Marokko - ein Land zwischen Moderne und Tradition

Reisezeit: April / Mai 2007  |  von Angelika Gutsche

Die nördliche Atlantikküste

Nur vierzehn Kilometer sind es bis zum Leuchtturm am Cap Spartel, von dem aus sich ein wunderbarer Ausblick bietet. Da es heute ein wenig kühl und recht windig ist, finden sich nur wenige Ausflügler ein und die Geschäfte der fliegenden Händler gehen schlecht. Nicht weit von hier entfernt befinden sich die Herkules-Grotten, in denen sich der Sage nach Herkules von den Strapazen erholte, die ihm die Erschaffung der Meerenge von Gibraltar bereitet hatte. Leider sind diese Kalksteingrotten nicht zugänglich, doch macht sich drum herum ein schier unglaublicher Touristenrummel mit Cafés, Restaurants und Souvenirläden breit.

Die gut beschilderte und bestens ausgebaute Straße führt uns weiter durch grüne Hügel mit Schaf- und Kuhherden; Ochsengespanne durchpflügen die Äcker. Es muss viel geregnet haben, denn in den Senken steht das Wasser, worin sich Flamingos und andere Wasservögel vergnügen.

Asilah: Altstadt

Asilah: Altstadt

In der außerhalb der Mauern gelegenen Neustadt geht es recht touristisch zu, der lange Sandstrand, Campingplätze und viele Hotels lassen keinen Zweifel daran, dass hier ein viel besuchter Ferienort entstanden ist.

Asilah: Türe

Asilah: Türe

Wir beziehen auf dem gepflegten Campingplatz Quartier. Dort kommt eine kleine, helle Hündin freudig auf uns zugelaufen. Bei genauen Hinsehen erkenne ich, dass ihr Humpeln durch ein verkrüppeltes Vorderbeinchen, das nach außen steht, verursacht ist . Sie ist herzallerliebst und erobert mein Herz im Sturm. Ich nenne sie Laila. Laila wird meine Freundin und ständige Begleiterin auf dem Platz und als wir abfahren und wir sie neben der Mülltonne mit den Katzen zurück lassen müssen, bricht mir schier das Herz.

Asilah: Wandzeichnung

Asilah: Wandzeichnung

Unser nächstes Ziel ist der Cromlech von M'Soura, ein etwa 5000 Jahre alter, megalithischer Steinkreis. Die Anfahrt gestaltet sich schwieriger als vermutet, denn im Gegensatz zu den sonst sehr gut ausgeschilderten Routen finden sich hier keine Hinweise. Deshalb eine kurze Anfahrtsbeschreibung: von der Hauptstraße Richtung Rabat geht links eine Landstraße Richtung Tetouane ab, der wir bis zu einer Tankstelle (linker Hand) folgen, an der wir wiederum links abbiegen. Nach ca. drei Kilometern erreicht man ein kleines Dorf, das man durchfährt. Nach dem Dorf ist die Straße wieder geteert. Man hält sich links und fährt weitere fünf bis sechs Kilometer. Zum Cromlech geht es dann rechts ab auf einen schlechten Feldweg, dem man ca. drei Kilometer folgt. Ab der Tankstelle hat man insgesamt ca. neun Kilometer zurückgelegt. Wir hatten Glück, denn vor uns fährt ein marokkanisches Touristenauto, dessen Insassen sich bei den Bauern immer wieder nach dem richtigen Weg erkundigen, und dem wir folgen. Es handelt sich um spanische Touristen, die diesen Ort schon vor dreißig Jahren besuchten und die uns stolz die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von damals zeigen. Es waren auch spanische Archäologen, die in den 1950er Jahren erstmals eine Beschreibung des Cromlech von M'Soura gaben. Auch wenn auf dem Ausgrabungsgelände das Gras inzwischen wieder ziemlich hoch wuchert, ist dieser in ganz Nordafrika einzigartige prähistorische Steinkreis äußerst beeindruckend. Mit seinem Durchmesser von 54 Metern und den kreisförmig aufgestellten 168 Monolithen, die jeweils 1,50 Meter hoch waren, gehört dieser Cromlech zu den größten bekannten Steinkreisen überhaupt und es stellt sich immer noch die Frage, ob es sich um einen Kultplatz, einen Versammlungsort, einen Bannkreis oder ein Observatorium, oder alles zugleich oder auch alles nacheinander, gehandelt haben könnte. Erst in späterer Zeit wurde ein Grabmonument inmitten dieses Steinkreises errichtet.

Cromlech von M'Soura heute

Cromlech von M'Soura heute

Cromlech von M'Soura vor 30 Jahren

Cromlech von M'Soura vor 30 Jahren

Zurück im Dorf stärken wir uns mit superleckeren Krapfen, bevor wir nach Lixus weiterfahren. Auch hier müssen wir mit Bedauern feststellen, dass diese phönizisch-karthagisch-römische Ausgrabung, die im 19. Jahrhundert von Heinrich Barth wieder entdeckt worden war, nicht gepflegt, das Zugangstor aus den Angeln gehoben ist. Doch kann man immer noch die Überreste der Fabrik bestaunen, in der Garum, eine pikante, in der Antike äußerst beliebte Fischpaste, hergestellt wurde. Vom römischen Amphitheater aus, übrigens dem einzigen in Marokko, bietet sich ein fantastischer landschaftlicher Ausblick.

Lixus: Blick vom Amphitheater

Lixus: Blick vom Amphitheater

Der weitere Weg führt uns vorbei an Larache, wo in einem Wäldchen außerhalb der Stadt am heutigen Feiertag die Bevölkerung eine riesige Grillparty feiert. An der Küste zieht sich bis Kenitra ein wunderbarer Dünenstrand hin, der leider wegen Betonabsperrungen neben der Autobahn nicht zu erreichen ist. Wir biegen nach Osten ab und fahren über Sidi Slimane und Sidi-Kacem - zuerst durch eine landwirtschaftlich genutzte Ebene, die später in eine landschaftlich sehr schöne Gegend übergeht - nach Meknes.

Es fällt uns auf, wie diszipliniert sich in Marokko die Autofahrer verhalten. Allerdings ist das bei den vielen Verkehrskontrollen - Geschwindigkeitsüberschreitungen werden gnadenlos geahndet - kein Wunder. Glücklicherweise wird man häufig von entgegenkommenden Autofahrern mit Lichthupe vor der nächsten Kontrolle gewarnt. Übrigens zählt hier unser Peugeot Partner neben dem Renault Kangoo zu den meist gefahrenen Fahrzeugen.

Meknes: Eingang zur Medina

Meknes: Eingang zur Medina

© Angelika Gutsche, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Küste - Gebirge - Königsstädte - Wüste Auf dieser Reise wollen wir die Königsstädte besuchen, römische Ausgrabungen besichtigen, die Berge und Schluchten des Mittleren, des Hohen und des Anti-Atlas erkunden, die Straße der Kasbahs mit den Palmen-Oasen entlang der Oueds befahren, einen Abstecher in die Sahara machen, um anschließend entlang der Atlantikküste wieder an unserem Ausgangspunkt Tanger zurück zu kehren.
Details:
Aufbruch: 28.04.2007
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 26.05.2007
Reiseziele: Marokko
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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