Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Das Draa-Tal


Sonntag, 8. April: زاكورة (Zagora) ► اڭدز (Agdz), 101 km

Als wir heute bezahlen wollen, ist der Chef nicht da. Sein Angestellter darf kein Geld entgegennehmen, er ruft ihn an und sagt, in fünf Minuten. Gut, da gehen wir in dieser Zeit noch Wasser kaufen. Als wir wiederkommen ist der Chef da, aber sehr ungehalten. Er war auf dem Wochenmarkt, da wollen wir auch hin, und musste extra wegen den Dänen mit dem roten VW-Bus und uns zurückfahren. Wir werden barsch zurechtgewiesen, dass wir gestern Abend hätten zahlen müssen. Er betont die großen Umstände, die ihm jetzt entstehen. Er hätte uns das gestern erklären können.
Nun fahren auch wir zum Wochenmarkt. An der Ausfahrt vom Platz bieten wir einem holländischen Paar an, sie mitzunehmen. Das ist gut für uns, denn sie kennen den Weg zum Markt. Sie erzählen, dass sie vorher in Australien waren, bei ihrem Sohn, der dort lebt.

Der Markt ist sehr groß und vielfältig. Ein alter Händler spricht mich auf meinen marokkanischen Schmuck an. Er stellt selbst Schmuck her und möchte das Motiv abzeichnen oder abfotografieren. Die Taktiken der Händler, um Kunden an ihren Stand zu schleppen, sind doch sehr vielfältig. Wir kommen mit zu seinem Verkauf. Dort sitzt schon sein Sohn unter einer Zeltplane und hat das Smartphone für das Foto. Es gibt den obligatorischen Tee und die Schmuckvorführung. Wir bleiben hart. Wir sind schon vier Wochen in Marokko unterwegs und haben schon einiges eingekauft. Wobei man sagen muss, der Schmuck ist wirklich schöne Handarbeit und sehr vielfältig in seinen Motiven. Wenn wir nichts kaufen möchten, vielleicht haben wir etwas zum Tauschen? Wir haben noch zwei Nokia-Handys, brauchen aber nichts von diesem Verkaufsstand, radebrechen wir in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und ein paar französischen Brocken. Bei den Bauernständen haben wir immer mal roh gebrannte Wasserkrüge gesehen. Einen solchen als Gartendekoration wäre gut. Vitré ou naturel? Einen Rohen „naturel“ gebrannten hätten wir gern. Er kommt mit einen kleinen ungefähr 35 cm hohen. Nein einen Großen brauchen wir mit Deckel. Dann bringt er einen passenden. Er bekommt die zwei Telefone und will jetzt noch eine „Vermittlungsgebühr“ von 100 Dirham. Nein, das machen wir nicht. „Bist du Araber?“ fragt er Frank. Seine freundliche Schlitzohrigkeit bringt uns dann doch zum Lachen. So macht der Schmuckverkäufer das Dreiecksgeschäft mit uns, wir geben ihm noch 30 Dirham, die wir einzeln haben und er ist hochzufrieden. Den eigentlichen Krügeverkäufer haben wir nie gesehen.

Ansonsten gibt es hier auf dem Markt wieder alles, was man sich so denken kann: Obst, Gemüse, Eier, Haushaltwaren aus Plaste oder Metall, Stoffe, Schuhe Technikschrott, Autoersatzteile, Second-Hand-Ware, Schmuck, Tücher, Kleidung, lebende und geschlachtete Tier allerlei Art.

Bis zum Ksar Tissergat ist es nicht weit. Dieses fast vollständig erhaltene befestigte Lehmdorf ist noch bewohnt, und zu besichtigen. Wir gehen durch die schmalen, dunklen überbauten Gassen. Ein Haus ist als Museum eingerichtet. Der Museumseintritt beinhaltet für uns eine Einzelführung durchs Museum und ein Dorfrundgang mit Erklärung. Jetzt fällt uns wieder auf die Füße, dass wir kein Französisch beherrschen. Im Museum bekommt man über drei Etagen einen Einblick in die Baukunst und die Lebensweise der Bewohner des Draa-Tales. Fast alle Häuser des Dorfes sind noch bewohnt, es gibt eine Moschee und sogar ein Hotel.

Alles zu erreichen über die dunkeln tunnelartigen Gänge und Gassen. Auf dem Platz am Dorfausgang treffen wir auf ein österreichisches Womo-Paar und zwei schwer bettelnde Kinder. Weil sie von uns nicht kriegen schmeißt der vielleicht fünfjährige Junge einen Stein hinten an unser Auto, als wir gerade losfahren. Frank hält an und steigt aus, aber der Knirps ist natürlich wieselflink verschwunden. Von solchen Vorfällen haben wir bisher nur gehört, aber bisher noch nichts dergleichen selbst erfahren.

Im Draa-Tal ziehen sich sich nun die Palmgärten als grünes Band entlang des Flusses. Die Straße ist funkelnagelneu, sogar mit extra Rad- und Fuhrwerksspur zu beiden Seiten. Es sind einige Ortschaften zu passieren und der Verkehr nimmt zu. Die letzten Tage waren wir in kargeren und ruhigeren Gegenden unterwegs
Am späten Nachmittag treffen wir auf dem Platz in Agdz ein, den wir schon 2014 für 3 Tage besucht hatten. Die Dänen mit der roten Schaufel auf dem Dach sind auch schon da. Die deutsch sprechende Französin von der Besitzerfamilie des Platzes und der Kasbah ist leider wieder nach Frankreich gegangen heißt es. Wir werden nett begrüßt, und sonst sieht es alles noch so aus wie damals. Mit kleineren Erdarbeiten versucht man gerade das Gelände etwas besser zu gestalten, deshalb ist es schwierig einen guten Schattenplatz zu finden.

So richtig ideal finden wir unseren Stellplatz noch nicht, aber der Sternenhimmel stimmt uns wieder sehr zufrieden.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.