Kuba-Reisebericht :searching for a better summer

Kuba

Varadero

Bienvenidos a Cuba...

Wie hätte es auch anders sein sollen, aber auch diesmal hat es wieder eine Portion Glück erfordert, damit wir den Flug von Frankfurt nach Varadero noch rechtzeitig erwischen konnten.
Los ging´s diesmal schon um kurz nach fünf morgens, damit wir rechtzeitig zwei Stunden vor Abflug am Flughafen ankommen. Das hat trotz der knapp 3 Stunden Fahrt mit Bus und Bahn auch sehr gut funktioniert, jedoch hätten wir nicht damit gerechnet, in einer gefühlten 500 m langen Schlange pensionierter deutscher Pauschalurlauber zu landen, die alle darauf warteten ihr Gepäck am Schalter von Condor aufgeben zu können.
Eigentlich hätte uns spätestens da klar werden sollen, was uns die nächsten drei bis vier Wochen bevorsteht.
Jedenfalls war die Schlange noch ziemlich lang und wir ziemlich weit hinten. Als wir nach über einer Stunde des Wartens dann feststellten, dass hier nicht nur der Flug nach Kuba, sondern sämtliche Flüge der Condor abgefertigt wurden, verspürten wir plötzlich das dringende Bedürfnis, doch mal nachzuhaken ob wir noch „in time“ sind. Mittlerweile noch eine dreiviertel Stunde bis zum Abflug bekamen wir ziemlich barsch von einer genervten Frau hinter dem Schalter mitgeteilt, dass längst alle Fluggäste am „Gate“ seien und der Flug doch oft genug ausgerufen worden wäre. Wir haben beim besten Willen nichts gehört und dem Befehl der Angestellten, schnellstmöglich und ohne Umwege zum Sicherheitscheck zu gehen, ohne Widerrede Folge geleistet und sind prompt losgerannt. Hat dann auch alles noch hingehauen, jedoch bekamen wir keine Plätze nebeneinander, was bei dem 12 Stunden Flug irgendwie schon ein bisschen nervig und bis jetzt auch noch nie vorgekommen war.
Dies in Kombination mit der unfreundlichen Angestellten am Schalter und den teils arrogant wirkenden Stewardessen im Flugzeug, ließ uns schnell zu der Überzeugung kommen, beim nächsten Mal doch besser mit ´ner anderen Airline zu fliegen.
In Kuba angekommen, ging dann alles etwas gemächlicher entsprechend des karibischen „Lifestyles“ von statten und so durften wir nach langem Warten auf den Stempel für den Reisepass endlich irgendwann aus dem kleinen und überschaubaren Flughafen. In der Zwischenzeit hatten wir schon ein anderes Pärchen gefunden, mit denen wir das Taxi ins ca. 20 km entfernte Varadero teilen konnten, das mit teuren 35 Cuc (cubanos convertibles, die beinahe leider eins zu eins zum Euro umgerechnet werden), gleich mal die wegweisende Richtung für die uns bevorstehende Zeit auf Kuba vorgeben sollte. Das Kuba teuer werden würde, war uns zwar ansatzweise bewusst, dass es hier jedoch teilweise teurer als zuhause ist, damit hätten wir dann aber doch nicht gerechnet. Auf dem Weg in die Pauschaltouristenhochburg Varadero konnten wir schon einige der alten amerikanischen „Chevrolet´s“, „Pontiac´s“, Buick´s“ und „Plymouth`s“ sehen, für die Kuba so bekannt ist und die noch aus der Zeit vor der Machtübernahme Fidel Castros im Jahre 1959 stammen, als Kuba noch nicht sozialistisch war. Es scheint teilweise wirklich so als wäre hier die Zeit während der 50er Jahre stehen geblieben. Nicht nur wegen der Autos, sondern auch wegen des Kleidungsstils der kubanischen Frauen und den ganzen anderen Bildern, die man hier tagtäglich zu sehen bekommt. Auch ansonsten erfüllt Kuba alle gängigen Klischès mit seiner Riesenauswahl an Rum und Zigarren an fast jeder Ecke, den übertrieben lauten „Salsabeats“ aus nahezu allen Häusern, die von der Inneneinrichtung und den „Assecoires“ überwiegend identisch sind. Viel Plastik, Kitsch und stets zur Straße hin positionierte Bilder der Kinder, Großeltern usw., damit sich auch jeder Vorbeilaufende ein Bild von der im Haus lebenden Familie machen kann. Kuba erscheint nach wie vor sehr arm und spärlich bestückt, was einem beim Gang durch einen der wenigen Supermärkte und Kaufhäuser schnell klar wird. Prokuktvielfalt gibt’s hier gar nicht und man kann froh sein, wenn das gesuchte Produkt überhaupt verfügbar ist. Auf jeden Fall gibt’s Bügeleisen, Kühlschränke, Fernseher, Ventilatoren und überraschenderweise auch Coca Cola. Irgendwo meinen wir mal gehört zu haben, dass Kuba neben Nordkorea und Bolivien, das territoriale Dreigestirn ausmachen, wo es unmöglich sei Coca Cola kaufen zu können. Zwar gibt’s hier überall ne lokale und wesentlich günstigere Cola, aber einige wenige ausgewählte Shops können dann doch mit dem bekanntesten Getränk der Welt aufwarten.

Noch rarer ist die Verfügbarkeit von Geldautomaten, was uns im weiteren Verlauf unseres Kubaaufenthalts noch das ein oder andere Mal zum Verhängnis werden sollte.
Wenn man hier Geld braucht, geht man auf die Bank, händigt der Angestellten seine Kreditkarte aus, die dann wiederum die Abhebung für einen am Schalter übernimmt, was mit viel Bürokratie, einigen Unterschriften und viel Zeit und Geduld verbunden ist. Internetzugänge sind noch viel rarer und deren Nutzung konsequenterweise auch kaum bezahlbar. Bis jetzt haben wir einmal das „Wifi“ eines 5-Sterne Hotels in Anspruch genommen, in der Hoffnung unseren Weiterflug nach Peru bzw. Ecuador nach vorne zu verschieben. Die Stunde hat uns knapp 8 Euro gekostet und hinsichtlich solchen Wuchers, findet man sich schnell damit ab, die nächsten Wochen ohne „Whatsapp“, „Facebook“ oder „Skype“ klar zu kommen. Alles hier wirkt sehr kontrolliert und überwacht und man braucht eine Weile um sich an dieses fremdartige und irgendwie beängstigende Gefühl zu gewöhnen.
Woran wir uns bisher immer noch nicht gewöhnt haben, sind die unglaublich vielen älteren Touristen (im Schnitt um die 60 Jahre aufwärts), wovon der überwiegende Großteil aus Deutschland kommt.

Seit 2011 ist es den Kubanern erlaubt (da Fidel in diesem Jahr aufgrund von Altersschwäche das Zepter an seinen scheinbar innovativeren Bruder Raul Castro abgegeben hat), sog. „Casas Particulares“ an Touristen zu vermieten. Dies bedeutet, dass man ein Zimmer, manchmal auch einen etwas größeren Wohnbereich inmitten der Wohnräume der Familie hat und dadurch viel weniger als in den großen Hotelanlagen bezahlen muss. Trotzdem waren wir geschockt, als uns unsere Vermieterin „Dona Maria“ den Preis von knapp 35 Euro für unser erstes Zimmer mitgeteilt hat, was in Varadero laut ihr dem gängigen Durchschnitt entsprechen würde. (Im Nachhinein haben wir von anderen erfahren, dass das nicht gestimmt hat.)
Unser Spanisch ist noch immer etwas eingerostet und Gleiches gilt für das Englisch der meisten Kubaner, mit denen wir bisher im Kontakt waren. Schnell wird einem klar, warum sich hier in Varadero so viele Touristen tummeln. Ein mehrere Kilometer langer weißer Sandstrand und türkisblaues Meer auf beiden Seiten der kleinen Halbinsel nebst Palmen und einer immer angenehm sommerlichen Temperatur, lassen alles schon sehr paradiesisch erscheinen.
Nach zwei Nächten und einem fiesen Sonnenbrand, den wir uns hier gleich mal am ersten Tag gegönnt haben, war`s für uns höchste Zeit in`s hoffentlich billigere Trinidad zu flüchten.

der newspaperman bzw. dessen gefährt

der newspaperman bzw. dessen gefährt

streets of varadero

streets of varadero

© Alexander K, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vier Jahre nachdem wir nun von unserer ersten einjährigen Weltreise zurück sind, konnten wir dem Fernweh nicht mehr Stand halten und haben uns noch einmal dazu entschieden, für 12 Monate loszugehen. Dieses Mal steht folgende Route an: Istanbul - Kuala Lumpur - Sumatra - Nepal - Indien - Kuba - Ecuador - Peru - Bolivien - Argentinien - Urucuay - Brasilien
Details:
Aufbruch: 01.09.2014
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 10.09.2015
Reiseziele: Türkei
Indonesien
Nepal
Indien
Kuba
Ecuador
Peru
Bolivien
Brasilien
Der Autor
 
Alexander K berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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