Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Sidi Ifni


Mittwoch, 28. März: طرفاية (Tarfaya) ► الوطية (El Quatia), 197 km

Wir haben Angst vor dem Sandsturm. Wir haben die Theorie entwickelt, dass sich der Wind erst erhebt, wenn die Sonne schon etwas höher steht und der Temperaturunterschied zwischen dem kalten Atlantikwasser und der Sonneneinstrahlung in der Wüste das thermische Gebläse in Gang bringt. Deshalb fahren wir ganz früh, beim ersten Lichtstrahl der am Horizont sichtbar wird los. Genau wieder die gleiche Strecke über die N1, die wir gestern genutzt haben. Eine Alternative gibt es für uns nicht.
Bei der Ausfahrt aus der Stadt staunen wir, weil die Straßenbeleuchtung mit ihren hohen neuen Masten noch viele Kilometer ins Nichts der Wüste hinausführt.
Die Sonne steigt empor und der Wind und die Verwehungen auf der Straße nehmen wieder zu. Heute sind doch ein paar wenige Autos unterwegs. Eines überholt uns genau an der Stelle, wo wir eigentlich einer Sandverwehung nach links hätten ausweichen müssen. Fast ungebremst donnern wir über die schon etwas höhere Sandzunge. Ich glaube einen Augenblick lang haben wir kein Rad mehr auf dem Boden. Für einen kurzen Moment denken wir, unser Auto bricht auseinander. Es hat im Verlaufe unserer Reisen so manchen Härtetest bestehen müssen, aber das war heftig.
Kamele stehen vor kleinen gelben Sanddünen direkt neben der Straße.

Wir halten noch einmal am Marinestützpunkt am Meeresloch. Unten braust es, Atlantikwasser strömt in der Tiefe durch eine Öffnung hinein. Zahlreiche Seevögel nisten in den senkrechten zerklüfteten Wandungen des Loches. Frank kommt wieder ins Auto und benutzt das Klo. Es ist so windig selbst freipullern ist nicht möglich. Trotz des starken Windes kommt auch noch dichter Nebel auf. Wir bleiben auch vor nichts verschont.
So kommen wir schon um 12.⁰⁰ Uhr mittags in El Quatia an und entscheiden uns heute für den ersten, etwas kleineren Platz. Er ist ringsum von hohen Mauern umgeben. Das ist zwar gut bei Sturm, versperrt aber auch den Blick aufs Meer. In die Umfassungsmauer integriert sind Bungalows mit Pensionszimmern. Aus deren Dachterrasse hat man einen schönen Blick zum Atlantik. Der Wind bläst hier nicht mehr so sehr, wie gestern oder auf der Fahrt heute. Wir werden sehr herzlich auf dem Platz begrüßt. Der junge Angestellte spricht etwas Deutsch und Englisch. Er zeigt uns alles, die Duschen und WCs sind sehr gut. Er nimmt unsere Personalien in der Rezeption auf und möchte mir bereits heute zum Geburtstag gratulieren. Nein, erst morgen, sage ich. Er möchte der erste sein der mir gratuliert. Ob er das schafft? Dann bietet er uns Mittagessen an, da sagen wir nicht nein.
So entspannen wir erst einmal und später werden wir zum Essen gebracht. Das Restaurant ist schräg über die Straße, es gehöre seinem Bruder sagt er. Meine kurze Hose macht nichts aus, ich bräuchte mich nicht umzuziehen, sagt er. Im Restaurant sitzen nur Männer in gediegener europäischer Kleidung und ich in meiner kurzen Hose – zu spät. Wir essen Tajine mit Huhn, gegrillte Sardinen und Salatteller. Alles sehr gut.
Nebenan am Tisch wird mächtig getafelt und zwar mit den Händen. Wir haben allerdings Messer und Gabel. Wieder im Camp sitzen wir auf der Dachterrasse in der Sonne. Heute ist es recht warm. Der Platzangestellte Rachid ist sehr zuvorkommend. Er fragt, ob alles in Ordnung ist. Wir dürfen uns die Bungalows innen ansehen. Alles ist sehr gut gemacht.
Außer uns ist momentan nur ein Franzose mit Wohnmobil zu Gast. Gegen Abend kommt noch ein spanischer Motoradfahrer mit Zelt, der bis in den Senegal fahren möchte. Dann noch zwei Niederländer, die einen Bungalow mieten.

Der Wind braust nicht mehr so gewaltig. In der lauen Abendluft gehen wir ans Meer. Ebbe hat eingesetzt, die flache felsige Küstenlinie liegt frei und eine Menge Muschelsucher, Schneckensammler und Brandungsangler sind unterwegs. Silberglänzende Wolken schweben über der Szenerie.
Unser Tagesausklang wird bei Käse und Wein zelebriert. Spät nachts werden wir noch einmal wach. Es kommen noch etliche Fahrzeuge, die Krach machen.


Donnerstag, 29. März: الوطية (El Quatia) ► سيدي إفني (Sidi Ifni), 215 km

Am Morgen erkennen wir das Ausmaß des nächtlichen Rangierens. Wir sind eingekesselt von spanischen Geländewagen mit Dachzelten. Einer hat sich ganz eng an uns gekuschelt. Nicht, dass es hier keinen Platz gäbe. Der Hof erscheint immer noch fast leer. Da sind wir nun doch schon etwas stinkig. Das hat der Kuschelcamper wohl auch gespürt. Er fährt mit noch aufgeklappten Dachzelt auf die andere Seite.
Wir können jetzt wenigstens unseren Tisch neben das Auto in die Sonne stellen und frühstücken. Rachid geht herum und bietet jedem frisches Baguette an. Da packen wir das Brot von Gestern doch schnell wieder ein. Nun wird es laut, die Spanier sind inzwischen alle erwacht und schnattern lautstark durcheinander. Der Franzose mit rotem Samtbademantel guckt auch ganz murrig wegen der auch schon am frühen Morgen lärmenden Spaniern. Sie fangen an ihre Autos zu waschen, lassen die Motoren schon lange vor der Abfahrt laufen und schwärmen endlich mit Getöse aus.
Ruhe kehrt wieder ein.
Rachid gratuliert mir jetzt zum Geburtstag und bittet uns, doch noch zu bleiben. Wir könnten gut essen und er würde auch einen Geburtstagskuchen besorgen. Aber es treibt uns weiter. So singen Frank und er mir noch ein Geburtstagsständchen und auf geht’s. Nach 25 km halten wir in Tan-Tan zum Einkaufen. Wir sind das erste Stück des Weges auf der N1 nach Guelmim auf der gleichen Strecke unterwegs, wie vor drei Tagen. Erst wieder nur durch kahle Landschaften, dann wird es zunehmend grüner.

Nach tagelanger Geradeausfahrt wird es nun auch wieder kurviger. Durch Sidi Ifni kommen wir zu den Felsentoren von Leghzira. Die Felsen sind eigentlich keine richtigen Felsen, sondern harter, dunkelroter, lehmiger Kies. Deshalb ist auch der größte und schönste Bogen 2014 zusammengebrochen und weggespült worden. Auf unserer ersten Marokkoreise hätten wir ihn noch sehen können, aber unsere Reiseroute führte uns nicht hierher.

Die ganze Steilküste besteht aus diesem farbigen Konglomerat in das Kieselsteine bis Kindskopfgröße eingebacken sind. Es ist nicht ungefährlich hier am Strand entlangzulaufen, oder durch die Felsentore hindurchzugehen. Ständig lösen sich Kieselsteine aus dem Verbund und stürzen auf den Strand. Aber es ist ein wahrer Traumstrand, den wir auf den größtenteils braunen Steinen entlangwandeln.

Über uns schweben Paragleiter über dem Steilufer. Am Zugang befinden sich viele kleine Restaurants und oben ein riesiges blau-weißes Bungalowdorf, das anscheinend noch nicht fertiggestellt ist. Der Tourismus ist hier besonders stark im Aufbau.
Wir fahren ein Stück zurück, nach Sidi Ifni und checken auf dem ersten Campingplatz ein. Der Mann an der Rezeption, spricht etwas deutsch, ist sehr freundlich und etwas aufgeregt. Draußen stinkt es nach faulen Meerespflanzen.

Abend gehen wir die große spanische Treppe hinauf in die Altstadt. Die von den Spaniern in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts angelegte Stadt wirkt sehr ausgestorben, ein für Marokko recht ungewöhnliches Bild. Ein gemütliches Restaurant für das Geburtstagsabendessen finden wir nicht, so dass wir selber kochen und abends unter dem inzwischen fast vollen Mond Bratkartoffeln mit Ei, Oliven, Tomaten, Paprika und Wein genießen.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.