Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Durch den Mittleren Atlas

Also fahren wir weiter in die Berge des Mittleren Atlas. Durch Khénifra und Mrirt kommen wir und die Landschaft ändert sich noch einmal. Rote Erde und rote Häuser mit spitzen Dächern prägen das Bild. Häuser mit spitzen Dächern sehen wir hier in Marokko das erste Mal. Die weiten Grasländer der Hochebenen mit ihren Schafherden vermitteln uns das Bild von mongolischen Steppenlandschaften.
Um Azrou liegt ein riesiges Obstanbaugebiet. Die meisten Plantagen Kirschen und Äpfel liegen geschützt unter Netzen, wahrscheinlich um sie vor Vögeln zu schützen. Dann durchqueren wir den quirligen Ort auf kleinen steilen Straßen, bis zu einem Campingplatz inmitten einer blühenden Kirschplantage.

Der Platzeigentümer ist ein entspannter Typ, der einige Jahre in Deutschland gelebt hat und daher gut Deutsch spricht Ringsum befinden sich auch viele Storchennester.
Hier sehen wir auch die Geländewagen mit den Dachzelten von der geführten 4x4-Tour wieder, die wir in Foum-Zguid getroffen hatten.
Es gibt auf der Plantage sehr viele verwilderte Katzen, die erbarmungslos geduldig bei jedem Gast um Futter betteln und nur Zehntelsekunden unbeaufsichtigt gelassene Lebensmittel sofort vom Tisch holen. Im gegenüber stehenden Geländewagen klappert es. Die Heckklappe steht offen aber von der Besatzung ist keiner zu sehen. Mehrere Katzen sind in die im Heck eingebaute Campingküche gestiegen und haben begonnen das benutzte Geschirr und Besteck sauber abzulecken.


Dienstag, 17. April: أزرو (Azrou) ► إفران (Ifrane) ► مصطفى الحمدوشي (Zerhoun), 94 km

Vom Kirschblütenplatz fahren wir nach Ifrane. Von der gut ausgebauten Straße gibt es phantastische Ausblicke auf das Gebirgsvorland. In Ifrane sind die Häuser alle im europäischen Stil erbaut, mit spitzen Ziegeldächern, wie man es sonst in keiner anderen Region Marokkos findet. Die Stadt liegt auf über 1600 m Höhe. Im Winter scheint es hier viel Schnee zu geben, denn an den Straßen stehen Peilstangen für den Schneepflug, wie wir es aus Deutschland kennen. Durch Steineichen-, Zedernwälder und über Hochalmen geht es nun stetig nach unten. Innerhalb von relativ kurzer Wegstrecke hat sich die Landschaft komplett gewandelt. Obstplantagen und Weinfelder prägen nun das Bild.

Vor den Toren der Stadt Meknes herrscht verkehrstechnisch absolutes Chaos. An einem großen Kreisverkehr ist der Hauptabgang wegen Asphaltierarbeiten gesperrt. Ein einsamer Polizist versucht vollkommen verzweifelt alle Fahrzeuge davon abzuhalten, in die Baustelle einzufahren. Nichts ist beschildert. Ein Auto möchte sogar entgegen des mehrspurigen Kreisels fahren. Langsam versucht der Verkehrsstrom über Nebenstraßen die Baustelle zu umgehen.
Wir fahren durch ein Viertel mit vielen Handwerksbetrieben. Vor einem Gaswerk müssen wir halten. Ein LKW voller Gasflaschen rangiert rückwärts in den Verkehrsstrom. Der Einweiser läuft gebückt unter dem fahrenden Sattelzug durch. Oje, da schlägt man doch die Hände vors Gesicht, noch mal gut gegangen.
Der Verkehr wird weniger und wir sind wieder an der Hauptstraße mit dem frischen Asphalt. Es wird noch daran gewerkelt aber nichts ist abgesperrt. Wir beobachten, wie es andere machen. Aha, aus der gegenüberliegenden Seitenstraße fährt jemand auf den frischen Asphaltbelag. Da fahren wir hinterher. Jetzt heißt es nur auf der breiten Straße zwischen den unasphaltierten und den neuen Stellen die Baumaschinen zu umkurven, um den richtigen Weg zu finden. Die ganze Stadtdurchfahrt ist eine Baustelle. Die Altstadt von Meknes haben wir früher schon einmal besichtigt, deshalb kaufen wir in einem kleinen Laden am Straßenrand ein und flüchten aus dem Verkehrschaos.
Am späten Vormittag sind wir schon am „Bellevue Zerhoun“ Wir werden gleich wiedererkannt, denn wir waren schon auf dem Hinweg hier. Dieses Mal ist unser Stammplatz belegt.

Wir finden einen schönen anderen mit Blick ins Tal, richtung Meknes, neben einem alleinreisenden Sachsen mit Mercedes Allradkabine. Er wartet hier auf Freunde, mit denen er im losen Verband unterwegs ist. Wir reden eine ganze Weile miteinander. Die Freunde werden wir dann auch noch kennenlernen.
Es kommt ein gut gelaunter Häkelmützenverkäufer. Wir albern ein wenig herum, brauchen aber keine Häkelmützen und schenken ihm zwei T-Shirts und einen Kuli aus unserem Tauschwarenvorrat. Später schenkt er mir ein besticktes Taschentuch. Als wir von einem Spaziergang zurückkommen, fährt ein Trupp Italiener ein und noch weitere Fahrzeuge. Der Platz ist heute gut besucht.
Ich mache gerade Abendbrot, Frank redet auf der Rückseite unseres Autos mit dem Nachbarn. Ich habe den Tisch draußen vor der Tür schon gedeckt und gehe kurz ins Auto, da kommt ein Hund und klaut unser Brot. Ich bin entsetzt. Nur gut, dass unser Frostfach noch eine Reserve beherbergt.

Dann geht die Sonne langsam unter, der Himmel färbt sich orange und der Mond ist wieder sichelförmig, wie am Anfang unserer Reise, auf der Farm mit den Kartoffelfeldern und den Orangenbäumen, der wohlschmeckenden Pastilia und dem Schleusenwärter als Nachbarn. Vieles haben wir schon gesehen, getroffen und erlebt.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.