Spanien-Reisebericht :El Modernisme - der spanische Jugendstil in Katalonien

Jugendstilvillen in Ametlla und La Garriga

Um nicht jeden Tag quer durch Barcelona fahren zu müssen, packen wir eine Reisetasche und starten Richtung Vic. So können wir am späten Nachmittag entscheiden, ob wir zurück nach Vilanova i la Geltru fahren oder uns für eine Nacht ein anderes Quartier suchen.
Die erste Station betrifft noch einmal Jugendstil - und sollte ein Höhepunkt werden: L'Ametlla de la Vallès und La Garriga - beide im Einzugsbereich der Stadt Granollers.

L'Ametlla de la Vallès ist eine kleine Stadt westlich der nach Norden führenden Schnellstrasse C 17 und bekannt durch ein großes Gebäude von Manel Joaquim Raspall i Mallol:

Can Millet de Baix - Arch. für Wiederaufbau 1908/09: Manel Joaquim Raspall i Mallol

Can Millet de Baix - Arch. für Wiederaufbau 1908/09: Manel Joaquim Raspall i Mallol

Fassade mit den zugefügten Jugendstilelementen

Fassade mit den zugefügten Jugendstilelementen

Das Gebäude - die Can Millet de Baix ist eine alte "masia" (=katalanisches Landhaus) aus dem Jahre 1640. Es wurde zwischen 1908 und 1909 im Stil des Modernisme wiedererrichtet von besagtem Raspall i Mallol, der es für den neuen Eigentümer Joan Millet. Raspall respektierte die Struktur des alten Gebäudes und beließ die gotischen Elemente am Eingang. Er fügte jedoch neue Elemente hinzu wie die spitzen Fenster, die Türmchen und die Keramikornamentik. Der Turm gibt dem Komplex ein imposantes Aussehen. Auch im Inneren sind Dekorationselemente im spanischen Jugendstil zu finden.

Kaminabzug

Kaminabzug

Heute befindet sich dort ein komfortables Seniorenwohnheim. Es liegt etwas oberhalb der Stadt und ist eigentlich nicht zu besichtigen. Wir hatten Glück, da gerade das Tor offen war. Doch am Ende unserer Besichtigung waren wir eingeschlossen und den Öffnungscode der Tore kannten wir natürlich nicht. Doch die Betreuer der Senioren waren sehr freundlich und haben uns ihren Code verraten.

Rathaus von L'Ametlla de la Vallès -

Rathaus von L'Ametlla de la Vallès -

Komposition aus Bruchstein, Backstein, Keramik und bemaltem Putz

Komposition aus Bruchstein, Backstein, Keramik und bemaltem Putz

Im Ort selbst ist das Rathaus zu erwähnen, das ebenfalls von Raspall entworfen und erbaut wurde.

restaurierte Villa (Arch.: unbekannt)

restaurierte Villa (Arch.: unbekannt)

Jugenstilabschluß einer Dachterrasse?

Jugenstilabschluß einer Dachterrasse?

Geschäftshaus in der Hauptstrasse - im Stil des Rathauses

Geschäftshaus in der Hauptstrasse - im Stil des Rathauses

Detail

Detail

Wenige Kilometer weiter (östlich der C17 - nördlich von Granollers) liegt der Ort La Garriga . Neben dem eigentlichen Altstadtkern liegt eine Anordnung von schachbrettartig verlaufenden Straßen. In fast jedem Feld stehen mehrere repräsentative Jugendstilbauten. Die sog. Illa ist ein 'Markenzeichen' des Architekten Raspall i Mallol, eine 'Insel' - von mindestens drei Straßen umgebenes Grundstück. In La Garriga gibt es mehrere solche Illas.

Stadtplan mit 'Graffiti'

Stadtplan mit 'Graffiti'

Leider ist die Touristeninfo wieder mal geschlossen, so dass wir uns auf unsere Recherchen verlassen müssen. Der einzige am Passeig befindliche Plan ist leider verschmiert; trotzdem hilft er uns beim Stadtrundgang. Einmal fotografiert, kann man sich das Bild noch einmal auf dem Display ansehen, um das gesuchte Gebäude zu finden.

Wir finden einen Parkplatz an der Bahnlinie und laufen als erstes auf die Illa Raspall (Passeig 1 - 7)zu. Auf diesem Grundstück stehen 4 große Jugendstilhäuser:

Blick auf die Illa Raspall - ein quadratisches Großgrundstück mit 4 repräsentativen Jugendstilbauten

Blick auf die Illa Raspall - ein quadratisches Großgrundstück mit 4 repräsentativen Jugendstilbauten

Villa Iris - Passeig 1 / Carrer Figueral 50 - 1910

Villa Iris - Passeig 1 / Carrer Figueral 50 - 1910

Fassadendetail - Balkon mit Schmiedeeisen

Fassadendetail - Balkon mit Schmiedeeisen

Die Besitzerin Cecilia Reig i Argelagós war auch Eigentümerin eines anderen Hauses der Illa Raspall "La Bombonera".
Das Gebäude wurde konzipiert als Mietshaus, bestehend aus drei Einzelhäusern, aber es wirkt wie eine Einheit.
Die Fassade mit ihren Wandmalereien zeigt geometrische Muster, macht aber wegen des Verlustes der Farben einen verkommenen Eindruck.
Die verschiedenen schmiedeeisernen Stücke des Hauptbalkons und der Balustrade sowie der Umzäunung sind mit Kermaikmosaik kombiniert.

Casa Barbey - Passeig 5 / Carrer Figueral 48 - Baujahr 1910

Casa Barbey - Passeig 5 / Carrer Figueral 48 - Baujahr 1910

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Umzäunung Passeig 5

Umzäunung Passeig 5

Sonnenuhr an der Seitenfassade

Sonnenuhr an der Seitenfassade

Sankt Georg - Schutzpatron der Katalanen

Sankt Georg - Schutzpatron der Katalanen

Der Geschäftsmann Juli Barvey i Poinsard war der erste Besitzer dieses eindrucksvollen Emsembles.
Die Gebäude gruppieren sich um den Nordturm in unterschiedlichen Ebenen.
Steinsockel mit Mosaiken, Umrahmungen in Keramik um die Fenstern, die in trencadís (gebrochene Keramik-Stücke)gefertigte Sonnenenuhr (entworfen von Joan Triadó und hergestellt von Lluís Bru) sowie ein Keramik-Bild, das Sant Georg den katalanische Patron darstellt, ebenfalls von Lluís Bru, beweisen den Reichtum des ersten Besitzers.

Das Innere hat eine schöne Halle, verschiedene Kamine und Keramiken. Der Garten weiß zu gefallen mit Wasserspielen, und Keramikblumenschalen.

Casa Barraquer - Passeig 7 / Carrer Caselles - Illa Raspall - Baujahr 1912

Casa Barraquer - Passeig 7 / Carrer Caselles - Illa Raspall - Baujahr 1912

Dieses letzte der vier Häuser von Raspall auf der Illa Raspall ist wohl das konventionellste. Der Zentralturm ist bekrönt mit Schmiedeeisenspitze.
Die Fassaden sind in weiß-blau gehalten und mit Keramikstücken - besonders an den Fenstern - verziert.
Die Gartenumzäunung ist ebenfalls mit weißen und blauen Keramikelementen in Kombination mit Schmiedeeisen gehalten.

Casa "La Bombonera" - Passeig 3 - Illa Raspall - 1910

Casa "La Bombonera" - Passeig 3 - Illa Raspall - 1910

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Dies ist ein Sommerhaus umgeben von Garten. An der Nordfassade steht ein kleiner typischer Art Nouveau Turm mit Keramikdeko. Die Fassaden sind mit grünen geometrischen Wandmalereien versehen. Balustrade und Umzäunung bestehen aus Schmiedeeisen.

Dem Passeig weiter folgend liegt in Nr. 9 die Casa Felix Fages und bei Nr. 11 die Casa Llorens.

Casa Llorens - Passeig, 11 / C. Blancafort - Baujahr 1907

Casa Llorens - Passeig, 11 / C. Blancafort - Baujahr 1907

any (katalanisch: Jahr) 1907

any (katalanisch: Jahr) 1907

Auch dieses Haus wurde nach einem Entwurf von Raspall errichtet. Es ist wie eine Reihe der folgenden kleiner als die Gebäude der Illa Raspall aber nicht weniger eindrucksvoll.

Villa Christina - Passeig Nr. 19

Villa Christina - Passeig Nr. 19

Ramon Pasual 48

Ramon Pasual 48

Die Villa Christina - Passeig Nr. 19 - ist noch kleiner, ähnlich wie das Haus in der Ramon Pasual 48.

Umzäunung zwischen Passeig 36 und 38

Umzäunung zwischen Passeig 36 und 38

Wasserspiel im Garten

Wasserspiel im Garten

Ein imposantes Beispiel für Gartengestaltung befindet zwischen den Jugendstilhäusern Passeig 36 und 38.

Casa Pujades - Ronda Carril 83 / C.Onze Setembre / C.Carrerada - 1909 - Architekt: Lluís Planas i Calvet

Casa Pujades - Ronda Carril 83 / C.Onze Setembre / C.Carrerada - 1909 - Architekt: Lluís Planas i Calvet

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Leider direkt an der Bahnlinie - etwas oberhalb des Passeig - liegt in der Ronda Carril 83 die Casa Pujades.
Das Gebäude erinnert etwas an den Stil von Puig i Cadafalch und ist ein typisches Sommerhaus des Art Nouveau.
Die Fassaden sind überwiegend in Weiß gehalten mit floralen Motiven um die Fenster und geraden Mosaik-Friesen.
Das Haus dient heute als Heim für Behinderte.

Es gäbe noch eine ganze Reihe Häuser, die vorstellenswert wären, aber da wir keine weiteren Infos darüber erfahren konnten, beschränke ich mich auf ein weiteres:

Cine-Cafè Alhambra - Carrer Calabria 13 - 1913 - Architekt: Josep Sala i Comas

Cine-Cafè Alhambra - Carrer Calabria 13 - 1913 - Architekt: Josep Sala i Comas

Interessant ist dieses Gebäude des späten spanischen Jugendstils wegen seiner Renaissance-Elemente am oberen Teil der Fassade. Leider ist der Zustand nicht mehr der beste.


Die umfangreichen Besichtigungen lassen unseren Entschluß ggf. zu übernachten weiter reifen.

Jugendstil am Ortseingang von Granollers

Jugendstil am Ortseingang von Granollers

Wir fahren über Granollers, wo wir noch einmal vergeblich versuchen, die Touristeninfo wegen Plänen zu befragen, weiter nach Vic. Dort haben wir zwar Erfolg mit der Touristeninfo, aber nun müssen wir zunächst ein Quartier haben.
Da wir vor Jahren schon mehrfach in Paradores genächtigt haben und in der Nähe ein solcher zu finden ist, beschließen wir dort zu übernachten. Der Parador liegt etwas ausserhalb von Vic imposant in den Bergen direkt oberhalb eines (Stau?)Sees.
Abends genießen wir das - fast immer in den Paradores angebotene - Regionalmenu mit Spezialitäten der näheren Umgebung, die diesmal wegen der Berggegend recht rustikal ausfallen.

© Herbert S., 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unser vierter Aufenthalt in einer kleinen Wohnung ca. 40 km südlich von Barcelona ist der Ausgangspunkt für gezielte Besichtigungen zum spanischen Jugendstil. Die berühmten Bauwerke von Antoni Gaudi haben wir diesmal praktisch 'links' liegen lassen und uns auf seine Zeitgenossen beschränkt. Dabei sind vor allem Wohnhäuser, Kirchen aber auch Bauten der Land- und Weinwirtschaft zu bewundern.
Details:
Aufbruch: 01.10.2006
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 15.10.2006
Reiseziele: Spanien
Canet De Mar
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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Herbert über sich:
Bin begeisterter Reisender - teils mit Leihwagen in Mexiko, USA, Indonesien, Thailand, Arabien, Namibia, Südafrika, Türkei,... teils mit kleinem Wohnmobil in ganz Europa, aber besonders in Großbritannien und Skandinavien. Es gibt also noch viel zu berichten. Aber es kommt soviel hinzu.