Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Atlantikküste


Freitag, 16.März: فاس (Fès) ► المحمدية (Mohammedia) 270 km

Wieder um sieben Uhr klopft der Junge mit dem Brot für uns. Kurz zeigt sich die Sonne, dann wird es wieder schwarz am Himmel. Der Platz ist total verschlammt, große Pfützen stehen überall und die großen Mobile haben tiefe Spuren in den Boden gedrückt. Nach dem Frühstück lässt der Regen nach und wir nutzen dies, um zu entsorgen und Wasser aufzufüllen. Dann bezahle ich an der Rezeption. Kurze Zeit später sind wir schon auf der Autobahn in Richtung Casablanca.

Unterwegs wechseln sonnige Abschnitte und heftigste Regengüsse sich ab. Einmal müssen wir sogar kurz anhalten deswegen. Aber dann haben wir die Regenzone überwunden. An einer modernen neuen Autobahnraststätte halten wir. Alles ist absolut gestylt, sogar einen Kakteenpark mit Springbrunnen und verschiedenfarbig bekiesten Wegen gibt es. Uns ist aufgefallen, dass das Neue oft nicht instandgehalten wird, sogar nach kurzer Zeit verfällt.
Gegen Mittag reicht es uns schon mit der Fahrerei, wir sind in Mohammedia. Hinter einem kleinen Lokal wird Camping angeboten. Die Gebäude sehen schon etwas verfallen aus, sind aber schön blau angestrichen. Im Lokal und auf dem Platz hat die „Big Mama“ das Sagen. Der Herr des Hauses ist sehr zurückhaltend und überlässt alles seiner Frau. Großbrüstig und mit unter dem kleinen Kopftuch hochgesteckten Haaren führt sie lautstark Regiment, nimmt unsere Personalien auf und zeigt uns alles.
Dann machen wir unsere Runde in Richtung Strand. Wir befinden uns am Stadtrand. Rings um die kleinen alten Häuser herum, die ehemals verstreut standen, sind riesige Neubauten entstanden, die größtenteils noch nicht fertiggestellt wurden, jedoch schon wieder verfallen. In großen Betonrohbauten, die wegen der Meeresnähe völlig vergammelt aussehen hausen vereinzelt Menschen. Hier und da ist eine Fensteröffnung mit Folie oder eine Türöffnung mit Spanplatte verschlossen und es hängt Wäsche zum Trocknen an der Fassade. Zwischen den Häusern gibt es keine Straßen und Wege. Alles ist mit hohem Unkraut und Gestrüpp bewachsen, nur kleine Trampelpfade führen zu manchen Bauten. Es ist schwierig ans Meer zu gelangen.

Wir entdecken einen kleinen alten Friedhof. Das Unkraut ist höher als die Grabsteine, in ein, zwei Jahren wird hier alles überwachsen sein. Auch das ist eine Sackgasse. Der Friedhof liegt zwar fast direkt am Meeresufer, ist aber mit einer Mauer umgeben. Wir können nur zu dem Tor hinaus, durch das wir gekommen sind. Irgendwie haben wir doch einen Pfad durch das unwegsame Gelände gefunden, müssen nur noch ein fünfbeiniges Pferd umgehen und stehen am Atlantik.

Das Meer ist in Bewegung. Die riesigen Brecher toben mit Macht und schäumen schneeweiße Schlagsahne auf. Die Hotels und Appartements direkt am Ufer sehen neu und ordentlich aus, wirken aber sehr verschlafen. Außer dem Parkplatzwächter, der freundlich grüßt, sind keine Menschen zu erkennen. Außerhalb der Hotelgrundstücke liegen Rohre, Restbaumaterialien, Müll und Schutt. Auf der anderen Seite wird schon wieder weitergebaut ohne Ende, werden weitere Investruinen produziert. Wieder am Platz kochen wir Tee und lassen die Seele in der Sonne baumeln. Gegen Abend trifft Frank einen Nordiren, der ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Er ist sehr lustig und hat viel zu erzählen. Eigentlich wollten wir noch ins Restaurant der „Big Mama“. Aber ein Blick hinein lässt uns umkehren. Außer Shisha rauchenden Männern sitzt hier niemand.


Samstag, 17. März: المحمدية (Mohammedia) ► أسفي (Safi), 284 km

Nach unserem Aufbruch halten wir sofort wieder und kaufen in dem kleinen Laden neben dem Platzeingang ein. Das Ziel der heutigen Tour ist die Töpferstadt Safi. Wir kommen nun durch das wohl am dichtesten besiedelte Gebiet Marokkos: Mohammedia, Casablanca, El-Jadida. Überall drehen sich die Baukräne, luxuriös aussehende Hochhäuser entstehen überall. An den Stadträndern dann weitläufige Slums aus elenden kleinen Hütten aus Brettern, Folie und Wellblech. Größer können Gegensätze eigentlich nicht sein. Der Vergleich zu unserer Reise 2014 zeigt aber: Es geht aufwärts in Marokko. Die Infrastruktur entwickelt sich rasant, es wird überall gebaut.
Weiter unterwegs sehen wir wieder abenteuerliche Fuhren, kleine PKWs mit mindestens 8 Personen drin oder Kleinbusse, die ihre Passagiere auch auf dem Dach transportieren.
Nach El-Jadida wird die Gegend wieder unbewohnter. Immer wieder Ziegen, viele Schafe, Esel, Kühe. Dann viele Kilometer steinige Landschaft mit wenig Bewuchs. Wir halten an einem sehr neuen Autobahnrastplatz, der einem botanischen Garten gleicht. Ob der wohl in vier Jahren auch noch so schön aussieht? Heute am Samstag herrscht hier reges Treiben. Aus den Autos klingt laut arabische Popmusik und lustiges Schwatzen.
Um 13.⁰⁰Uhr kommen wir in Safi an. Ungefähr anderthalb Kilometer oberhalb der Altstadt kommen wir auf einen Campingplatz, essen etwas, ruhen kurz ab und fahren dann zur Medina. Safi hat eine vergleichsweise kleine, übersichtliche aber nicht minder sehenswerte ummauerte Altstadt.

Wir parken die blaue Zitrone an der Straße am Meer, direkt am Eingang zur Hauptgasse. In einem Telefonshop mit altertümlichen Holz-Telefonzellen lädt uns ein freundlicher Mann die Handy-SIM-Karte auf. Auf einem kleinen Platz gibt es unzählige Händler für die hier hergestellten Töpferwaren.

Am oberen Stadttor angelangt sehen wir den Hügel mit den Töpfereien unmittelbar über der Altstadt. Ein älterer fein gekleideter Herr bietet uns eine Führung an. Mit ihm steigen wir die Treppengässchen zwischen den Töpfereien und Läden nach oben. Früher brannten alle Töpfereien mit Reißig und Holz. Eine ständige große Qualmwolke lag über der Stadt, wird uns berichtet.

Heute sind die meisten Brennöfen aufgegeben. Nur zwei werden noch ab und an betrieben. Die Werkstätten haben jetzt kleine Brennkammern mit Gasbetrieb. Die großen alten teilweise in den Hügel getriebenen Brennöfen verfallen, oder werden als Verkaufslager genutzt. Ich kann nicht widerstehen, eine „afrikafarbene“ Schale muss es sein Die Töpfereien hier in Safi haben einen ganz eigenen unverwechselbaren Stil mit ihren Farben und speziellen Ritztechniken. Ganz anders als das, was wir in den Keramikwerkstätten von Fès gesehen haben.
Als wir durch die Hauptgasse zurück laufen fällt uns ein Wegweiser auf, der zur „Cathedrale“ weist. Wir biegen ab, und in einer Nebengasse, ganz von anderen Gebäuden überwuchert, finden sich die Reste einer spätgotischen christlichen Kathedrale. Wir gehen in einen unscheinbaren Hauseingang Treppen abwärts. Ein hoher Raum mit schönen Sterngewölben hat sich über die Zeiten erhalten.

Obwohl die Straße am Meer mit einer Mauer geschützt ist hat unsere blaue Zitrone auf einer Seite eine weiße Salzkruste bekommen von der am Autoblech verdunsteten feinen Gischt, die der tobende Atlantik gerade entwickelt.
Inzwischen sitzen wir wieder bei frischen Orangen auf unseren Stühlen in der Sonne. Wir telefonieren das erste Mal nach Hause. Dort sind minus fünf Grad und Eva berichtet von Schnee und Ausnahmezustand bei der Bahn. Genau das wollen wir eine Weile hinter uns lassen bis der Frühling nach Deutschland kommt. Mit diesen Gedanken abends entspannt einzuschlafen, ist etwas Wunderbares.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.