Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Abschied


Freitag, 20. April: شفشاون (Chefchaouen) ► تطوان (Tetouan) ► طنجة-المتوسط (Tanger Med), 163 km

Wir möchten heute noch ans Mittelmeer fahren, bevor wir morgen auf die Fähre gehen. Dichte Wolken hängen im Rif-Gebirge. Ein weißer fluffiger Vorhang quillt über den Bergkamm und gleitet sehr schnell die hänge hinunter. Ein wunderschönes Fotomotiv für uns. Die Almweiden mit den Kühen muten sehr europäisch an.
An den Straßenrändern die letzte Möglichkeit für uns, um Töpferwaren und Dachziegel zu kaufen. In dieser Gegend gibt es viele Keramikfabrikation aller Art.
Auch sehen wir die wohlschmeckenden Früchte, deren Namen uns entfallen ist an den Bäumen.
Dann liegt uns Tetouan zu Füßen, leider in total regnerischen schlechten Wetter.
So fahren wir an die Mittelmeerküste, Martil, Cabo Negro, Midiq, Smir. Es sieht alles sehr gepflegt aus, schöne Strände, Apartments, Luxusvillen, Feriensiedlungen, Hotels, viele Restaurants, aber alles wie ausgestorben. Es ist noch vor der Saison und kein Strandwetter, leider. Wir fahren weiter.
Kurz vor Ceuta biegen wir nach links ab und kommen auf eine breit ausgebaute Straße die steil in die Berge führt. Auf einmal wird es total neblig, wir sind in den tiefhängenden Wolken mit starkem Wind und Regen, wie aus dem Hochdruckreiniger.

Die Sicht sinkt gegen Null. Da steht plötzlich ein blinkendes Warndreieck vor uns und sofort dahinter ein Betonmischer-LKW mit brennenden Reifen, die gerade gelöscht werden. Trotzdem wir sehr langsam fahren hat uns das Hindernis doch sehr überrascht. Auf der Passhöhe halten wir kurz, um etwas zu Mittag zu essen. Von hier oben hätte man eigentlich das Meer sehen müssen. Stattdessen peitscht uns der Sturm den Regen in Schwaden gegen die Scheiben und lässt das ganze Auto schwanken. Schnell starten wir wieder. Bald ist der riesige moderne Hafen Tanger Med von oben zu sehen. Wir fahren am Hfen entlang bis durch Ksar es Seghir. Hier ist das Wetter besser. Von der stark befahrenen Straße geht es in einer unübersichtlichen Kurve auf eine schöne ebene Fläche auf der Steilküste. Ein alter Mann mit Zipfelmützenmantel weist uns ein. Er möchte Geld tauschen, weil er annimmt, wir kommen gerade aus Europa hier an. Nein wir sind auf dem Rückweg. Wir schenken ihm zwei T-Shirts. Er freut sich darüber, nun stehen wir unter seinem Schutz.

Lange stehen wir hier oben auf der Klippe und schauen aufs Meer und trinken Tee. In der Steilküste sind Reste alter Bunkeranlagen zu erkennen. Auf der anderen Seite, hoch oben ist eingezäuntes militärisches Sperrgebiet. Vor uns arbeiten zwei Männer, die geduldig vom Steilhang und dem Spülsaum unten am schmalen Strand große runde Meereskiesel auf schmalen steilen Pfaden nach oben schleppen und zu einem Haufen aufschichten. Dann fährt ein alter Mercedes-PKW neben uns und die Steine werden alle in den Kofferraum und in den Fahrgastraum gepackt. Das Auto schleift fast mit dem Boden auf dem Untergrund, als es wieder auf die Straße fährt.
Am Abend tanken wir ein letztes Mal in Marokko, so werden auch noch die restlichen Dirham verwertet. Wir stellen uns danach aufs Hafengelände um zu übernachten.
Nachts werden wir mehrmals wach, weil der Sturm am Auto rüttelt.


Samstag, 21. April: طنجة-المتوسط (Tanger Med, Marokko) ► Algeciras ► Cala de Mijas (Spanien), 109 km

Das Frühstück muss drinnen stattfinden, draußen regnet und windet es. Das Einchecken ist schnell erledigt, beim Röntgen des Fahrzeugs müssen wir etwas warten, das Röntgengerät ist noch nicht besetzt. Dann kommt jemand, alle steigen aus ihren Autos und sechs Fahrzeuge werden in einem Zug nach blinden Passagieren abgescannt.
Die Zufahrt zu den Fähranlegern ist schlecht beschriftet. Wie immer auf diesem Hafengelände verfahren wir uns. Als wir am vermeintlich richtigen Anleger stehen, fragen wir sicherheitshalber das Personal und zeigen unsere Tickets. Stimmt, wir sind richtig.

Das Fährschiff legt an, wir schauen beim Entladen und Beladen zu. Jetzt sind wir dran und werden gleich hinter einer spanischen Motorradgruppe eingewiesen. Einer der Motorradfahrer hat Angst, dass unser Auto gegen sein Motorrad rollen könnte. Er lässt sich von Frank zeigen, ob wir auch wirklich die Handbremse angezogen und einen Gang eingelegt haben.
Im Passagiersaal suchen wir uns einen schönen Platz neben den Spaniern auf einer Sofaecke. Die Männertruppe macht ganz schönen Töbes.
Es ist kalt, deshalb wechseln wir den Platz, ob wir einen wärmeren finden. Nun sitzen wir neben einer marokkanischen Großfamilie mit zwei süßen kleinen Jungs mit großen dunklen Augen. Die Zwei sind ständig und andauernd in Bewegung. Wärmer ist es hier auch nicht, also wieder zurück.
Jetzt fängt das Schiff stark an zu schaukeln. Uns wird beiden komisch. Frank stellt sich lieber mittig hinten an den Ausgang zum Freideck, aber ich bleibe in meinem Sitz und bewege mich gar nicht mehr. Es schwankt, ich wünsche mir einfach nur noch Ankunft an Land. Die Überfahrt dauert statt regulär einer Stunde, wegen des Nebels und starkem Seegang fast 2 Stunden.
Als ich dann mal wieder aufschaue, sehe ich den Felsen von Gibraltar in dicke Regenwolken gehüllt. Das Wetter ist hier auch nicht viel besser. Der Plan wäre gewesen, um die Bucht von Algeciras herumzufahren nach La Linea um Gibraltar und den Felsen zu besuchen. Das verwerfen wir schon bei der Einfahrt der Fähre in den Hafen.
Das Schiff legt an und wir schleichen uns mit dieselnden LKWs zur Abfertigung. Das geht alles schnell und problemlos, auch der Zoll, vollkommen ohne Kontrolle des Fahrzeugs.
Am Lidl vor Algeciras füllen wir die Vorräte auf und essen Mittag.
Auf der belebten Küstenstraße kommen wir zu unseren bekannten Übernachtungsplatz in Cala de Mijas. Wir stehen neben einem netten Briten. Es sind nicht viele Deutsche hier und so werden wir gleich von einem mitteilungsbedürftigen Sachsen aufgespürt. Er hat viel zu erzählen. Wir hören, von der Überfahrt noch etwas mitgenommen, einfach nur zu.
Später gehen wir zum Strand. Als wir auf dem Weg nach Marokko hier im Ort waren, sah noch alles sehr ausgestorben aus. Jetzt sind viele blasse Briten gekommen und bringen Leben in den Ort. Die Restaurants stehen offen und sind gut besucht. Am Strand stehen die Brandungsangler im aufgewühlten Meer. Die Sonne zeigt sich heute erst am Abend, aber kalt ist es hier nicht.
Wir entscheiden uns, nach dem Studium von zahlreichen Speisekarten, in einem italienischen Restaurant zu essen. Wir ergattern gerade noch so einen Tisch außen auf dem Gehweg unter einem Heizstrahler. Hier wird komplett englisch gesprochen.
Frank bestellt Lammkeule, ich Hühnchen. Das Essen lässt lange auf sich warten, man hat gut zu tun. Mein Essen hat man verwechselt, ich habe Rindfleisch. Alles ist schön angerichtet und sehr köstlich, deshalb verzichte ich auf den Umtausch. Auch der Wein war gut. Am Ende berechnet man mir nur das preiswertere Hühnchen.
So viel gutes Essen muss abgelaufen werden, also geht es noch einmal zum Strand.
Die Angler haben Stirnlampen eingeschaltet und drüben auf dem Felsen steht ein Leuchtturm.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.