Italien-Reisebericht :Latium mit Rom - durch das Land der Etrusker

ROM - ewige Stadt!

Von Artena aus fahren wir bei Valmontone auf die Autobahn nach Rom. Die Monti Albani lassen wir links liegen. Auf dem mehrspurigen Autobahnring, der um Rom führt, nehmen wir die Ausfahrt Richtung Zentrum. Unsere Freunde wohnen im Stadtteil Nomentano und so ziehen wir, nachdem wir unsere Wiedersehensfreude gebührend gefeiert haben, los in die nahe gelegene Villa Torlonia und den sie umgebenden Park mit seinen Seen, Obelisken, Skulpturen und Pavillons. 1806 wurde im Auftrag des gleichnamigen Bankiers mit dem Bau der Villa Torlonia begonnen. Von 1925 bis 1943 residierte Mussolini im Haupthaus, dem Casino nobile, und ließ die einstigen unter der Villa gelegenen Katakomben zu Schutzbunkern ausbauen. Heute ist in der Villa ein kleines Kunstmuseum untergebracht. Auch das Casino dei principi, erbaut 1835 bis 1840, dient heute als Museum für Bildende Kunst. Der schön angelegte, weitläufige Garten stellt an heißen Tagen wie heute eine schattige Oase dar, wo wir in dem gepflegten caffè unser Programm für die Tage in Rom planen.

Rom: Villa Torlonia - Obelisk

Rom: Villa Torlonia - Obelisk

Den abendlichen Spaziergang beginnen wir im ehemaligen Zentrum der Welt, auf dem von Michelangelo gestalteten Kapitolsplatz, am Reiterstandbild des Marc Aurel (1537). Hier stehen der Senatorenpalast, heute Rathaus, und die Kapitolinischen Museen, die eine archäologische Sammlung beherbergen. Das Wahrzeichen Roms, Lupa, die Wölfin mit den milchgeschwollenen Zitzen, ist hier untergebracht. Kaum jemand weiß, dass es sich dabei um eine bereits in vorrömischer Zeit entstandene etruskische Bronzeplastik aus dem 6. Jh. v. Chr. handelt. Die Etrusker hatten die Stadt im 8. Jh. v. Chr. gegründet, ihr den etruskischen Namen Roma gegeben und die ersten sieben Könige gestellt. Die der Sage nach von einer Wölfin gesäugten Brüder Romulus und Remus wurden erst in der Renaissance der Lupa-Plastik hinzugefügt. Man kann also die Geschichte um die Stadtgründung Roms durch Romulus und Remus guten Gewissens ins Reich der Legenden verweisen.

Rom: Blick auf das Tranjans-Forum

Rom: Blick auf das Tranjans-Forum

Eine von Michelangelo entworfene Rampentreppe führt vom Kapitolsplatz hinunter zu den mächtigen Mauern der Trajanischen Märkte und weiter zum Trajans-Forum, dessen Mittelpunkt die Trajans-Säule aus dem Jahre 113 bildet. In der Säule wurden Trajan und seine Gemahlin beigesetzt. Das um die Säule laufende Reliefspiralband stellt eine Abbildung des Trajanischen Feldzugs gegen die Daker in Rumänien dar.

Von Forum aus hat man einen wunderbaren Blick auf die umliegenden Kirchen und Paläste aus dem Rom der Renaissance- und Barockzeit, auf das in der Ferne liegende Kolosseum und auf die Piazza Venezia mit dem weiß leuchtenden, gigantischen Monumento a Vittorio Emanuele II, gewidmet dem ersten König des vereinten Italiens, ein überdimensioniertes Stück Marmor-Scheußlichkeit aus dem Jahre 1885, mit dem der junge Nationalstaat Italien sich selbst feierte. Wir spazieren hinüber zum Altare della Patria (Altar des Vaterlandes), gerade rechtzeitig, um der Wachablösung vor dem Grabmal des Unbekannten Soldaten beizuwohnen. Innerhalb des monumento ist das Museo del Risorgimento untergebracht, in dem die Geschichte der Vereinigung zum Königreich Italien dargestellt wird. Hinter dem Vittoriano erhebt sich der Kapitolshügel, daneben befindet sich das Forum Romanum.

Rom: Altari della patria

Rom: Altari della patria

Doch wir stürzen uns in das Verkehrsgetümmel auf der Piazza Venezia und folgen der Via del Corso in Richtung Pantheon. Die Via del Corso ist eine Prachtstraße, in der sich neben vielen Kaufhäusern und Geschäften auch das heute als Museum eingerichtete Goethe-Haus befindet. Goethe wohnte hier von 1786 bis 1788 als Gast des Malers Tischbein.

Weiter schlendern wir durch enge Altstadtgässchen zurück zu der kleinen Piazza Rotonda, wo sich das Pantheon mit seiner wechselvollen Geschichte erhebt. Marcus Agrippa errichtete das Pantheon 27 v. Chr. zu Ehren der Planetengötter. Nach einem Brand ließ es Kaiser Hadrian um 120 n. Chr. neu errichten. In der Mitte der mächtigen, halbkugelförmigen Kuppel befindet sich ein kreisrundes Oberlicht, durch welches die einfallenden Sonnenstrahlen das Innere in ein fast magisches Licht tauchen. Die im Pantheon ausgeübten heidnischen Kulte wurden im Christentum verboten, 609 wurde das Gebäude der Madonna und den Heiligen geweiht, später wurden hier die italienischen Könige sowie Raffael zur letzten Ruhe gebettet.

Rom: Pantheon

Rom: Pantheon

Gleich in der Nähe gibt es eine gelateria, die sage und schreibe hundert verschiedene Eissorten anbietet. Vielleicht haben wir uns doch an einer zu exotischen vergriffen: Der Geschmack hält nicht, was der Name verspricht. Eine Stärkung war's allemal und so marschieren wir weiter zur Piazza Colonna mit der Triumphsäule des Kaisers Marc Aurel. Im Chigi-Palast residiert der italienische Ministerpräsident, im Palazzo Montecitorio tagt das Parlament.

Rom: Blick vom Tranjans-Forum auf Forum Romanum und Kolosseum

Rom: Blick vom Tranjans-Forum auf Forum Romanum und Kolosseum

Von hier ist es nur ein Katzensprung bis zur legendären Fontana di Trevi. Diesen Brunnen kennt jeder aus der Szene des Fellini-Films "La Dolce Vita", in der Anita Ekberg in dem Brunnen ein Bad nimmt. Inzwischen ist es dunkel geworden und die illuminierte Fontana di Trevi mit der Darstellung eines ozeanischen Königreichs mit dem Meeresgott Neptun hat trotz des Gedränges von Menschen aller Nationen, die einen Blick auf den imposanten Barockbrunnen werfen und ihn fotografieren wollen, eine durchschlagend romantische Wirkung.

Rom: Fontana di Trevi

Rom: Fontana di Trevi

Diese wird jedoch noch getoppt durch den Besuch der berühmten Spanischen Treppe. Sitzt man inmitten der vielen Touristen aus aller Herren Länder auf den Stufen der Treppe, inmitten blühender Blumenarrangements mit Blick auf die Fontana della Barcaccia in Form eines Schiffes, fühlt man sich nicht nur verbunden mit allen Rom-Liebhabern, die heute diesen Platz mit uns teilen, sondern mit den Rom-Reisenden aller Zeiten.

Rom: Spanische Treppe

Rom: Spanische Treppe

Der nächste Tag gilt ganz dem antiken Rom. Wir beginnen mit dem Forum Romanum. Das weitläufige Ausgrabungsgelände ist gut beschildert und so folgen wir der Via Sacra vom Titus-Bogen aus zum Tempel der Vesta, in dem einst die ewige Flamme brannte und die Priesterinnen Roms, die Vestalinnen, ihre Dienste versahen. Die Basilika Julia war der Justizpalast des antiken Rom, deren Grundriss später für christliche Kirchen übernommen wurde. In der Basilika Aemilia gingen Geldwechsler ihren Geschäften nach und der Senat von Rom hatte seinen Sitz in der Kurie, einem gut erhaltenen Ziegelbau.

Rom: Forum romanum

Rom: Forum romanum

Wir verlassen das Forum Romanum und ersteigen den Palatinhügel. Aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. stammen Überreste primitiver Geräte und Waffen aus Feuerstein, des Weiteren fanden sich Bodenpfosten primitiver Hütten, die in das 8. Jh. v. Chr. zurückdatiert werden konnten, errichtet von Latinern, später von Sabinern. Doch erst mit der Einwanderung eines etruskischen Paares aus der etruskischen Stadt Tarquinia, des Tarquinius Priscus und seiner Frau, und deren Machtübernahme um das Jahr 607 v. Chr., kann von der Stadtgründung Roms gesprochen werden.

Heute finden sich auf dem Palatin Überreste des Stadion des Domitian (81-98 n. Chr.), des ebenfalls von Domitian erbauten Kaiserpalasts, des Palasts der Flavier und des Hauses der Livia, der Gattin Kaiser Augustus. Von hier oben bietet sich ein wunderbarer Blick auf den Aventinhügel, wo einst die Plebejer lebten, jene Römer, die keinen Grundbesitz besaßen - im Gegensatz zu den Grund besitzenden Patriziern. Zwischen beiden Gesellschaftsklassen kam es immer wieder zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Schaut man nach unten, erblickt man den Circus Maximus, Austragungsort der antiken Wagenrennen, wie sie jeder aus dem Film "Ben Hur" kennt.

Nach einem Mittagsimbiss machen wir uns auf ins Kolosseum. Vorher halten wir kurz am Konstantinsbogen, der an den Sieg Konstantins über seinen Feind Maxentius erinnert. Vor der Schlacht soll Konstantin Christus erschienen sein und nun im Namen des Kreuzes kämpfend, soll Konstantin die Schlacht gewonnen haben. Dies führte dazu, dass Konstantin das Christentum, das später zur Staatsreligion erhoben wurde, zuließ.

Rom: Konstantinsbogen

Rom: Konstantinsbogen

Immer wieder beeindruckt die Mächtigkeit des Kolosseums. Der im Jahre 80 n. Chr. fertiggestellte Bau bot 50.000 Zuschauern Platz. Hier fanden die berüchtigten Gladiatorenkämpfe statt, ein einst von den Etruskern übernommenes Ritual, das der religiösen und mythischen Bedeutung entkleidet, unter den Römern zum blutigen Spektakel entartete.

Rom: Kolosseum

Rom: Kolosseum

Im Kolosseum findet im Moment eine große und interessante Ausstellung zu Konstantin dem Großen statt.

Rom: Kolosseum

Rom: Kolosseum

Der nächste Tag ist dem Vatikan gewidmet. Wir nähern uns dem Stato della Città del Vaticano entlang des Tibers (Tevere). Zunächst erreichen wir die Engelsburg, die einst als Grabmal für Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) errichtet worden war und später zur stärksten Festung der Stadt ausgebaut wurde. Die Päpste suchten hier in gefährlichen Situationen Zuflucht, die Burg diente auch als Gefängnis und Hinrichtungsstätte. Wir erstehen eine Eintrittskarte für zehn Euro, die eine Führung und am Abend den Besuch eines klassischen Konzerts im Cortile della Balestra beinhaltet.

Rom: Engelsburg

Rom: Engelsburg

Doch nun geht's in den autonomen Kirchenstaat, der zehn Ministerien, eine kleine Armee (Schweizer Garde), einen Radiosender (Radio Vatikan) und ein Presseorgan (L'Osservatore Romano) sein eigen nennt. Den Petersplatz mit seinen Kolonnaden und dem Obelisco Vaticano kennt man aus dem Fernsehen, vom Aufmarsch der Gläubigen zur Oster- und Weihnachtszeit.

Obwohl wir den Dom schon mehrmals besucht haben, reihen wir uns wieder einmal in die heute nur kurze Warteschlange von Besuchern ein. Nachdem wir den Metalldetektor durchschritten haben, geht es in den weltgrößten Kirchenbau, der von 1508 bis 1628 auf der Überresten der alten Konstantinbasilika erbaut wurde.

Wir bewegen uns im Strom der Besucher ins Hauptschiff, vorbei an der berühmten Pietà des Michelangelo, zum Papstaltar, der sich über dem Petrus-Grab erhebt. Die Kuppel oberhalb des Altars wurde von Michelangelo nach dem Vorbild des antiken Pantheon entworfen. In der Apsis steht der berühmte "Heilige Stuhl" von Bernini. Hier geht es hinunter in die Vatikanische Gruft, in der 165 Päpste ihre letzte Ruhestatt gefunden haben. Nachdem wir die Gruft durchschritten haben, befinden wir uns wieder im Freien. Den Aufgang beziehungsweise die Auffahrt in die Kuppel des Petersdoms schenken wir uns, auch wenn man von dort einen guten Blick auf die von Michelangelo geschaffenen Deckenfresken genießt. Ich bin nicht schwindelfrei.

Vatikan: Petersdom

Vatikan: Petersdom

Vatikan: Petersdom - Pietà von Michelangelo

Vatikan: Petersdom - Pietà von Michelangelo

Nun bleibt noch der Besuch der Vatikanischen Museen, der größten Museensammlung der Welt, bestehend aus fünf Einzelmuseen. Bei jedem Besuch in Rom nehmen wir uns ein anderes dieser Museen vor. Natürlich haben wir die von Michelangelo ausgemalte Sixtinische Kapelle mit dem Deckengemälde "Erschaffung der Welt" mit dem ausgestreckten Zeigefinger Adams in Richtung Gott und dem Altarfresko "Das jüngste Gericht" schon lange abgehakt. Ebenso besuchten wir bereits die Pinakothek mit Gemälden vom Mittelalter bis in die Neuzeit, unter anderem das berühmte Caravaggio-Gemälde "Grablegung Christi". Da wir bei dieser Reise auf den Spuren der Etrusker wandeln, nehmen wir uns heute das Museo Gregoriano Etrusco mit seinen umfangreichen Schätzen aus etruskischen Gräbern vor. Tatsächlich sprechen mich die dort ausgestellten Exponate aus etruskischer Zeit weit mehr an als die nun im Vergleich als grob, ungeschlacht und fast protzig empfundenen römischen Kunstwerke.

Etruskischer Sarkophag

Etruskischer Sarkophag

In einer kleinen Nebenstraße nicht weit vom Petersplatz finden wir eine gemütliche Bar, die auch einen Imbiss anbietet. Hier spürt man nichts vom hektischen Treiben auf dem Petersplatz und den Massen von Touristen, die sich durch den Vatikanstaat schieben. Anschließend suchen wir unsere Haltestelle, um mit dem Bus zurück ins Zentrum zu fahren.

Rom ist anstrengend! Doch da hilft alles nichts, für den Kunstgenuss muss man laufen. Am nächsten Tag geht's zur Piazza Navona mit der berühmten Fontana dei Fiumi, dem Brunnen der vier Flüsse von Gian Lorenzo Bernini. Steinfiguren stellen Flüsse auf vier Kontinenten dar: Donau, Nil, Ganges und Rio de la Plata. Am den Enden des Platzes stehen zwei weitere Brunnen, der Mohrenbrunnen und der Neptunbrunnen. Nun spazieren wir entlang des Tibers zur Piazza del Popolo, in dessen Mitte ein großer Obelisk, umgeben von einem mit Löwen geschmückten Brunnen, aufgestellt ist. Hier finden sich auch die ehemaligen Stadttore Porta del Popolo und Porta Flamina. Nachdem wir den Brunnen Fontana della Barcaccia, 1629 geschaffen vom Sohn des Gian Lorenzo Bernini bewundern haben, machen wir uns an den Aufstieg in den Park der Villa Borghese, wo wir uns an einem kleinen See unter Bäumen ein wenig von unserer Sightseeing-Tour erholen. Dies ist auch nötig, denn als nächster Programmpunkt steht der Besuch der im Norden Roms gelegene Villa Giulia an, die ebenfalls ein Museum mit etruskischen Schätzen beherbergt. Die hier gezeigten Funde, die aus verschiedenen etruskischen Nekropolen wie Cerveteri oder Tarquinia zusammengetragen wurden, setzen mich nahezu in Verzückung! Genannt seien hier als Beispiele nur der Sarkophag eines Ehepaares, auf dessen Deckel die Eheleute wie bei einem Festmahl aneinandergelehnt sitzen oder der berühmte Apollo von Veji.

Rom: Piazza del popolo

Rom: Piazza del popolo

Es gäbe noch so viele Plätze, Museen und antike Stätten zu besuchen! Doch mehr als drei Tage waren für Rom nicht eingeplant und so verlassen wir nach einem herzlichen Abschied von unseren Freunden die ewige Stadt mit dem festen Vorsatz, bald wiederzukommen!

Rom: Blick auf das Kolosseum

Rom: Blick auf das Kolosseum

© Angelika Gutsche, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Reise führt uns von Süden her durch das touristisch erst zaghaft erschlossene Latium bis an dessen nördliche Grenze zur Toskana. Neben Rom sind unsere vorrangigen Ziele Überbleibsel der Etrusker, in deren Kernland Etrurien wir Ausgrabungsstätten und Museen besuchen. Dies hat zur Folge, dass unser Geschichtsbild eine erstaunliche Umwälzung erfährt.
Details:
Aufbruch: 20.07.2013
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 16.08.2013
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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