Battambang ist auf seine Art ein Echo der französischen Kolonialzeit und allein darum schon die Reise wert. Der 100.000 Einwohner große Ort im Nordwesten Kambodschas ist überschaubar und das lokale Leben erschließt sich dem Besucher darum sehr schnell.

Wilde Partys darf man hier nicht erwarten, viel mehr bietet sich Battambang als geruhsamer Zwischenstop zwischen Thailand und dem Rest Kambodschas an. Langeweile muss dennoch nicht aufkommen: empfehlenswert ist bspw. der Besuch der lokalen Woodhouse-Kochschule oder ein Trip in die Umgebung mit dem Bambootrain.

Und natürlich gibt es auch in der Umgebung von Battambang sehenswerte Tempel, allen voran den Phnom Banon und der Wat Ek Phnom.

Battambang in Kambodscha

Die Anreise nach Battambang

Siem Reap adé - auf gehts mit dem Boot nach Battambang. Warum gerade dort hin? Weil es angeblich eine der schoensten Flussfahrten Kambodschas ist und ich in Battambang einen Kochkurs besuchen moechte!

Laut Reisefuehrer wuerde die Fahrt zwischen 4 und 11 Std. dauern, kommt auf den Wasserstand an. Und da wir am Ende der Trockenzeit sind, sagte mir die Ticketverkaeuferin 6-7 Std. => das heisst mind. 8 Std., denn die Uhr tickt hier in Asien einfach anders.
Los gings um 6 in der Frueh (ist gar nicht so frueh, denn das Leben beginnt hier beim Sonnenaufgang zwischen 5 und halb 6). Mit dem MiniVan zum Speed Boat. Ja, das war ein Speed Boat der kambodschianischen Art: ein TukTuk Dampfer mit Platz fuer ca. 10 Personen. Aber so klein ist ja sehr nett, da bekommt man mehr mit...
So, jetzt aber wirklich Abfahrt; und schon nach 2 Minuten Fahrzeit gings nimmer weiter - warum? Wir blieben stecken! Nachdem der Bootsfuehrer mit dem Gaspedal so ziemlich alles versucht hat, blieb ihm nichts anderes ueber als sich auszuziehen, zum 2. Mann ins Wasser zu springen und zu schieben! Ja, ein sehr lustiges Bild und wir alle (mit mir waren noch 5 andere Touris an Board) wussten, dass das nicht das letzte Mal sein wuerde... Aber schon nach einer halben Std. Fahrt kamen wir zum Tonle Sap (der groesste Suesswassersee Suedostasiens. Zur Zeit ist der See ca. 2500 km2 gross, doch wenn Schmelzwasser und Monsunregenfaelle den Mekong runterfliessen, staut sich das Wasser zurueck und ueberschwemmt ein Gebiet von 10 000 km2 - nicht schlecht oder?). Am See gabs dann die ersten Fotohighlights - schwimmende Huetten, einfacher Fischfang,... Doch nachdem sich unser Bootfuehrer kurz verirrt hatte, fuhren wir schon bald den Sangker Fluss entlang Richtung Battambang. Ja, und jetzt wurde es interessant: wir durchfuhren kleine Doerfer, die am Wasser lebten: da wird mit dem Boot einkaufen gefahren & das Boot diehnt (teilweise) auch als "Wohnung". Nicht nur die Familien leben in den Stelzenhuetten, sondern auch die Schweine, Huehner, und was es sonst noch hier so gibt. In jedem kleinen Dorf (und das waren viele!!), wurde dann entweder was aufgeladen um es dann spaeter irgendwann wieder abzuladen oder es stiegen Einheimische zu, die auch auf dem Weg nach Battambang waren. Es wurde mit der Zeit also immer mehr ein buntes Treiben, bis ich dann irgendwann ploetzlich nicht mehr wusste, wo ich eigentlich meine Fuesse hatte?!? Denn die nette Damen links neben mir war auf meinem Schoss eingeschlafen, der Herr links neben mir umarmte staendig den Herrn auf seiner rechten Seite, doch ihre beiden Haende landeten immer wieder bei mir... Ausserdem war der kleine Raum zwischen den Baenken auch zu Sitzplaetzen bzw. Stauraum umfunktioniert worden und somit, konnte ich mich nicht mehr ruehren, geschweige denn, meine Fuesse umplatzieren! Aber erfreulicher Weise kam nach 4 Std. dann eine kleine Pause - juhu aufstehen und ausstrecken. Soviel Koerperkontakt kennt man nicht aus Europa (da ist ja die U-Bahn in der Frueh nix dagegen). Doch ich wurde enttaeuscht - das Boot wurde noch voller und aus meiner Schaetzung, dass nur 10 Personen auf das Boot passen, wurden ploetzlich 26 Personen!!! Ja, es war kuschlig! Aber ich muss dazusagen, dass ich wirklich viele nette Dinge gesehen habe ... allein die Landschaft und die schwimmenden Doerfer - ein Traum. Aja, kennt irgendwer von euch folgende Behandlung: die aeltere Frau gegenueber klagte staendig ueber Genickschmerzen (meine Interpretation). Bis ihr dann ihre Sitznachbarin mit der scharfen Seite einer Muenze eine Fluessigkeit, die nach Tigerbalsam roch, in das Genick rieb?!? Nach circa einer halben Std. Arbeit war die arme Frau voller blutiger Strimen und fand das noch toll?!? Autsch!!! Naja, andere Laender andere Sitten!

der Tonle Sap See

der Tonle Sap See

kleines Boeotchen, da wird verkauft, geschlafen, gelebt,...

kleines Boeotchen, da wird verkauft, geschlafen, gelebt,...

und noch mehr Hausboote

und noch mehr Hausboote

Kinder, die Besorgungen machen

Kinder, die Besorgungen machen

Unterkunft in Battambang

Nach einer 8 1/2 Std. dauernden Fahrt kamen wir dann endlich in Battambang an, zwar etwas durchgeschwitzt, doch guter Laune. Ich quartierte mich gleich im Royal Hotel ein, wo ein Zimmer fuer $ 3,- bekam. Doch schon bald wusste ich, warum ich doch ein anderes haette waehlen solln: es fing heftig an zu regnen und es bildete sich eine riesige Wasserpfuetze in meinem Zimmer. Da es ja nicht mein Verschulden war, bekam ich jetzt das Zimmer um $ 5,- ohne Aufpreis - Fernseher inkludiert! Und was hab ich wohl an meinem ersten Abend gemacht?!? Das 1. Mal seit 6 Wochen fern gesehen - es ging mir zwar nicht ab, doch ich habs dann sehr genossen!

Stadtrundgang in Battambang

Am 05.06. hab ich dann mal die Stadt erkundet. Hier merkt man den franzoesischen Einfluss extrem (Kambodscha war von 1863 bis 1941 franzoesisch). Ueberall findet man Kolonialvillen und franz. parkaehnliche Anlagen => die Kombination aus franz./khmer gefaellt mir echt gut, denn es hat was neues mit viel bekannten europaeischen. Aber das beste an der Herrschaft der Franzosen ist das Baquette!!! Ich muss nicht von meinem Vorhaben, nichts "europaeisches" Essen abweichen, denn das Baquette gehoert zur Khmer Kueche! Somit goenne ich mir ab und zu dann Baquette mit Nutella und Banane oder Baquette mit Gemuese und Hering - einfach herrlich!!! Aber ansonsten esse ich auch hier immer nur lokale Gerichte. Meistens erkunde ich die Maerkte, schau in alle Toepfe und das, was am "ungefaehrlichsten" aussieht, wird gegessen. Eigentlich ist es immer echt lecker. Mein Liebingsgericht ist aber das Fisch-Amok: Fisch gekocht in Kokosnussmilch mit Kraeutern und Reis dazu - mmmhhh!

Baquette!!!!!! ich liebe es!

Baquette!!!!!! ich liebe es!

So, jetzt hab ich den Faden verloren... aja, der Rundgang. Mittlerweile hab ich schon etliche Freundschaften mit Moenchen geschlossen - ueberall werde ich angesprochen, oft auf meine Frisur. Und meistens bekomm ich dann noch E-Mailadresse und Telefonnr. dazu - meines Erachtens sind das keine Moenche mehr, die in Abstinenz leben! Ich finds aber immer wieder nett mit den meistens jungen Moenchen zu quatschen.

als Schutz gegen die Sonne hilft der Regenschirm (passend zur Kleidung natuerlich)

als Schutz gegen die Sonne hilft der Regenschirm (passend zur Kleidung natuerlich)

Meine neuen Freunde aus Battambang

Meine neuen Freunde aus Battambang

Und nach meinem Rundgang gings dann mit meinem Mopedfahrer Bao noch auf Sightseeing los: zuerst zum Wat Banan, wo man eine tolle Aussicht geniesen kann und dann zu einem kleinen Fruchtbauern. Das war nett! Hab das erste Mal gesehen, wie die Ananas waechst - haett ich mir nicht so vorgestellt. Dann gabs noch Jackfruit, Grapefruit, Orange und Bananen zu bewundern und zu Essen. Aber das beste war diese Pflanze: ein wirklich grosser Marihuanastrauch! Wenn was getrocknetes da gewesen waere, haett ich auch was zu rauchen bekommen. Laut Bao ist es ok 1 bis 2 Pflanzen zu zuechten, nur verkaufen darf mans nicht, aber so privat konsumieren ist kein Problem....
Noch ein bischen Reiswein (Reis wird zuerst gekocht, dann Germ und Wasser 4 Tage stehen gelassen, dann destiliert, anschliessend wird oft Obst dazugegeben und dann getrunken) - auch sehr lecker, und schon gings weiter zum Bambootrain!

und rauf gings zum Wat Banan - keuch!

und rauf gings zum Wat Banan - keuch!

einmal eine andere Art seinen Namen zu hinterlassen oder?

einmal eine andere Art seinen Namen zu hinterlassen oder?

ein doch etwas groesserer Marihuanastrauch!!

ein doch etwas groesserer Marihuanastrauch!!

eine kleine Ananas, die erst reifen muss

eine kleine Ananas, die erst reifen muss

die Utensilien zur Reisweinzubereitung

die Utensilien zur Reisweinzubereitung

rechts Bao, mein Moto-Fahrer, links Hu, die Baeuerin und in der Mitte viel Obst und Reiswein

rechts Bao, mein Moto-Fahrer, links Hu, die Baeuerin und in der Mitte viel Obst und Reiswein

Jetzt aber zum Babootrain. Was kann man sich darunter vorstellen? Ich glaub, dass kann auch ich nachbasteln: 2 Raeder, eine Bambusplatte und ein kleiner Motor und schon gehts los auf diesem aberwitzigen Gefaehrt mit ca. 10 - 20 km/h - je nach "Loecher" in den Schienen ... eine sehr holprige Angelegenheit, doch sehr genial!!!

ja, das ist der Bambootrain! Ich sass natuerlich "first class" in der ersten Reihe

ja, das ist der Bambootrain! Ich sass natuerlich "first class" in der ersten Reihe

als uns ein "Zug" entgegen kam, musste die einfach ausweichen - das ging innerhalb 1er Minute

als uns ein "Zug" entgegen kam, musste die einfach ausweichen - das ging innerhalb 1er Minute

Und zum Abschluss unserer Tour spielten Bao und ich noch Pool. Wenn ich gewusst haette, dass das hier Volkssport Nr. 1 ist, haett ich zaus a biserl mehr geuebt! Kennt wer die genauen Regeln von Pool? Denn ich glaub auch Bao wusste sie nicht so ganz und legte die Regeln immer nach seinen Gunsten aus ... ausser das er mich staendig ausgelacht hat, wenn ich nicht gleich in Loch traf, hatten wirs eigentlich ganz lustig!

Kochkurs in Battambang

Am Dienstag hab ich dann noch einen Kochkurs besucht. Zuerst haben wir gemeinsam 3 Gerichte ausgewaehlt und dann gings zum Markt. Obwohl ich staendig am Markt unterwegs bin, wars dann doch ganz anders mit einem Einheimischen. Er erklaerte uns gaaaanz viel und ich bekam einen ganz anderen Eindruck.
Zurueck in der Kueche gings zuerst mal dran unsere Currypaste selber herzustellen - ist ja gar nicht so schwer (leider bekomm ich nur die Haelfte aller Zutaten in Oesterreich nicht).
Und dann hab ich selber Kokosnussmilch gemacht, das hat mich ja am meisten fasziniert: aus einer Kokosnuss wird mit einer Maschiene das weisse, relativ trockne Fleisch rausgeraspelt. Dann nehme man eine Schuessel mit Wasser, gebe die Kokosnussraspeln in eine Stoffwindel und fange an im Wasser zu quetschen. Nach 5 min hat man eine perfekte Milch - wow!
Anschliessend gings an den Herd. Jeder von uns (wir waren insgesamt zu 6 - 2 Tschechen, 2 Kanadier, 1 Australier) machte sein eigenes Gericht - zuerst gabs Amok - das Nationalgericht und es gelang wirklich super!! Dann kochten wir noch Lok Lak (da standen uns staendig die Traenen in den Augen, weil wir staendig Chili anroesteten) und zum Schluss gabs noch eine Suppe - mmmmhhh lecker!!! Ja, der Kochkurs hat sich auf alle Faelle ausgezahlt und ich bekam noch ein Kochbuch dazu - zum zu Hause nachkochen

Unser Kochlehrer beim Einkaufen in Battambang (man beachte die frische und gekuehlte Fleischware!)

Unser Kochlehrer beim Einkaufen in Battambang (man beachte die frische und gekuehlte Fleischware!)

wer eraets? gehaeutete Froesche! Lecker! Nein, ich hab sie noch nicht gekostet...

wer eraets? gehaeutete Froesche! Lecker! Nein, ich hab sie noch nicht gekostet...

Babara, Stepan und der Kanadier beim Kochen

Babara, Stepan und der Kanadier beim Kochen

grins - ja es war echt super!

grins - ja es war echt super!

Da es mir dann am naechsten Tag vom Bauch her nicht so gut ging, genoss ich nochmal das Zimmer mit Fernseher - ja, so richtig faulenzen kann schon was...
Doch als ich dann doch kurz spaziern ging, traf ich Andrew wieder, mit dem ich eine sehr harte (alkoholische) Nacht in Siem Reap verbracht hatte - ja, man rennt sich hier dauernd ueber den Weg!

Am Donnerstag (8.06.) gings dann endgueltig in die Hauptstadt nach Phnom Phen, wo ich mich jetzt gerade befinde. Werd hier jetzt einige Tage verbringen, Sightseeing betreiben und mich anschliessend auf dem Weg zur Kueste machen - das Meer ruft!

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Der Autor
 
Elisabeth Helmich berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Elisabeth über sich:
Carpe Diem - Nutze den Tag
... das ist mein Lebensmotto ...

Ja, Reisen macht Spass, es bereichert und ist eins der schoensten Dinge der Welt! So ist Reisen eine meiner liebsten Freizeitgestaltungen.

Und sonst so? Bin ich Studentin in Wien, Baujahr 1981 und gluecklich