Türkei-Reisebericht :Schwarzmeerrunde 2015

Bingöl (Türkei) - Malatya (Türkei) 256 km

Sechs Stunden Blick auf ein ausgebautes KTM Hinterrad

Heute (21.Mai, Donnerstag) fing so gut an. Gemütliches Frühstück bei strahlendem Sonnenschein auf der Dachterasse des Resort Hotels im 5. Stock mit Blick über Bingöl (Nüfus=Einwohner: 103.700) . Danach aufladen und Abschiedsfoto mit der Hotelcrew. Türkische Gastfreundlichkeit genießen, denn ohne Abschiedscay = Tee wollte man uns nicht fahren lassen. Die Sonne hat schon in der Höhe 1.150 m.ü.M. eine riesige Kraft entwickelt, so dass es bei der Abfahrt bereits für um 10:00 Uhr stolze 26 Grad waren.

Über sehr gut ausgebauten Bergstraßen sind wir zunächst in dieser Meereshöhe unterwegs gewesen, bis wir kurzfristig auf 700 m.ü.M. angelangt sind. Hier stieg das Thermometer sofort auf 36 Grad und es ging ein Wind, der sich anfüllte, als wenn ein Fön eingeschaltet worden wäre. Hier haben dann auch unsere Sicherheitsfanatiker die Handschuhe im Tankrucksack verstaut, denn braune Hände ist ja auch schick. Dann wurden die Handschuhe aber wieder gebraucht, denn die Straße schraubte sich wieder ins Hochland hinauf und schlagartig sank die Temperatur wieder auf 22 Grad. Hier kamen wir an Zeltstädten vorbei, die die dortigen Hirten als Sommerlager nutzen. Auf den riesigen Fernstraßen wird in größeren Städten sehr häufig durch die Trafik Polisi generelle Verkehrskontrollen durchgeführt. Durch die ersten beiden sind wir noch durchgewunken worden, nur bei der Dritten, war es so weit. Wir dachten schon, dass nun wieder das volle Programm anläuft, aber der Polizist hat zunächst gefragt, wer hier türkisch spricht. Na das war ja klar, jeder hat sofort auf unseren Georg gezeigt, der soll das managen. Die Frage bezog sich nur auf unser Fahrtziel und so hat unser Georg brav die weitere Tour erklärt und damit war es dann auch gut und der Offizielle hat uns weitergewunken. Dies wurde auch Zeit, da wir in der prallen Sonne leider nicht über eine Aircondition verfügten.

Nach diesem kurzen Zwischenstopp führte uns der Weg in die ostanatolische Großstadt Malatya (Nüfus 596.800). Dort fuhr unser Norbert mit seiner KTM vom Navi geleitet plötzlich von der Hauptstraße ab und kurze Zeit später standen wir am Eingang einer großen Kaserne des türkischen Militärs. Hatte unser Norbert eventuell einen Hitzeschlag erlitten? Wir wendeten sofort und Norbert hielt kurze Zeit später in einer Wohngegend im Schatten eines Baumes an. Dann klärte sich seine Sightseeingtour, er hatte diese Adresse aus der KTM-Homepage als Händlerstandort in sein Navi eingegeben und diese war so nicht richtig. Norbert wollte unbedingt seinen stark deformierten Zahnkranz am Hinterrad wechseln lassen, da wir nicht abschätzen konnten, ob wir nicht wegen diesem Antriebsschaden eine Panne auf freier Strecke erleiden könnten.

Welch ein Segen, wir hatten als "Schattenparker" zwei Schulbusfahrer bei Ihrem Mittagsschläfchen geweckt und schon waren die Herren äußerst hilfsbereit, bei der schriftlichen Wegbeschreibung zu dem eigentlichen Ziel. Dieses lag natürlich 5 Kreisverkehre in der Richtung, wo wir gerade durchgefahren waren. Dank der guten Roadmap, haben wir den Händler dann auch sofort gefunden.

Der Mechaniker Usta (Meister) hat sich sofort um unser technisches Problem gekümmert und war der Ansicht, dass eine neues Kettenblatt vorrätig sein müsste. Leider war es nicht so. Die Jungs von Malatya Moto wollten trotzdem eines besorgen und es sollte ca. 2h dauern. Das alte Kettenblatt wurde schon mal demontiert und Cerdet, der Meister nahm es mit und verschwand. Nach 3h war er mit einem neuen, etwas zweifelhaft ausschauendem Kettenblatt mit nur 40 Zähnen wieder da. Das wurde montiert. Leider sah es nicht gut aus, die Kette sprang.

Nach kurzem Kopfkratzen und einer Skizze von Georg zum Thema Zähnezahl und Durchmesser, bedeutete Cerdet dem Norbert bei ihm aufs Moped zu steigen und mit altem, neuen Kettenblatt und Kette mitzukommen. Es blieb unklar wohin es gehen sollte und was Ziel dieser Fahrt ist. Sie endete in einem Gewerbegebiet am anderen Ende der Stadt, in dem Cerdet offensichtlich jeden Hund mit Namen kannte. Die Fahrt endete bei Atmaca Metal, wo sie von Emre begrüßt wurden. Nach einer kurzen Diskussion mit den 3 Teilen war der Fall für Emre klar und er bedeutete den Beiden ihm in seinen Verschlag zu folgen.

Anm. der Redaktion: Nun kommt der Teil für unsere Leserschaft aus dem Metall/Blechbereich !

Dort stand eine CNC-Brennschneidanlage auf der er mal flugs ein Kettenrad mit nun 42 Zähnen konstruierte und die Konstruktionsdaten dann an seine Brennschneidmaschine schickte. Im Handumdrehen war das neue Rad geschnitten und die Anprobe war erfolgversprechend.
Während der Endbearbeitung zeigte Cerdet dem Norbert noch seine eigene Werkstatt in dem Industriegebiet. Zurück bei Malatya Moto wurde das neue Kettenblatt für gut befunden, montiert und nach der abschließenden Probefahrt hieß es, freie Fahrt nicht nur bis Antalya sondern bis Almanya.

Für heute war es zu spät noch weiterzufahren und wir checkten im 5* Ramada Hotel ein und relaxten vor dem Essen noch im Hamam und im Pool. Nun werden wir wohl die heute nicht gefahrenen 200 km auf die beiden nächsten Tage verteilen müssen und Kappadokien als schnellreisende Asientouristen nehmen müssen.

Das Verabschiedungskommitee vor unserem Hotel. Nur weil die Mopeds noch am Abend geputzt wurden, durften wir über Nacht direkt vor dem Haupteingang parken....

Das Verabschiedungskommitee vor unserem Hotel. Nur weil die Mopeds noch am Abend geputzt wurden, durften wir über Nacht direkt vor dem Haupteingang parken....

das Zeltdorf der Hirten im Bergland

das Zeltdorf der Hirten im Bergland

diesen Anblick habe wir heute so viele Stunden vor den Augen!

diesen Anblick habe wir heute so viele Stunden vor den Augen!

die Mechaniker haben erst angefangen zu arbeiten, nachdem Sie unsere Mopeds veredelt hatten (Zucki, ich hoffe die Kleber gehen

die Mechaniker haben erst angefangen zu arbeiten, nachdem Sie unsere Mopeds veredelt hatten (Zucki, ich hoffe die Kleber gehen

die beiden Chefmechaniker von Moto Malatya....

die beiden Chefmechaniker von Moto Malatya....

hier wird mal schnell an der Maschine ein Zahnkranz mit 42 Zähnen programmiert.

hier wird mal schnell an der Maschine ein Zahnkranz mit 42 Zähnen programmiert.

und mal schnell herausgebrannt!

und mal schnell herausgebrannt!

wir waren für die ganze Straße die Hauptattraktion!

wir waren für die ganze Straße die Hauptattraktion!

Eine "bescheidene" Unterkunft 
das musste sein, nach diesem Reparaturtag!

Eine "bescheidene" Unterkunft
das musste sein, nach diesem Reparaturtag!

© Matthias B., 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir fahren mit vier Motorrädern von Offenbach über München durch 16 Länder zum Kaukasus und zurück. Dauer 38 Tage, ca. 10000 km.
Details:
Aufbruch: 30.04.2015
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 07.06.2015
Reiseziele: Deutschland
Österreich
Ungarn
Rumänien
Moldau
Bulgarien
Türkei
Georgien
Armenien
Griechenland
Mazedonien
Albanien
Montenegro
Bosnien und Herzegowina
Kroatien
Slowenien
Italien
Der Autor
 
Matthias B. berichtet seit 31 Monaten auf umdiewelt.