Algerien 2002

Reisezeit: November / Dezember 2002  |  von Oliver Ueffing

Vorbereitung der Reise: Durch Algerien

03.12.2002 Grand Erg Oriental
Da wir eine wirklich schwere Strecke in den Süden gewählt haben, haben wir um 06:30 keine Ruhe mehr und stehen auf. Oliver hat dank Aldi einen für ihn zwingenden Grund, die Abfahrt um 10 Minuten zu verzögern.
Nach dem Frühstück usw. geht es um 08:00 Uhr los: MOTORRADFAHREN !!!
In den nächsten vier Stunden schaffe ich es dann auch, mich und das Motorrad auf ca. 50 Kilometer drei Mal wegzuschmeißen. Mist, das macht keinen Spaß!
Das Auto fahren wir mehrmals richtig fest, bis wir uns gegen 17:30 an einer Düne hinten links den Reifen von der Felge reißen - Pause.
Den "quadratischen 275`er" haben wir gegen 21:00 Uhr wieder in seiner normalen Form auf der Felge. Wir kennen ja nun schon einige Tricks, um solche Pannen zu beheben, aber wir schaffen es nicht den Reifen wieder mit Luft zu füllen.
Das Ersatzrad ist schnell montiert und wir können weiterfahren. Das Motorrad-fahren erscheint unmöglich: die KTM ist viel zu schwer im weichen Sand.
Das Wetter ist nicht so toll, sieht nach Sandsturm aus. Es geht aber noch.
Gegen 21:30 essen und endlich liegen!!! Was für ein Tag.

04.12.2002 Grand Erg Oriental
Heute erst gegen 07:30 Uhr aufgestanden. Wir haben noch 100 Sachen von gestern wegzuräumen.
Frühstück: Müsli mit Multivitaminsaft => Bääähhh
Erneute Entlüftungsprobleme verzögern die Abfahrt. Bei Oliver geht es dann um 10:10 Uhr weiter. Mal sehen, wie weit. Das Motorrad steht gut befestigt auf der
perfekten Halterung hinter dem Auto auf den Sandblechen. Es kommt schon wieder Wind auf. Zum Glück erreichen wir nach kurzer Zeit einen GPS-Punkt (32°46,07 / 7°29,05) Marabut Mouiet Er Rebah (Grabstätte eines Gelehrten). Das war der erste Punkt seit ca. 140 Kilometer Sand, der uns den richtigen Weg zeigt. Keine einzige Spur o.ä. war als Anhaltspunkt unterwegs zu sehen.

15:35 Uhr, wir kurven jetzt seit 5 Stunden durch unmögliche Dünen und haben uns schon wieder festgefahren. Um 16:15 Uhr erreichen wir den nächsten Punkt: " Bir Djedid" (Ruinen eines französischen Forts). GPS: 32°33,55 / 7°40,28

Gegen 17:30 Uhr erreichen wir eine kleine Senke, welche sich super als Schlafplatz eignet. Schade, dass es keine eigenen Fotos gibtLecker essen und dann zum gemütlichen Teil: 1 Fl. Glühwein mit ¼ Fl. Weinbrand => perfekt. 20:30 Uhr schlafen

05.12.2002 Grand Erg Oriental
Trotz Alk. haben wir beide schlecht geschlafen. Muskelkater und der Boden ist nicht unbedingt mit dem gewohnten Wasserbett zu vergleichen. Das Wetter ist toll heute.
Gem. unserem Reiseführer (Reise Know-how / Algerische Sahara / Göttler und Därr) haben wir noch 1 - 2 Tage => mal sehen, wird Zeit das wir hier raus kommen.
13:30 Uhr fahren seit Stunden auf leichtem (normalem) Wüstengelände. Die ersten 10 km waren noch sehr schlecht. Habe die Zeit zum Frühsport genutzt und bin vorangelaufen um einen möglichen und fahrbaren Weg zu suchen.
Wir geben wieder Luft auf die Reifen, alles scheint wieder OK zu sein.
15:30 Uhr Wir glauben uns in Sicherheit: Menschen. Wir sind frischen Reifenspuren gefolgt => falsch / ein Camp von Ölsuchern. Da wir nicht mehr rauskommen, müssen wir erneut Luft ablassen. Nach ca. 10 Minuten erhalten wir in dem äußerst streng bewachtem Camp die Erlaubnis, im Camp das Auto zu wenden. Der Wachposten und ein irrer Franzose helfen mir beim Schieben.
Nach kurzer Zeit finden wir den richtigen Weg und stehen an der Verbindungsstraße von "EL Borma" nach " Hassi-Messaoud". Wieder Luft auf die Reifen geben ...

16:00 Uhr weiter, aber wohin ??? 1. Richtung: Deb-Deb, gem. Reiseführer selbst für 4*4 Fahrzeuge unmöglich. Wir fahren in diese Richtung. An der ersten Düne, welche uns den Weg versperrt, reflektieren wir kurz die letzten Tage und entscheiden uns für die Teerstraße und somit für den Rückzug nach " Hassi-Messaoud".

06.12.2002 Hassi-Messaoud
Wir wachen wieder bei Zeiten auf. Beide hatten wir die Stiefel draußen stehen aber kein Nikolaus. Aber wie sollte der auch hier hin kommen ???

08:30 Uhr Abfahrt. Nach 10 Minuten REGEN ! - mitten in der Wüste, mitten im GRAND ERG ORIENTAL.
Um 10:10 Uhr kommen wir 85 km vor "Hassi-Messaoud" an die erste Kontrolle seit der Grenze. In "Hassi-Messaoud" herrscht das absolute Chaos. Wir können per Telefon ein kurzes Lebenszeichen absetzen. Dann finden wir eine Jugendherberge in der wir endlich wieder Duschen können. Die Duschen sind siffig ohne Ende, aber egal.
Da einer beim Auto bleiben mußte, nutze ich die Zeit für meine tägliche "gute Tat". Der "Herbergsvater" (schw...., mosl.... Arsc...) hatte in einem Jutesack eine kleine Katze zum Trocknen in die Sonne gehangen.
Oliver hatte seine "gute Tat" schon an der Hauptstraße vollbracht. Ein kleiner Junge,der sich zu nah an unser Auto gewagt hatte, hat es bedingt durch das überstehende Motorrad, kurzerhand von den Beinen gerissen. (Ist aber wieder aufgestanden).
Am Nummernschild vom Motorrad waren weder Haare noch Blut, kann also nicht so schlimm gewesen sein.
Unter extremen Bedingungen versorgen wir uns noch mit Brot, und Zigaretten.
Auch das Öl am Auto lassen wir in diesem Ort wechseln. Das wir ausgerechnet Freitag (sprich Sonntag in Algerien) hier angekommen sind, hat die Sache nicht unbedingt leichter gemacht. DAS KOSTET NERVEN !!!

07.12.2002 Hassi Bel Guebbour
Weit außerhalb der Stadt fanden wir am Vorabend noch einen schönen Schlafplatz in den Dünen. 06:30 Uhr Aufstehen, 07:30 Uhr Abfahrt. Nach 105 Kilometern erreichen wir das nächste Kaff - absolut trostlos, aber wenigstens eine Tankstelle.
Hier müssen wir uns Zeit für Reparaturen nehmen. Der Reifen vom Auto wird wieder auf Vordermann gebracht und das Motorrad erhält zwei neue Reifen aus dem Laderaum. Zwischenzeitlich / 12:30 Uhr haben uns die zwei älteren Leute mit ihrem ebenso alten VW-Käfer der Teerstraße nach eingeholt. Schade dass wir die Bilder nicht mehr haben.
Der Polizeiposten hinter "Hassi Bel Guebbour" läßt niemanden in Richtung "Amguid" fahren. Die französisch sprechende Besatzung aus dem Käfer erklärt uns: wegen Militär ist eine Weiterfahrt unmöglich.
12:45 Uhr - wir fahren weiter in Richtung "Ohanet". Ohne Pause schaffen wir es an diesem Tag bis "Illizi".

Der Weg über "Deb-Deb" hätte sicher nicht viel länger gedauert als dieser Umweg. In "Illizi" gibt es einen bekannten Campingplatz. Hier stehen noch mehr Touris. Auch eine Gruppe, die wir auf der Fähre gesehen haben und welche ebenfalls die Teerstraße bis hier gefahren sind - "Snobs".
Alle am pennen. Zwei liegen noch draußen wach in ihren Hängematten. Von diesen zwei netten Touris erhalten wir die Information, dass ein Teil der Hauptstraße weggeschwemmt ist und es in ganz Südalgerien keinen Sprit mehr gibt.
Bis 23:00 Uhr sitzen wir in dem alten HANOMAG bei Kaffee und Keksen. Dabei erfahren wir das die zwei mit einem Kind runter in den Niger, nach Gambia und zurück wollen. Das bis zum 01.04.2003 ???

08.12.2002 Illizi
06:00 Uhr - wieder scheiße geschlafen. Der Kaffee am Vorabend war zwar lecker aber wohl nicht das Richtige um die Zeit. Duschen ist nur kalt möglich.
Um 08:30 Uhr an die Tanke und noch zwei Kanister Diesel tanken. Da der Stutzen der Zapfsäule nicht in die Kunststoffkanister paßt, ist das voll die Sauerei.
Weiter nach "Bord el Haoués" Richtung "Djanet". Hier gibt es nichts - aber gar nichts. Nur einige Kinder meinen, sie müßten uns vors Auto laufen. Der Einstieg in die Piste ist nicht zu finden. D.h., wir fahren ca. 10 km durch die Botanik und suchen nach dem richtigen Weg. Als wir die Piste dann endlich finden, besteht diese nur aus Wellblech. Hier ist erneut ein Punkt erreicht, an dem wir überlegen, unser Ziel: "Tamanrasset" nicht mehr weiter anzufahren. Die Zeit läuft uns weg.
Oliver fährt bis ca. 17:30 Uhr mit der KTM zu unserem Lagerplatz in den Dünen.

09.12.2002 TASSILI
07:15 Uhr weiter. Bis 14:00 Uhr schaffe ich 110 Kilometer mit dem Motorrad => fertig!!! Total windig. Kurze Mittagspause mit lecker Ölsardinen und dann nach einem Fahrerwechsel weiter.
Um 17:45 Ende für heute => 210 km weiter und noch vier Wegpunkte vom nächsten Ziel entfernt. Seit 17:00 ist es leicht am Regnen. Der Regen wird stärker und zwingt uns bis gegen 18:30 Uhr im Auto zu sitzen. Um uns etwas kochen zu können, spannen wir eine Plane zwischen Motorrad und Auto. Es gibt Spaghetti.
Wohl gemerkt wir sind mitten in der Wüste und schon wieder Regen!!!
Werden wohl im Zelt schlafen müssen.

10.12.2002 Idelés
Tatsächlich mußten wir die Zelte für die Nacht aufbauen. Durch den starken Wind hat die Plane die ganze Nacht geflattert. Entsprechend erholsam war die letzte Nacht bis zum Aufstehen um 06:10 Uhr. Ich habe mir durch dieses Mistwetter eine schöne Erkältung eingefangen. 08:45 Uhr es geht weiter (246979 km). Oliver muß mit dem Motorrad fahren - ich bin froh, dass ich das Leben habe. Nur Wellblechpiste der übelsten Art. In "Idelés" gibt es die ersten Probleme bezügl. Treibstoff. Selbst die Fahrzeuge der Polizei stehen "trocken" vor der Wache. Nach einiger Zeit erhalten wir jedoch noch etwas Diesel und Benzin. Alle Daten werden aufgenommen und ich muß den Erhalt des Treibstoffes unterschreiben. In der Zwischenzeit vergnügt sich ein Polizist mit unseren Pässen. Oliver hat einige Mühe dem Polizisten zu beweisen, dass unser Visum noch gültig ist bzw. ihm zu erklären, dass er von uns kein Geld o.ä. bekommen wird. Die folgende Suche nach einem Bäcker ist sinnlos.

Aus diesem kleinen Ort scheint es nur einen Weg rein und raus zu geben. Wir fahren auf jeden Fall zurück auf die Piste. Unser Ziel ist "Hirhafok". Da das GPS, die Karten, Reiseführer usw. im Auto sind, habe ich leider die Aufgabe die Strecke vorzugeben. Wir fahren auch zuerst dem richtigen Weg nach. Dieser Weg führt im Tiefsand mitten in ein Dorf und man kann nicht erkennen, dass es irgendwo weiter geht. Ich versuche den Ort zu umfahren, das geht aber auch nicht. Da von allen Seiten Kinder auf uns zukommen, gibt es nach kurzer Rücksprache mit Oliver nur einen Weg: "Rückzug". Vor dem Ort ging die Piste in Richtung Berge. Da wir uns schon Mitten im "Hoggar" befinden, wäre es nichts außergewöhnliches, evtl. nicht mehr den direkten Weg fahren zu können.

Fehler !!! Diese Entscheidung kostet uns ca. 2 Stunden.
Wir treffen auf Einheimische die uns erklären, dass wir auf dem Weg nach "Tazrouk" sind. Oliver ist mit dem Motorrad im Gebirge wesentlich schneller und fährt zurück um den Weg zu erkunden. Der Weg geht tatsächlich durch das Dorf.
Wir erreichen "Hirhafok", ebenfalls ein Dorf ohne alles - wie die meisten Orte auf unserer Tour durch Algerien. 15:30 Ende für heute.

11.12.2002 HOGGAR
In der Nacht hat es schon wieder geregnet. Gut, dass wir die Zelte dabei haben. Selbst beim Frühstück regnet es uns ins Müsli. Gestern wollten wir noch einen Reifen am Auto wechseln, dabei haben wir von 6 Radbolzen 3 Stück dauerhaft kaltverformt => nicht gut!!!
Um 08:40 Uhr machen wir uns auf zum letzten Teilstück bis "Tamanrasset".
Erst noch 50 km Piste und dann Teer - HOFFENTLICH. Die Wellblechpiste bis zur Straße haben wir gegen 11:30 Uhr endlich hinter uns gebracht. Kilometerstand am Auto: 247164. Oliver mußte hier leider erneut alleine mit dem Motorrad fahren. Mir gehen langsam die Taschentücher aus.

Als wir dann das Motorrad für die Weiterfahrt über die Teerstraße wieder auf dem Auto befestigen, ist er sichtlich erleichtert. Um 14:00 Uhr endlich unser Ziel: "Tamanrasset". Hier fahren wir den Campingplatz 4*4 an. "Tamanrasset" ist die einzige größere Stadt im Süden und mit ca. 50.000 Einwohnern schon ganz ordentlich. Etwas irritiert sind wir von dem Aufgebot an Militär und Polizei.
Irgendwie hat man auf den Straßen den Eindruck, dass 80% der Bevölkerung
in einer Uniform steckt und zu Überwachungszwecke o.ä. eingeteilt ist.
In einer Werkstatt ist es uns tatsächlich möglich, neue Radbolzen aufzutreiben.
Der Austausch ist für die Jungs kein größeres Problem. Der defekte Reifen wird parallel zu der Radbolzenreparatur durch einen neuen Schlauch geflickt.
Danach geht es zum Essen. Hähnchen, zwei Eier (für jeden) kosten uns genau eine Literdose FAXE und 100 DA. Vorab war ein dringend nötiger Kaffee drin. Da es sich in Algerien nicht wirklich um Kaffee sondern mehr um ein Konzentrat handelt, sollte sich dies wieder rächen. Auf dem Campingplatz steht ein Japaner mit seiner Honda. Mit dem Motorrad von Japan nach Algerien ??? - Alle Achtung !!!
Eine weitere interessante Konstellation bietet eine zierliche deutsche Frau mit einer
KTM LC4. Wenn wir es nicht gesehen hätten, hätten wir nicht geglaubt, dass dies möglich ist. Man sieht sie kaum neben der LC4.

12.12.2002 Tam
Sehr schlecht geschlafen und Mücken gibt es auch ohne Ende. 4 Baguette für ein altes T-Shirt. Wir sind am Aufräumen und plötzlich haben die Leute auf dem Campingplatz doch Zeit sich mit uns zu unterhalten. Am Abend zuvor hatten wir ein, zwei kurze Anläufe unternommen - aber keine Reaktion.

Der Zeltplatz kostet uns ein Vlies, ein T-Shirt und meine Socken.
Eigentlich wollten wir eine Woche im Hoggar-Gebirge verbringen. Da unsere Planung durch einige Umwege vollkommen über den Haufen geworfen wurde, machen wir uns auf den Rückweg Richtung Grenze. Auf unserer Karte ist eindeutig eine Straße eingezeichnet. Zwischendurch ist definitiv keine Straße mehr da bzw. nur noch Teerbrocken die anscheinend durch tiefe Löcher zusammengehalten werden. Wir schaffen 360 km in Richtung "In Salah". Wir finden kurz vor der "Arak-Schlucht" noch einen schönen Schlafplatz. Da wir am heutigen Tag endlich die Sonne wieder sehen konnten, wollen wir die Zelte im Auto lassen und legen uns wie normal üblich auf die Plane. In "Tamanrasset" hatten wir uns mit frischem Salat eingedeckt, doch die Fliegen (normale Stubenfliegen) lassen uns keine Ruhe. Dabei scheinen sie es nicht auf den Thunfisch oder den Salat abgesehen zu haben sondern nur auf uns. Als es dunkel wird kommt die Wachablösung, die Fliegen verschwinden und hunderte von surrenden Stechmücken tauchen auf. Der rettende Sprung in den Schlafsack ist nicht besonders effektiv. Nach einer Stunde reicht es Oliver endgültig. Vor lauter Verzweiflung baut er sein Zelt auf => WEICHEI !!!

13.12.2002 In Salah
Am nächsten Morgen Bestandsaufnahme: kein einziger Stich ??? Aber auch die normalen Fliegen waren ja nicht ganz normal.
140 km vor "In Salah" hat es der Reifen hinten links endlich überstanden. Er kommt zu den anderen tausenden "Reifentieren" die in ganz Algerien tot neben der Straße liegen. 13:30 Uhr wieder alles in Ordnung, das Ersatzrad ist drauf. Schön warm draußen. 13:45 Uhr - keine Straße mehr da !!! Zwei Möglichkeiten:

1.) weiträumig umfahren oder
2.) einfach durch.
Wir nehmen "einfach durch" und fahren uns nach ca. 10 Meter richtig fest.
Gem. Oliver: ruhig weiter, wir haben ja einen Geländewagen.
Der Sand ist von den Lkws dermaßen fein und tief zermahlen, dass es unmöglich ist, hier mit einem Pkw lang zu fahren. => Scheiße.
Die Temperaturanzeige zeigt +51° C. Oliver geht raus zum Schaufeln => Quatsch, völlig sinnlos. Der Untergrund besteht aus ca. 30 - 50 cm zementfeinem Sand. Bei den Temperaturen ist das aber eh nur eine Frage der Zeit. Dank einem Lkw kommen wir aber auch ohne große Anstrengungen nach ca. einer Stunde wieder frei.
15:00 Uhr, noch 120 Kilometer. Was kommt wohl als nächstes? Wir schaffen unerwartet den restlichen Weg bis "In Salah" ohne Probleme. In "In Salah" sollen wir uns bei der Polizei melden? Wir fahren durch den Ort und sehen uns um - danach meldet sich die Polizei bei uns. Wir werden zur Wache eskortiert. Hier werden aber nur die Personalien aufgenommen - warum man dazu jedoch
ca. 45 Minuten braucht, wird uns nicht ganz klar. Da man bis vor kurzem diese Strecke nur im Geleit fahren durfte, gibt es "In Salah" ein Hotel in dem früher die Leute eingesammelt wurden. Wir sind nach kurzem Abwägen von Campingplatz und Hotel beide für das Hotel. Hier gibt es Bier, lecker Essen und warme Duschen.
So essen wir ein super Kus-Kus, trinken zwei, drei Bier und schlafen mal nicht im Dreck.

14.12.2002 In Salah
Frühstück im Hotel: Essen nicht so toll, dafür aber Kaffee bis zum Abwinken. Die Kosten für diesen Luxus betragen ges. € 50,-. Wir fahren noch schnell zum Tanken und Überraschung: schon wieder kein Geld mehr. Also zurück zum Hotel und erneut Geld wechseln. Von "In Salah" bis nach "El Meniaa" ehem. "El Golea" sind es 396 km. Die Erde ist doch eine Scheibe !!! Hier ist es absolut flach.

Gem. Reiseführer nennt man diesen Teil der Sahara "Wüste der Wüsten" oder "Garten des Satans" (hier gibt es nichts - selbst Fliegen sucht man hier vergebens).
Die Straße wird immer besser und lässt z.T. bis 120 km/h zu. In "El Meniaa" kommen wir so auch schon um 14:30 Uhr an. Am Ortseingang werden wir erneut aufgefordert, uns bei der Polizei zu melden. Wir fahren in den Ort: Zigaretten und Brot kaufen. An der Polizeiwache fahren wir vorbei - spätestens morgen werden wir erfahren, ob der Besuch auf der Polizeiwache zwingend notwendig gewesen wäre.
Wir tanken wieder voll und fahren noch ca. 40 km aus der Stadt raus. In diesem Gebiet wird dringend von Übernachtungen in der Prärie abgeraten. Aber wo sollen wir hin? Nach weiteren 5 Kilometern durch unwegsames Gelände finden wir hinter einigen Bergen einen schönen und versteckten Platz im Sand. Da es erst 16:00 Uhr ist, bleibt Zeit für den wissenschaftlichen Teil der Tour. Oliver geht auf die Suche nach (wilden) Tieren und ich gehe auf (Edel-) Steinsuche. 17:00 Uhr, beides absolut erfolglos. Also Erholung in den letzten Sonnenstrahlen und Tagebuch schreiben ...
Gleich gibt es die letzten zwei Dosen "Feuerzauber Texas" und Wasser mit Pfirsich-
geschmack (gibt es jetzt schon seit drei Tagen - lecker ???).
Der erste Schlafversuch gegen 19:30 Uhr schlägt fehl. Oliver ist schon seit gut einer Stunde am randalieren: - kann nicht schlafen, - mein Bart kratzt, - habe Durst, - usw. ...
Gegen 21:00 Uhr steht Oliver dann auf und rasiert sich die Stoppeln aus dem Gesicht. Endlich Ruhe. In dieser Nacht haben wir die besten und längsten Stern-schnuppen gesehen.

15.12.2002 El-Oued
Bis nach "Ghardaia" sind es noch ca. 200 km, bis "Quarglar" 156 km, "Touggourt" noch 164 km und "El-Oued" weitere 95 km. D.h., wir haben ges. 615 km für heute vor uns.
08:30 soweit alles fertig, Oliver fehlt noch - wie immer ...
Als es eigentlich losgehen soll, geht es leider nicht vorwärts sondern nur nach unten.
Super, festgefahren: Motorrad wieder runter, Sandbleche raus, Schaufeln in die Hand und los. Um 10:15 Uhr ist dann endlich Abfahrt !!!
Aber wir schaffen unser Tagesziel "El-Oued" - um 17:00 Uhr sind wir da.
Es gibt ein Internet-Cafe und wir schreiben auf einer arabischen Tastertour (tolle Zeichen, ein @ und einige Buchstaben hätte uns eigentlich gereicht) unsere erste Mail von Afrika nach Deutschland. Das Cafe sitzt voll mit Männern - welche Seiten sich die lieben Moslems hier im Internet wohl ansehen??? Der Verlauf auf unserem Rechner ist sehr eindeutig.
Wir wollten die ges. Nacht aufbleiben und am Stadtleben teilnehmen. Da dieses in "El-Oued" jedoch nur in der Zeit von 19:00 - 20:00 Uhr stattfindet, fahren wir gegen 22:30 Uhr weiter Richtung Grenze. In "El-Oued" gibt es nichts ! Für das geplante Abendessen war es erst zu früh bzw. wir haben nicht geglaubt, dass es hier nur ein Restaurant und zwei Pizzabäcker geben sollte und dann war gegen 20:00 Uhr alles zu. Mit viel Überredungskunst bekommen wir noch eine Pizza. Keine Ahnung was drauf war. Der Geschmack war gut aber sah sehr seltsam aus.
16.12.2002 Pause Sonntag, gegen 00:30 Uhr sind wir wieder an der Stelle, an der alles angefangen hat:
auf der Piste Richtung "Bir-Djedid". Sand gibt es hier ohne Ende, also der beste Platz, um eine richtige Pause einzulegen. Jetzt schon nach Tunesien zu fahren wäre Unsinn gewesen.

Bis 10:00 Uhr gepennt. Die Sonne ist aber zu warm, um noch länger in den zwei völlig autarken Schlafsäcken liegen zu bleiben.
Jetzt ist es 13:00 Uhr => alles erledigt, was uns so eingefallen ist: Fingernägel sind geschnitten, Auto aufgeräumt, ...
1000 Fliegen um unser Auto, keine Wolke am Himmel aber es ist durch die Fliegen fast unmöglich, sich draußen aufzuhalten. Da wir erst am Freitag in Tunis sein müssen, fangen wir schon hier an "abzuhängen" - was sollen wir auch anderes machen? => Kochen: erst Bohnensuppe und dann braten wir uns noch den Speck den wir schon seit zwei Wochen in der Gegend rumfahren. Nach dem Essen geht Oliver wieder auf die Pirsch.
Drei Gruppen von Touris fahren durch unser Lager - letzten Freitag mit der Fähre angekommen. Die letzte Gruppe: 2 KTM`s, 1 Auto => 3 Männer aus München bleiben für die Nacht bei uns. Nicht schlecht, da die gerade erst aus Deutschland kommen, haben die noch den ges. Proviant dabei: Bier, Kekse, Weinbrand, Rotwein, Zigarren .... Unsere zwei Fackeln, welche wir für "Asssekrem" mitgenommen haben, kommen auch nicht schlecht. So sitzen wir bis weit nach Mitternacht um die Fackeln und erzählen von vergangenen Touren. Es ist Vollmond und saukalt.

17.12.2002 Tunesien
08:00 Uhr aufstehen => EIS AUF DEM SCHLAFSACK !!!
09:30 Uhr fertig zur Abfahrt. Die Münchener haben Zeit ohne Ende (wir heute nicht mehr). Wir wollen in Tunesien noch in Richtung Süden zu einer bekannten Oase.
Gegen 11:00 Uhr stehen wir an der algerischen Grenze. Vor uns liegen ca. 50 Pässe aber es ist keiner da, der die Pässe abstempeln könnte. Nach einer Stunde kommt dann doch endlich jemand. Der Vorteil unserer Pässe ist die Farbe, alle anderen Pässe der Tunesier und Algerier sind grün. So kommen wir zumindest sofort dran.
12:40 Uhr sind wir fast aus Algerien raus. Habe uns dann den letzten Schlagbaum selbst aufgeschoben, da auch hier wieder keiner war, obwohl wir alle Formalitäten erledigt hatten. Die algerischen Grenzpolizisten können ganz schön schnell werden und auch böse gucken.
Die Tunesische Grenze ist in 15 Minuten erledigt. So fahren wir gegen 13:00 Uhr weiter nach "Tozeur" und nach "Douz" auf den Campingplatz. Total müde schlafen wir gegen 20:00 Uhr in unseren Zelten ein.

© Oliver Ueffing, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Reise nach/durch Algerien mit Auto und Motorrad
Details:
Aufbruch: 29.11.2002
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 23.12.2002
Reiseziele: Algerien
Der Autor
 
Oliver Ueffing berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.