Grenada-Reisebericht :Karibikkreuzfahrt unter vollen Segeln

Grenada zum Unabhängigkeitstag

Sonntag, 4. Februar 2007

Aber Hugo sagt auch Wetterbesserung voraus, je weiter man nach Süden kommt. Heute müssen wir zwar noch mit Schauern rechnen, aber zum Segeln bei frischem Wind bleibt auch Gelegenheit genug. Die nutzen wir sofort für 16 Meilen nach Carriacou, wo wir hinter Sandy Island Mittagspause machen und AnnMarie uns ihren Sonntagskuchen präsentiert. Wolfgang nutzt die Zeit zum Schorcheln und im nächsten Schauer sammelt Sigi so viel Wasser, dass die Brauchwassertanks überlaufen und er in drei 20-Liter Kanister noch etwas umfüllen kann. Die letzten 4 Meilen segeln wir dann noch zur Tyrell-Bay auf Carriacou, wo nach dem Ankerbier Flaute einkehrt und wir schon vom Cockpit aus den Duft des Sonntagsrollbratens aus der Küche inhalieren können. Klar, dass heute ein Rotwein mehr fällig ist und wir schon um 21.30 in den Kojen liegen.

Montag, 5.Februar 2007

Heute steht mal wieder eine längere Strecke an, nämlich etwa 32 Meilen bis zur Hauptstadt von Grenada, St. George. 8.30 h heißt es Anker auf und mit halbem Wind rauschen wir südwärts. Schon mittags sind wir da, aber haben uns - eine neue Angewohnheit - schon um 11 Uhr unseren 11-Uhr-Drink genehmigt. Dem folgt das Ankerbier nun schon etwas abrupt, und noch während wir dabei sind, macht ein Dinghy bei uns längsseit fest mit Norbert, einem deutschen Skipper, der zur Zeit für ein österreichisches Reisebüro hier Chartergäste auf einem Katamaran fährt. Ihn hat das Pech verfolgt, als er mit seinem eigenen Boot zwischen den Testigos und Grenada Motorschaden hatte und als Seenotfall in die Testigos eingeschleppt werden mußte. Dort war er dann eine Woche Staatsgast der venezolanischen Marine, wurde gut versorgt, aber war auf seinem Boot gefangen. Wolfgang, Werner und mich kannte er noch als Gäste auf der LORELEY im Jahr 2000!

Nach einem Bad vor der Küste senkt sich die Sonne langsam, brennt nicht mehr so stark, so dass es Zeit wird für einen Landgang mit Einkehr im Segelclub. Da kommen wir gerade richtig zur Happy hour: Doppelte Menge zum einfachen Preis für diverse rumhaltige Drinks. Das muß man natürlich ausnutzen. Nach gut einer Stunde finden wir den Weg zum Dinghy nur mit Mühe, aber irgendeiner schafft es auch, den Motor anzulassen und uns zur AMBASSADOR zurückzubringen, wo Sigi schon den Bordgrill angeworfen hat und uns fürstlich mit gegrillten Schweinekoteletts überrascht. Statt Wein bevorzugen wir heute Bier zum Abendessen!

Dienstag, 6.Februar 2007

St.George ist einen Besuch wert, zumal Sigi auch wieder Vorräte kaufen will. Morgen ist Nationalfeiertag in Grenada, da müssen wir alles Geschäftliche heute erledigen. Wir sehen zwei große Kreuzfahrtschiffe an der neuen Außenpier anlegen, kurz darauf läuft eine britische Fregatte zum Staatsbesuch ein, später ein venezolanisches Militärboot, das sogar Salut zur Begrüßung schießt! In der Stadt herrscht buntes Treiben, die Landesfarben rot gelb und Grün und die bunten Nationalflaggen beherrschen alle Straßen. Die Schulkinder haben sogar landesfarbige Kleidung und marschieren singend durch die Stadt "God save our nation". Auf dem Gewürzmarkt ist das Angebot erdrückend, aber die Preise so hoch wie bei uns, die Touris scheinen es nicht zu merken und kaufen munter ein, immer gleich im Set. Ich beschränke mich auf einen Beutel frische Muskatnüsse, weil sie so schön duften, zu Haus wird Gaby mich fragen, was sie denn mit so viel Nüssen soll!

Endlich gelingt es uns auch, an einem Marktstand frische Kokusnußmilch zu trinken. Mit einem gezielten Machetenschlag haarscharf an ihrem Daumen entlang öffnet uns die Verkäuferin eine grüne Nuß. Nachdem wir sie ausgetrunken haben, zerkleinert sie die weichen weißen Innenteile und gibt sie uns für unterwegs zum Naschen mit. Das ersetzt fast schon ein Mittagessen, und so beschränken wir uns anschließend in einem Restaurant über dem Hafen auf Getränke. Jonas erklimmt noch die Festung und entdeckt dabei auch eine Kirchenruine, die vom Hurrikan 1999 zerstört und bis heute noch nicht wieder aufgebaut wurde. Der moderne Fischmarkt wurde von Japan spendiert, als Dank stimmte Grenada dafür in der UNO für die Beibehaltung des Walfangs!
Trotz des riesigen Angebots an T-Shirts gelingt es uns nicht, für jeden eins zu bekommen. Ich werde für 8,50 US $ fündig und trage fortan ein blaues Hemd mit einer Seekarte der Karibik. Links unterm Hals sind wir gestartet, nun nähern wir uns schon fast dem Bauchnabel - der Urlaub neigt sich dem Ende zu! So fesch gekleidet, wagen wir uns dann in ein gutes Restaurant direkt am Wasser, trinken gutes Carib beer und beobachten die stundenlange Flaggenparade zum Sonnenuntergang auf den beiden Kriegsschiffen an der Pier. Besonders die Venezolaner machen eine Zeremonie daraus. 40 Minuten vorher stehen die Jungs stramm, bis endlich um 18.12 die Sonne sinkt und die venezolanische Flagge überlangsam zu den Klängen der Nationalhymne heruntergelassen wird.
An Bord hat Sigi heute bayerisch gekocht. Wir staunen, woher er hier echtes Sauerkraut und fetten Schweinerollbraten aufgetrieben hat. Es wird fast schon ein Gelage, erst fließt Bier, danach der Wein in unbekannter Menge. Wir schaffen es nicht, bis Mitternacht aufzubleiben, so werden wir punkt Null Uhr von einem Feuerwerk aus dem Schlaf gerissen, das den grenadischen Unabhängigkeitstag einleitet.

Mittwoch, 7. Februar 2007

Wenn heute an Land ohnehin nichts los ist, bewegen wir uns lieber wieder auf See. Die Südspitze Grenadas ist zu runden, denn dahinter gibt es noch eine Reihe wunderschöner Buchten. 8 Seemeilen sind es zur Prickley-Bay. Von dort aus werden wir morgen oder übermorgen den großen Sprung nach Trinidad machen. Wir versuchen es so lange wie möglich mit Segeln. Nach Umrundung des Kaps spüren wir deutlich den Gegenstrom, gegen den wir beim Kreuzen kaum 3 Knoten schaffen. In der fast schon überfüllten Bucht findet Sigi noch eine Lücke zum Ankern, und nach dem Ankerbier kommen wir mit dem Dinghy etwas zu früh zur happy hour an Land. Wir wissen jetzt schon, dass happy hour nur bedeutet, dass es eine Stunde lang ein vom Wirt ausgesuchtes Getränk zum halben Preis gibt. Die Zeit langt also noch für einen kleinen Rundgang am Strand und durch ein feudales Resort zu den Siedlungen der Besserverdienenden in Grenada, bis wir an der Bar absacken können. Auf dem Parkplatz treffen wir auf einen gelben Kleinbus, dessen Fahrer "yellow man" uns anbietet, morgen für 20 US $ pro Person eine Rundfahrt durch die ganze Insel zu machen.

4 Leute hat er schon, deshalb könne er uns ein so günstiges Angebot machen. Ohne Sigi zu fragen, verabreden wir uns für morgen früh 9 Uhr mit ihm. Schon im Dinghy erzählen wir Sigi von unserem Plan für morgen und schlagen ihm vor, den Seetörn nach Trinidad besser über Nacht zu machen. Sigi hat nichts dagegen, und so kommt nun noch richtiger Erlebnisurlaub auf uns zu !

Donnerstg, 8. Februar 2007

Pünktlich 9 Uhr warten wir auf "Yellow man" und mit uns ein paar Schweizer Yachtcharterer, die ihren letzten Tag heute mit der Inselrundfahrt beschließen wollen. Yellow man scheint alle Inselbewohner zu kennen. Immer wieder hält er kurz an, begrüßt Leute am Wegesrand lautstark und sie erwidern den Gruß begeistert "Hey Yelloow Man". Als es kurz vor St. George zu regnen beginnt, ändert er die Fahrtroute und umgeht die Regenwolke auf steilen Nebenstraßen. Er zeigt uns eine englische Privatpension vom feinsten, in der uns alle Gemächer, die Tagesräume und der einmalige Blick auf das Meer gezeigt werden. Sie liegt so versteckt, dass wir sie allein nicht gefunden hätten und auch wohl nie selbst wiederfinden würden. Dann geht es rüber an die Ostküste, vorbei an einer stillgelegten Rumdestille, an der wir einen kurzen Fotostopp einlegen. Plötzlich biegt er zwischen Schrebergärten rechts steil in einen Matschweg ein, der an einer Traumbucht mit einem kleinen Hotel endet, nach wenigen Kilometern noch einmal ein Abstecher zu einer Hotelkategorie höher in tropischem Urwald und einer Bucht mit atlantischer Brandung. 100 % Luftfeuchtigkeit ist hier, die Gäste sitzen daher im klimatisierten Salon! Weiter an der Ostküste nach Norden kommen wir ins ursprüngliche Grenada, Touristen mieten sich hier kaum ein.

Yellow man führt uns in ein kleines Restaurant, wo wir ein reichliches typisches karibisches Essen bekommen. Draußen wird noch immer Unabhängigkeitstag gefeiert, Schulklassen ziehen mit Musik in ihren Uniformen zum Sportfest, gute Gelegenheit noch einmal zum Fotografieren. Der verfallene Militärflughafen, den die Amis in den Neunziger Jahren zu einer Invasion in Grenada genutzt haben, wird kurz durchfahren - jetzt lassen Jugendliche hier ihre Modellflieger starten. Dann besichtigen wir eine echte Rumdestille , die voll in Betrieb ist. Technik des 19. Jahrhunderts, schwere körperliche Arbeit, ein strenger Duft - am Ende eine Kostprobe, die einen bei den Temperaturen fast umwerfen kann. Werner kauft eine Flasche 69 %igen als Souvenir, das wir in den nächsten Tagen aber in Konsum umfunktionieren werden. In den Kakaoplantagen finden wir eine kleine Schokoladen"fabrik", die sich auf Schokolade mit besonders hohem Kakaoanteil spezialisiert hat. Preislich kann man wohl nicht mit dem Weltmarkt konkurrieren, aber der Verkauf an Besucher deckt wohl eine Marktnische ab. Auch mit Bananen läßt sich kein Geld mehr machen. Überall werden Plantagen und brachliegende Bananenfelder zum Kauf angeboten. Es soll Leute genug geben, die auf einen fortgesetzten Bauboom spekulieren und den Tourismus noch weiter forcieren wollen.

Es wird Zeit für den Rückweg ! Er führt durchs Hochland durch tropischen Regenwald an einen kleinen Kratersee (Grand etang), leider strömt der Regen auch, so dass wir aufs Aussteigen verzichten. Yellow Man läßt nichts aus, was uns noch zu zeigen wäre, zum Beispiel ein Fundament einer Kirchenruine auf einer kleinen Paßhöhe. Die Kirche wurde 1999 von Hurrikan komplett weggeweht und ein 1000jähriger Baum büßte die Hälfte seines Geästes ein; im Urwald sehen wir noch Schneisen totaler Zerstörung, dort gibt es keine hohen Bäume mehr. Zum Schluß führt er uns noch an einen Wasserfall, den wir wegen der fortgeschrittenen Zeit sogar ohne Eintrittsgeld besuchen dürfen und kurz nach Sonnenuntergang läßt er es sich nicht nehmen, uns noch auf einen Aussichtshügel über St. George zu karren, wo wir jede nur erdenkliche Abendsilhouette fotografieren konnen.
Sigi hat inzwischen über zwei Stunden am Ufer auf uns warten müssen und hat sogar der happy hour an der Bar tapfer widerstanden. Kein Wort des Vorwurfs, dass wir so spät sind, aber yellow man hatte es ja wirklich gut mit uns gemeint. Hungrig kommen wir an Bord, springen vom Dinghy schnell an die Futtertöpfe, als plötzlich der Schrei ertönt: unser Dinghy ist weg! Gut hundert Meter hinter uns treibt es, Sigi stürzt sich sofort mit Schwimmflossen ins Wasser. Wir können weder Sigi noch das Dinghy im Dunklen ausmachen, hören nur seinen Schrei "Ich hab's". Gott sei Dank ist hier in der Bucht Flaute, sonst hätten wir keine Chance gehabt, es wiederzubekommen. Wir rekonstruieren, wie es denn dazu kommen konnte und der Vorwurf trifft mich, denn ich war mit der Leine in der Hand als erster an Bord gekommen. Weshalb ich den Schnappschäkel der Festmachleine nicht eingeklinkt hatte, bleibt mir für immer ein Rätsel......
Unser Weinkontingent fällt heute aus, denn für 21 Uhr ist der Start zur Nachtfahrt nach Trinidad angesetzt. 77 Meilen auf 190 Grad liegen vor uns, bei dem vorherrschenden Ostsüdost müßte das ein schöner Halbwindkurs werden. Die Unbekannte ist der nach Westen setzende Strom. Bei wenig Wind müssen wir viel vorhalten, bei gutem Wind weniger. 170 Grad hat die erste Wache zu halten, als es etwas abflaut, gehen wir auf 155 Grad.

englischer und venezolanischer Flottenbesuch zum Unabhängigkeitstag in Grenada

englischer und venezolanischer Flottenbesuch zum Unabhängigkeitstag in Grenada

Kunstgewerbemarkt in St.George auf Grenada

Kunstgewerbemarkt in St.George auf Grenada

God save our nation ! Grenada feiert Unabhängigkeitstag

God save our nation ! Grenada feiert Unabhängigkeitstag

Solche Tische weht auch kein Hurricane weg

Solche Tische weht auch kein Hurricane weg

Yellow man mit yellow taxi

Yellow man mit yellow taxi

Fromme Sprüche draußen an einer Kneipe....

Fromme Sprüche draußen an einer Kneipe....

......und Obszönes innen

......und Obszönes innen

Tropische Pracht vor einem Hotel

Tropische Pracht vor einem Hotel

Privatpension in englischem Landhausstil mit Blick über St. George

Privatpension in englischem Landhausstil mit Blick über St. George

Die sportliche Jugend tritt zum Unabhängigkeits-Sportfest an

Die sportliche Jugend tritt zum Unabhängigkeits-Sportfest an

100 Jahre bewährte Technik zur Rum- herstellung

100 Jahre bewährte Technik zur Rum- herstellung

In der Rumdestille

In der Rumdestille

Zum Finale Fotopause von Grenadas schönstem Aussichtspunkt!

Zum Finale Fotopause von Grenadas schönstem Aussichtspunkt!

© Manfred Sürig, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach 7 Jahren mal wieder zum Segeln in die Karibik, mitten im hiesigen Winter. Es sollte eine Traumreise werden, und dieses Mal wurden alle Erwartungen erfüllt und übertroffen dank der Umsicht, Toleranz und liebevollen Bewirtung durch des Eignerehepaar der AMBASSADOR.
Details:
Aufbruch: 21.01.2007
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 14.02.2007
Reiseziele: Martinique
St. Lucia
St. Vincent und die Grenadien
Grenada
Trinidad und Tobago
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad