Kuba-Reisebericht :Rund um die Welt in 365 Tagen

Cuba 05.05.06 - 05.06.06: Cuba 28.05.06 - 05.06.06

So die Sprachschule ist hinter mich gebracht und ich denke habe genuegend mitbekommen um mich durch Suedamerika durchzuschlagen. Aber ersteinmal geht es noch eine Woche durch Cuba. Hiebei stehen im wesentlichen drei Alternativen der Fortbewegung zur Moeglichkeit.
1. Trampen macht hier jeder, man steht an der Ampel und wartet bis diese auf Rot springt und fragt dann ob das Auto, Bus oder LKW in die gleiche Richtung faehrt wie man will. Mitnehmen muss einen jeder der ein Auto mit blauen Nummernschild hat. Zumindest wenn man Cubaner ist. Diese Alternative scheidet fuer mich demnach aus da kein Cubaner, nicht fliessend genug in Spanisch und meistens bleiben die Autos bei Ueberlandfahrten auf halber Strecke mit irgendeinem Problem liegen und stellen somit keine wirkliche Alternative da.
Also Moeglichkeit 2. Bahnfahren hoert sich eigentlich am sympatischsten an. Nur warnt einen jeder Cubaner davor da diese mit den gleichen Problemen zu kaempfen hat wie die Privatfahrzeuge. Sie bleibt einfach zu haeufig liegen.
Demnach bleibt nur noch alternative 3. der Reisebus. Habe ich in den anderen Laendern ja auch hauefig genug benutzt. Diese sind zumindest wenn man die Touristenbusse nutzt komfortabel und man bekommt meist einen Platz, da man ja in Convertiblen und nicht in der Monea National zahlt. Die Cubaner kriegen den Platz im gleichen Bus zur einheimischen Waehrung und zahlen somit nur ein 25igstel des Preises den die Touristen zahlen muessen. Ob das wirklich gerechtfertigt ist, das man als Tourist so viel mehr zahlen muss? Insgesamt ist Cuba kein guenstiges Reiseland. Unterkuenfte liegen meist so um 20 EUR und Mahlzeiten ab 8 EUR. Die einzige Moeglichkeit bei den Mahlzeiten ein wenig zu sparen besteht wenn man sich bei den kleinen Hauseingangsverkaufsstellen etwas zu essen holt.

Allerdings gibt es hier meist nur eine Art Minipizza oder ein Broetchen mit Boulette und diese Auswahl kann man sich ganz schoen schnell sattessen.


Als erstes Ziel stand Playa Giron auf dem Plan, den meisten wohl eher als die Schweinebucht bekannt. Sobald man sich dieser auch nur entfernt naehrt sind die Strassenraender mit Plakatwaenden und Schildern bepflastert, die ueber den Sieg ueber die USA bei deren Invasion Triumphieren.

Denn dieser Sieg hat sich gemeinsam mit Che Guevara in die Psyche der Cubaner eingebrannt. Und insbesondere letzterer wird immer noch als Nationalheld verehrt. Ansonsten ist Playa Giron ein eher abgelegens Nest vernab von jeglicher Hektik. Ein Linienbus kommt nur zweimal die Woche am Wochenende an. Ansonsten muss man sehen das man mit irgendeinem Lastwagen in die naechste rd. 80 km entfernte, groessere Stadt kommt. Aber hier angekommen ist man Cuba sicherlich ein ganzes Stueck naeher als in Havanna mit seinen wenn auch dem Zerfall preisgegebenen ehemals schicken Hauesern. Meist eingeschossige Betonbauten die sich tagsueber fuerchterlich aufheizen, dafuer aber auch die Nacht ueber schoen warm bleiben. Und das wo auch Nachts die Temperaturen selten unter 20 Grad fallen. Aber hier und da sieht man auch andere Bauten. Auch Fertigteilbetonbauten jedoch nicht Typ 70 oder 90 aus der ehemaligen DDR. Scheinbar wurden die Bauformen hier nicht bruederlich geteilt.

Die Versorgung in diesen laendlichen Gegenden erfolgt noch weitestgehend durch den zentralen "Konsum" bei dem es fast alles was man per Lebensmittelkarte erhalten kann auch bekommt. Also fast gar nichts. Das Leben ist hier dementsprechend sehr einfach. Aber fuer mich eine wunderbare Gelegenheit bzw. Pflicht Spanisch zu sprechen denn englisch konnte hier keiner. (Habe mich ganz wacker durchgeschlagen)
Daneben gibt es aber auch die typischen Karibikstraende an die man eigentlich bei Cuba denkt.

Und herrliche Tauchgebiete wo man wirklich ganz fuer sich ist und keinen andere als seinen Buddy unter Wasser zu sehen bekommt.
Aber auch hier will man einen Nachttauchgang oder in Hoehlen tauchen scheitert dies wahrscheinlich daran, das keine Lampen vorhanden sind und diese auch nicht organisiert werden koennen. Schade.
So sollte es nach einigen Tagen von Playa Giron aus ueber Trinidad, Santa Spiritus (nein hier wohnt nicht der heilige Alkohol) und Santa Clara zurueck nach La Havanna gehen.
Nachdem die Abfahrt aus Playa Giron gut verlaufen war (morgens um 4.30 Uhr auf der Ladeflaeche eines LKW zur naechsten groesseren Stadt, war man in Trinidad zurueck in einer der Touristenhochburgen Cuba's die aus einem mir unerklaerlichen Grund in jedem Tourenpaket der Pauschaltouristen vorkommt. Dann eigentlich ist Trinidad eine typische Kleinstadt in Cuba, nur das die Haeuser ein bischen bunter als in den anderen Staedten angemalt und vielleicht ein wenig besser erhalten sind.

Auf dem letzten Bild werden keine Menschen in den Hausern gefangen gehalten.
Meist sind die Fenster vergittert, so das man diese tagsueber offen lassen kann, ohne das etwas geklaut wird und abends stehen dann die Bewohner hinter diesen Gittern und unterhalten sich so von Haus zu Haus fast wie im Knast von Zelle zu Zelle
Neben dem durchstoebern der Stadt was bei den schwuelen Temperaturen um die Mittagszeit fast eine Hoechstleistung darstellt stand noch ein Ausflug zu den Zuckerrohrfeldern auf dem Programm, auf denen wohl der ehemalige Reichtum Cubas im wesentlichen zurueckzufuehren ist. Und dafuer stand ein besonderes Schmankerl auf den Programm. Denn die Fahrt dahin erfolgte mit einer Dampflok aus der Jahrhundertwende (okay okay extra fuer die Touristen wieder instandgesetzt ansonsten fahren schon moderne Eisenbahnen in Cuba)

Und wie auf dem Land so frueher ueblich und hier immer noch aktuell erfolgt der ueberweigende Transport mit dem Pferd. Sei dies als Reiter oder per Kutsche.

Sollte dies ein erster Vorgeschmack auf Argentinien sein?

Im Uebrigen sind dies neben laufen und dem Fahrrad die am weitest verbreiteten Nahverkehrsmittel in den Staedten. Wohl mit Ausnahme mit La Havanna und Santiago de Cuba. Die anderen Staedte waren eher unspektakulaer, nur das gerade in jeder der Staedte ein Musikfestival war, was die Abende erheblich bereichert hat. Mittlerweile kann ich etliche der Salsastuecke fast mitsingen war aber immer wieder herrlich mit anzusehen wie die Leute bei dieser Musik aufgehen.
Als letztes, vor der Ankunft in La Havanna stand noch der Besuch des Mausoleums des Nationalhelden Che auf dem Programm. Und hier wird fast so ein Tumult wie beim Grab von Ho Chi Minh in Vietnam gemacht.

Alles weitraeumig durch Militaer gesichert, Fotos durfte man auch nicht machen nur der freundliche Soldat der einen darauf hinweist das man gefaelligst die Haende aus den Taschen zu nehmen hat hat gefehlt.


Was ich noch vergessen habe oder was zu keiner Stadt dazupasst.
Der Sport in Cuba
Was in Deutschland und Brasilien der Fussball ist, ist in Cuba Baseball. Sobald es auf den Abend zugeht und die Temperaturen etwas abnehmen sieht man ueberall auf den Strassen Kinder und Erwachsene Baseball spielen. Meist nur mit einem alten Besenstil als Schlaeger und als Ball dient der Kronkorken einer Flasche. Aber so haben sie es weit gebracht. Zumindest sind oder waren sie (da bin ich mir nicht ganz sicher) Weltmeister und da haette ich doch eher auf die USA getippt. Aber haben wir in Deutschland oder in Brasilien als diese Fussballmanschaften noch unangefochten an der Spitze standen nicht ebenso angefangen und nicht nur nach den hoechsten Abloesesummen geschielt. Mal sehen wer die Cup dies Jahr holt lange ist es ja nicht mehr hin.

Das Jahr der Revolution und Elektrik
Jedes Jahr steht hier unter einem besonderen Motto. Das dies Jahr das Jahr der Revolution ist, ist einfach am Jahrestag zu erkennen. Interessanter ist da schon das Jahr der Elektrik. Die meisten elektrischen Gegenstaende sind hier von annoknipso. Und so hat der Staat beschlossen, im grossen Umfang elektrische Geraete in Privathaushalten umzutauschen. In der Zeit wo ich da war wurden gerade die Kuehlschraenke und Ventilatoren getauscht. Da geht dann immer alt gegen neu. Wer nichts hat kann auch nichts tauschen ist doch klar. Der Tausch der Kuehlschraenke bedurfte dabei einer besonderen Kontrolle. Kamen die LKW-ladungen in den Staedten an, wurden diese ersteinmal durch das Militaer gesichert und dann durch dieses verteilt. Nach welchen Schema, oder ob etwas zugezahlt warden musste konnte ich leider nicht herausfinden. Obwohl ich auf meine Fortschritte im Spanisch stolz bin, ging die dann doch ueber meine Faehigkeiten hinaus.

Die Regenzeit
Leider viel mein Aufenthalt in Cuba mitten in die Regenzeit, so dass die letzten zwei Wochen regelmaessig zu den Nachmittagsstunden sinnflutartige Regenfaelle zu verzeichnen waren. Zum Glueck hoehrten diese dann in der Regel nach 2 h auf und die Sonne kam wieder heraus. Auf die Temperaturen hatte dies jedoch keinen Einfluss. Nur das man besser daran tat, sich zu dieser Zeit in ein Cafe zu verkruemeln. Und wenn man dann noch ein Buch gehabt haette... mein letztes englisches Buch war leider bereits nach einer Woche ausgelesen und ersatz gibt es nicht.

Zurueck in Havanna bliebt mir dann noch ein Tag die Sachen die ich dort zurueckgelassen hatte wieder in den Rucksack zu manoevrieren und mich noch ein wenig auf Argentinien vorzubereiten. Der Weg dorthin gestaltet sich ja leider etwas schwierig. Ersteinmal Cuba Mexiko dort einen Tag Aufenthalt da es keinen direkten Anschlussflieger gibt und dann weiter ueber Sao Paulo nach Buenes Aires von wo ihr dann das naechste mal etwas von mir hoehren werdet. Und das mit einem ordentlich Steak im Magen denn Kuehe dienen in Cuba ausschliesslich der Sicherstellung der ohnehin nur sperrlich vorhandenen Milchversorgung keinesfalls aber dem Verzehr ;-(

Der Aufenthalt in Cuba hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wenn auch kein Land in dem ich leben moechte oder koennte (wollen mich als Schreibtischtaeter gar nicht haben) ist es neben Korea vielleicht mit eins der letzten Laender an dem der Kommunismus noch am weitesten am Leben ist aber keinesfalls funktioniert. Wenn bereits eine zweite Waehrung im Land vorhanden ist ... Aber wer weiss was passiert wenn Fidel doch eines Tages nicht mehr Cuba in Schach haehlt. Die Cubaner wollten sich zu dieser Frage nicht aeussern und suchten Auswege wie "darueber machen wir uns erst gedanken wenn er tot ist". Und das kann bei diesem zaehen Buerschchen vielleicht ja noch eine ganze Zeit lang dauern. Sein gefuerchteten Fernsehansprachen (meist um die 3h) haellt er mit seinen 80 Jahren immer noch gut durch, so das er sicherlich die Amtsperiode des jetzigen Praesidenten der USA ueberleben wird.

Also hasta luego e ves en Argentinia

© Markus Kloss, 2005
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Die Reise

 
Worum geht's?:
in 20 h werde ich mich auf den Weg machen, den Weg die Welt zu erkunden und neue Eindrücke zu gewinnen. Mein Ziel ein Jahr lang einmal Rund um die Welt (rechtsherum) nein nicht mit dem Boot sondern per Flieger, Bus den Füßen und was noch alles dazu kommen mag und später sagen zu können „Träume nicht dein Leben sondern lebe deinen Traum“. Damit der Kontakt zu Euch nicht ganz abreißt werde ich regelm. diese Seite um die neu gewonnen Eindrücke aktualisieren. Keep in touch Markus
Details:
Aufbruch: 16.09.2005
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 13.09.2006
Reiseziele:
Weltweit
Nepal
Indien
Thailand
Laos
Vietnam
Kambodscha
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Kuba
Mexiko
Argentinien
Chile
Bolivien
Peru
Ecuador
Brasilien

Der Autor

 
Markus Kloss berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Markus über sich:
Auf dieser Seite möchte ich euch während und nach meinen Reisen an den gewonnen Eindrücken in Text- und Bildform teilhaben lassen und hoffe, dass euch meine Berichte gefallen werden.
Aus dem Gästebuch (3/130):
anonym 1328398752000
Hal­lo
­
Der Greif­vo­gel bei Ushuaia war ein Ca­ran­cho (Gei­er­fal­ke)­.
http://you­tu.­be­/U­xaiHkLjrtM
Bernd 1324490494000
Hi Mar­kus­,
es ist immer wieder schön die "alten" Rei­se­berich­te zu lesen. Da kommt man glatt ins Grübeln ...
LG
Bernd
Stina 1283455015000
Moin, Markus,
Er­stmal, res­pekt, ich träum schon mein ganzen leben von einer 365 tage reise. Was du gesehen hast, ist wir­klich er­staun­lich. Ich selbst war dieses jahr noch im Cu­ya­beno na­tio­nal park und habe dort mit einem prog­ramm der UNESCO den ein­hei­mischen Tribes ge­hol­fen. Hast du dort noch einen Scha­ma­nen gese­hen? das inter­re­siert mich wir­klich, da nicht viele leute deren wahre aus­strah­lung je zu gesicht be­kom­men­..
Mach weiter so, und danke nochmal für die tollen beit­räge!­
Chris­ti­na.