

Als letztes erklimmen wir den Hügel, auf dem sich die spärlichen Überreste des Kastells befinden, das über der griechischen Akropolis errichtet worden war. Von hier hat man einen schönen Blick über die Ebene bis zum Gargano und in die Berge der Basilicata.

© Angelika Gutsche, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf dieser Entdeckungsreise durch Nordapulien, das auch die Bezeichnung Capitana trägt, besuchen wir zunächst nördlich von Bari an der Küste gelegene geschichtsträchtige Orte. Anschließend lassen wir den touristisch bestens erschlossenen Gargano außen vor, um stattdessen in der großen Ebene mit dem Namen Tavoliere sowohl auf den Spuren der alten Römer als auch der mittelalterlichen Staufer zu wandeln. Zur Abkühlung geht es in die Daunischen Berge, einem Ausläufer des Apennins.
Details:
Aufbruch: 10.06.2011
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 26.06.2011
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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