Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Von Tata bis Zagora


Freitag, 6. April: ⵟⴰⵟⴰ (Tata), ► ⵉⵎⵉ ⵥⴰⴳⴳⵉⴷ (Foum Zguid), 144 km

Wir rollen die N12 weiter, endloses Nichts bei brütender Hitze. Wir halten in Tissint. Hier sind einige Palmgärten, der Fluss hat sich tief in den Lehm eingegraben und eine faszinierende Landschaft hervorgebracht. Die Häuser stehen oftmals dicht an der Abbruchkante.

Hier gibt es salzhaltiges Wasser das in Kaskaden in Teiche hineinrauscht. Man könnte hier baden. Vorher machen wir noch ein Foto von einem kleinen Jungen auf einem Esel, der unser Auto in immer enger werdenden Kreisen umrundet, weil er auf Beute hofft. Die bekommt er in Form von Plätzchen und wir das Foto.
Mittags sind wir in Foum Zguid auf einem Platz in den Palmgärten. Es ist unerträglich heiß, da kann man nur sitzen. Wir kochen heute mal wieder selbst ein leckeres Mittagessen. Paprika, Tomate und Aubergine vom Markt, Zwiebeln von Salah aus dem Garten, Ketchup aus dem Marjane-Supermarkt mit Gabelspaghetti aus Spanien.

Es kommt noch ein Schweizer Wohnmobil auf den Platz fünf Deutsche mit Geländewagen und Dachzelt innerhalb einer geführten 4x4-Tour und ein junges Paar aus den Niederlanden mietet ein en Bungalow an. So bekommt der Platz doch noch einige Gäste mehr. Vorher haben wir nur ein deutsches Rucksacktouristenpärchen und einen alleinreisenden österreichischen Fahrradfahrer gesehen. Mit dem haben wir uns schon etwas länger unterhalten. Er ist schon seit November unterwegs und kommt jetzt gerade aus Mauretanien.
Gegen Abend werden die Temperaturen angenehmer, wir schlendern durch den Ort. Vor einem Shop werden wir mal wieder sehr nett eingefangen. Schon sitzen wir auf den Kissen, beziehungsweise auf einem Steinblock mit drauf und das uns vertraute Verkaufsgespräch nimmt seinen Lauf: Schmuck von Berbern und Touareg, marokkanische Kleidung. Aber wir bleiben hart. Wir haben einige alte noch voll funktionsfähige Nokia-Handys mit allem Zubehör mitgenommen für solche Zwecke. Wir haben bisher noch keines vergeben. Der junge Mann ist uns sympathisch, wir würden ihm eines schenken.
Ja, dann kommt er mit. Er könnte uns noch die alte Kasbah zeigen. Es wird nur leider schon dunkel und so stolpern wir durch die schummrigen Gänge des nur noch teilweise bewohnten Lehmdorfes. Schade, dass es schon so spät ist. Plötzlich läuft uns ein kleines wenige Tage altes Zicklein hinterher. Wir haben schon mitbekommen, dass hinter manchen Türen Vieh eingesperrt ist. Das Kleine ist wahrscheinlich durch einen Spalt, durch den die Mutter nicht hinterher kann entflohen. Wir bringen es mehrmals zurück, aber es läuft uns immer wieder hinterher, bis wir einem Anwohner begegnen, der es an sich nimmt.

Unser Begleiter meint, er müsse noch einen Gegenwert für das Handy besorgen, taucht kurz ab und ist mit einer Berberkette schnell wieder zurück. Wir entfernen uns immer mehr von der Straße, aber unser Begleiter meint, durch die Palmgärten kommen wir schneller zum Camp. Wir stapfen hinterher. Inzwischen ist es pechfinster geworden. Unser Schutzinstinkt ist mal wieder komplett ausgeschaltet, so stolpern wir in den dunklen Palmgärten durch Bewässerungskanäle, die zum Glück trocken sind. Auch unser Freund hat, wie wir bemerken anscheinend die Orientierung verloren. Wir sehen Licht durch die Palmen schimmern und können weit entfern die Dachzelte der Allradgruppe erkennen, da müssen wir hin. Wir stolpern, ohne zu sehen wo wir hintreten, über die großen Kiesel eines ausgetrockneten Flussbettes. Man könnte sich die Füße brechen.
Was machen wir hier eigentlich? Der Vorsatz wird gefasst: Nie wieder! Mal sehen, wann die nächste Marokkohypnose zuschlägt. Wir haben hier noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Land und Leute sind gut zu uns, ziehen uns immer wieder in ihren Bann und werden uns immer vertrauter. Jetzt müssen wir noch ein dorniges Gestrüpp umgehen, dann sind wir da.
Am Auto angekommen holt Frank ein Handy mit Ladekabel im Originalkarton mit mehrsprachiger Bedienanleitung. Der Mann ist hellauf begeistert. Bei uns würde so etwas im Elektroschrott landen. Hier wird es noch einige Jahre seinen Dienst tun. Ob wir dann nicht vielleicht noch ein T-Shirt hätten – alter Schnorrer! Er kriegt noch ein Leikeim-Werbeshirt und eine Packung Faserstifte und Zeichenblock für die Kinder. Der Mann scheint endgültig glücklich und zufriedengestellt. Wir bekommen noch alle guten marokkanischen Wünsche mit auf unseren weiteren Weg.
Wir beide sitzen noch lange in dieser warmen Nacht unter dem immer phantastischer werdenden Sternenhimmel, davon auch einige Minütchen beim Schweizer vorm Mobil. Seine Frau war allerdings schon zu Bett gegangen.


Samstag, 7. April: ⵉⵎⵉ ⵥⴰⴳⴳⵉⴷ (Foum Zguid) ► زاكورة (Zagora), 127 km

Es ist schon am Morgen sehr warm. Wir halten im Ort noch einmal an und kaufen eine großen Tonteller für die Basaltsäule in unserem Garten.
An der Ortsausfahrt des kurz darauffolgenden Dorfes El Mhamid begegnet uns eine Kolonne verschiedener Fahrzeuge mit einer Menge fahnenschwenkender Menschen als Ladung. Wir werden von der Polizeibegleitung angehalten. Der Polizist spricht deutsch, ist stolz darauf und wir sollen fragen, weshalb er es kann. Das fragen wir dann auch, er antwortet: „Weil ich es auf dem Gymnasium gelernt habe!“ Was ist hier eigentlich los, interessiert uns. Sie fahren zu einem Fußballspiel, wird uns geantwortet.
Wir kommen an eigentümlichen Lehmformationen vorbei. Es ist nicht auszumachen, ob diese natürlichen Ursprungs sind, oder die Reste von eingestürzten ehemals sehr großen Gebäuden. Im Hintergrund ist ein verlassenes Dorf zu sehen.

Auf der sehr neu aussehenden N12 ist nichts los. Auf den nächsten einhundert Kilometern begegnen uns gerade mal fünf Fahrzeuge, sie ziehen lange Sandfahnen hinter sich her, wie wir auch. Wir überholen zwei europäisch aussehende Fahrradfahrer, eisenharte Menschen bei dieser Hitze. An einigen Stelle gibt es künstlich bewässerte Melonenfelder. Sie sind mit Palmblättern eingezäunt.
Mittags sind wir schon auf einem schön bepflanzten Platz in Zagora. Jede Menge holländische Wohnmobile stehen hier. Sie gehören zu einer geführten Tour, wie die Aufkleber verraten. Aber anscheinend sind die Besatzungen gerade ohne ihre Fahrzeuge unterwegs, es ist keiner anzutreffen.
Zum Mittag bestellen wir Keftetajine mit Ei und Fladenbrot. Selbige wird uns direkt vor unserem Auto auf unserem Campingtisch serviert und ist sehr lecker. Danach faulenzen wir im Schatten, denn es ist einfach noch zu heiß, um etwas zu unternehmen.
Gegen 16.⁰⁰ Uhr machen wir uns auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Eine Bäckerei mit arabischer Beschriftung und gemalten Weihnachtsmännern auf der Fassade ist uns ein Foto wert.

Ein Mann hat uns beim Hineinfahren in die Stadt schon gezeigt, wo das Schild „Tombouctou 52 Jours“ steht, nachdem wohl alle Touris suchen. Jetzt treffen wir ihn wieder. Er macht ein Foto von uns vor dem Schild und erzählt, dass es nicht das originale Schild ist, denn das wurde beim Bau des Kreisverkehrs abgerissen. In seinem Laden kaufen wir Ansichtskarten. Wie alle versucht er uns auch Schmuck zu verkaufen. Nachdem wir eine große Runde in der Stadt gedreht haben kommen wir an einer tip top nach europäischem Standard ausgestatteten Autowerkstatt vorbei und haben ein nettes Gespräch mit einem Angestellten.
Abends, als wir vor unserem Auto sitzen, werden wir von der freundlichen französischen Nachbarin herangebeten und bekommen zwei Eierkuchen geschenkt.
Eine Terrassenebene über uns steht ein vollbärtiger Mann an seinem roten VW-Bus mit dänischem Kennzeichen und putzt und entsandet ausgiebig. Er hat auf dem Dach eine Sandschaufel angebracht, die komplett in Wagenfarbe lackiert ist.
Wie so oft, beeindruckt uns auch heute der Sternenhimmel.

© B. & F. S., 2019
Du bist hier : Startseite Afrika Marokko Marokko-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.