Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Tiznit und Guelmim


Freitag, 30. März: سيدي إفني (Sidi Ifni) ► تيزنيت (Tiznit), 96 km

Als Frank zum Bezahlen in der Rezeption ist, habe ich ein nettes Gespräch mit einem älteren Paar aus der Nähe von Heilbronn.
Von Sidi Ifni fahren wir an der Küste entlang nach Norden. Hoch oben auf der Klippe vor Mirleft ein Stellplatz, der uns schon von weitem gut gefällt, das wäre es für gestern Abend gewesen. Unten in Mirleft halten wir an einem kleinen Strand mit Blick auf ein Mini-Felsentor.

Den weiteren Weg säumen unzählige Kaktusfeigen und Euphorbien. Die Straße wendet sich nun wieder dem Landesinneren zu. Kleine Getreidefelder und Blumen des Frühlings sind rechts und links des Weges zu sehen.
Um die Mittagszeit sind wir schon in Tiznit. Ein Wohnmobilplatz befindet sich direkt vor dem Tor zur Altstadt. Ein typischer Rentnerplatz für Franzosen und auch recht gut gefüllt aber auch sehr gut gelegen.
Wir erkunden sofort die Stadt. In einem Optikerladen lasse ich mir eine Schnur an die Sonnenbrille machen, damit ich sie um den Hals hängen kann. Der Optiker ist entsetzt von den schmutzigen Gläsern und fängt gleich an intensiv zu putzen. Wir bezahlen umgerechnet weniger als einen Euro und ich bekomme noch ein Brillenputztuch als Werbegeschenk.
Die Medina müssen wir allerdings suchen, da wir den Blick auf den Stadtplan vor dem Loslaufen vergessen haben und in die falsche Richtung marschieren. Wir müssen fragen und dann ist es ganz einfach.

Die Medina ist klein und nicht so schön aber sehr lebendig. Tiznit ist bekannt für seine Kupfer und Silberschmiede. Es gibt jede Menge Schmuckläden, aber auch aufdringliche Schmuckverkäufer. Einem gelingt es doch, uns in seinen Laden zu schleppen. Wir sind uns allerdings einig, nicht schwach zu werden.
Wir trödeln durch die Gassen. Der Muezzin ruft zum Gebet und es ist Freitag. Nahe der Moschee um eine Gassenecke herum wären wir fast in die dicht an dicht knieenden Betenden gelaufen. Hier ist kein Durchkommen. Wir müssen den Rückwärtsgang einlegen.
Nachmittags sind wir wider auf dem Platz und sitzen vorm Auto in der Sonne. Und dann kommt Marokko wieder mal zu uns. Das heißt, erst einmal zu Frank, dessen Bart ist schon recht wildwüchsig und da kommt der mobile Friseur zur rechten Zeit. Dann sieht er meine schlechte Frisur, und bietet auch mir seine Dienste an. Ich entscheide mich dafür, und die Frisur ist wieder fit für die nächsten vier Wochen.
Es zieht uns nochmals in die Medina. Dieses Mal in einen anderen, interessanteren Teil. Auch hier sehr viel Schmuck, Schuhe, Stoffläden, Schneider. Wir essen jeder ein leckeres Fettgebäck, vom Verkäufer direkt aus einer auf der Gasse stehenden Fritteuse gefischt. In einem winzigen Musikinstrumentenladen unter einer Treppe finden wir unter gebrauchten Ibanez-Gitarren und kleinen Kofferverstärkern auch traditionelle handgefertigte Saiteninstrumente. Wir kaufen ein Sajanit, ein Instrument mit auf Holzkorpus gespanntem Ziegenleder und vier Saiten, das uns als Geburtstagsgeschenk für unseren Sohn sehr geeignet erscheint. Die beiden sehr jungen Verkäufer sprechen ganz gut englisch und diskutieren begeistert mit uns. Das Instrument wird mittels elektronischem Stimmgerät gestimmt und vorgeführt. Man schreibt uns noch den Namen des bekanntesten Meisters auf, der je mit einem solchen Teil hantiert hat: Mohamed Rwicha. Er sei zwar vor einiger Zeit gestorben, aber seine legendären Konzertauftritte sind im Internet abrufbar. Ein Foto von den beiden in ihrem Laden zu machen, das haben wir leider vergessen.
Auf dem Wohnmobilplatz drehen wir eine Runde zwischen den französischen Großmobilen, in der Hoffnung doch noch Landsleute zu finden, mit denen man „Geschwätzer“ treiben kann. Das Areal erstreckt sich noch weit nach hinten an das städtische Schwimmbad. Hier steht man doch ganz gut, warum drängeln sich dann vorne alle so dicht aneinander?
Ein deutsches Mobil entdecken wir. Lustige ältere Leute, die drei Monate unterwegs sind. Wir geben ihnen den Tipp mit der Oase Tighmert. Nun wird es kalt, deshalb verbringen wir den Rest des Abends im Auto.


Samstag, 31. März: تيزنيت (Tiznit) ► كلميم (Guelmim) ► ⵜⵉⵖⵎⴰⵔⵜ (Oase Tighmert), 138 km

Heute ist Kamelmarkt in Guelmim, deshalb fahren wir recht früh auf der N1 über Bouizakarne dort hin. Als wir unterhalb des Marktes einen Parkplatz für die blaue Zitrone gefunden hatten, spricht uns ein Mann im hellblauen Gewand in Deutsch an, hält etwas small talk, aber am wichtigsten ist ihm wohl, uns an seinen Stand mit Schmuck und Silber zu lotsen. Später, sagen wir, zuerst der Viehmarkt.
Es werden schon Schaf- und Ziegenherden und auch einzelne Tiere vom Platz getrieben. Anscheinend die verkauften Tiere. Hoffentlich kommen wir nicht zu spät. Als wir den umfriedeten Bereich betreten, stehen noch Schafe, Ziegen, Rinder und Kamele zum Verkauf.

Spektakulär die Verladung der Schafe auf LKW. Ein Mann wirft die Tiere nach oben, Ein anderer auf halber Höhe stehend, fängt auf und wirft weiter aufs „Oberdeck“. Irgendwie kommen die Schafe da oben wieder auf die Beine.
Da kommt auch schon unser Freund ins Spiel, Sein Stand ist am Rand des Platzes. Auf dem Boden haben er und seine Kollegen ihre Schätze ausgebreitet. Ich weiß nicht mit welcher Art von Hypnose es die Händler schaffen, wir stehen kaum davor und schon habe ich drei Armreifen am rechten Arm, von denen der dickste und Schönste so wunderbar zu meinem Halsschmuck aus Tafraoute passt. Der Handel wird hart. Der in den Sand geschriebene erste Preis von 1200 Dirham ist jenseits von Gut und Böse. Am Ende wird nach mehrmaligem Auswischen und neu schreiben ein Betrag von 290 Dirham als Endpreis angesehen. Damit ist er sicherlich immer noch gut bedient. Das Schmuckstück geht in meinen Besitz über.
Danach ein Rundgang auf dem angrenzenden überquellend bestückten Obst und Gemüsemarkt um uns einzudecken.

Auch den Fleischbänken statten wir einen Besuch ab und erwerben wieder Ziegenfleisch.
Am Nachmittag trudeln wir Bei Salah in der Oase Tighmert ein. Wir werden freundlich begrüßt und stehen wieder auf unseren alten Platz. Uns ist, als ob wir nie von hier weg waren. Wir sind heute Abend die einzigen Gäste.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.