Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Vouloubolis


Mittwoch, 14. März: مصطفى الحمدوشي (Zerhoun) ► وليلي (Volubilis) ► فاس (Fès) 106 km

Gegen halb acht hupt vor unserem Auto der Bäcker. Gerade hatten wir unser Fladenbrot vom Vortag geviertelt. Das wird nun wieder weggelegt, es gibt schönes warmes frisches zu Frühstück. Der Bäcker hat den ganzen Laderaum seines kleinen Transporters voll mit Fladenbroten und Baguettes geladen. Kisten oder andere Gefäße braucht er hierfür nicht. Dem Wagen entströmt eine enorme Hitze.
Jetzt kommen die beiden Briten an unsere Tür und verabschieden sich herzlich von uns. Es war schön, sie kennengelernt zu haben. Nach dem Frühstück und dem Womo flott machen halten wir an der Rezeption um zu bezahlen. Dort steht schon die amerikanische Radlerin. Bevor wir bezahlen können, müssen wir erst „Berber-Whisky“ trinken. Der Chef geht an jedes Wohnmobil und schenkt den Tee aus. Das dauert eine ganze Weile, die wir zum Plaudern mit der Radfahrerin nutzen. Der nette Platzinhaber kommt von seiner Teezeremonie zurück und das geschäftliche wird geregelt. Selbst dabei geht es spaßig zu. Was ich nicht vergessen darf zu erwähnen: Vorsicht, der Platz hat einen Schuhe raubenden Hund!
Wir machen uns auf zum nahe gelegenen Volubilis, einer sehr großen römischen archäologischen Stätte. Das Navi schlägt uns eine Abkürzung vor. Die am Anfang annehmbare kleine Straße wird mit verschiedenen kurzen Übergangsstufen zum bösen Feldweg. Die blaue Zitrone wird schon in den ersten Tagen dieser Tour arg geschunden.

Am Eingang des Geländes wird uns eine individuelle Führung in Deutsch angeboten. Nach kurzer Überlegung investieren wir die umgerechnet 20 Euro. Ungefähr zwei Stunden sind wir unterwegs, werden an die schönsten Punkte geführt und erfahren vieles.

Es gibt hier sehr viele gut erhaltene farbenfrohe Bodenmosaike. Die malerische Ruinenlandschaft ist eingebettet in die wunderbare Pflanzenwelt des Frühlings und in eine unendliche Weite mit gutem Blick übers Land.

An den Mauerwerksresten des Capitols brütet ein Storchenpaar auf den Säulen. Es war eine interessante Führung. Zum Abschluss gehen wir durch das kleine Museum, in dem besondere Fundstücke und Artefakte aufbewahrt werden.
Weiter fahren wir auf der Nationalstraße N4, die sich durch Felder mit Gemüse und Futterpflanzen windet. Im Hintergrund sind hohe Berge zu sehen und wir kommen oberhalb eines Stausees vorbei.

An einem guten Aussichtspunkt mit Blick auf den Stausee halten wir und machen einige Fotos. Händler mit Korbwaren und Mineralien haben ihre Stände an dieser Stelle positioniert.
Neugierig macht uns ein weißer Hyundai-Bus mit sehr eigenartigen Schriftzeichen auf Heck und Nummernschild. Die Schiebetür ist offen und Frank spricht die Leute an. Die vierköpfige junge Familie ist für ein Jahr mit ihrem selbstausgebauten ehemaligen Schulbus auf großer Reise.

Sie kommen aus Südkorea, unglaublich.
Da sie durch Nordkorea von jeglicher Landverbindung zum Kontinent abgeschnitten sind, haben sie ihr Fahrzeug verschifft und sind dann damit vom fernen Osten, von Wladiwostok aus durch ganz Sibirien nach Moskau gefahren, von da nach Petersburg, nach Helsinki und ans Nordkap. Von da aus sind sie durch Norwegen, Schweden und Dänemark nach Berlin und München gefahren. In den großen Städten aller Länder haben sie immer ungefähr eine Woche zugebracht, um sich möglichst viel anzusehen. Übernachtet haben sie dazu auf Ikea-Parkplätzen, denn dort gäbe es freies W-Lan und auch gutes Essen. Das wußten sie von den Filialen in ihrem Land. Hierher, nach Marokko sind sie dann über die Schweiz, Frankreich und Spanien gekommen. Das sind die Wohnmobilreisenden mit der abenteuerlichsten Reisegeschichte, die wir jemals persönlich getroffen haben.
Als wir am Stadtrand von Fès angekommen sind, fährt im dichten Verkehr ein Mopedfahrer neben uns und bietet uns während der Fahrt Campingplatz und Vermittlung einer deutschsprachigen Stadtführung an. Wir versuchen ihn abzuwimmeln, aber er ist standhafter als wir vermuten. So lassen wir uns seine Handynummer geben und äußern vage den Bedarf an einer Stadtführung für morgen.

Dann kommen wir auf den Platz „Diamant Vert“ den wir und ausgewählt haben. Wir finden eine schöne Stelle zwischen zwei Orangenbäumen von denen wir auch gleich mal eine Frucht kosten, die leider recht sauer ist.
Da wir noch keine marokkanische SIM-Karte in unserem Handy haben, laufen wir zur Rezeption um nach einem Guide für morgen zu telefonieren. Schon nahe unseres Autos läuft uns ein Mann über den Weg, der sich in fast perfektem Deutsch als offizieller Gästebetreuer des Platzes vorstellt. Er versucht gerade Teilnehmer für eine Stadtbesichtigung für morgen zu werben. Wie so oft: Marokko kommt zu dir! Er möchte mit mindestens vier Teilnehmern los. Wir sagen schon mal zu. Außerdem fragt er, ob wir zum Frühstück frisches Fladenbrot ans Auto gebracht haben möchten. Ja, auch das.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.