Spanien-Reisebericht :Rundreise auf Etappen - Frankreich, Spanien, Marokko

Da es für uns im Winter in Deutschland allein zu trist, grau und kalt ist, hatten wir die glorreiche Idee, die Winterferien mit dem Wohnmobil in Marokko zu verbringen. Um da überhaupt hin- und wieder zurück zu kommen, ohne im Reisestress für An- und Abfahrt zu verfallen, planten wir eine Rundreise auf drei Etappen.

Die erste Etappe - Von Bensheim nach Málaga

Abfahrt mit Hindernissen

Vor jeder Abfahrt steht die Frage: „Haben wir alles?“. So auch in diesem Fall, was besonders wichtig war, denn wir planten, ohne das Wohnmobil zurückkommen. Eine genauere Reiseplanung als sonst war deshalb von Nöten. Was kommt wieder mit nach Deutschland? Was kann unten in Spanien bleiben? Welche Kleidung brauchen wir hier? Welche im Winter in Marokko? Gibt es Lebensmittel, die wir woanders schlecht bekommen und mitnehmen könnten?
Nachdem der finale Check aber abgeschlossen war, hieß es für uns wieder einmal: „We are on the road again.“
Um 18:00 Uhr, bei 7 °C und trübem Wetter fiel uns die Abreise in der Hoffnung auf besseres Wetter nicht schwer. Leider mussten wir kaum eineinhalb Stunden später feststellen, dass wir das erste Problem hatten: Wir waren nicht mehr ganz dicht. Am Wasserhahn in der Küche trat Wasser aus – und das nicht gerade wenig.

Als dann Ronja nach dem Abendessen die Zähne putzte, machte sie Bekanntschaft mit dem zweiten Problem: Das Wasser hatte einen ganz und gar scheußlich-zitronigen Geschmack. Offenbar hatte sich noch etwas Zitronensäure vom Entkalken im Wassertank bzw. im Boiler befunden. Also fuhren wir erst mal in der Nähe von Freiburg auf einen Stellplatz, der auch eine Ver- und Entsorgungsstation bot. Dort schlugen wir unser erstes Nachtlager auf. Am nächsten Morgen wollten wir uns gleich der beiden Problemchen annehmen. Zuerst tauschten wir unser Wasser aus und anschließend suchten wir einen Händler auf, um unseren Wasserhahn auszutauschen.

Glücklicherweise fanden wir auch nach kurzer Suche einen passenden Händler (Campingpark Hentrich), der uns mit Rat und Tat und glücklicherweise auch mit dem passenden Ersatzteil helfen konnte. Der Wasserhahn wurde noch auf dem Kundenparkplatz von uns eingebaut und wir konnten unsere Reise weiterführen.

Der Weg ist das Ziel – mehr oder weniger

Eigentlich war der Plan, viele Zwischenstopps auf dem Weg nach Málaga einzulegen. Doch da wollte Petrus nicht so recht mitspielen. Und so fuhren wir doch die ersten beiden Tage durch, machten für eine Nacht Halt auf einem wirklich tollen Stellplatz an einem See bei Le Montbazet (Frankreich ist in Bezug auf Stellplätze wirklich traumhaft) um zu übernachten. Ab hier waren die Autobahnen wirklich super entspannt und leer und die Landschaft wandelte sich in das typisch-französische Bild von Weinplantagen im Herbst. Je Näher wir der Atlantikküste zusteuerten, desto besser wurde auch das Wetter. Deshalb fuhren wir bei Léon kurz von der Autobahn ab, etwas an der Küste entlang und machten für einen Strandspaziergang Halt. Mittlerweile zeigte das Thermometer 19°C an und lud dazu ein, die Füße mal kurz ins Wasser zu halten. Aber nur kurz.
Die Gegend um Léon ist sehr auf den Sommertourismus ausgelegt. Jetzt im Oktober aber wirkte es nahezu ausgestorben.
Nach unserem Strandspaziergang ging es wieder auf die Straße und bald erreichten wir die spanische Grenze. In der Grenzstadt Irún wollten wir bei einer Sidreria übernachten, die unser España Discovery-Stellplatzführer anzeigte. Leider war dies Fehlanzeige: Die Bediensteten vor Ort wussten nichts davon und wirklich hilfsbereit waren sie auch nicht.

In der Nähe von Bordeaux bestimmen Weinreben das Landschaftsbild

In der Nähe von Bordeaux bestimmen Weinreben das Landschaftsbild

Etwas südlich von Léon am Atlantik.

Etwas südlich von Léon am Atlantik.

¡Hola España!

Wir schafften es, am Abend einen geeigneten Promobil-Stellplatz in Donostia-San Sebastián zu bekommen, der für Durchreisende nahezu perfekt ist (vielleicht ein wenig zu hell). Hier konnten wir unser Wasser auffüllen und Abwasser entsorgen, bevor wir am nächsten Morgen das erste Klettergebiet aus unserem tollen Kletterreiseführer „Dónde escalar en España“ heraussuchten.
Im Klettergebiet Santa Barbara (Hernani) trafen wir auf einen jungen Spanier, der bestückt mit Bohrmaschine und Bohrhaken neue Routen einbohren wollte. In gebrochenem Englisch erklärte er uns bereitwillig, dass dieses Gebiet bei den Einheimischen in der nahe gelegenen Stadt sehr beliebt sei. Und wahrlich, es war ein kleiner Glücksgriff, denn klettern konnte man dort sehr gut. Zumindest zwei Routen, bis es anfing zu regnen. Nachdem wir einmal komplett am Fels durchgeweicht wurden, sattelten wir wieder auf und zogen weiter.

Unser erstes Klettergebiet in Spanien lag kurz hinter der Grenze
Ort: Spanien: Hernani

Unser erstes Klettergebiet in Spanien lag kurz hinter der Grenze
Ort: Spanien: Hernani

In Cabañas de Yepes übernachteten wir auf einem Schwimmbadparkplatz.

In Cabañas de Yepes übernachteten wir auf einem Schwimmbadparkplatz.

Und wieder einmal El Chorro / Ardales

Am nächsten Tag erreichten wir mittags El Chorro, wo es uns in der Vergangenheit auch schon öfter hin verschlagen hatte (allerdings noch nie zum campen. Siehe Bilder und Berichte von 2013, 2012, 2011). Leider war der Campingplatz am Stausee geschlossen, sodass wir uns anderweitig umsehen mussten. Auch bei der Olive Branch sahen wir keinen geeigneten Platz für uns. Zwar war der Besitzer sehr herzlich und das Ambiente sagte uns zu, aber wir hatten Bedenken, dass unser Wohnmobil den Feldweg zur Straße nicht wieder hoch kommt. Also verschlug es uns letztendlich auf den Campingplatz Parque Ardales, der wunderschön im Wald an einem großen See gelegen ist. Auf die Frage hin, ob noch ein Platz frei sei, lachte der Mann an der Rezeption nur. Derzeit seien nur zwei weitere Plätze belegt.
An diesem Abend waren wir alle auf dem Weg ins Bett, als Christa sich draußen noch die Haare bürstete und fast zu Tode erschrak: hinter ihr hatte sich ganz in der Nähe etwas bewegt und als sie sich umdrehte, stand vor ihr, zum greifen nah – ein Fuchs. Schnell rief sie den Rest und alle bewunderten das schöne und so gar nicht scheue Tier, das wenig beeindruckt von uns zwischen uns herumspazierte.
Am nächsten Morgen erklärte man uns, dass es am Platz zwei Füchse gebe, die immer wieder abends herum streiften und die Mülltonnen plünderten und dabei auch sehr nah an die Gäste kämen.

Der Fuchs geht um... Dieser hübsche Zeitgenosse besuchte uns in Ardales auf dem Campingplatz. Scheu war er nicht.

Der Fuchs geht um... Dieser hübsche Zeitgenosse besuchte uns in Ardales auf dem Campingplatz. Scheu war er nicht.

Wir verbrachten einige wirklich schöne Tage auf dem Campingplatz in Ardales und nutzten unsere Fahrräder, um in die Klettergebiete El Chorro und Turón zu kommen. Außerdem machten wir einen Ausflug in den Lobo-Park in Antequera, wo wir viel über Wölfe, deren Verhaltensweisen und den Umgang mit ihnen lernten. Das Wetter hier war traumhaft und warm, sodass wir auch Abends noch lange nach Sonnenuntergang draußen sitzen und gemeinsam Spiele spielen konnten. Beim Klettern in El Chorro (Mehrseillängentouren) hatten wir außerdem noch das Glück, viele Steinadler zu Gesicht zu bekommen.

Mit den Bikes geht es zum Klettergebiet.

Mit den Bikes geht es zum Klettergebiet.

In dieser Mehrseillängentour sahen wir viele Adler über unseren Köpfen kreisen.

In dieser Mehrseillängentour sahen wir viele Adler über unseren Köpfen kreisen.

Uns gefällt die Gegend um El Chorro und Ardales.

Uns gefällt die Gegend um El Chorro und Ardales.

Nach einigen schönen Klettertagen verabschiedeten wir uns von dem schönen Campingplatz und fuhren Weiter Richtung Málaga. Zwischendurch legten wir einen Stopp für das Klettergebiet El Torcal im gleichnamigen Naturschutzgebiet ein. Ein Gebiet, das man eigentlich gesehen haben muss, wenn man schon mal in der Nähe ist. Die Steinformationen sind wirklich skurril und sehenswert und ein Spaziergang dort macht unglaublich viel Spaß. Die Klettersektoren zu finden ist allerdings schon ein Abenteuer für sich und beschäftigte uns eine ganze Weile, bis wir etwas zum klettern fanden. Da aber an diesem Tag das Wetter dort oben kalt und neblig war, war die Kletterei dort nur von kurzer Dauer (genauer gesagt, eine einzige Route). Aber mit Sicherheit waren wir nicht das letzte Mal dort.

Das Naturschutzgebiet El Torcal. Leider hatten wir nicht das beste Wetter erwischt.

Das Naturschutzgebiet El Torcal. Leider hatten wir nicht das beste Wetter erwischt.

Südlicher geht es nicht

Gegen Abend suchten wir ein weiteres Klettergebiet, das in unserem Kletterführer Dónde escalar en España interessant erschien. Wir waren mittlerweile in der Nähe von Marbella im Süden und nahmen das Klettergebiet bei Istán in Augenschein, als es bereits trüb über unseren Köpfen wurde. Kaum standen wir auf dem von uns auserkorenen Übernachtungsplatz, fing es auch schon an zu regnen. Leider hielt der Regen an, sodass wir das Gebiet bei Istán leider nicht testen konnten (zu nasser Fels), sondern nach einem kurzen Alternativprogramm (Shoppen im großen Shoppingcenter in Marbella und anschließend waren wir kurz zum Baden am Meer) und einer weiteren regenreichen Übernachtung gen Süden bis Tarifa fuhren. Dort war das beste und wärmste Wetter für die kommende Zeit gemeldet. Wir hatten die nächsten Tage dort bestes Kletterwetter in einem wirklich wundervollen Gebiet. Das Klettergebiet San Bartolo liegt gleich hinter dem Ort Betis und bietet eine breitgefächerte Kletterei in bestem Sandstein und vor traumhafter Kulisse. Es zählt zu den größten Klettergebieten in der Gegend und war trotzdem kaum besucht. Am meisten begegneten und dort Steinadler, die hoch über unseren Köpfen kreisten. In Betis selbst sahen wir ebenfalls viele Tiere, denn in diesem Ort gab es für alle Nutztiere freien Auslauf. Auf und an der Straße sowie auf den Wanderwegen begegneten uns freilaufende Hunde, Ziegen, Pferde, Esel, Kühe und Hühner.
Als Ausgangspunkt zum klettern ließen wir uns für drei Tage auf dem Campingplatz Torre de la Peña nieder. Dieser liegt am Meer und bietet vom „Berg“ aus eine fantastische Aussicht auf die Afrikanische Küste. In der Nebensaison ist dieser auch wirklich sehr günstig gewesen.

Blick auf Marokkos Küste

Blick auf Marokkos Küste

Auch der Jüngste kletterte mit uns.

Auch der Jüngste kletterte mit uns.

Vorläufiges Ende

Am letzten Tag holten wir in Algeciras die Tickets für die Fähre im Dezember. Wir hatten per Zufall einen weiteren Reisenden mit Mannheimer Kennzeichen beim Einkaufen getroffen und erfuhren von ihm, dass man diese am besten und günstigsten bei „Carlos“ in Algeciras bekommt. Und tatsächlich, sie waren dort nicht nur günstiger als bei der Fährgesellschaft, wir bekamen als Dankeschön auch noch eine Flasche Wein und einen Kuchen geschenkt. Na da kauft man doch immer wieder gerne ein!
Im Anschluss an den Ticketkauf fuhren wir mit Zwischenstopp am Meer wieder zurück nach Málaga. Wir übernachteten dort auf dem Stellplatz am Carrefour, der auch eine Ver- und Entsorgungsstation zu bieten hat. Für uns war es so die optimale Möglichkeit, nahe am Flughafen und unserem Stellplatz, den wir für die Zeit bis Dezember gebucht hatten, zu übernachten und das Wohnmobil abreisefertig zu machen. Am nächsten Morgen hieß es dann leider nach zwei Wochen, 3.349 gefahrenen Kilometern in 51 Fahrstunden Abschied nehmen von unserem geliebten Zweitwohnsitz. Dieser wurde auf einem überwachten Parkplatz abgestellt und wartet nun auf unsere Rückkehr in den Winterferien. Dann geht es auf zur zweiten Etappe: Marokko.

Unser Schlafplatz in der Nähe von Tarifa mit Blick auf das Meer und die Küste Marokkos

Unser Schlafplatz in der Nähe von Tarifa mit Blick auf das Meer und die Küste Marokkos

Mehr?!

Diesmal ist der Bericht zwar fast 1 zu 1 aus unserer Webseite, doch auf http://auf-achse-sein.de/rundreise_frankreich-spanien_2015/haben wir noch mehr Bilder zum Anschauen. Wer also interessiert ist, schaut einfach dort vorbei.

© Christa Jöckel, 2016
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 16.10.2015
Dauer: 12 Wochen
Heimkehr: 09.01.2016
Reiseziele: Spanien
Marokko
Der Autor
 
Christa Jöckel berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Christa über sich:
Wir sind eine eher ungewöhnliche Familie, deren große Hobbys das Reisen und das Klettern sind. In dieser Kombination führen sie uns nicht nur quer durch Deutschland, sonder mehr oder weniger rund um die Welt.
Auf unserer Internetseite findet ihr noch mehr Infos, mehr Bilder und mehr Berichte: www.auf-Achse-sein.de