Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Weiter nach Süden


Montag, 26. März: ⵜⵉⵖⵎⴰⵔⵜ (Oase Tighmert) ► الوطية (El Quatia), 178 km

Am frühen Morgen verlassen wir bei strahlendem Sonnenschein diesen gastlichen Platz. Wir werden aber wiederkommen, allein schon wegen des Kamelmarktes in Guelmim, den wir am Samstag verpasst haben. Jetzt wissen wir auch, wo genau er abgehalten wird.
Vor der Stadteinfahrt von Guelmim kaufen wir im Marjane-Supermarkt ein und treffen die beiden „Ösis“ an der Kasse.
An den Ortsein- und Ausfahrten gibt es nun an jedem durchfahrenen Ort Polizeiposten. Aber es gibt ab hier nicht mehr viel Ortschaften. In den wenigen, die wir durchfahren, wird am Straßenrand in kleinen Verkaufsständen Diesel aus der Westsahara in Kanistern und Fässern angeboten. Der Preis liegt noch einmal unterhalb des schon sehr niedrigen Tankstellenpreises. Das scheint geduldet zu werden, es wird alles sehr offen abgewickelt.

Der Wind nimmt zu. Es bilden sich kleinere Sandverwehungen auf der Straße.
In Tan-Tan kaufen wir auf dem Markt Gemüse und Brot. Am Polizeiposten der Stadtausfahrt werden wir zum ersten Mal auf dieser Tour angehalten. Der Polizist textet uns auf Französisch zu. Wir machen ihm begreiflich, dass wir Französisch kaum verstehen. Da wird er zum Klugscheißer. Auf Englisch sagt er: „Jeder Mann spricht mehrere Sprachen“. Wir verzichten in diesem Moment auf Ironie. Vielleicht fehlt uns in diesem Moment auch die Schlagfertigkeit auf Russisch zu antworten.
Auf der N1 rollen wir immer weiter auf die Küste zu. Auf der gut ausgebauten Straße herrscht kaum Verkehr. Die Landschaft wirkt staubig und öde. Das hier überhaupt etwas wächst, ist erst auf den zweiten Blick erkennbar. Trotzdem sind in der Ferne neben Nomadenzelten immer wieder Kamel- und auch Ziegenherden zu sehen.
Schon um 14.⁰⁰Uhr sind wir am Meer in El Quatia. An der Straße am Strand gibt es direkt nebeneinander drei Campingplätze. Ansonsten gibt die Stadt nicht viel her. Wir entscheiden uns salomonisch für den mittleren der Plätze. Der Betreiber ist sehr nett. Wir stellen uns mit direktem Blick auf den tosenden Atlantik. Unschön ist allerdings der starke kalte Wind und unser seit zwei Tagen nicht funktionierender Internetzugang des neuen Tablets. Frank quält sich eine ganze Weile ohne Ergebnis damit rum, bis voriges Jahr ging es ja auch komplett ohne.
Die Sonne scheint, kein Wölkchen ist am Himmel und an geschützter Stelle hinterm Auto kann man auch sitzen und aufs Meer schauen.
Wir machen einen Rundgang an den flachen, felsigen Strand.

Auf der Straße am Strand haben sich Sandverwehungen abgelagert.
Als wir zurück sind, hat in unserer Nähe ein französischer Allrad-Kastenwagen seinen Platz gefunden. Die beiden älteren Herrschaften sind sehr aufgeschlossen, aber es gibt leider Verständigungsprobleme.


Dienstag, 27. März: الوطية (El Quatia) ► طرفاية (Tarfaya), 197 km

Über Nacht hat sich der Wind gelegt. Es ist angenehm mild am Morgen. Beim Frühstück draußen vorm Auto wird es turbulent. Die bunte Katze vom Platz hat sich im Motorraum des Autos unserer Nachbarn vor deren Hund in Sicherheit gebracht und traut sich nicht mehr raus. Wir gehen noch eine Runde ans Meer. Lustig sind die kleinen Wasservögel, die so schnell am Wellensaum laufen, dass man denkt sie hätten Rollen unter den Füßen.
Wir brechen auf, die N1 entlang der Küste weiter nach Süden. Die Straße führt jetzt oben auf der Steilküste entlang. An der Abbruchkante der Steilküste stehen Zelte und Buden von Anglern, die von hier oben aus fischen. Über Brücken queren wir mehrere wasserführende Queds. Flamingos stehen in den flachen Mündungslagunen
Die Sonne steigt höher und der Wind nimmt wieder enorm zu. Fast 100 Kilometer nach unserem Start heute erreichen wir die erste Ortschaft. Kurz vor dem Ort ist ein großes Loch im Boden. Der Meereseinbruch von Sidi Akhfennir.

Die Brecher des Atlantiks haben Höhlen in die mürben Küstenfelsen gespült. Landeinwärts ist die Höhlendecke eingebrochen. Frank macht einen Versuch auszusteigen. Der Sturm reißt ihm fast die Tür aus der Hand er bekommt sie kaum wieder geschlossen und steigt dann zur Schiebetür aus. Fotografieren ist auch nicht so gut, man kann die Kamera kaum halten.
In Sidi Akhfennir ist die Luft staubgesättigt, Müll wirbelt in der Luft. Die wenigen Menschen, Männer wie Frauen, laufen vollverschleiert, Mund und Nase hinter Tüchern, herum. Frank kauft ein, ich bleibe im Auto. Das dauert etwas, der uralte Verkäufer in seinem kleinen Laden bewegt sich mühsam. Wir fahren weiter. Der Himmel vor uns wird immer trüber. Ein gelb-grauer Schleier bedeckt die Sonne nun vollständig. Auf der Schotterebene rechts und links der Straße ist hinter jedem Stein ein kleines Sandhäufchen angeweht worden.

Allmählich recken sich die Zungen der Sandverwehungen auch über die Straße. Wir müssen Slalom fahren und auch manche Verwehung mit Schwung durchfahren. Entlang der Straße stehen in sehr regelmäßigen Abständen einheitliche kleine Gebäude für Straßenwärter mit Räumgerät daneben. Auf großen Tafeln wird alle paar Kilometer eine Telefonnummer angezeigt die bei „ensablement“ – Versandung anzurufen ist. Das Mobilfunknetz ist gut, in gleichmäßigen Abständen stehen Sendemasten unweit der Straße.
Dann steht ein Mann vor seinem Auto und winkt. Wir halten an aber können nicht helfen. Er braucht Motorenöl.
Das Wetter wird immer schlimmer. Am Abzweig von der N1 nach Tarfaya, einige Kilometer vor der Stadt liegt ein Campingplatz im Nirgendwo. Vollkommen zugeweht.

Eine hüfthohe Sanddüne sitzt in der Einfahrt zwischen den Mauern. An manchen Gebäuden ragt der Sand schon über die Fensterhöhe hinaus.
In Tarfaya halten wir in einer Querstraße der Strandpromenade, zwischen einem hohen Verwaltungsgebäude und dem Museum Antoine de Saint-Exupéry. Der Schriftsteller („Der kleine Prinz“) war hier 1927 bis 1929 als Postkurierflieger stationiert. Wir werden hier über Nacht stehen bleiben die hohen Fassaden bieten Schutz vor Sand und Wind. Außerdem werden wir hier gut gesichert stehen, denn der Wachsoldat vom Verwaltungsgebäude grüßt freundlich herüber.

Nachdem wir umgerechnet knapp vier Euro gezahlt haben, sind wir im Museum. Museum ist vielleicht etwas übertrieben. Es ist ein größerer Raum in dem die Geschichte der Postfliegerei zwischen Südamerika und Europa dargestellt wird. Die Flugzeuge kamen von Brasilien nach Tarfaya, weil das die kürzeste Strecke für eine Atlantiküberquerung ist, und flogen dann weiter nach Europa. Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich speziell mit der Person von Antoine de Saint-Exupéry. Alle Beschriftungen und Erklärungen sind leider nur in Französisch. Auch der Museumsmitarbeiter bringt uns nicht weiter. Wenn er sehr laut mit starker Stimme spricht, widerhallt es im hohen Raum. Einige von Besuchern an das Museum gestiftet Bücher liegen aus, „Der kleine Prinz“ einmal in Polnisch und einmal in Spanisch.
Wir schauen zur ehemaligen Kaserne, in der Antoine de Saint-Exupéry gewohnt hat und zum Fort, das nur bei Ebbe zu erreichen ist.

Bei dem darauffolgenden Strandspaziergang offenbaren sich die Folgen des Sturms. Der Sand hat Teile der Promenade und der Straße zugeweht. Über ein Meter hoch liegen die Verwehungen. Mit Radladern wird der Sand von den Straßen aufgenommen und auf LKWs verladen. Viele PKW fahren mit „Mundschutz“, sie haben Schürzen aus Sackleinen vor die Kühleröffnungen gebunden.
Wir drehen eine Runde durch den Ort. Eine Medina, oder Altstadt gibt es hier nicht. In der breiten Hauptstraße reihen sich viele kleine Läden aneinander. Wir kaufen Brot und Diverses ein. Beim Getränkekauf scheitert es an Verständigungsschwierigkeiten. Uns fällt auf, hier sind die Leute zurückhaltender. Wir werden auf der Straße nicht mehr angesprochen oder gegrüßt wie in den vergangenen Tagen.
Am Abend fällen wir die Entscheidung, nicht mehr weiter nach Süden zu fahren. Eigentlich wollten wir bis Mauretanien vordringen. Frank hatte alles für den Grenzübertritt vorbereitet. Kartenmaterial ist auch vorhanden, aber bei dieser Wetterlage, das müssen wir uns nicht antun. Es ist noch weit, über 900 km bis zur mauretanischen Grenze und kaum noch Ortschaften an dieser Strecke. Alle Prognosen sprechen für die nächsten Tage weiterhin von Windgeschwindigkeiten von 70 – 100 km/h für die gesamte Region an der Atlantikküste ohne Aussicht auf Änderung. Im Motorraum hat sich schon Sand abgelagert.

Auch die Schiebetür war blockiert, weil die Schiene voller Sand saß. Wir fahren morgen zurück. Es gibt also kein Foto mit uns und der blauen Zitrone in der Sahara am nördlichen Wendekreis (Wendekreis des Krebses). Am südlichen Wendekreis in der Namib (Wendekreis des Steinbocks) standen wir 2010 ohne die Blaue Zitrone.
Nachts ist es ruhig, der Sturm hat sich gelegt.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.