Zypern-Reisebericht :Einsamkeit pur - Karpas Halbinsel November 2009

... für alle Freunde der weiten Horizonte niedergeschrieben.

Karpas - Halbinsel 2009

Etwa 1 Stunde zügige Autofahrt von Lefkosia in Richtung Osten liegen bereits hinter uns, als wir die neue Strasse kurz hinter Yenierenköy verlassen und auf die alte Küstenstrasse abbiegen, die jetzt nur noch von wenigen Fahrzeugen benutzt wird.
Gemächlich zockeln wir nun mit 40-50 km/h an der Nordküste Zyperns, genauer gesagt der Türkischen Republik Nordzyperns entlang auf die Karpas Halbinsel zu, einer Region in die der Pauschaltourismus noch nicht vorgedrungen sein soll.
Schon nach wenigen Kilometern wird eine erste Zigarettenpause, wie es bei uns immer heißt, wenn wir etwas entdecken was das Anhalten lohnt, eingelegt. Keine 10 Meter Strand trennen uns links vom tiefblauen Meer und rechts neben der Straße zieht sich über mehrere hundert Meter eine skurrile Felsenformation hin, die Gabi unbedingt näher in Augenschein nehmen muss.
Der scharfe Ostwind hat hier mit dem weichen Sandstein gespielt und aus den dazwischen liegenden härteren Brocken ein Bild modelliert, das manche Phantasie in mehr als einer Beziehung anregt.

Später sollten wir noch ganz andere Skulpturen und Spuren sehen, aber fürs erste war dieses unerwartete, weil auch in keinem Reiseführer erwähnte, Highlight gar nicht so übel.

Nachdem meine liebe Frau ausgiebig hierhin und dorthin gekraxelt und ich alles von vorne und hinten fotographisch dokumentiert hatte ging´s weiter auf der Old-Road die sich eigentlich noch ganz manierlich fuhr. Schlaglöcher und mal eine Abbruchkante zum Meer hin die die Straße auf weniger als 3 Meter verkleinerten, ab und an auch mal ein Medizinball von Felsbrocken der vom Hang gerutscht war, gehören nach meiner Meinung schließlich zu einer zünftigen Küstenstraße dazu.

Eine weitere Stunde und rund 20 km später erreichten wir eines der letzten Dörfer vor dem Kap ( auf der ganzen Halbinsel gibt es nur eine Handvoll kleiner Dörfer ) dessen Namen aussprechen zu wollen, ich aufgeben habe.
Kurzer Stopp beim Tourist-Office, wo man sich offensichtlich freut das endlich mal einer vorbeikommt und freundliche Auskunft gibt, das dieses oder jenes Hotel oder Gästehaus um diese Jahreszeit geöffnet hat, bzw. oder auch nicht. Genaueres müsse man selbst vor Ort erfragen. Die Wegbeschreibungen sind ab hier an einfach und leicht zu befolgen: Fahren sie auf der Straße wo sie gerade sind weiter bis XYZ. Da gibt es ein Schild und da ist ein Name drauf. Und so kommen sie auch wieder zurück, wenn sie zurück wollen, denn es gibt nur diese eine Straße...

Womit der gute Mann natürlich nur die Teerstraße meinte auf die sich Touris seiner Meinung nach fortbewegen sollten. Aber wozu hatten wir uns einen kleinen Geländewagen für unseren Trip gemietet. Natürlich mussten und sollten die unbefestigten Wege erkundet werden...
Die erste Gelegenheit dazu ergab sich auch recht bald. Ein windschiefes Schild mit dem Hinweis auf eine "Alternativ-Route nach Agios Philon und Roman-Habour" in 6 Kilometern Entfernung, ab und runter von der Old-Road auf die erste Sandpiste die zunächst an Feldern vorbei weiter in Richtung Osten die Küste entlang führte.

Keine zwei Kilometer weiter musste erneut eine Zigarettenpause eingelegt werden (wenn´s so weiter geht schaffen wir bei Tageslicht unser Etappenziel und damit erste Übernachtungsmöglichkeit nicht mehr, befürchtete ich ); unsere erste Begegnung in einer Dreiergruppe wilder Esel, die seelenruhig auf der Straße standen und erst bei unserem Näherkommen ein paar unwillige Schritte zu Seite machten, war fällig.

Also angehalten und ausgestiegen, vielleicht kann man die Tiere ja streicheln.
Aber die Karpas-Halbinsel ist kein Streichelzoo und es sind richtige Wildesel die hier leben und den Menschen lieber aus dem Wege gehen. Also schnell ein paar Schnappschüsse und dann waren sie auch schon im Dickicht verschwunden.

Ein Dickicht, das es in sich hat und von dem man sich besser fern hält, wenn man nicht gerade Lust auf zentimeterlange Dornen verspürt - und wer tut das schon?.
Hier zu Fuß durchzukommen ist quasi unmöglich - es sei denn du bist ein Wildesel.
Also besser auf der Piste geblieben und im zweiten Gang ganz locker die ersten Off-Road Hindernisse gemeistert. Gut festhalten musste sich meine Beifahrerin allerdings, wenn das eine oder andere Schlammloch tiefer war als gedacht und es ganz schön rumpelte.
Just als die Sonne sich anschickte den Tag zu beenden stießen wir 20 km vor dem Kap auf den "Römischen Hafen" und die Klosterruine von Aigos Philon.
Neben Hafen und Koster gab´s eine kleine Herberge dreier kurdischer Brüder, die sich treffend "Oasis" nannte und hier beendeten wir kurzentschlossen den ersten Tag unserer Karpas-Exkursion.

Dienstag

Der Wind hatte im laufe des Abends auf Nord gedreht und zugenommen. Da wir eine Unterkunft direkt an der Klippe zur Nordseite heraus gewählt hatten, war eine ruhige Nacht nicht zu denken. Der gegen Mitternacht fast Sturmstärke erreichende Wind rüttelte an allen Fenstern und Türen, das es klapperte wie in einem alten Bretterverschlag. Nun, auch eine solche Nacht geht einmal zuende, zumal wir dann doch noch ca. 2 Stunden schlafen konnte, weil mir der Einfall kam einfach die Türen zu öffnen, quasi auf Durchzug zu schalten, den Wind damit rein und durch zu lassen, statt ihn draußen zu halten, was ja doch nicht funktioniert hatte.

So ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen "ab in die Einsamkeit" rund 50 qkm der Ostspitze Zyperns sollten in den kommenden Tagen erkundet werden.
Einen festen Zeitplan für unseren Aufenthalt hatten wir uns dabei nicht gesetzt. Losfahren und Anhalten, dort wo es uns gefällt, war die Devise. Im kleinen Dorf Diskarpas decken wir uns mit einigen Vorräten ein: Wasser, Brot, Käse, Oliven und Tomaten gehörten ja quasi schon aus vorjährigen Touren zu unserer "Standardausrüstung" . Noch eine Flasche Rotwein und Zigaretten, los ging´s .
Off-Road die Küste entlang war aber dann schon nach ca. 10 km Schluss für diesen Tag.

Eine einsam gelegende, schwer zugängliche Bucht, deren Stand am eine Mondkrater-Landschaft erinnerte hielt uns für den Rest des Tages gefangen.

Obwohl in der Ausdehnung höchsten 300 x 50 Meter lang, glaubt man gar nicht, wie man die Zeit vertrödeln kann, wenn man in jede Nische schaut, jede Wasserrinne untersucht, die roten Seeannemonen bestaunt und nach Muscheln sucht.
Der nahende Sonnenuntergang erinnerte uns an die für heute noch nicht vorhandene Nachtunterkunft (und der knurrende Magen an das noch ausstehende Abendbrot). Also für´s erste zurück nach Diskarpas und im Arch-House Quartier bezogen. Natürlich im einzigen Turmzimmer der liebevoll renovierten ursprünglichen Bauernhäusern.

Mittwoch

Gut ausgeschlafen sitzen wir Morgens unter dem alten Hausbogen in Freien und frühstücken. Daran kann man sich meiner Meinung nach unbedingt gewöhnen; gelassen in den Tag starten, bei blauem Himmel und gefühlten 25 Grad in der Sonne sitzend das bescheidene Dorfleben beobachten. Nach einer Weile hat man dann auch zwangsläufig die Dorfkatzen um sich versammelt ( und meist folgen in meinem Fall auch die Dorfkinder, die ich scheinbar überall magisch anzuziehen verstehe ) und nachdem der Frühstücksteller leer und die fünfte Tasse Kaffee ausgetrunken wurde startet man mit Energie in den neuen Tag.

Nochmal geht's den gleichen Weg wie gestern die Küste entlang, diesmal vorbei an der "Mondlandschaft-Bucht" auf die Kapspitze zu. Wollen doch mal sehen, wie´s am "Lands-End" von Zyperns so aussieht.

Die einzige Straße dorthin, ist, wie bereits gesagt, eine kleine aber manierliche Teerstrasse in deren ca. 20 km langen Verlauf uns zwei ganze Autos entgegenkommen. Dafür sind aber einige am Rand liegen geblieben, entweder aus Alterschwäche, wie ein Landy aus den 60er Jahren, der zwar noch auf eigenen Reifen steht aber völlig verrottet nun als Futtermittellager sein Dasein fristet, oder ein Vehikel, das als ausgebranntes Wrack mitten im oder neben einer dazu passenden Hausruine liegt.
Unser Kölner Fotographenfreund hätte wohl seine helle Freude an diesem Stilleben, uns stört es ein wenig, weil so gar nicht in die Natur um uns herum passt.

Aber, so ist´s nun mal: Die Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft findet man auf der ganzen Welt. Und auch der einsamste Platz, die leerste Bucht und der höchste Berg sind davon nicht verschont geblieben.
Gabi tröstet mich mit dem Hinweis darauf, das in 10-15 Jahren alles noch viel schlimmer sein wird....

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Kapspitze auf deren Höhenzug in markanter Lage zwei riesige Fahnen (Türkei und Zypern) im Seewind wehen.

Einsam ist es hier wirklich, wir sind bis auf einen verlassenen Angestellten irgendeiner Behörde, der kurz ein Wachhäuschen inspiziert und dann schnell wieder verschwindet, allein mit Meer, Wind und Fels. Hier wächst nicht mehr viel an Grünzeug. Und das, was wächst ist mit harten Stacheln versehen und abweisend.
Aber passend zu diesem urigen Landschaft findet man in diesem Ambiente hier und da doch menschliche Siedlungsspuren in Höhlen und längst verlassenen Häusern einer Ureinwohnerschaft, die mal hier lebte.

Von hier aus folgen wir dem auf keiner Tourikarte eingezeichneten, uns aber von Einheimischen verratenen unbefestigten Trail weiter Richtung Nordküste, vorbei an einer grandiosen, kargen und menschenleeren Landschaft. Unser Ziel ist es eine Querverbindung durch die Hügellandschaft zu finden, die uns in die Nähe der Teerstrasse nach Diskarpas führt. Bei mir kommt Freude auf, wenn die Hindernisse auf diesem Weg im Schritttempo gemeistert werden, bei Gabi überwiegen doch mehr die Gefühle irgendwie in einer Gegend zu sein, wo man ohne weiteres verloren gehen kann. "Lost in Zypern" ? Na, wird schon gut gehen...

Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir glücklicherweise die angepeilte Teerstrasse und nach weiteren 30 min.Fahrt ist das Adventure für heute zu Ende geht.

Donnerstag

Gabi hat für uns beschlossen, das mal ein Adventure-freier Tag eingelegt werden muss.
Relaxen ist also angesagt und das an dem vermeintlich schönsten Sandstand von ganz Zypern, der "Golden-Sandy-Beach".

Diese erreichen wir problemlos in einer halbstündigen Autofahrt von unserem Stützpunkt Diskarpas aus. Die Zufahrt zum Strand führt an einem kleinen, jetzt geschlossenen Resort vorbei, das den Namen "Durhannes Place" trägt. Hier laufen uns lediglich zwei englisch aussehende Frauen im Laufe des Vormittags über den Weg. Ansonsten haben wir den schönsten Strand Zyperns für uns ganz alleine.

Man könnte hier jetzt so richtig schön faul rumliegen, wenn es nicht die ansehnlichen Sandhügel gäbe, die "erobert" werden wollen. Die vor uns liegende Wanderdüne ist gut und gerne 40 Meter hoch und oben angekommen japst die alte Raucherlunge ganz ordentlich. Nun, die Aussicht jedenfalls lohnt die Mühe und weil wir ganz alleine auf weiter Flur sind macht es Spaß wie die Kinder im weißen Zuckersand herumzutollen und die Düne herab zu laufen.

Bei gefühlten 30 Grad in der Sonne und null Schatten macht das einen ordentlichen Durst und unsere Wasserflasche ist schnell leer. Also mal sehen ob bei Hassan der 5 km nördlich ein winziges Resort mit 11 einfachsten Holzhütten betreibt, jemand zu Hause ist.
In der Tat, Hassan freut sich über unseren Besuch und hat auch schnell den obligatorischen Cay klargemacht. Auf meinen nicht ganz Ernst gemeinten Hinweis, daß man bei uns in kalten Norden schwarzen Tee im November immer mit Rum trinkt, kramt er tatsächlich eine Buddel aus seinen hintersten Vorräten hervor und füllt unsere Gläser damit auf. Als Moslem darf er ja nichts Alkoholisches trinken und Gabi mag auch nicht so recht, also muss ich mir alleine einen kleinen bimmeln, denn wir wollen ja Hassans Gastfreundschaft nicht kränken.

Leider neigt sich auch dieser Tag viel zu schnell seinem Ende entgegen (es wird mittlerweile um kurz vor 17h Ortszeit dunkel) und wir beschließen die Rückreise zu unserer Unterkunft anzutreten, was dann etwas länger dauert weil ich supervorsichtig fahre und irgendwie trotzdem ein paar mal auf die falsche Spur (Linksverkehr ist echt gewöhnungsbedürftig) abkomme.
Mit dem üblichen Abendessen (nicht mehr ganz frischem Weißbrot, Tomaten, Oliven, Käse und Tunfisch aus der Dose) wird auch dieser Tage zufrieden beschlossen.

Freitag

Da es gestern so schön war soll es heute, so der Plan, eine Fortsetzung an der Sandy-Beach geben. Wir finden tatsächlich eine ganz versteckte Zufahrt zu "unserer" Düne und hier wird der Jeep einfach für den Rest des Tages stehengelassen. Sorgen darum, das wir bei unserer Rückkehr vielleicht "zwei Autos" vorfinden, machen wir uns überhaupt nicht. Die Kriminalitätsrate auf Nord-Nordzypern ist echt gering und hier in der Abgeschiedenheit gar nicht vorhanden. Wir stampfen also die 300 Meter durch den weichen Flugsand zum Meer und sind wieder mal allein auf weiter Flur. Das bleibt auch für den Rest des Tages so. Meer, Sand und Sonne, hin und wieder ein Schiff am Horizont oder ein Flieger der auf Nordwestkurs über uns hinzieht, ansonsten Ruhe, Ruhe und Ruhe.

Ich kann mich nicht daran erinnern und Gabi geht es genauso, wann wir zum letzten Mal soviel Strand ganz für uns alleine hatten. Man kommt sich fast ein bisschen vor wie Robinson und aus dieser Vorstellung heraus beginne ich nach Stunden wohltuenden Nichtstun damit, den Strand nach Verwertbaren abzusuchen. Hier ein Stück Schnur, dort einen Bretternagel als Harkenersatz herausziehen ; zusammen mit der abgestorbenen Luftblase eines Tintenfisches als Ersatzschwimmer hergenommen und an den Rest eines Bambusstocks gebunden und schon hat man eine passable Angelrute. Als Köder finde ich eine kleinen Fisch, der es nicht mehr geschafft hat mit der Flut ins Meer zurück zu kommen.
Und dann stehe ich am Strand, werfe meine "Angel" aus und hoffe auf einen "dicken" Fisch zum Abendbrot. Gabi nimmt meine Anweisung, schon einmal Treibholz für ein Feuerchen zu sammeln gelassen zur Kenntnis. Will heißen: Sie ignoriert sie und liegt lieber weiter faul in der Sonne und sieht mir amüsiert zu.

Meine Angelschnur ist auch wirklich zu kurz bemessen ( aber mehr war nicht zu finden ) treibt nach wenigen Minuten des Auswerfens wieder an den Strand zurück. Entweder ich gehe tiefer ins Wasser hinein, mit der Gefahr mir an scharfkantigen Korallenfelsen die Füße aufzuschneiden - oder ich lasse es. O.K. beende ich eben hiermit meine Fischerkarriere und bleibe weiterhin Trockenbrotesser und Sonnenanbeter.

Am späten Abend d.h. so gegen 19.00 Uhr, dann ist die Sonne bereits seit 2 Stunden untergegangen, komme ich doch noch zu meinem Feuerchen. Aufgeheizt von der Tagessonne empfinden wir 20 Grad Abendtemperatur jetzt als zu kühl und schmeissen unseren Kamin in die Gänge.

Unsere gemütliche Unterkunft wird dadurch, wie man sich leicht vorstellen kann, erst recht urgemütlich und mit den einen oder anderen Glas Rotwein im Laufe des Abends auch immer gemütlicher. Wir wollen gar nicht mehr hier weg!

Sonnabend

Die Morgensonne lacht vom strahlendblauen Himmel, die Hähne krähn , die Hunden bellen und die Dorfesel.... (wie macht der Esel..?) . Solch ein Krach, mitten in der Nacht..! schimpft Gabi aus ihrem Bett heraus. Den Muezin, der bereits um 5.00 in der Früh die Gläubigen zum Gebet aufruft hat sie wie immer erst gar nicht gehört.
Los, raus aus den Federn! Las und noch mal die Sandbucht besuchen. Mir ist da eine Idee gekommen...Gestern haben wir doch wilde Ziegen bemerkt, vielleicht kann ich uns eine fangen, muss nur das .... Und das... , bauen, konstruieren, finden... ganz leicht...
Du spinnst!!!!!!!!!!!!!!

Unser kleiner Jeep kennt den Weg nun schon und für die Männer vor dem Dorfkaffee sind wir auch keine Unbekannten mehr wie wir so mit unserem täglichen Einkauf ausgerüstet durchs Dorf in das Hinterland zu "unserer" Bucht starten.
Allerdings wird es uns heute um die Mittagszeit in der prallen Sonne zu heiß. Echt, wir haben Ende November und wir müssen aus der Sonne flüchten...
Fahrtwind kühlt sehr gut ab und im offenen Jeep gemächlich durch die Landschaft rollen und mal hier, mal dort anhalten, Photos schiessen oder eine der zahlreichen Ruinen ehemaliger , teils in den Fels gehauener Unterkünfte oder Bauerhäuser in Augenschein nehmen ist auch ganz nett.

Dabei sucht der Blick immer wieder das Meer und die karge Landschaft.

Wie so oft stellen wir fest, das die "Alten" ein gutes Händchen dafür hatten, sich immer den schönsten Platz in der Gegend für ihr Anwesen zu suchen. Hier müsste man wohnen; oder: da dieses Haus sollte man neu aufbauen.... Gibt sogar noch einen Backofen... Sieh mal, die alten Olivenbäume tragen noch... Eine hauseigene Quelle.. kuck mal...

So geht es bis zur nahenden Dämmerung , dann fahren wir zurück in unsere gemütliche Unterkunft.

Sonntag

Sonntags ist hier Männertag. Schon in der früh hört man die Motoren der starken Geländewagen aufheulen und das Bellen der Jagdhunde im Dorf. Mir scheint, das alles, was an männlicher Bevölkerung eine Waffe tragen kann raus auf die Jagd geht. Dabei steht, wie ich beobachten konnte, nicht sosehr das schießen im Vordergrund (außer einigen Rebhühnern gibt´s hier auch nicht viel zu jagen) sondern mehr das Zusammensein. Man fährt in´s Gelände, schultert seine Flinte, lässt die Hunde laufen und sitzt meist schon bald an irgendeinem Feuer zusammen, isst, trinkt und klöhnt...
Ab und an hört man dann zwar ein paar Schüsse knallen, aber obwohl wir heute auch zeitig raus gefahren sind um endlich unsere Inselumrundung zu vollenden, Beute kann ich bei keiner der zahlreichen Grüppchen von Jägern nicht erkennen.

Wir bewegen und quasi mitten im Jagdgebiet zwischen den Jägern. Bei uns Zuhause würde das mehr als böse Blicke auf sich ziehen. Hier wird uns freundlich zugewinkt und wir winken freundlich zurück.

Trotzdem ist es Gabi ein wenig mulmig geworden. Nicht nur, weil wir zwischenzeitlich wirklich off-road fahren und manchmal nicht zu erkennen ist wo der Weg weitergeht, sondern weil es plötzlich links und rechts von uns knallt und man niemanden sieht.

Die schießen doch nicht auf uns --- oder...?!
Keine Angst, Touris sind meines Wissens nach (noch) nicht zum Abschuß freigegeben, versuche ich sie zu beruhigen.

Schießlich finden wir an der Nordküste ein ideales Rastplätzchen für die Mittagspause. Eine Klippe aus versteinerten Korallen über mehrere hundert Meter lang und etwa 25 Meter hoch.
Laufen kann man darauf nicht weil das Ganze auch nach Jahrtausenden noch viel zu scharfkantig ist, aber man hat einen wunderbaren Blick und wieder mal den Eindruck völlig alleine zu sein.

Wir spinnen in Gedanken die Fäden zurück in eine Zeit wo man hier mit ständigen Überfällen der Araber rechnen musste. Vielleicht ist ja die Ruine dort aus dieser Zeit? Das alte Kloster jedenfalls, das am Kap der Insel die Jahrhunderte überdauert hat könnte bestimmt so manches erzählen.
Und stell Dir die Schiffbrüchigen vor, die hier an Land mussten, sagt Gabi zu mir. Das ist gar nicht möglich, jedenfalls nicht ohne schwerste Verletzungen, sage ich. Die Korallen sind so scharf und spitz das ein menschlicher Körper regelrecht zerfetzt würde beim Versuch hier schwimmend bei Wellengang anzulanden.

Jetzt ahnen wir, warum diese Küste - wie überhaupt alle Küsten mit Korallenbänken - so gefürchtet bei den Seglern nicht nur der Vorzeit sind. Und auch für uns gestaltet sich die Weiterfahrt spannend, denn wir müssen eine kurze Strecke über versteinerte Korallen hinweg. Dieser alte Trail hat es in sich. Gaaaaanz vorsichtig werden die spitzesten Blöcke die aus dem Boden herausragen umfahren, aber allen kann man halt nicht ausweichen. Mir stehen bald zahlreiche Schweißperlen auf der Stirne wenn ich an unsere Reifen denken. Das wäre echt uncool, hier mitten in der Wallachhei eine Panne... (hab ich überhaupt einen Wagenheber dabei..?)

Vier Stunden später, als wir wieder die Teerstraße erreichen, können wir durchatmen. Hat sich prima gehalten und kleiner Jeep; keine Panne und Benzin ist auch noch im Tank. Dafür ist er schön schmutzig geworden und sieht nicht mehr nach Mietwagen, sondern richtig zünftig nach Geländewagen aus. Nu erst mal ausgiebig Zigarettenpause gemacht und die durchgerüttelten Knochen sortiert.

Leider geht mit dem heutigen Tag unsere Woche Karpas-Halbinsel zuende. Zur Feier des Tages wird einmal richtig fürstlich im Restaurant essen gegangen. Ein frisches Tunfischsteak reizt uns zwar, der Koch hackt den 1,5 Meter großen Fisch gerade so schon in Stücke, dann wird es aber doch ein zünftiges Kebap mit reichlich Metze (kl. Vorspeisen), die wir uns antun, bis der Bauch richtig voll ist.
Eine letztes Kaminfeuer und rundherum wohl fühlen im bequemen Sessel beendet vorläufig diesen Ausflug in den abgelegensten Teil der Insel Zypern.

© Aaliyah Pappas, 2009
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: Dezember 2009
Dauer: unbekannt
Heimkehr: Dezember 2009
Reiseziele: Zypern
Der Autor
 
Aaliyah Pappas berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aaliyah über sich:
Wir haben alle den gleichen Himmel aber einen unterschiedlichen Horizont


Im Laufe der Jahre wurde meine Aversion gegen irgendeine Form von Pauschaltourismus immer größer. Seitdem versuche ich an Orte zu gelangen, an denen man möglichst keine Touris antriff. Hoffnungslos? Na,ja ein paar gibt´s schon noch...
Nord-Zypern ist so einer davon. Daher für´s erste mal einen frischen Reisebericht eines befreundeten Ehepaares. Wer lust hat, dorthin zu reisen, möge mich kontakten.