Kuba-Reisebericht :Begegnungen in Kuba

Alltagsleben in Kuba in sw-Bildern. Die Bilder und Texte sind das Ergebnis von 6 Kubareisen in den letzten 10 Jahren.
Die Reisedaten beziehen sich auf die letzte Reise.

tiendas y comidas - Läden und Essen

tiendas y comida - Läden und Essen

Einkaufen ist in Kuba nicht einfach. In den normalen Geschäften, den tiendas, gibt es nicht viel. Man findet einige Gegenstände des täglichen Bedarfs und ein paar Lebensmittel: Reis, Bohnen, Mehl, Zucker. Öl und Konserven gibt es in diesen Läden nicht. Viele Dinge sind nur auf Lebensmittelkarten erhältlich, den libretas. Auf den Märkten sieht es etwas besser aus. Dort kann man Obst und Gemüse und Schweinefleisch kaufen, das in halben Schweinehälften angeliefert und auf offenen Theken zerteilt wird. Für uns, die wir Überfluss gewohnt sind, ist das Angebot sehr dürftig und die Präsentation sehr einfach. Lebensmittelläden sind oft dunkle Räume mit einer Theke, auf der eine uralte Waage steht und einer Wandtafel, auf der in Kreide die Angebote notiert werden, die man dann im Laden vergeblich sucht. Es gibt auch Ausnahmen, in einem Laden in Cienfuegos verteilte ein junges Mädchen große Mengen an Eiern in Eierkartons und die Bäckereien schienen mir auch immer gut bestückt zu sein. Morgens in aller Herrgottsfrühe gehen oder fahren mobile Brötchenverkäufer durch die Städte und rufen ihre Waren aus. An den Wänden der Läden findet man fast immer revolutionäre Parolen und man kann wetten, dass irgendwo Che Guevara auf die compañeros herab schaut, manchmal sogar noch Lenin.

Apotheken sieht man recht häufig, sie sind die ganze Nacht geöffnet. Wegen des akuten Mangels an Medikamenten, die aus dem Ausland bezogen werden, sind sie auf Naturmedizin spezialisiert. In den größeren Städten gibt es Kaufhäuser, besser gesagt größere Läden, in denen alles Mögliche angeboten wird. Matratzen lagern neben Autoreifen, Teppiche neben Möbeln, hier werden Lebensmittel verkauft, dort Kleider. Direkt an der Eingangstür lassen sich Kundinnen maniküren, kubanische Frauen legen großen Wert auf gutes Aussehen und in der hintersten, dunkelsten Ecke ist Kultur im Angebot, es gibt gebrauchte, abgegriffene Taschenbücher. Das wahre Paradies für Kubaner sind aber die Dollarläden, in denen man mit konvertiblen Pesos (CUCs) bezahlen muss, die man oft noch Dollar nennt und die den vielfachen Wert des nationalen Pesos (CUP) haben: 1 CUC = 25 CUP. In diesen Läden gibt es die Dinge, die für uns normal sind, von denen aber viele Kubaner nur träumen können: importierte Lebensmittel, Seife, Kosmetika, Kleider, Schuhe, Fernseher, Handys, alles, was man haben möchte, alles was man nur bekommen kann, wenn man CUCs hat. Das Niveau der Preise gleicht dem unseren, oft sind sie sogar höher und die schier unendliche Auswahlmöglichkeit, die uns die Wahl zur Qual macht, gibt es in Kuba nicht. Zu einer Zeit gibt es Sardinen, die Büchsen stapeln sich, aber kein Cornedbeef. Dann sucht man gerade Fischkonserven vergeblich, dafür gibt es obskures Büchsenfleisch aus Brasilien en masse. Trotz alledem, bilden sich vor den Geschäften lange Schlangen. Die Leute warten geduldig bis sich die Tür öffnet, dann dürfen so viele hinein, wie herausgekommen sind. Schlangestehen gehört zum Alltag, es ist Teil und Symbol der permanenten Mangelsituation.

Ökonomisch ist Kuba eine Zweiklassengesellschaft, die mit und die ohne CUCs. CUCs bekommt man, wenn man im Tourismusgewerbe arbeitet, wenn man weiß, wie der Kapitalismus im Sozialismus funktioniert oder wenn man Verwandt im Ausland hat. Wer das alles nicht hat oder kann oder kennt, ist wahrlich arm dran. Will man dennoch an die ersehnten CUCs ran kommen, wird man zum permanenten Anbieten aller möglichen Dienstleistungen gezwungen. Doch es ist nicht nur der Wunsch, sich ein paar Träume im Alltag zu erfüllen, nein, die pure Existenznot erfordert die Jagd nach CUCs, sozusagen als permanente Nebenbeschäftigung. Erst in jüngster Zeit ist diese Art von Minikapitalismus legalisiert worden. Eine Möglichkeiten an Geld zu kommen, ist der Straßenverkauf. Neben einer Eingangstür sitzt eine Frau mit selbst gebackenen Kuchen, hinter einem Fenster ein Mädchen mit fünf Dauerlutschern im Angebot. Ein kubanisches Straßencafé besteht aus einem kleinen Fenster, durch das man winzige Tassen schwarzen Kaffees erhält und als Snack werden in einer privaten Küche Pizzas gebacken. Handgeschriebene Zettel weisen auf Dienstleistungen und Kaufangebote hin. Neuerdings treffen sich die Leute auf dem Prado in Havanna und tauschen Wohnungen. Man sieht oft den Hinweis „se vende“ Verkauf oder „se permute“ Tausch an den Häusern. Mangel herrscht nicht nur in den Läden, auch Restaurants sind rar, sobald man die abgeriegelten Touristengebiete verlassen hat. Verhungern muss zwar niemand, im Gegenteil man sieht viele füllige Personen, aber Auswahl und Qualität des Essens sind für den Normalkubaner sehr bescheiden. Es gibt als Mahlzeit, die comida, entweder Bohnen mit Reis oder Reis mit Bohnen, cristianos y moros - Christen und Mohren genannt, daneben gebackene Bananen, Salate, Früchte, Eier und wenn es gut geht Huhn, pollo, das Leibgericht vieler Kubaner. In einem Provinzkaff wollte ich in einer Cafeteria Essen bestellen, die Verkäuferin hat nur gelacht. Im Angebot waren Zigaretten und Rum, sonst nichts. Man findet aber durchaus stilvolle Restaurants und Cafés auf Basis der nationalen Pesos, mit herrlichem Ambiente und Livemusik. In einem bediente mich ein alter Ober im schwarzen Frack mit großenm roten Revers und Fliege, ein würdevoller Herr.

Als Tourist oder Kubaner mit genügend, richtigem Geld, also mit CUCs, ist man in einem paladar gut aufgehoben, in einem Privathaus, in dem die Hausfrau für eine begrenzte Zahl von Gästen kocht. Dort isst man in der Regel gut und reichlich, wenn die Gerichte sich auch meist sehr ähneln und teuer, für kubanische Verhältnisse oft unerschwinglich. Ich habe öfters Kubaner zum Essen eingeladen. Es sei, wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammen, jedenfalls so sinngemäß, wurde die Begeisterung zum Ausdruck gebracht. Neben den offiziellen, gibt es auch illegale paladare. An einem Abend in einem solchen klandestinen Ort wurde der Wirt plötzlich sehr unruhig. Er löschte das Licht, machte Zeichen, ja nichts zu sagen und ich musste im Schein einer Kerze schnell das Essen beenden und das Haus über einen Hintereingang verlassen. Er hatte vor dem Haus verdächtige Personen bemerkt, möglicherweise eine Zivilstreife oder Spitzel, von denen es sehr viele geben soll. Verstöße gegen die Gesetze werden in Kuba streng geahndet, oft mit Gefängnis und die Möglichkeiten gegen etwas zu verstoßen, sind äußerst zahlreich.

Gutes Essen bekommt man im Allgemeinen auch in den privaten Unterkünften, den casas particulares. Ihr Betrieb unterliegt strengen Reglementierungen, der Gast soll sich wohlfühlen und die Handtücher und die Seife dürfen nicht fehlen. Ein wenig unlogisch ist allerdings, dass die Besitzer einer casa particular immer dieselbe Steuer bezahlen müssen, egal ob sie Gäste hatten oder nicht und dass sie deswegen ihren Traum vom Kapitalismus oft bald aufgeben müssen, wenn die Gäste ausbleiben, die ihnen die Steuer bezahlen. Wenn sie jemanden unerlaubt beherbergen würden, wären übrigens auch sehr hohe Strafen fällig. In Vinales, bei Dona Cachita, fand ich nicht nur ein gutes Quartier, auch das Frühstück und das Abendessen waren ausgezeichnet. Als Cachita mich nach meinen Wünschen bezüglich des Abendessens fragte und ich ihr sagte, dass ich gerne Fisch hätte, schaute sie mich verstohlen an und meinte geheimnisvoll, sie werde sehen, was sich machen lässt, ich solle aber nie das Wort Fisch benutzen, sondern immer nur von Hühnchen sprechen. Man lernt daraus, dass auf der Insel Kuba Fische und Meeresfrüchte vor allem für die Touristenhotels reserviert sind. Dennoch jegliche Angst, hungern zu müssen, ist völlig unbegründet. Als reicher Tourist hat man ja nicht den alltäglichen Kampf zu bestehen. Man lebt wie Gott in Frankreich, mit kubanischem Einschlag selbstverständlich.

Küche in einem Haus nach einem Hurrikan

Küche in einem Haus nach einem Hurrikan

Eierverkäuferin

Eierverkäuferin

Apothekerinnen in Cienfuegos

Apothekerinnen in Cienfuegos

auch wenn es nur ein paar Lutscher sind

auch wenn es nur ein paar Lutscher sind

Marktstand

Marktstand

Paladar

Paladar

© Udo Pagga, 2016
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 08.11.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 29.11.2015
Reiseziele: Kuba
Der Autor
 
Udo Pagga berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt. Udo über sich:
Ich reise gern, photographiere gern und schreibe gern.