Trinidad und Tobago-Reisebericht :Karibikkreuzfahrt unter vollen Segeln

Finale in Trinidad

Freitag, 9.Februar 2007

Das Licht im Kompaß ist leider zu hell, man wird zu sehr geblendet, also schauen wir auf die digitale Kompaßanzeige der Selbststeueranlage, die aber ausgeklinkt ist, um uns das Steuervergnügen zu ermöglichen. Wenn ein Schauer naht, marschiert AMBASSADOR locker mit über 7 Knoten, danach bleibt der Wind fast weg und wir laufen noch 3 bis 4. Da ist das GPS dann hilfreich, das die Abdrift sofort anzeigt. Aber das GPS ist am Kartentisch, an den der Steuermann nicht herankommt. So wird das Steuern nach vorgegebenem Kompaßkurs bei wechselnden Winden immer ungewisser. Als Wolfgang die Wache übernimmt, laufen wir gerade mal 3,5 Knoten und er muß schon auf 140 Grad gehen, um 190 Grad über Grund halten zu können. Ich lege mich beim nächsten Schauer aufs Ohr und Wolfgang freut sich über die kräftige Brise, die das Boot wieder ordentlich marschieren läßt. Bei bis zu 120 Grad Kompaßkurs läuft der Kahn am schnellsten, was für ein Segelspaß! Am Ende seiner Wache sagt das GPS, dass der nächste gefälligst nur 175 Grad steuern soll, um wieder auf die Kurslinie zurückzukommen. Im Morgengrauen, einige Zeit nach Sonnenaufgang, kommen wir dennoch punktgenau an der Nordwestspitze von Trinidad an, steuern auf die erste sichtbare Öffnung zwischen der Hauptinsel und vorgelagerten Inseln zu und sehen vor uns Yachten, die immer mehr anluven und zum Schluß in die Öffnung hineinmotoren. Durch die Öffnung setzt ein starker Strom entgegen und kurz davor kommt man in die Abdeckung der Berge, kein Wunder, dass wir das letzte Stück auch motoren müssen und in der Enge nur zentimeterweise gegen den Strom ankommen können. So haben wir viel Zeit, uns vom Boot aus schon eine der schönsten Ecken von Trinidad anzusehen.

Gegen 11 Uhr fällt der Anker in der Scotland-Bay, außer dem Grommeln der Brüllaffen und gelegentlichem Geschrei von Papageien im nahen Urwald herrscht absolute Stille, nicht einmal den geringsten Schwell haben wir hier. Wieder ist Baden angesagt, aber es macht sich Angst breit, erneut wieder mit Quallenfäden in Kontakt zu kommen. Die sieht man nicht im Wasser, man spürt sie nur, wenn es schon zu spät ist. Aber hier scheint unsere Sorge unbegründet zu sein. Wir können Badevergnügen, Ankerbier und Frühstücksimbiß wie gewohnt genießen, halten anschließend ein kleines Nickerchen, bevor es zum Einklarieren nach Chaguaramas geht. Wir kehren im Sailors Inn ein und dinieren a la carte, während Sigi die Vorbereitungen für unsere Abreise organisiert. Er bestellt ein Taxi zum Flughafen für Montag vormittag, und als man die Flugnummer wissen will, die er nicht weiß, sagt ihm das Reisebüro, der Flug nach Martinique sei aber morgens um 6 Uhr. Unsere Tickets lauten aber auf Start um 14.30 Uhr. So bucht er für uns das Taxi um 11 Uhr ab Chaguaramas. Keinem von uns kommt der Gedanke, unseren Flug uns noch einmal vorher bestätigen zu lassen.....

Nach einem gepflegten Kuchen und Eis geht es zurück zur Scotland-Bay, und als wir abends vor Anker liegen, kommen Bekannte von Sigi von den Nachbarbooten, Heimathafen Bremerhaven und Hamburg-Harburg, an Bord. Sie sind schon seit zehn Jahren und länger Weltenbummler und wollen ein wenig über Deutschland von uns hören.

Sonnabend, 10.Februar 2007

AnnMarie mustert heute vormittag ab, um sich zuhaus mit ihrer Tochter zu treffen, die aus Kanada in Trinidad auf Besuch ist. Nun verwöhnt uns Sigi allein. Unser Törn ist trotz der Ankunft in Trinidad noch nicht zuende.
Sigi hat noch einen Ausflug zur letzten Insel vor der Grenze zu Venezuela, Chacachacara, anzubieten. Die Insel war früher Exil für Leprakranke, und die britische Kolonialmacht hatte viel getan, um den armen Lepraopfern hier ein isoliertes Leben zu ermöglichen. In den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts wurde dann ein Medikament gegen Lepra entwickelt, die "Aussätzigen" wurden heilbar und die Exilinsel wurde überflüssig.
Hufeisenförmig liegt die Insel mit dem Buckel gegen die Dünung des Atlantik, innen liegt es sich in einer großen Bucht sehr schön ruhig, und Sigi hat für uns die Stelle mit dem wenigsten Schwell ausgesucht. Wir ankern und bringen eine Heckleine zu einem verfallenen Anleger aus, dann ist absolutes Relaxen angesagt. Leider erwischt uns alle der Peitschenschlag eines Kontaktes mit Quallenfäden beim Zurückschwimmen zum Boot. Die warme Süßwasserdusche bringt Linderung, aber Werner hat schwer zu leiden. Jonas und ich machen vor Sonnenuntergang noch einen Ausflug zum Leuchtturm auf der 250 Meter hohen Spitze der Insel. Dort können wir gerade noch die untergehende Sonne fotografieren, im Dunkel finden wir mit dem Dinghy zum Ankerlicht der AMBASSADOR zurück.
Noch einmal genießen wir einen lauen Sommerabend im Cockpit und ziehen Bilanz: Ein rundum gelungener Urlaub, viel Sonne und guten Wind, bestes Essen und erlesenen Wein, nicht einmal Streit gehabt, niemand hat sich einen Sonnenbrand geholt und nicht eine einzige Mücke hat uns gestochen. Es bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Doch einer: Wolfgang hat auf der ganzen Reise nicht einen einzigen Fisch gefangen. Statt dessen hat uns ausgerechnet heute ein Motorboot die Schleppangel abgerissen, so dass Wolfgang hier nun nicht mal mehr das Gerät hätte, um Fisch zu fangen. Und das, nachdem er gestern abend den Tipp bekommen hatte, doch mal einen Köder aus Käse ins Wasser hängen zu lassen. Sigi kramt die Reste an Angelschnüren hervor, um Wolfgang das Gefühl sinnvoller Beschäftigung zu geben. Der Erfolg ist durchschlagend: Innerhalb einer Stunde beißen 6 Fische an, zwar nicht die Größten, aber es reicht für morgen zum Mittagessen.
Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem AnnMarie abends mit Fisch vom Fischmarkt und ein tolles Abschiedsaessen zubereiten will.

Sonntag, 11.Februar 2007

Den Vormittag haben wir noch Zeit, etwas auf der Insel herumzustöbern. Wir (nur Jonas, Werner und ich, denn Wolfgang nimmt seine 6 geangelten Fische aus) fahren zur ehemaligen Strandpromenade, die weitgehend zugewachsen ist und an den Abbruchstellen Geierkolonien Platz gemacht hat, Wir finden die Versorgungszentrale mit ehemaligem Kraftwerk und Zentralkrankenhaus, in dem Termiten schon den Holzfußboden aufgefressen haben. Ein paar Jugendliche haben im ehemaligen Strandbadehaus geangelt und gefeiert und schenken mir ihren letzten Whisky, dann gehts zurück an Bord zum Mittagschmaus und weiter nach Chaguaramas zum Tanken und Wassertanken. Über eine Tonne Wasser nimmt AMBASSADOR auf, 216 Liter Diesel fließen hinein, der gesamte Verbrauch von Sigis Anreise nach Martinique und unseren drei Wochen an Bord. In der Summe sind das etwa 108 Motorstunden in 5 Wochen, der Rest war Segeln oder Ankern.
AnnMarie kommt wieder an Bord, schwer bepackt mit Einkäufen vom Markt. Wir motoren zurück zur Scotlandbay zum Ankern in schönster Natur, wo sie uns ein letztes Mal ein prächtiges Abendessen zaubert: Haisteak mit einer würzigen Sauce, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Sogar Wein ist noch übrig, und Sigi rechnet den Getränkeverbrauch mit uns ab: zu unserem Erstaunen haben die 100 Euro Getränkevorschuß, die wir zu Beginn der Reise eingezahlt hatten, ausgereicht!

Wir sind des Lobes voll über unsere netten Gastgeber, bedanken uns noch einmal besonders bei AnnMarie, die im Hintergrund immer so gut für uns gesorgt hatte und fragen Sigi, ob er bereit wäre, später einmal wieder so eine Reise mit uns zu machen. Ganz auf Gegenseitigkeit! Wir wären auch an Bord gern wieder willkommen!

Erster Eindruck von Trinidad: starker Strom und eine absolut geschütze tropische Bucht: Scotland Bay

Erster Eindruck von Trinidad: starker Strom und eine absolut geschütze tropische Bucht: Scotland Bay

Lands end: Da hinten beginnt Südamerika

Lands end: Da hinten beginnt Südamerika

Uns fehlt es an nichts an Bord !

Uns fehlt es an nichts an Bord !

© Manfred Sürig, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach 7 Jahren mal wieder zum Segeln in die Karibik, mitten im hiesigen Winter. Es sollte eine Traumreise werden, und dieses Mal wurden alle Erwartungen erfüllt und übertroffen dank der Umsicht, Toleranz und liebevollen Bewirtung durch des Eignerehepaar der AMBASSADOR.
Details:
Aufbruch: 21.01.2007
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 14.02.2007
Reiseziele: Martinique
St. Lucia
St. Vincent und die Grenadien
Grenada
Trinidad und Tobago
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt. Manfred über sich:
pensionierter Zentralbanker, der zwischen 65 und 80 noch Europa hautnah erleben will, besonders die nun zugänglichen Länder im östlichen Europa. Fahrradreisen 2000 in die Slowakei, 2001 Tschechien/Slowakei,2002 Slowakei und Ungarn, 2003 Rumänien, Bulgarien und Ukraine, 2004 Ukraine Rumänien und Moldawien und 2005 durch den ganzen Balkan, 2006 wieder in die Slowakei und 2007 mal in die Schweiz und nach Frankreich, 2009 und 2010 wieder nach Tschechien und in die Slowakei, ab 2011 mit Enkel Dominik jedes Mal auf einen anderen hohen Berg zu Fuß in der Tatra, den Waldkarpaten und in der Mala Fatra.
Zweites Hobby: Segeln, nach dem Eintritt in den Ruhestand wird auch mal im Winter Urlaub gemacht, da bietet sich die Karibik an. Seit 2007 nun immer mit demselben Vercharterer aus Trinidad