Italien-Reisebericht :Latium mit Rom - durch das Land der Etrusker

Tuscania - Kirchen und Nekropolen

Dann geht's mit dem Auto weiter nach Tuscania. Bei der Ortsdurchfahrt stoßen wir auf die schöne romanische Kirche Madonna della Rosa, in deren Innenraum ein Konzertflügel aufgestellt ist. In Tuscania findet gerade ein Musikfestival statt.

Tuscania: Kirche Madonna della Rosa

Tuscania: Kirche Madonna della Rosa

Eine weitere Besichtigung des Ortes verschieben wir auf den nächsten Tag. Wir finden außerhalb einen schönen Lagerplatz, wieder unter einer großen Korkeiche.

Landschaft bei Tuscania

Landschaft bei Tuscania

Tuscania wartet mit zwei wirklich unglaublich beeindruckenden romanischen Kirchenbauten auf. Schon von außen imponieren bei der Kirche Santa Maria Maggiore aus dem 11. Jh. die drei Portale, eine wunderbare Fensterrose sowie die Abbildungen fast sphinxähnlicher Vogelmenschen.

Tuscania: Kirche Santa Maria Maggiore (11. Jh.)

Tuscania: Kirche Santa Maria Maggiore (11. Jh.)

Die Kanzel im Inneren stammt noch aus dem 8. Jh.; aus wohl vorchristlichem Gedankengut stammen die abgebildeten Tierkreiszeichen. Am meisten beeindruckt aber das Fresko "Das Jüngste Gericht" mit Himmels- sowie drastischen Höllendarstellungen. Nicht ohne Witz ist die Darstellung von Luzifer als cacanime, d. h. Seelenscheißer: Sünder wandern durch seinen Leib und werden von ihm in den Rachen eines anderen Dämonen ausgeschieden.

Tuscania: Kirche Santa Maria Maggiore

Tuscania: Kirche Santa Maria Maggiore

So staunenswert Santa Maria Maggiore war, übertroffen wird sie noch durch die Wirkung der Kirche San Pietro aus dem 11. Jh., die neben dem ehemaligen Bischofssitz auf einem Hügel thront.

An der Fassade finden sich viele heidnische Darstellungen, für die etruskische Kunstwerke als Vorbild gedient haben dürften. Die Nähe zur Welt der Etrusker findet sich auch im Innenraum, wo einige etruskische Sarkophage aufgestellt sind. Die schlichte Kirche mit ihrem aus Marmoreinlegearbeiten gearbeiteten Fußboden und den beiden Altarbaldachinen verströmt eine mystische Aura, ebenso die Krypta, die von antiken römischen Säulen getragen wird. In diesen alt-romanischen Kirchen ist noch die Form von Tempeln erkennbar; Fabelwesen wie geflügelte Pferde und Drachen, Chimären und angsteinflößende Tiere des Orients, einst von den Etruskern ins Latium gebracht, finden Eingang in die christliche Sakralarchitektur.

Tuscania: Kirche San Pietro (11. Jh.)

Tuscania: Kirche San Pietro (11. Jh.)

Tuscania: Kirche San Pietro - Krypta

Tuscania: Kirche San Pietro - Krypta

Doch woher bezogen die Etrusker ihre Vorstellungen und Glaubenswelten? Woher kamen die Etrusker überhaupt? Bis heute ist ihr Auftauchen im Gebiet des heutigen Latiums und der Toskana nicht völlig zweifelsfrei erklärt. Doch scheint es am wahrscheinlichsten, dass die Etrusker aus dem Nahen Osten, d. h. aus dem westlichen Kleinasien stammen. Dort lebte das Volk der Lyder, die sich aufgrund einer Hungersnot aufteilten: Der eine Teil blieb an Ort und Stelle, der andere machte sich auf den Weg nach der Suche für neue Lebensräume und fand diese an der Westküste des heutigen Mittelitaliens. Für diese Theorie spricht, dass viele Gebräuche wie die Leberschau oder die Deutung des Vogelflugs oder der Blitze schon bei den Hethitern und Babyloniern praktiziert wurden.

Die Etrusker brachten ihre eigene Schrift und Sprache sowie ihre spezielle religiöse Vorstellungswelt mit. Des Weiteren besaßen die Etrusker ein umfangreiches Wissen über Wasserbautechniken und landwirtschaftlichen Anbau, das es ihnen ermöglichte, Sümpfe trockenzulegen und weite Teile des Landes fruchtbar zu machen. Besonders bemerkenswert ist aber ihre in Europa bisher nicht bekannte, hochentwickelte Technologie beim Abbau und der Verhüttung von Kupfer und Eisenerz. Die Produktion wurde in großen Werkstätten schon fast im industriellen Stil betrieben. Der Export dieser Metallerzeugnisse in die gesamte damals bekannte Welt brachte Reichtum und Wohlstand in die etruskischen Stadtstaaten, die sich zu einem lockeren Bündnis zusammenschlossen. An der Spitze jedes Stadtstaates stand ein Priesterkönig (Lucomon), der dessen Geschicke leitete. An dieser Stelle sei auch vermerkt, dass während der etruskischen Blütezeit die wichtigsten etruskischen Städte wie Tarquinia, Cerveteri und Vulci im heutigen Latium und nicht in der Toskana lagen.

Tarquinia: Archäologisches Museum - etruskisches Bronzeschild

Tarquinia: Archäologisches Museum - etruskisches Bronzeschild

Als nächstes folgen wir der Ausschilderung zur Tomba Regina, die etwa einen Kilometer außerhalb der Stadt beim Kirchlein Madonna dell'Oliva liegt. Die Grabanlage geht über mehrere Etagen und beherbergt im Inneren auch einfache Sarkophage.

Tuscania: Tomba Regina

Tuscania: Tomba Regina

Eine weitere Nekropole liegt in Richtung Lago di Bolsena. Wir durchqueren Tuscania, fahren am Friedhof vorbei, hinter dem es übrigens einen Camper-Stellplatz mit Brunnen und Stromanschlüssen gibt, verlassen Tuscania und folgen der Ausschildung Tomba del Dado. Es finden sich dort Felsengräber, ein Tomba a Casa aus dem 6. Jh. und ein freistehendes Grab: eine ergiebige und interessante Besichtigungstour in schöner Landschaft!

Tuscania: Tomba del Dado

Tuscania: Tomba del Dado

© Angelika Gutsche, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Reise führt uns von Süden her durch das touristisch erst zaghaft erschlossene Latium bis an dessen nördliche Grenze zur Toskana. Neben Rom sind unsere vorrangigen Ziele Überbleibsel der Etrusker, in deren Kernland Etrurien wir Ausgrabungsstätten und Museen besuchen. Dies hat zur Folge, dass unser Geschichtsbild eine erstaunliche Umwälzung erfährt.
Details:
Aufbruch: 20.07.2013
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 16.08.2013
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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